In der internationalen Rechnungslegung, worunter hier die International Financial Reporting Standards (IFRS) und die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP verstanden werden, erlangt der Fair Value als Bewertungsmaßstab zunehmend Bedeutung. Neben Finanzinstrumenten ist die Fair Value Bewertung, insbesondere in den IFRS auch für nichtfinanzielle Bilanzpositionen teilweise vorgesehen bzw. im Gespräch. Der Fair Value löst also zunehmend die Anschaffungs- und Herstellungskosten als Bewertungsmaßstab in den IFRS ab. Trotz der zunehmenden Bedeutung des Fair Value im Regelwerk der IFRS gibt es derzeit keinen einheitlichen, übergreifenden Bewertungsstandard zur Fair Value Ermittlung im Regelwerk der IFRS. Die Regelungen sind über die Einzelstandards verstreut. Aus den Einzelstandards lassen sich verschiedene Vorschriften zur Fair Value Ermittlung ableiten. Der US-amerikanische Standardsetter FASB hat die Fair Value Bewertung in dem Rechnungslegungsstandard Nr. 157 „Fair Value Measurements“ (SFAS 157) zusammengefasst und am 15. September 2006 publiziert. Wegen der angestrebten Konvergenz zwischen IFRS und US-GAAP, hat das IASB das Diskussionspapier „Fair Value Measurements“ am 30. November 2006 veröffentlicht. Dieses DP greift die Regelungen von SFAS 157 auf und prüft, inwieweit diese in das Regelwerk der IFRS übertragen werden können. Die Regelungen von SFAS 157 können dabei helfen, Inkonsistenzen der Fair Value Ermittlung innerhalb der IFRS, teilweise zu beseitigen.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Fair Value Ermittlung im Regelwerk der IFRS darzustellen und ausgewählte Aspekte kritisch zu würdigen, um festzustellen, welche Probleme bei der Fair Value Ermittlung innerhalb der IFRS auftreten können. Besonderes Augenmerk gilt hierbei IAS 39.
Inhaltsverzeichnis
1. Abgrenzung und Herangehensweise an die Problemstellung
2. Einordnung des Fair Value in das Regelwerk der IFRS
3. Ermittlungsmethodik des Fair Value im Regelwerk der IFRS
3.1 Allgemeiner Überblick über die Ermittlungsmethodik des Fair Value
3.2 Ermittlung des Fair Value am Beispiel von IAS 39 für Finanzinstrumente
4. Kritische Würdigung der Fair Value Ermittlung am Beispiel von Finanzinstrumenten nach IAS 39
4.1 Kritische Betrachtung des aktiven Marktes als Referenzmarkt
4.2 Kritische Würdigung der Bewertungsverfahren
4.3 Kritische Betrachtung der Inputfaktoren der Bewertungsverfahren
5. Aktuelle Entwicklungen bezüglich der Fair Value Ermittlung in den IFRS vor dem Hintergrund der Regelungen von SFAS 157
5.1 Regelungen zur Ermittlung des Fair Value gemäß SFAS 157
5.2 Implikation der Regelungen von SFAS 157 in das Regelwerk der IFRS durch das Diskussionspapier "Fair Value Measurements" des IASB
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Fair Value Ermittlung innerhalb des IFRS-Regelwerks, identifiziert bestehende Inkonsistenzen und analysiert kritisch die Bewertungsproblematik, insbesondere unter Berücksichtigung von IAS 39 und des Standards SFAS 157 des FASB.
- Systematische Einordnung des Fair Value Begriffs in das IFRS-Framework.
- Darstellung der Ermittlungsmethodik anhand von Finanzinstrumenten gemäß IAS 39.
- Kritische Analyse von Referenzmärkten, Bewertungsverfahren und Inputfaktoren.
- Bewertung der Anwendbarkeit von SFAS 157 auf die IFRS zur Harmonisierung.
- Identifikation von bilanzpolitischen Spielräumen und Unsicherheiten bei der Ermittlung.
Auszug aus dem Buch
4.2 Kritische Würdigung der Bewertungsverfahren
Werden Finanzinstrumente auf aktiven Märkten gehandelt, kann der Fair Value anhand des amtlichen Börsenkurses bzw. des notierten Marktpreises ohne Probleme ermittelt werden. Ermittlungsprobleme treten auf, wenn Instrumente nur selten gehandelt werden, die Markttiefe unzureichend ist oder der Markt für ein Bewertungsobjekt fehlt. Dem Konzept der Fair Value Ermittlung liegt das theoretische Ideal vollkommener, vollständiger Märkte im Gleichgewicht bei vollständiger Konkurrenz zugrunde.
