Vorwort
Diese Arbeit wurde vor vielen Jahren von mir gefertigt, ist aber heute so populär wie nie zuvor. Die Voraussagen sind eingetroffen, könnte man sagen. Daher habe ich mich entschlossen, diesen Text neu zu verlegen.
Schon 1976 hat Erich Fromm in seinem Werk: „Haben oder Sein“, die Fakten nicht nur, aus ihrer Geschichte her, genial, sehr interessant und vielschichtig, erkannt, erläutert und populär verständlich veröffentlicht, sondern auch allzu wahr vorausgesagt. Deshalb ist es wichtig sich dieses großen Sozialwissenschaftlers und -Philosophen zu erinnern.
Er begriff den Grund unserer Misere, er sah die Entwicklung des Haben-Charakters aus dem Grundbedürfnis des Menschen nach Sicherheit und Anerkennung, die aber auch sehr schnell zu Herrschsucht und Machtgier führten und damit zur Vergöttlichung des Besitzes und des Geldes.
Er sah die Klassengesellschaft, die darauf gründet und den sadomasochistischen Haben-Charakter hervorbrachte.
„Wofür brauchen Menschen soviel Geld“, sagte neulich Alice Schwarzer in einer Talk Show, als man über die raffgierigen Spitzenmanager sprach, die unsere heutige Wirtschaftskrise verursachten. „Sie können doch auch nicht mehr als essen und sich kleiden?“
Es ist die Gier nach Ansehen und Macht und die Verdrängung des Sterbenmüssens, denn schließlich können auch sie nichts mitnehmen.
Fromm fand den Ausweg in einem Bewusstsein, dass sich dem „Seins-Modus“ zuwenden muss, um ein wirklich erfülltes Leben zu finden.
In diesem Buch wird sein Werk in komprimierter Form erörtert und auf den Punkt gebracht.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. 2
Biographisches. 5
1. Die große Verheißung. 8
1.1. Der Zeitgeist des 18.- und 19. Jahrhunderts. 8
1.2. Das Ende der Illusion. 11
1.3. Die Entwicklung der Haben-Struktur. 14
2. Fromms Marxistische Verwendung Freudscher Gedanken. 16
3. Die Kunst des Lebens: HABEN oder SEIN als letzte Wertung
menschlicher Wirklichkeit. 17
3.1. Charakterologische Begriffe. 18
3.1.1. Sünde und Vergebung. 21
3.1.2. Vergnügen. 22
3.1.3. Freude. 22
3.1.4. Leben und Tod. 23
3.1.5. Hier und jetzt / Vergangenheit und Zukunft. 23
4. Fromms Menschenbild. 25
5. Die vaterlose Gesellschaft. 32
6. Religion. 35
7. Thesen über Fromms humanistisches Ideal. 39
8. Religion, Charakter, Gesellschaft. 40
Literatur. 47
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Biographisches
Das Einzelkind Erich Fromm wurde am 13.März 1900 in Frankfurt/ Main geboren. Sein Vater entstammte einer bekannten Talmud-Gelehrtenfamilie. Seine Mutter spielte zweifellos die dominierendere Rolle.
Fromm besuchte in Frankfurt das Gymnasium, hatte intensiven Kontakt zum Rabbiner Nenemia Nobel und war Mitinitiator des jüdischen „Lehrhauses“.
1918 machte Fromm das Abitur. Er studierte zunächst Jura, aber ab 1919 in Heidelberg Soziologie, Philosophie und Psychologie. Über seine erste Frau machte er die Bekanntschaft mit der Psychoanalyse Freuds. Lehranalysen in München und Berlin ergänzten seine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Fromm praktizierte über fünfzig Jahre lang, bis kurz vor seinem Tod, 1980, als Psychotherapeut.
1930 wurde Fromm Mitglied des Institutes für Sozialforschung. Horkheimer machte ihn per Lebensvertrag zum Zuständigen für alle Fragen der Psychologie und Sozialpsychologie in der „Frankfurter Schule“.
Mit dem Institut emigrierte er 1934 nach den USA. 1938 kündigte er seinen Vertrag, nachdem Adorno ins Institut gekommen war.
