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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt)
1. Einleitung - Warum ein solches Projekt im Sport?
Rechtsextremistische Entwicklungen treten in allen gesellschaftlichen Bereichen auf, offen sichtbar oder in latenter Form. Auch in Sportvereinen und Sportverbänden sind diese Tendenzen sichtbar. Einzelfälle zeigen, dass die Sportstrukturen Anknüpfungspunkte für Rechtsextremisten bieten. Decker und Brähler verdeutlichen in ihrer aktuellen Studie „Bewegung in der Mitte“, dass deutschlandweit durchschnittlich 40 Prozent der Bevölkerung rechtsextremistischen Items folgen würden. Rückt man das so genannte Neutralitätsgebot der Vereine in den richtigen Kontext und erkennt an, dass Sportvereine schon aufgrund des Organisationsgrades politische Körperschaften sein müssen, erkennt man, dass diese Ausprägungen mit Sicherheit auch in Sportvereinen auftreten. Das wird bei der Erörterung der Zusammensetzung des organisierten Sports umso deutlicher, wo von einer homogenen Gemeinschaft per se nicht ausgegangen werden kann. Zudem eröffnen vor allem große soziale Probleme besondere Chancen für das Wirken rechtsextremer Strukturen.
Die Brandenburgische Sportjugend im Landessportbund Brandenburg e.V. (BSJ) befasst sich nunmehr seit fast zwei Jahren intensiv mit dem Thema Rechtsextremismus im Sport. Seit dem 01.07.2007 ist die BSJ Teil des Beratungsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus im Land Brandenburg. Dadurch ist der organisierte Sport in Brandenburg erstmals in der Lage die bestehenden plakativen Angebote mit Beratungsangeboten und inhaltlichen Komponenten zu bereichern. Ebenfalls neu war die anlassbezogene Arbeit, die gerade in diesem Themenfeld in der Vergangenheit externalisiert wurde. Diese Vorgehensweise erscheint sinnvoll, wenn man sich die Chancen und Möglichkeiten ansieht, die in einer solchen Initiative stecken.
Sport ist nicht nur die schönste Nebensache der Welt, im organisierten Sport der Vereine und Verbände spiegeln sich alle gesellschaftlichen Probleme wider, so auch der Rechtsextremismus. Die Phänomene sind unterschiedlich und reichen vom Tragen der Trikotnummer 88 über rechtsextreme Fan-Ausschreitungen, die Übernahme von Ämtern in Vereinen wie das des Jugendtrainers oder Ordners durch Rechtsextremisten bis hin zur Gründung von „eigenen Vereinen“. Da jeder fünfte Bundesbürger Mitglied in einem Sportverein ist und eine gute Infrastruktur besteht, sind die Inanspruchnahme der Sportangebote sowie die Nutzung der Kontakte und Netzwerke im Sport durch Rechtsextremisten und Unterstützer aus "der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft" nicht unwahrscheinlich.
In der Regel kommen Vereine jedoch nicht auf externe Berater/innen zu, um bei den Mitgliedern der Beratungsnetzwerke einen Fall anzumelden. Im Gegenteil, die Berater/innen müssen sich mit einer sehr sportspezifischen Vorgehensweise ihren Beraterauftrag "erarbeiten".
