Im Zeitalter der Extreme ist sie zu einem Lieblingskind der Deutschen geworden – die Intensivierung. Denn durch sie ist es möglich eine Aussage zu modifizieren, d.h. etwas zu verstärken oder abzuschwächen. Hierbei sind der Intensität nur wenig Grenzen gesetzt. Intensivierung ist heutzutage allgemein gebräuchlich, besonders in der Umgangs- oder Alltagssprache findet sie Verwendung. Aber auch in der Fachsprache hat die Intensivierung ihren Platz gefunden, allerdings nicht in einem solch hohen Maß wie im alltäglichen und dialogischen Gebrauch der Sprache.
Diese Arbeit befaßt sich speziell mit der Problematik der Kollokationen von ganz und höchst mit einem Adjektiv. Diese Partikeln sind insofern besonders interessant, da sie Problemfälle der Intensivierung sind. Zum einen weil sie sowohl eine verstärkende, als auch eine abschwächende Funktion haben (ganz), zum anderen weil sie nicht mit jedem Adjektiv verträglich sind (höchst). Außerdem zählen sie zu den wenigen Partikeln, denen eigene Untersuchungen gewidmet worden sind. Problematisch ist jedoch, daß die Partikelforschung noch nicht sehr weit fortgeschritten ist.
„Die Partikeln weisen gegenüber (...) anderen Funktionswörtern Besonderheiten auf, die deshalb kaum erkannt worden sind, weil sie sehr lange von der Sprachwissenschaft vernachlässigt worden sind und erst in den letzten beiden Jahrzehnten stärker in das Blickfeld der Forschung getreten sind.“
Vermutlich findet sich aus diesem Grund nur wenig Literatur zu den speziellen Themen dieser Hausarbeit, deshalb stützen sich die folgenden Thesen hauptsächlich auf die Arbeiten von Pusch (1981), Rainer (1984) und van Os (1989). Ferner wird ein Einblick gegeben, inwieweit diese Partikel Auswirkung auf Intensivierungsskalen haben. Diese Aussagen beruhen weitestgehend auf den im Seminar erarbeiteten Zusammenhängen, da die Fachliteratur darüber nur wenig Angaben macht.
Zunächst wird jedoch ein grober Einblick in die „Welt der Partikelforschung“ gegeben, um eine Grundlage für die etwas spezielleren Untersuchungen an ganz und höchst zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis
1.Allgemeine Vorbemerkungen
1.1 Was ist Intensivierung?
1.2 Was sind ganz und höchst - Problematik der Klassifizierung
1.3 Merkmale und Funktionen der Partikeln
1.4 Steigerungspartikeln
2. Untersuchungen von „ganz“
2.1 Vorbemerkungen und Erläuterung des Themas
2.2 Ganz als Intensivierer (Verstärker)
2.2.1 Betonung von ganz
2.2.2 Ganz bei „nichtgraduierbaren“ Ausdrücken
2.2.2.1 Ganz bei superlativischen Adjektiven mit Grenzwert
2.2.2.2 Ganz bei superlativischen Adjektiven ohne Grenzwert
2.2.3 Ganz bei nicht oder negativ wertenden Adjektiven
2.3 Ganz als Deintensivierer (Abschwächer)
2.3.1 Das abwertende ganz
2.3.2 Das metaphorisierende ganz
2.4 Intensivierungsskalen von ganz
2.4.1 Absolute Intensivierung mit Skalenendpunkt
2.4.2 Absolute Intensivierung ohne Skalenendpunkt
2.4.3 Gemäßigte Intensivierung
2.5 Die ganz-Diskussion – Ergebnisse und Schlußbetrachtung
3. Untersuchung von „höchst“
3.1 Vorbemerkungen und Themenerläuterung zu höchst
3.2 Untersuchungen zu höchst
3.2.1 Die Untersuchungsmethode
3.2.2 Das Kriterium der Einsilbigkeit
3.2.3 Der Fremdwortcharakter des Adjektivs
3.2.4 Die Frequenz des Adjektivs
3.2.5 Höchst-Kollokate mit Dimensionsadjektiven
3.2.6 Kritische Betrachtung dieser Kriterien
3.2.7 Konkreter und figurativer Gebrauch von Adjektiven
3.2.8 Skalenbezug von höchst
3.3 Höchst- Ergebnisse und Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die syntaktische und semantische Problematik bei der Verwendung der Partikeln „ganz“ und „höchst“ in Kollokation mit Adjektiven. Das primäre Ziel ist es, die unterschiedlichen verstärkenden und abschwächenden Funktionen dieser Ausdrücke zu beleuchten und ihre Auswirkungen auf Intensivierungsskalen theoretisch sowie durch Fallbeispiele zu fundieren.
