flackernde Muster schuf. Ornamente sind auch heute auf Kleidungsstücken, in Kaufhäusern und in Wohnungen zu finden. Kürzlich gab es eine Retrowelle, die die Mustertapeten der 70er Jahre wieder aufleben ließ.
Gombrich erklärt unsere Vorliebe für Mustern mit dem Ordnungssinn des Menschen (vgl. Gombrich, S.17). Er hat eine beschränkte Aufnahmekapazität. Wegen dieser beschränkten Aufnahmekapazität muss das, was er wahrnimmt selektiert werden und in Kategorien sortiert werden, damit es besser verarbeitet werden kann. Muster haben meist geometrische Formen, oder Formen, die stark stilisiert wurden, und heben sich von dem „Wirrwarr“ oder Chaos der natürlichen Umgebung ab. Sie besitzen eine Einfachheit und Regelmäßigkeit, die für die menschliche Wahrnehmung leicht zu verarbeiten ist.
Dies hängt weiterhin aber auch davon ab, wie ein Muster gemacht ist, denn einige wirken zu unregelmäßig und verwirren, ein anderes ist zu einfach und langweilt nach einiger Zeit. Genau richtig gut ist ein Muster, wenn es genau zwischen Verwirrung und Langeweile liegt. Ob dies bei einem bestimmten Muster der Fall ist, hängt allerdings sehr stark von der Persönlichkeit des Betrachters ab, der Zeit in der er lebt und der Mode, die gerade aktuell ist und die Einstellung, die der Betrachter zu dieser Mode hat. Ob ein Muster für gut befunden wird ist also eine Geschmacksfrage Hier kann auch die Industrialisierung als Beispiel dienen. Vor der Industrialisierung wurden Ornamente handwerklich hergestellt. Wollte man eine Tapete mit einem Ornament oder ein Treppengeländer verzieren, so musste ein Handwerker beauftragt werden, dies herzustellen. Ornamente waren deshalb sehr teuer und nur eine kleine Elite von Menschen konnten sich handwerklich hochwertige Verzierungen leisten. Schmuck in Form von Ornamenten waren also ein Zeichen für reiche Menschen. Als die Industrialisierung eintrat, wurden Gebrauchsgegenstände in Massenware hergestellt. Der Prozess der Herstellung wurde durch Arbeitsteilung und Maschinen so rationalisiert, dass es möglich war viele gleiche Dinge herzustellen. Die Preise sanken, was auch dadurch zustande kam, dass Material genommen wurde, das nicht so hochwertig war, dennoch aber den Anschein erwecken konnte, hochwertig zu sein. So konnten nun z.B. Tapeten durch billige Nachahmung am laufenden Meter gedruckt werden und auch Menschen aus den ärmeren Schichten konnten sich nun Tapeten leisten und damit etwas, was sie vorher nur von den „Reichen“ kannten. In dieser Zeit war es kein Statussymbol mehr eine Tapete zu haben, denn jeder konnte sich die Tapete
leisten. „Dinge werden nicht begehrt, weil man sie schön findet, man findet sie schön, weil sie begehrt werden“ (Gombrich, S.44).
Gombrich nennt neben der Eigenschaft der einfachen Formen, die Ornamente aufweisen auch die Rhythmik, in der sie immer wiederkehren. Muster sind ähnlich aufgebaut wie Ziegelsteine, die aneinandergesetzt sind. Die Struktur einer Mauer könnte man als Muster bezeichnen.
Wenn etwas immer wiederkehrt erkennt der menschliche Wahrnehmungsapparat schnell die Regelmäßigkeit. Dies nennt Gombrich die „Redundanz“ des Musters. Ein Element wiederholt sich in einem Muster immer wieder und ist eigentlich nach mehreren Wiederholungen eine überflüssige Information. Dies führt dazu, dass sich der Wahrnehmungsapparat im Voraus an das Muster anpasst. Der Wahrnehumgsapparat stellt die These auf „Dieses Element hat sich schon so-und-so-oft wiederholt, deshalb wird es sich immer so wiederholen“. Dieses Voraus-Anpassen nennt Gombrich „extrapolieren“. Wenn nun ein Bruch im Muster stattfindet, stimmt die These nicht oder nur eingeschränkt.
Da der menschliche Wahrnehmungsapparat schnell extrapoliert, untersucht er das Muster nur noch auf die Brüche hin. Die Brüche sind es auch, die ein Muster flackern lassen. Nämlich dann, wenn zu viele von ihnen vorhanden sind. Das Muster wirkt „unruhig“, weil sich das Auge unruhig bewegt, weil es nicht weiß, wo es zuerst hinschauen soll.
Hinzu kommt, dass man ein Muster auf viele verschiedene Arten lesen kann. Beim Schachbrettmuster z.B. können die weißen Kästchen vor den schwarzen Kästchen sein, oder die schwarzen Kästchen vor den weißen Kästchen. Der Wahrnehmungsapparat kann zwischen den beiden Sichtweisen hin- und herschalten. Da das Schachbrettmuster noch ein relativ „simples“ Muster ist, kann man sich vorstellen, was passiert, wenn es konvexe und konkave Formen gibt, bei denen die eine die andere oder umgekehrt verdrängen kann, wenn das Muster aus vielen unterschiedlichen Formen besteht, und der Wahrnehmungsapparat zunächst die Redundanz der einen Form überprüft, danach die Redundanz der anderen Form usw.. Schon kann ein Muster rutschig oder schlüpfrig erscheinen, weil unsere Wahrnehmung immer zwischen den verschiedenen Sichtweisen hin und herschaltet, aber eine Sichtweise auch nicht halten kann. Man muss bei einigen Mustern dann schon den Finger zu Hilfe nehmen, um zu sehen, wie es funktioniert.
Arbeit zitieren:
Ursula Mock, 2004, Sind Ornamente "optische Sirenen"?, München, GRIN Verlag GmbH
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"Der Club Dumas" und die "Neun Pforten"
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