Sportvereine setzen in einem hohen Maße auf Vertrauen. Dies zeigt sich auch bei der Vergabe von Ämtern und Aufgaben. Externen wird ungern Einblick ins System gewährt. Sportvereine verwechseln häufig politische mit parteipolitischer Neutralität. Auch dies ist eine Beratungsbarriere, die beachtet werden muss. Zusammengefasst lassen sich folgende fünf Gründe festhalten, die sicher auch den Anstoß für die Initiierung eines solchen Projektes liefern können:
- es gibt regelmäßig rechtsextremistisch motivierte Anlässe mit Sportbezug,
-der (organisierte) Sport wird taktisch durch rechtsextreme Gruppierungen genutzt,
-nicht nur Rechtsextremismus ist ein Thema im Verband und in den Sportvereinen, (Diskriminierung, Homophobie, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit)
- wir haben es vordergründig mit einem Einstellungsproblem zu tun,
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt)
-der (organisierte) Sport kann dieses Thema bearbeiten und ist in der Lage über seine Organisationsstrukturen zu sensibilisieren
Im folgenden Artikel möchte ich zunächst die Beratungsstruktur, koordiniert durch die Landeskoordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“, kurz vorstellen und auf die Bedeutung der beiden Bundesprogramme „kompetent.für Demokratie“ und „Vielfalt tut gut“ für die Arbeit der BSJ eingehen. Danach werde ich kurz einige Beispiele meiner täglichen Arbeit skizzieren und diese als Grundlage für aktuelle Erscheinungsformen und einer Projektvorstellung für unser Projekt „Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Sport für Menschlichkeit und Toleranz“ insgesamt nutzen. Hier ergeben sich wertvolle Anknüpfungspunkte zum Projekt „Kick Brandenburg“, das ich ebenfalls kurz vorstelle. Etwas ausführlicher widme ich mich dem Thema der „Sportkultur vs. Kultur des Sports“ und der damit einhergehenden Janusköpfigkeit des Sports. Ein Berater im Sportbereich muss sich diesen Grundbedingungen trennscharf bewusst sein, um Chancen und Grenzen des organisierten Sports im Umgang mit dem Thema zu eruieren. Anschließend werde ich in einer „drei-Ebenen Betrachtung“ versuchen zu erklären, inwieweit Sportvereine als zivilgesellschaftliche Akteure gestärkt werden können. Zuletzt möchte ich ein kurzes, pointiertes Fazit mit dem Hinweis auf unser Bundesprogramm beibringen.
Alle Informationen zu den Aktivitäten der BSJ sind unter www.sportjugend-bb.de abrufbar.
2. Das Beratungsnetzwerk in Brandenburg
Das Bundesprogramm „kompetent.für Demokratie“ ist in erster Linie ein Unterstützungsprogramm, wenn rechtsextremistische oder fremdenfeindliche Aktionen vor Ort zu krisenhaften Situationen führen, etwa durch eine versuchte Beeinflussung der örtlichen Jugendarbeit, der Bildung rechtsextremistischer Gruppierungen oder einer versuchten Immobilienübernahme durch rechtsextreme Gruppen. Das Bundesprogramm unterstützt in erster Linie die Einrichtung und Weiterentwicklung von landesweiten Beratungsangeboten, aus denen im jeweiligen „Krisenfall“ mobile Interventionsteams gebildet werden:
• Säule 1: Einrichtung und Entwicklung von landesweiten Beratungsnetzwerken, aus denen anlassbezogen, regional, unmittelbar und zeitlich befristet mobile Interventionsteams zum Einsatz vor Ort gebildet werden.
• Säule 2: modellhafte Entwicklung und Erprobung neuer Beratungsansätze
• Säule 3: Organisation von Informations- und Erfahrungsaustausch, Qualifizierung der mobilen Interventionsteams sowie Evaluation. 1
Dieses Programm ist die Ergänzung zum Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ mit dem Kernbestandteil der lokalen Aktionspläne in den Regionen. Die Aktivitäten der BSJ werden zu einem wesentlichen Anteil über das Ergänzungsprogramm gefördert.
In Brandenburg existiert bereits seit vielen Jahren eine professionelle Beratungsstruktur resultierend aus dem Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“. Die bereits bestehenden Angebote wurden weiter ausgebaut und zu einem landesweiten Beratungsnetzwerk zusammengeführt. Getragen wird das Netzwerk im Wesentlichen von:
1 www.kompetent-fuer-demokratie.de
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• staatlichen Kooperationspartnern (u.a. dem Verfassungsschutz und der Polizei)
• nicht-staatlichen Kooperationspartnern:
• lokalen Kooperationspartnern (u.a. den Schulämtern, den Schutzbereichen der Polizei
Vordergründige Zielstellung der BSJ mit ihren Aktivitäten ist die Sensibilisierung der Akteure, die Vermittlung und Vertiefung von Kenntnissen über Rechtsextremismus in den Vereinen, eine Weitergabe aktueller Informationen sowie die Stärkung der Handlungskompetenzen der Sportvereine in der sportlichen Jugendarbeit.