Diese Modellwelt mit Annahmen wie z.B. homogene Güter, Abwesenheit von Transaktionskosten und Steuern ist in der Realität kaum anzutreffen. Die Märkte sind i.d.R. unvollkommen und unvollständig, d.h. es liegen mehrere Marktpreise für ein Bewertungsobjekt vor. Der Fair Value muss deshalb näherungsweise geschätzt werden. Der Wortlaut „näherungsweise geschätzt“ ist ein Anzeichen dafür, dass die Fair Value Ermittlung in solchen Fällen u.U. erschwert, subjektiv und manipulierbar wird.
Der IASB hat zwar die Abschätzung des Fair Value im Regelwerk der IFRS skizziert, aber eine einheitliche Methodik in den Einzelstandards fehlt. Das hierarchische Ablaufschema zur Fair Value Ermittlung gemäß IAS 39.48A i.V.m. AG69 ff. ist ein Beispiel für den Versuch des IASB, die Abschätzung des Fair Value zu skizzieren. In der Fair Value Hierarchie gemäß IAS 39 findet man an erster Stelle notierte Preise, die auf einem aktiven Markt stehen. An zweiter Stelle stehen Bewertungsverfahren, die anzuwenden sind, wenn kein aktiver Markt verfügbar ist. Im Rahmen der Bewertungsverfahren können vergangene Preise des Finanzinstrumentes, Vergleichspreise anderer Finanzinstrumente, DCF-Verfahren und Optionspreismodelle zum Einsatz kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abgrenzung und Herangehensweise an die Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die zunehmende Bedeutung des Fair Value in den IFRS ein und definiert das Ziel, die bestehenden Ermittlungsprobleme und den Konvergenzbedarf mit US-GAAP aufzuzeigen.
2. Einordnung des Fair Value in das Regelwerk der IFRS: Es wird erläutert, dass der Fair Value keinen einheitlichen Wertbegriff darstellt und in den IFRS lediglich in Einzelstandards definiert ist, ohne ein übergeordnetes Rahmenkonzept.
3. Ermittlungsmethodik des Fair Value im Regelwerk der IFRS: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Anwendung von Fair Value Konzepten (entry vs. exit value) und illustriert die spezifischen Abläufe anhand von IAS 39 für Finanzinstrumente.
4. Kritische Würdigung der Fair Value Ermittlung am Beispiel von Finanzinstrumenten nach IAS 39: Es wird kritisch hinterfragt, wie problematisch die Definition aktiver Märkte, die Wahl von Bewertungsverfahren und die Bestimmung von Inputfaktoren in der Praxis sind.
5. Aktuelle Entwicklungen bezüglich der Fair Value Ermittlung in den IFRS vor dem Hintergrund der Regelungen von SFAS 157: Hier wird analysiert, inwieweit das US-Modell SFAS 157 als Lösungsansatz für die Inkonsistenzen im IFRS-Regelwerk dienen kann.
6. Zusammenfassung: Die Ergebnisse der Arbeit werden resümiert, wobei die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung und die Gefahren durch bilanzielle Spielräume nochmals hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Fair Value, IFRS, IAS 39, SFAS 157, Finanzinstrumente, Bewertungsverfahren, Marktbewertung, Inputfaktoren, Bilanzierung, Harmonisierung, IASB, Diskussionspapier, Modellrechnung, Marktpreis, Rechnungslegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Fair Value Ermittlung innerhalb der International Financial Reporting Standards (IFRS) und untersucht, welche Herausforderungen bei der praktischen Anwendung entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Systematik der Fair Value Bewertung, die Anwendung in IAS 39, die kritische Würdigung von Bewertungsmethoden und den Vergleich mit den US-amerikanischen SFAS 157 Regelungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die derzeitige Zersplitterung der Fair Value Vorschriften in den IFRS aufzuzeigen und zu prüfen, welche Inkonsistenzen dabei auftreten, um Lösungsansätze zur Vereinheitlichung zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Rechnungslegungsstandards, Fachliteratur und dem Diskussionspapier des IASB basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die aktuelle Methodik, identifiziert die Kritikpunkte an der Markt- und Modellbewertung und betrachtet die Übertragbarkeit des US-Standards SFAS 157 auf die IFRS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fair Value, IFRS, IAS 39, SFAS 157, Bewertungsverfahren, Marktwert und Harmonisierung.
Warum ist die Bestimmung eines "aktiven Marktes" so problematisch?
Da in den IFRS keine präzise Definition existiert, entstehen für Unternehmen Ermessensspielräume, die zu subjektiven Einschätzungen und einer mangelnden Vergleichbarkeit der Abschlüsse führen.
Inwiefern kann SFAS 157 bei der Problemlösung helfen?
Der Standard SFAS 157 bietet ein strukturiertes Rahmenkonzept inklusive einer dreistufigen Fair Value Hierarchie, die als plausible Ausgangsbasis für eine einheitliche Regelung im IFRS-Raum dienen könnte.
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- Dipl. Kff. Nicole Dederding (Author), 2007, Probleme bei der Ermittlung des Fair Value im Regelwerk der International Financial Reporting Standards, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130986