- Klassifizierungsproblematik von „ganz“ und „höchst“
- Verstärkende versus abschwächende Funktionen von „ganz“
- Untersuchung der Kollokationsrestriktionen von „höchst“
- Modellierung von Intensivierungsskalen für beide Partikeln
- Analyse des Einflusses von konkret vs. figurativ verwendeten Adjektiven
Auszug aus dem Buch
1.2 Was sind „ganz“ und „höchst“ - Problematik der Klassifizierung:
Die Schwierigkeiten ganz und höchst einzuordnen liegen nicht nur in der Klassifizierung selbst, sondern auch in der Verwendung verschiedener Termini. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, werden diese beiden unter anderem auch der Klasse der Partikel zugeordnet, da jedoch der Begriff Partikel schon in unterschiedlichster Weise verwendet wird, entstehen bereits an dieser Stelle die ersten Probleme. Nach der „Fünf-Wortarten-Lehre“, welche in den fünfziger Jahren von Hans Glinz entwickelt wurde, wird der Begriff Partikel für die große Gruppe aller nicht flektierbaren Wortarten gebraucht.
Da diese Anwendung des Terminus „Partikel“ eine sehr allgemeine ist, sollte diese Klasse noch nach syntaktischen Kriterien subklassifiziert werden und ist dann zu unterteilen in Subklassen wie Konjunktion, Präposition, Adverb; weitere Subklassen wie z. B. Modalpartikeln und Interjektionen wären zu bedenken. Weitere Probleme bei der Verwendung des Begriffs „Partikel“ stellt Gerhard Helbig in seinem „Lexikon deutscher Partikeln“ fest: „Der Begriff „Partikel“ wird in der linguistischen Literatur mindestens in vierfacher Bedeutung gebraucht.“ Wichtig scheint es, daß mit dem Terminus Partikel nicht zu allgemein (vgl. Glinz), aber auch nicht zu einschränkend umgegangen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Allgemeine Vorbemerkungen: Einführung in die linguistische Kategorie der Intensivierung und Darstellung der komplexen Klassifizierungsproblematik von „ganz“ und „höchst“.
2. Untersuchungen von „ganz“: Analyse der verstärkenden und deintensivierenden Funktionen von „ganz“ unter Berücksichtigung von Betonung, Adjektivgruppen und Skalierungseffekten.
3. Untersuchung von „höchst“: Untersuchung der spezifischen Kollokationsrestriktionen von „höchst“, insbesondere im Hinblick auf Wortartkriterien und die Differenzierung zwischen konkretem und figurativem Sprachgebrauch.
Schlüsselwörter
Intensivierung, Partikel, Gradadverb, Kollokation, ganz, höchst, Verstärker, Deintensivierer, Adjektiv, Intensivierungsskala, Linguistik, Sprachwissenschaft, Semantik, Syntax, Klassifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sprachwissenschaftlichen Besonderheiten der Partikeln „ganz“ und „höchst“ bei der Modifikation von Adjektiven im Deutschen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die grammatikalische Klassifizierung der Partikeln, ihre verschiedenen Funktionen (Verstärkung vs. Abschwächung) und die Bedingungen für ihre Kombinierbarkeit mit unterschiedlichen Adjektivarten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Klärung der Funktionsweise dieser Partikeln und die Aufarbeitung ihrer Wirkung auf Intensivierungsskalen, da hierzu in der Fachliteratur oft Unklarheit herrscht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsansätze (u.a. Pusch, Rainer, van Os) und ergänzt diese durch die Modellierung und Diskussion von Intensivierungsskalen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung von „ganz“ und „höchst“, wobei jeweils deren spezifische Kollokationsmöglichkeiten und theoretische Einordnungen analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Intensivierung, Partikelforschung, Gradadverb, Kollokationsproblematik und Skalenbezug charakterisiert.
Warum wird „ganz“ als „Problemfall“ der Intensivierung bezeichnet?
Weil „ganz“ sowohl eine verstärkende als auch eine abschwächende Funktion (Deintensivierer) einnehmen kann, was von vielen Faktoren wie dem Adjektivtyp und der Betonung abhängt.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen konkret und figurativ für „höchst“?
Die Untersuchung zeigt, dass „höchst“ deutlich verträglicher mit evaluativen, also figurativen Adjektiven ist, während eine Kombination mit rein physischen, konkreten Adjektiven häufiger abgelehnt wird.
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- M.A. Nicole Hecht (Author), 2002, Aspekte der Intensivierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130891