3. Beispiele aus dem Land Brandenburg - Aktuelle Erscheinungsformen
Die erste bundesweite Studie zum Thema „Rechtsextremismus im Sport in Deutschland“ brachte hinsichtlich der Erscheinungsformen kaum neue Erkenntnisse. Die Studie fasst die Vorfälle verallgemeinert auf fünf Ebenen zusammen:
„Aufgrund der zusammengetragenen Daten kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt festgestellt werden, dass in den vergangenen Jahren zwar Fälle öffentlich wurden, in denen rechtsextreme Personen und/oder Gruppen im Sport in der Form aufgefallen sind, dass sie aktiv Sportvereine, Sportveranstaltungen und Wettbewerbe als Plattform für ihre politische Gesinnung und zur Agitation zu nutzen suchten, allerdings können keine Aussagen darüber getroffen werden, wie intensiv sich die tatsächliche Einflussnahme rechtsextremistischer Gruppen oder Personen im Sport darstellt bzw. wie gefährlich die Tendenzen eingeschätzt werden müssen. Rechtsextreme Vorfälle lassen sich in folgenden Bereichen beobachten:
• eigene - neue - Vereinsgründungen durch Rechtsextremisten / Zusammenspiel von Funktionären und Sportlern,
• ehrenamtliche Tätigkeiten innerhalb von Vereinen durch Rechtsextremisten - als Trainer, Betreuer, Vereinsfunktionäre etc.,
• Tätigkeiten von Sponsoren und anderen Unterstützern,
• gezielte - schleichende - Infiltration von aktiven Sportlern in bestehende Vereine bzw.
• Versuch aktiver Teilnahme an Wettbewerben,
• von Rechtsextremisten organisierte Turniere mit Wirkung über diese Szene hinaus.“ 3
Auch im Land Brandenburg finden wir eine Reihe von Fällen, die sich in diese Liste einfügen lassen. Ich gebe eine Auswahl der Anlässe hier anonymisiert und als Stichpunkte wieder:
• überwiegend rechtsextreme Spielbesucher von Fußballspielen treten aggressiv, gewalttätig, auch politisch motiviert bei Heim- und Auswärtsspielen vor allem im Amateurbereich auf,
• Ordner im Fußballstadion gehören der rechtsextremen Szene an,
2 www.tolerantes.brandenburg.de
3 Pilz, Gunther A. & Co.: Rechtsextremismus im Sport und im internationalen Vergleich, 2009 (Kurzfassung)
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt)
• Versuch des Sponsorings einer Jugendfußballmannschaft bzw. Mitarbeit auf Funktionärsebene durch ein Mitglied einer rechtsextremen Partei,
• Sportfeste werden selbst organisiert oder es findet eine Teilnahme an Sportveranstaltungen/Fußballturnieren statt,
• Anmietung von Vereinsanlagen/Clubräumlichkeiten zur Veranstaltung von Freizeitcamps durch die mittlerweile verbotene „Heimattreue Deutsche Jugend“ (HDJ),
• Mitgliedschaft von bekannten Rechtsextremisten im Sportverein ohne gezielte Beeinflussungsversuche,
• eigene Vereins-/Clubgründungen,
• Teilnahme von rechtsextremen Gruppen am örtlichen Spielbetrieb.
Weitere interessante Fälle im Bereich des Sports bietet der aktuelle Verfassungsschutzbericht. Die Auflistung der Fälle ist hierbei nicht anonymisiert. Für die tägliche Arbeit als Berater von Sportvereinen ist Anonymität natürlich essentiell.
