1. Therapiestunde zur Förderung der Kreativität Sozialform Alter Materialien Dauer Position Besonderheiten Gruppe Ab ca. 8 Modelliermasse, 90 - 120 Unabhängig Kreatives Schaffen, Einzel Jahren Farben Min. Strukturelle und
Thema:
Tiergesichter Arbeitsform: Einzelarbeit in der Gruppe Material:
Lufttrocknende Modelliermasse, Teppichmesser, zwei kleine Holzlatten (ca. 0,5 cm dick), Wasserglas oder Nudelholz, Ausstechformen (z.B. Glas), runde Stiftkappen und Ähnliches, Stifte, Stäbchen, Löffel etc. Zum Verzieren Abtönfarben, Plakafarben, Pinsel. Erfahrungsebene:
- Materialqualität der Modelliermasse kann erfühlt und erlebt werden, besonders die Veränderbarkeit der Masse.
- Es wird strukturell vorgegangen, aber auch individuell und spielerisch, so dass die Kreativität gefördert und ein unmittelbarer Zugang zu den eigenen kreativen Kräften geschaffen werden kann.
- Freudiges, phantasievolles und selbstständiges Schaffen. - Durch die Konzentration auf die eigene Arbeit wird die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit erhöht. Das Modellieren, Gestalten und Malen führt zu innerer Ausgeglichenheit.
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Verlauf:
- Zu Beginn kann eine Phantasiereise in verschiedene Tierwelten (Dschungel, Afrikasteppe, Zoo, Haustiere etc.) unternommen werden.
- Ein faustgroßes Stück wird von der Modelliermasse mit dem Teppichmesser abgeschnitten und von den Kindern geschmeidig geknetet. Anschließend mit einem Wasserglas oder Nudelholz zu einem ca. 0,5 cm flachen Fladen ausrollen (2 kurze und flache Holzlatten links und rechts verhindern, dass der Fladen verschieden dick ausfällt!). Mit einem Glas oder anderen runden Formen verschieden große Kreise aus dem Fladen ausstechen (z.B. für den Kopf des Tieres u.ä.). Für andere Körperteile des Tieres weitere Formen herstellen, wie z.B. Dreiecke für mögliche Ohren eines Tieres. Die Kinder, die möchten, können dies selbstständig, ohne Ausstechformen, tun.
- Die Kreise, Dreiecke etc. zu Tiergesichtern arrangieren. Damit die einzelnen Teile gut aufeinander haften bleiben, werden sie mit ganz wenig Wasser benetzt. Am besten mit angefeuchteten Händen arbeiten. Die Verarbeitung ist der von Ton sehr ähnlich. - Mit Kugelschreibern und Bleistiften, Löffeln und Gläsern lassen sich die Gesichter durch Einpieksen, -ritzen und -stanzen verzieren; es entstehen Mäuler und Pupillen, Schnurrbärte, Ohrmuscheln und vieles mehr.
- Die fertig modellierten Tiergesichter müssen einen Tag lang luftgetrocknet werden. Danach die getrockneten Figuren mit Farbe und Pinsel bemalen.
2. Förderung der Kreativität
Unter dem Begriff Kreativität als Förderziel, werden unterschiedliche Phänomene beschrieben.
Eine Auffassung ist, dass Kreativität eine persönliche Eigenschaft ist, die nur gefördert werden kann, wenn sie überhaupt vorhanden ist. Im Gegensatz hierzu wird die Kreativität in der Kunsttherapie bei jedem Menschen vorausgesetzt, die geweckt und entfaltet werden kann. Rubin (1993/329) nimmt an, dass alle Menschen in irgendeiner Weise kreativ sind, die Möglichkeit zur Erhöhung und Ausbreitung der Kreativität in sich tragen, die dann zu einer immer höheren Leistungsstufe führt. Er setzt allerdings voraus, dass jeder Mensch auch seine bevorzugten Medien, Modalitäten und Themen hat.
Die zentrale Bedeutung für die kunsttherapeutische Arbeit mit Kindern und ihren Familien setzt voraus, dass jeder Mensch von Natur aus kreativ ist.
Davon ausgehend, dass es ein Grundbedürfnis des Menschen ist, sich auszudrücken, um sich selbst darin zu entdecken, bieten sich hierfür eine Vielzahl von Möglichkeiten. Außer den
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kreativen Aktivitäten im engeren Sinne, wie z.B. Singen, Musizieren, Tanzen, Dichten und Gestalten, zählen im weiteren Sinne auch Sprechen, Sport, handwerkliche Betätigungen, Programmieren usw. dazu.
Die Erfahrungen in der Kunsttherapie zeigen, dass oft nur die „Schranken im Kopf“ überwunden werden müssen, um sich gestalterisch auszudrücken. Natürlich sind Kinder mit schweren geistigen oder körperlichen Behinderungen in ihrer Ausdrucksfähigkeit stark eingeschränkt. Für sie wird in der Kunsttherapie ein Ausgleich gesucht, z.B. durch den Einsatz von entsprechenden Techniken und Materialien oder gestalterische Aktivitäten mit spielerischem oder Aktionscharakter.
Von Kreativität im Rahmen der Förderung von Kindern mit einer geistigen Behinderung spricht man, wenn
1. technische Fertigkeiten und Ausdrucksformen im Bereich des ästhetischen Handelns vorhanden sind, (wobei davon ausgegangen wird, dass dem Kind, je nach Fähigkeiten, entsprechende Materialien und Techniken vorgestellt werden und die praktischen Gestaltungsmöglichkeiten schrittweise, durch kulturelle Formung, entwickelt werden.) 2. Problemlösungsstrategien und Ideen vorhanden sind 3. und eine treibende Kraft der Identitätsbildung vorhanden ist. 2005 und 2006 hat Schuppener sich mit der Kreativität von Menschen mit geistigen Behinderungen, wie auch mit dem heutigen Stand der Kreativität im Zusammenhang zwischen Identität und Kreativität beschäftigt und diese veröffentlicht. Sie geht besonders auf das Verständnis von Kreativität als Vorhandensein von Ideen und Problemlösungsstrategien ein, indem sie von 5 Ebenen der Kreativität spricht: ¾ die ungehinderte Produktion von Ideen, ¾ der geschickte Umgang mit Werkzeugen und Technik, ¾ die neuartige Anwendung von schon Bekanntem, ¾ die Erweiterung schon bekannter Prinzipien, ¾ die Entwicklung neuartiger Prinzipien.
Gerade in der kunsttherapeutischen Praxis kommt es häufig vor, dass Kinder neue Ideen erdenken und bereits bekannte Techniken und Materialien auf interessante neue Art nutzen. Da ganze Generationen behinderter Kinder, durch das Ausmalen von Schablonen oder Mandalas unterfordert wurden, ist es nicht verwunderlich, dass alleine das Vorhandensein von schöpferischen Materialien noch keine Kreativität weckt. Deshalb unterstützt Schuppener die „Entwicklung übergeordneter Förderprinzipien und offener methodischer Anregungen für die Unterstützung einer Kreativitätsentfaltung“, die sich auf jede Art schulischer, wie auch
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Arbeit zitieren:
Stefanie Grippekoven, 2008, Entwurf einer Therapiestunde: Tiergesichter, München, GRIN Verlag GmbH
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