INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. WAZ IST MINNE? 4
3. DIE ROLLE DER FRAU BEI REINMAR 6
3.1 Interpretation „Ich will allez gahen“ (M.F. 170,1),
„Ich wirbe umb allez daz ein man“ (M.F. 159,1) 6
3.2 Interpretation „Lieber bote, nu wirbe also“
(M.F. 178,1) 9
3.3 Zusammenfassung 10
4. DIE ROLLE DER FRAU BEI WALTHER 12
4.1 Interpretation „Ein man verbiutet ane pfliht“
(L. 111,22) 12
4.2 Interpretation „Lange swigen des hat ich gedaht“
(L. 72,31) 13
4.3 Zusammenfassung 15
5. ZUSAMMENFASSUNG 16
6. LITERATURVERZEICHNIS 17
2
1. EINLEITUNG
Dass eine Dichterfehde zwischen Reinmar von Hagenau beziehungsweise Reinmar dem Älteren und Walther von der Vogelweide, seinem Schüler, stattgefunden hat, wird vielerorts gemutmaßt und anhand einiger Textstellen auch nachgewiesen. Beide waren Minnesänger, die in ihren Liedern mit verschiedenen Eindrücken und Auffassungen auftraten und sich so, vielleicht auf einem „Dichterwettkampf“ vor dem Publikum, Wortgefechte lieferten um die rechte Minne, und darum, wie eine Dame behandelt werden müsse, um bei ihr zum Erfolg zu gelangen.
Reinmar sang so immer wieder von seinen Misserfolgen, von den Damen, die ihn zurückgewiesen hatten und die er dennoch in alle Himmel hebt und beispielsweise als „oesterlicher tac“ bezeichnet. Walther hingegen scheint mir gelassener, besingt seine Dame und bekommt - seien es auch nur kleine, aber dennoch - Belohnungen. Nun bleibt aber die Frage, wie die beiden, mit welchen Worten und welchen Inhalten sie um die Damen warben und damit zusammenhängend, welche Rolle die Frauen in der Fehde spielten. So werde ich mich zu Beginn mit dem Begriff der „Minne“ an sich beschäftigen und je zwei Lieder Reinmars und Walthers näher erläutern, um sie schließlich gegenüber zu stellen und die, so erwarte ich, verschiedenen Frauenbilder, die verschiedenen Rollen der Dame in den Liedern der Sänger herauszufinden.
3
2. WAZ IST MINNE?
Saget mir ieman, waz ist minne?
weiz ich des ein teil, so wist ich’s gerne me. Der sich baz denn ich versinne, der berihte mich durch waz si tuot so we. Minne ist minne, tout si wol.
tout si we, so enheizet si niht rehte minne, sus einweiz ich wie si danne heizen sol. 1
So lautet die erste Strophe aus Walthers Lied „Waz ist minne?“ (L. 69,1), das um die Zeit der zweiten Auseinandersetzung mit Reinmar entstanden ist und dessen Leitfrage „Was ist Minne?“ darüber nachdenken lässt, was die Liebe in der Minnelyrik und was die Minnelyrik selbst sind. Der Minnesänger versteht sich doppelt. Zum einen ist er der Schreiber seiner Lieder, der sich während des Dichtens mit dem Inhalt auseinander setzt und 2 wird, das im Text selbst handelt. In diesem Moment also ist zum „Text-Ich“
er der Sänger im Lied, der die Dame seines Herzens besingt. Zum anderen kann er das „Performanz-Ich“ 3 sein, also der Sänger, der vor den Zuschauern auf der Bühne steht und dem Text-Ich Leben einhaucht, soweit möglich. Denn ist das Text-Ich die Dame selbst, die das Wort ergreift, ist die Umsetzung in der Realität nur bedingt durch Stimmvariationen und ähnliches möglich. Jene „Frauenlieder“ sind auch ein Versuch, die
Subjektivierungsproblematik zu lösen, die daraus entsteht, dass Frauen selbst zu der damaligen Zeit keine Lieder schrieben respektive vortrugen und so immer nur der männliche Sänger zu Wort kam, was in einer einseitigen Kommunikation resultierte.
Besungen wird in jedem Fall die Liebe, in welcher Variation und Intensität auch immer sie auftreten mag. Als hoffnungslose, hoffnungsvolle Liebe zur durchaus nicht immer gleichen Dame, oder auch die Liebe der Dame zum 4 Dabei „archetypisch für die Liebe Sänger, die jedoch geheim bleiben muss.
am Hof“, so zitiert Mertens Eva Willms, sei „die in den Liedern häufige
1 „Waz ist minne?“, Walther von der Vogelweide, Strophe 1 (L. 69,1) 2 Vgl. Mertens 1995, S. 78, Paul Zumthor anführend
3 ebenda
4 Vgl. Reinmar „Lieber bote, nu wirbe also“
4
Konstellation von Werber und Dame, ihren externen und internen Kommunikationsproblemen“. 5
Daraus ergeben sich die Konstituenten eines Minneliedes, die ebenfalls Mertens erwähnt: der Hof, die Liebe, die Dame (die an dieser Stelle besondere Beachtung finden soll) und der Sänger. Der Hof, so kann man sich auch bildlich vorstellen, bildet einen großen Rahmen, der das Geschehen umspannt und räumlich eingrenzt. Alles weitere passiert dort, wo die „Akteure“ zusammenkommen und agieren können. Das große Thema und zugleich auch Übersetzung der „Minne“ ist die Liebe; die Liebe des Sängers zur Dame, von der er singt. Sie selbst bleibt in jedem der Lieder Reinmars als auch Walthers namenlos und scheinbar unbekannt, so Mertens 6 . Wahrlich wird sie oder eine Variante von ihr in keinem der „Fehdenlieder“, wie ich sie bezeichnen möchte, näher beschrieben denn als „tugendhafte Frau frohen Mutes“ 7 . Der Sänger schließlich kann alles sein, was er sich wünscht. Zum einen der Minnesänger, der eines seiner Werbungslieder vorträgt, zum anderen der Bote, der gute oder schlechte Nachricht bringt und schließlich auch die Dame, die er sprechen lässt, was er zu hören glaubt oder was sie sagen würde, spräche sie zu ihm.
5 Mertens 1995, S. 81
6 Vgl. Mertens 1995, S. 82
7 Vgl. Walther: „In dem done Ich wirbe umb allez daz ein man“
5
Arbeit zitieren:
Claudia Schöpke, 2005, Die Rolle der Frau in der Reinmar-Walther-Fehde, München, GRIN Verlag GmbH
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