Sowohl die Sportfachverbände als auch die Landessportbünde weisen vielfach darauf hin, dass innerhalb ihrer Sportverbände bisher keine oder wenig Vorfälle mit rechtsextremistischem Hintergrund stattgefunden haben bzw. dass dieses Thema innerhalb ihres Verbandes keine Rolle spielt. Hierbei drängt sich der Eindruck auf, dass die Sensibilisierung für das Thema weder das Gros der Vereine noch der Verbände als übergeordnete Instanzen erreicht hat. Als zusätzliches Problem ergibt sich, dass viele Vereine bei Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund nicht an übergeordnete oder externe Stellen mit Hilfegesuchen herantreten, sondern interne Lösungen suchen, die ein Publikmachen verhindern. Letztlich kann festgehalten werden, dass die meisten Sportvereine für ihre Arbeit keine Veranlassung sehen, sich mit Rechtsextremismus zu beschäftigen. Diese Auflistung zeigt auch die Schwierigkeit auf, Sportvereine als zivilgesellschaftliche Akteure zu aktivieren. Denn es :
• herrscht weiterhin große Unsicherheit im Umgang mit dem Thema Rechtsextremismus im Sportverein,
• besteht die Angst vor einem (berechtigten) Image- und Mitgliederverlust nach Bekanntwerden eines Vorfalles,
• wird als Thema für Sportvereine fast nicht wahrgenommen und
• wird unter Hinweis auf das Gebot der politischen Neutralität des Sports fälschlicherweise angenommen, der Sport sei unpolitisch.
4. Kritische Reflexion der Funktionen des Sports
Um uns den Möglichkeiten in der Arbeit im Umgang mit rechtsextremen Strukturen im Sport zu nähern, ist zunächst eine kritische Reflexion der sozialen und präventiven Funktionen des Sportes angebracht. Sowohl Chancen als auch Gefährdungen sind dem Sport immanent, was das Konzept der Kultur des Sports versus Sportkultur von GRUPE und PILZ ausdrückt.
Denn das Hervorheben der bildenden, erzieherischen, präventiven Bedeutung des Sports verdeckt andererseits aber auch dem Sport immanente Problemfelder der Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, der rücksichtslosen Interessendurchsetzung und Gesundheitsgefährdung.
Die folgende Darstellung verdeutlicht die Janusköpfigkeit des Sports insgesamt, woraus das oben genannte Konzept problemlos abgleitet werden kann.
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt) Tabelle 1: Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung
Es muss hier zwischen den zwei Seiten der möglichen Ausprägungen unterschieden werden. Sportkultur meint die Ebene die der Sport, zwischen seinen positiven wie negativen, in seinen kulturellen wie kultischen Ausformungen, inklusive Erscheinungen wie Doping, Gewalt und auch Diskriminierung verkörpert. Kultur des Sports hingegen meint Werte und Ideen des Sports die bewahrt, befolgt, realisiert werden sollten, zum Beispiel Fairness, Gemeinschaft und Solidarität. Hier wird Kultur als normative Setzung verstanden. Sporttreiben ist jedoch nicht per se erzieherisches, soziales, faires, kameradschaftliches Handeln. Vielmehr ist es Aufgabe des Sports, darauf hinzuwirken, dass diese im Sport angelegten Werte und Ideale realisiert werden.
5. Projektvorstellung „Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Sport für Menschlichkeit und Toleranz“
Initiiert wurde das Projekt „Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Sport für Menschlichkeit und Toleranz“ der Brandenburgischen Sportjugend im Landessportbund Brandenburg e.V. (BSJ) im Juli 2007. Man erkannte nicht erst zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeiten, die der organisierte Sport auch in diesem Themenbereich nutzen kann, um an einem demokratischen gesellschaftlichen Klima mitzuwirken. Ausdruck der Erkenntnis ist die Schaffung einer deutschlandweit bislang einmaligen Personalstelle in der Brandenburgischen Sportjugend im Landessportbund Brandenburg e.V. (BSJ), die sich in Gänze mit der Beratung der Sportvereine zu diesem Themenbereich beschäftigt. Es war der Starttermin für das Bundesprogramm „kompetent.für Demokratie“, das voraussichtlich noch bis Ende 2010 umgesetzt wird.
Vordergründige Zielstellungen der BSJ sind die Vertiefung von Kenntnissen über Rechtsextremismus, eine Weitergabe aktueller Informationen sowie die Stärkung entsprechender Handlungskompetenzen der Multiplikatoren/-innen in der sportlichen Jugendarbeit im Land Brandenburg.
