Humboldt-Universität zu Berlin,
Philosophische Fakultät III, Institut für Sozialwissenschaften
Proseminar: Wissenssoziologie
Das Sozial-Apriori
Die Soziologie des Max Adler
Susanne Röver
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ... 3
1. Max Adlers sozialer und politischer Hintergrund ... 4
1.1. Biographie ... 4
1.2. Austromarxismus ... 5
1.3. Wirken und Rezeption von Max Adlers Soziologie ... 6
2. Max Adlers wissenssoziologischer Ansatz ... 7
2.1. Das soziale Sein ... 7
2.2. Erkenntniskritik als soziologische Methode ... 8
2.3. Der Erfahrungsbegriff ... 9
2.4. Das Sozial-Apriori ... 9
Fazit ... 11
Literaturverzeichnis ... 12
1. Einleitung
Im Zuge der Aufklärung ist der Mensch als Individuum immer mehr in den gesellschaftlichen Mittelpunkt gerückt worden. Nun war nicht mehr Gott der alleinige Entscheider des Schicksals, sondern auch das Individuum. Und ab dem Moment, wo die Kirche das Denken nicht mehr allein bestimmen und lenken konnte, kam auch die Vielschichtigkeit des menschlichen Gedankengutes zu Tage. Viele der folgenden gesellschaftlichen Veränderungen wie der Wandel der Familie, der Machtausbau des Großbürgertums, die flächendeckende Alphabetisierung, die Industrialisierung und die damit verbundene Entstehung des Proletariats sowie die technischen Errungenschaften zur Verbreitung ideellen und intellektuellen Gedankengutes bewirkten eine stärkere Debatte und Untersuchung des Sozialen. Die Entstehung einer neuen - einer dritten - wissenschaftlichen Disziplin, nämlich der Sozialwissenschaft, ließ nun neben den allgemeinen naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Methoden auch den Blick auf das Soziale zu. Jetzt konnte eine genaue und kontroverse Analyse über das menschliche Verhalten, über Begriffe wie Objektivität, Erfahrung, Vergesellschaftung oder Armut und die Beantwortung der Frage: ob ‚falsches’ und ‚wahres‘ Wissen gesellschaftlich bedingt seien, nicht nur philosophisch, sondern auch unter sozialen Gesichtspunkten geführt werden.
Besonders zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als das westliche Europa und vor allem der deutsche Sprachraum von „eine(m) neuen Wettbewerb der Weltanschauungen geprägt“1 wurde und sich völlig konträre gesellschaftliche Auffassungen im politischen Kampf gegenüberstanden, verschärfte sich nicht nur das politische, sondern auch das gesellschaftliche und vor allem das soziale Leben.
An diesem Punkt muss auf die damalige wissenssoziologische Debatte hingewiesen werden, an der neben den bekannten Vertretern wie Max Scheler (1874-1928), Karl Mannheim (1893-1947) oder Emile Durkheim (1858-1917) auch die Vertreter des weniger bekannten Austromarxismus um den Idealisten Max Adler (1873-1937) sich beteiligten. Max Adler ist insofern hervorzuheben, weil er versuchte, mit der Erkenntniskritik die „transzendental-soziale Natur des Menschen“2 zu beschreiben und den Begriff der Erfahrung zu objektivieren. Ihm ging es darum, die Sozialwissenschaft radikal von den Natur- und Geisteswissenschaften zu trennen und den Begriff der Kausalität auch im sozialen Sinne zu definieren. Nach Adler sei die soziale Kausalität dann gegeben, wenn das Individuum bewusst werte und interpretiere. Dieses Bewusstsein würde eine Sozialerfahrung und das soziale Sein an sich bewirken.
Dass Max Adler mit seiner Arbeit nur mäßig Anerkennung fand, macht die nachträgliche Analyse seiner Theorie insofern schwierig, weil viele der damaligen Kollegen, wenn sie nicht gerade eine negative Rezension zu seinen Büchern schrieben, sich nur wenig mit seiner Theorie des Sozial-Apriori auseinandersetzten. In seinem Beitrag „Soziologie und Erkenntniskritik“3, der zum ersten Mal im Jahrbuch für Soziologie erschien, setzte sich Adler wiederholt für die Anerkennung der Soziologie im Allgemeinen und für seine Theorie des ‚Sozialapriori’ im Speziellen ein. Die dort von ihm gestellte Frage: wieso die Erlebniserfahrung, die doch immer etwas Subjektives sei, zugleich auch Welterfahrung d.h. etwas Objektives bedeute, soll neben dem Werk und Schaffen Max Adlers auch in der vorliegenden Arbeit beleuchtet werden.
[...]
1 Frerichs, 2002/ S. 59
2 Mozetic, 1987/ S. 212
3 Max Adler: Soziologie und Erkenntniskritik. In: Jahrbuch für Soziologie, 1 (1925), S.3-34
Quote paper:
Susanne Röver, 2007, Das Sozial-Apriori, Munich, GRIN Publishing GmbH
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