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt) Das brandenburgische Projekt stützt sich auf insgesamt fünf Säulen. Kern des Projektes ist die anlassbezogene Arbeit in Sportvereinen und -verbänden. Hier setzt die Beratungsarbeit an, indem vor bekannt werden eines rechtsextremen Vorfalls gehandelt werden kann. Wird das Problem vorerst ignoriert, ist es im Nachhinein schwierig, die hierdurch verloren gegangene Reputation wieder herzustellen.
Zweiter Schwerpunkt ist der Bereich „Bildung“ im Projekt. Das Thema Rechtsextremismus wurde als Modul in die Jugendgruppenleiterausbildung aufgenommen. Neben Workshops und Regionaltreffen mit hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus den Sportstrukturen, organisiert das Projekt gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung und anderen Partnern aus dem Beratungsnetzwerk einen jährlich statt findenden landesweiten Fachkongress. Zusammengefasst finden sich die Projektangebote der beiden Säulen in den folgenden Anstrichen wider. Die Brandenburgische Sportjugend:
• gibt Informationen zur Thematik Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewaltprävention.
• analysiert und bewertet Problemlagen vor Ort und informiert über Handlungsmöglichkeiten für Vereine und Verbände.
• bietet grundsätzliche und individuelle Beratung bei der demokratischen Gestaltung der
• führt auch dezentral Tagungen, Seminare und Workshops zum Thema durch.
• begleitet und unterstützt Projekte im Land Brandenburg, die sich methodisch und zielgerichtet mit dem Problem des Rechtsextremismus im Sport befassen.
• bietet Arbeitsmaterialien und Leitfaden für den Umgang mit rechtsextremistischen Erscheinungen im Sport.
Die BSJ stützt sich auf ihre Strukturen und Mitgliedsorganisationen, um ein landesweit aktives Netzwerk im Sport zu schaffen bzw. weiter auszubauen, das zwischen staatlichen und bürgergesellschaftlichen Akteuren multiplizierende Wirkungen entfaltet und Beratungsfunktionen ausübt. Es soll ein Netzwerk bestehend aus regionalen und lokalen Multiplikatoren entstehen, welches vor Ort die Organisation der Seminare und Veranstaltungen mitgestalten und als Ansprechpartner für die Vereine zur Verfügung stehen. Wie
Aktivierungsvorgänge von Systemen allgemein verlaufen zeigt die Grafik rechts. Ziel der Beraterarbeit ist es, die Kurve nach links zu verschieben und nicht erst interventiv tätig zu werden. Zusätzlich dazu, dass „Externen“ oft ungern Einblick in das eigene System gewährt wird, benötigt Beratung einen Auftrag. Dieser Auftrag liegt in der Vielzahl der Fälle jedoch nicht vor, weshalb wir hier von Veränderungsberatung sprechen können: Change Management.
Abbildung 1 Quelle: Dr. Wolfgang Loos
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt) Der Berater erhält seinen Auftrag durch das Bundesprogramm und kann sich dem Problem in der Rolle eines Akteurs widmen. Der Auftrag kann dadurch „erarbeitet“ werden.
Besonders wichtig im sportlichen Bereich sind die plakativen Veranstaltungen und Elemente. Aufgrund der Ansprache vieler Menschen ist der Sport prädestiniert, diese Form für die thematische Sensibilisierung zu nutzen. Auch die BSJ nutzt dies in Form eines eigenen Projekt- und Ideenwettbewerbes für die Sportvereine durch Positionierungen oder der Organisation des „Spieltages für Menschlichkeit und Toleranz“ 4 gemeinsam mit dem Fußballlandesverband Brandenburg und der Landesregierung. Plakative Elemente im Sport sind positiv hervorzuheben und wichtig. Sie reichen allerdings für eine umfassende Bearbeitung des Themas nicht aus.
Nicht zuletzt nutzt die BSJ auch für dieses Projekt die eigenen bereits erfolgreich bestehenden sozialen Projekte, um hier Synergien zu erzielen. Beispielhaft sind die Projekte „Kick Brandenburg“, „Integration durch Sport“ und das Projekt „Straßenfußball für Toleranz“ der BSJ zu nennen. Was können Sportvereine nun tun, um sich mit dem Thema zu befassen? Zunächst ist es immer richtig und gut sich eindeutig und öffentlich zu positionieren. Dies kann durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen geschehen, durch Ergänzungen in der Satzung oder Stadionordnung oder durch demokratisch verfasste Mietverträge, also durch klare demokratische Grundregeln im Sportverein. Diese eher plakativen Elemente müssen unterstützt werden durch die offensive inhaltliche Arbeit im Bereich der Aufklärung und Information. So ist es ratsam und sicher fast überall möglich die Trainer zu schulen oder schulen zu lassen, mit den Jugendlichen Demokratie,-Fairness- oder Antigewalttrainings durchzuführen beziehungsweise die Angebote im Bildungsbereich des Landessportbundes dazu zu nutzen. Gerhard Bücker 5 hat dies folgendermaßen zusammengefasst:
• Eine deutliche Haus- und/oder Platzordnung erlassen,
• Schriftliche Vereinbarung mit Trainer/innen + Teams treffen,
• Satzung, Haus/Platzordnung veröffentlichen/Klare demokratische Grundregeln in der Satzung verankern, (Aushang/Vereinszeitung/Gemeindeblatt)
• Grenzen setzen - nicht ausgrenzen! (Ausschluss als letztes Mittel),
• Nachweisbare Verstöße vereinsintern ahnden,
• die Hilfe des Dachverbands in Anspruch nehmen,
• „Nichts unter den Teppich kehren“ - offensiv mit dem Problem und den (Vereins-) Menschen umgehen und
• Verträge entsprechend formulieren.
In Bezug auf die Handlungsempfehlungen ist nicht nur eine deutliche Positionierung der Vereine zu fordern, sondern auch Dachverbände müssen sichtbar und wirksam mit dem Thema umgehen. Dies kann beispielsweise durch Satzungsergänzungen oder öffentliche Erklärungen passieren. Diese eher plakativen Elemente müssen kontinuierlich angewandt und ausgebaut werden.
4 „Kein Raum und kein Platz für Gewalt und Rassismus - nicht auf dem Spielfeld, nicht auf den Zuschauerrängen und auch nicht in den Köpfen!“ war das Motto des Spieltages, der in allen Spielklassen in Brandenburg auf Resonanz stieß. 2009 stand der Spieltag unter dem Motto: „Wir Fußballer für ein Tolerantes Brandenburg“. Ziel war die Wiedereinführung des symbolischen Händedrucks beider Mannschaften vor und nach jedem Spiel.
5 Gerhard Bücker ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Sport!Jugend!Agiert!“ der Deutschen Sportjugend im DOSB e.V.
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt) 6. Chancen und Grenzen des organisierten Sports im Umgang mit Rechtsextremismus
Chancen und Grenzen des organisierten Sports im Umgang mit dieser Thematik können in einer weiteren Ebenenbetrachtung der personalen, organisatorischen und gesellschaftlichen Stufe zugeordnet werden. Angelika Ribler 6 und ich haben diese Ebenen analysiert und sind zu einer Reihe von Möglichkeiten gelangt um innerhalb der Sportstrukturen Anknüpfungspunkte zu suchen:
etwa jeder fünfte Bundesbürger treibt Sport im Verein. Allerdings trifft man (nicht nur) hier auf ein Ost-West Gefälle. Der Organisationsgrad liegt derzeit in Westdeutschland bei ca. 32 Prozent, während in Ostdeutschland durchschnittlich nur knapp 14 Prozent in einem Sportverein gemeldet sind. Diese Struktur bietet einen hervorragenden Rahmen für die universalistische Herangehensweise im Sportverein.
In jedem Dorf gibt es, neben der oft vorhandenen Feuerwehr, mindestens einen Sportverein. Dies bietet Organisationsstrukturen und damit Schnittmengen auch in ländlichen Gebieten mit geringer Einwohnerzahl.
Wir haben es mit vorwiegend ehrenamtlichen Strukturen zu tun, die personenorientiert arbeiten. Nicht selten funktionieren Sportvereine auf Grund des Engagements einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe von Menschen. Es gilt für den Berater deshalb den oder die Protagonisten zu finden und zu aktivieren. Sicher kann diese Situation auch nachteilig wirken. Der Sport nimmt bereits gesellschaftliche Aufgaben wahr. Zudem ist es „Mainstream“ sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren. Die lokalen Aktionspläne über das Bundesprogramm sind dabei wichtige Bausteine zur Akquisition von Projektmitteln. Es findet Bezug nehmend auf das Konzept der Kultur des Sports im Bereich der Primärprävention eine Wertevermittlung statt. Diese ist im Idealfall mit der Entwicklung von Persönlichkeitswerten, sozialer Kompetenz und Teamverständnis verbunden. Trainer sind Bezugspersonen. Dies bietet vielfältige Chancen für die Beratungsarbeit.
Aus dieser Betrachtung ergeben sich ebenso viele Grenzen, die dem organisierten Sport immanent sind:
Sportvereine sind ein Spiegel bzw. sogar Brennglas der Gesellschaft. Pilz spricht hier sogar von einer Parabolspiegelfunktion, der die Problemlagen reflektiert. Gefahr der Überforderung von Ehrenamtlichkeit. Trainer und Übungsleiter sind keine Sozialarbeiter und können diese Funktion selbstverständlich nicht ausfüllen. Heterogenität von Einstellungen: Sportvereine sind keine homogenen Gebilde. Erklärungen gegen Extremismus / für Demokratie sind oft nicht trennscharf genug. Ebenso ist die Vorstellung vom „Rechtsextremismus“ oft diffus. Das Neutralitätsgebot wird vorgeschoben. Rollen-Trennung zwischen „Privatperson“ und „Amt/Funktion“. Soziale Nähe - Sportvereine agieren wie Dörfer.
Befürchtungen das Thema Rechtsextremismus/Rassismus offensiv aufzugreifen. Dies wurde bereits hinreichend erläutert.
Es geht demnach einzig darum Protagonisten zu lokalisieren und diese in ihrer demokratischen Gesinnung zu stärken und gleichzeitig ein Empowerment bedrohter Personengruppen vorzunehmen.
6 Angelika Ribler ist Projektleiterin der Sportjugend Hessen und mit dem Projekt „Mobile Interventionsteams gegen Rechtsextremismus im Sport“ betraut.
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt)
7. Sportvereine als zivilgesellschaftliche Akteure stärken
Für die Betrachtung von Sportvereinen als zivilgesellschaftliche Akteure bietet sich die Unterscheidung in die Bereiche Primärprävention, Früherkennung und Intervention an. 7
Es ist erforderlich in allen drei Bereichen mit Sportvereinen zu agieren. Während der Hauptteil der Arbeit in der primären Prävention statt findet, etwa durch Sensibilisierung für das Thema, Werteklärungen oder Schulungsmaßnahmen, spielt die Früherkennung ebenfalls eine wichtige Rolle für die Beratertätigkeit. Entsprechend der vorangegangenen Grafik ist in diesem Bereich durch die Beobachtung bzw. Wahrnehmung von rechtsextremen Tendenzen die Möglichkeit vorhanden, Handlungsenergie zu erzeugen. Interventionsmaßnahmen treten dann beim Vorhandensein rechtsextremer Vorfälle in den Vordergrund. Es gilt die Vereine dabei professionell zu begleiten.
Die Maßnahmen in den einzelnen Bereichen sind selbstverständlich unterschiedlich, weisen allerdings Schnittmengen zueinander auf.
8. Fazit
Von einer strukturellen Verankerung des Themenkomplexes Rechtsextremismus im organisierten Sport als Querschnittsaufgabe und einer kontinuierlichen Hinwendung und Bearbeitung durch hauptamtliche Mitarbeiter kann derzeit in Deutschland nur vereinzelt gesprochen werden. Gute Ansätze hierfür gibt es jedoch in Brandenburg, Hessen, Thüringen und Niedersachsen. So lange ein Verein jedoch innerhalb seiner Strukturen keine Gefahr durch Rechtsextremismus sieht oder benennt, wird er auch keinen Bedarf für mögliche Schulungen etc. anmelden. Die Sensibilisierung für das Thema innerhalb der Sportstrukturen erfordert eine kontinuierliche Herangehensweise. Die Arbeit für eine Kultur der Anerkennung im Sport, für Demokratie und Toleranz sollte kein Event oder einmaliger Akt sein, sondern ein kontinuierlicher Prozess, eine dauerhafte Querschnittsaufgabe aller demokratischen gesellschaftlichen Kräfte, bei denen es um Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit geht. Der organisierte Sport in Brandenburg möchte hier seinen Anteil leisten und wird das Projekt künftig fortsetzen.
Aus unserer Sicht hat sich das Bundesprogramm „kompetent.für Demokratie“ in Brandenburg bewährt:
- Die Bundesmittel haben zum Ausbau des Netzwerkes in Brandenburg beigetragen und Spielraum geschaffen neue Ansätze in der Beratungsarbeit mit anderen Trägern zu verfolgen. Erst hierdurch wurde die Schaffung der Personalstelle im Landessportbund möglich, bei weitgehender Vermeidung von Konkurrenzsituationen unterhalb der Träger.
- Durch die Einrichtung des Bundesprogrammes als Nachfolger von Civitas können Projekte innerhalb des Sportes fortgeführt werden. So wird die Implementierung des „Sprechbaukastens“ und anderer Bildungsmittel in den Vereinsstrukturen abgesichert. Trotz der Nichtfortführung der Anti-Gewalt Seminare besteht weiterhin die Möglichkeit über neue Kanäle, welche sich aus dem Beratungsnetzwerk ergeben haben (beispielsweise die Kooperation mit dem Verfassungsschutz Brandenburg), die inhaltliche Arbeit fortzuführen.
7 Vgl. Ribler, Angelika: Vortragsskript 28.03.2009, Fachtagung der Deutschen Sportjugend in Hannover.
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Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten? Die Brandenburgische Sportjugend im Beratungsnetzwerk Brandenburg (Niels Haberlandt)
- Die Trägervielfalt ist ein großer Vorteil für das Beratungsnetzwerk. Es wurde die Möglichkeit geschaffen kollegiale Fallarbeit zu etablieren und Hilfestellungen für hilflose Sportvereine anzubieten.
- In Verbindung mit dem Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ erscheint eine Verknüpfung von Prävention und Intervention sinnvoll. Innerhalb der Strukturen der lokalen Aktionspläne beteiligen sich Sportfunktionäre und Vereine in den Begleitausschüssen und bei der Projektentwicklung. Dies bewirkt zusätzliche Sensibilisierungseffekte.
Als Partner im Handlungskonzept profitiert der Landessportbund Brandenburg von der Arbeit im Beratungsnetzwerk durch die Zusammenführung mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren auf gleicher Ebene.
Literatur:
BÜCKER,G.: Dem Rechtsextremismus keine Chance, Positionspapier der Deutschen Sportjugend im DOSB e.V., Hannover 2007
HABERLANDT,N: Konzeption „Verein(t) gegen Rechtsextremismus - Sport für Menschlichkeit und Toleranz“, Potsdam 2007
PILZ, G.A./SCHICK, H./YILMAZ, H.: Fußball und Gewalt - Vernetzung gewaltpräventiver Vereinsjugendarbeit und aufsuchender Jugendsozialarbeit. Zwischenbericht Hannover 2000
PILZ, G.A. & Co. Rechtsextremismus im Sport in Deutschland und im internationalen Vergleich. Expertise Hannover 2009 (unveröffentlicht)
RIBLER, A./PULTER, A.: Konfliktmanagement im Fußball, Frankfurt am Main 2005
SPORTJUGEND NIEDERSACHSEN:: go sportstour 2002 - Planungsordner: Anlage zu 3.8- - Positionspapier der Sportjugend Niedersachsen
Arbeit zitieren:
Diplom Politikwissenschaftler Niels Haberlandt, 2007, Der organisierte Sport als Betätigungsfeld für Rechtsextremisten?, München, GRIN Verlag GmbH
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