In den acht Jahren Mitgliedschaft entwickelte Fromm einen eigenen Ansatz sozialpsychologischer Denkweise, untersuchte den autoritären Charakter deutscher Mitarbeiter und Angestellter, lieferte die wichtigsten Gedanken zu „Autorität und Familie“ und war - in diesen Jahren - der „produktivste Kopf“ der „Frankfurter Schule“. (Leo Löwental).
1941 erschien sein erstes Buch „Die Furcht vor der Freiheit“. Eine Krankheit von Fromms zweiter Frau führte ihn 1949 nach Mexiko, wo sie starb.
Fromm blieb in Mexiko und heiratete nochmals. Die liebende Beziehung zu seiner Frau Annis war für ihn der Beweis dafür, dass nur eine liebende Bezogenheit zu anderen, zu sich und zur Welt, eine Antwort auf die Fragen des Lebens zu geben vermag. Das Bemühen um die optimale Entfaltung der dem Menschen eigenen Kräfte der Vernunft, der Liebe und der Kreativität gehört für Fromm zum wissenschaftlichen Denken, ebenso, wie zur
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therapeutischen Arbeit. Wo gesellschaftliche Kräfte eine solche Entwicklung hemmen, gehören zur liebenden Existenz auch Gesellschaftskritik und der gesellschaftliche Veränderungswille. Hier hat Fromm die Tradition der jüdischen Propheten fortgesetzt. Karl Marx und Sigmund Freud sind sicher als die wichtigsten Wegbegleiter für Fromms eigenes Denken anzusehen. In Fromms Begriff des „Gesellschaftscharakters“ werden beide vereint. Die Entdeckung des „gesellschaftlichen Menschen“ bei Marx und die Entdeckung des „unbewussten Menschen“ bei Freud werden zusammengebracht.
Fromm fand im Gesellschaftscharakter jenen „Ort“ im Menschen, wo sich die unbewussten Haltungen finden lassen, die jeder Mensch mit den gesellschaftlichen Gruppen teilt, in denen er lebt. So erklärt Fromm das psychische Geschehen, nicht triebtheoretisch, sondern sozialpsychologisch, ohne den analytischen Ansatz beim Unbewussten aufzugeben.
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Einleitung
1974 erarbeitete Fromm bei einer Untersuchung eine Ergebnis, dass die Libido-Theorie Freuds in Frage stellte. Er fand zwei Existenzweisen, die sich widerstrebten und machte sie am Gesellschaftscharakter des Menschen fest. Er nannte sie den „nicht produktiven und den produktiven Charakter“ oder den „Habenmodus und den Seinsmodus“.
Sein Verständnis des Aufgabenbereiches der Psychoanalyse ist der Art, dass diese gesellschaftsveranwortlich arbeiten sollte. „Psychoanalyse kann es nur als Sozialpsychologie geben, Psychotherapie ist immer auch Gesellschaftskritik und Gesellschaftsveränderung unter der humanistischen Perspektive, dass dem Menschen mit Vernunft, Liebe und Kreativitätspotenzen zueigen sind, die ihren Ursprung in ihm selbst haben und die ihre Energie von den psychischen Bedürfnissen des Menschen erhalten.“ Aus diesem Grunde schrieb er seine Bücher in einer allgemein verständlichen und warmherzigen Sprache, so wie das hier zu beschreibende Buch: „Haben oder Sein“. In der Darstellung Erich Fromms steht die Existenzweise des Habens für die Übel der gegenwärtigen Zivilisation, die des Seins aber für die Möglichkeit eines erfüllten, nicht entfremdeten Lebens. Haben oder Sein? Diese Frage wurde der gemeinsame Nenner seines wissenschaftlichen und religiösen Humanismus, den er in benanntem Buch ausführlich beschreibt. Die Forschungstätigkeit bezog sich bei Fromm auf die Synthese verschiedener Einsichten und Wissenschaftszweige.
„Ich
wollte die Gesetze, die das Leben beherrschen und die Gesetze der Gesellschaft, d.h. der Menschen, in ihrem <
Seit 1967 wendete sich das Interesse Erich Fromms vor allen Dingen zwei Fragenkomplexen zu, nämlich
• ob der Mensch wieder Herr seiner Produkte werden kann oder an einer übertechnisierten Industriewelt zugrunde geht,
• dem Problem von Möglichkeiten und Wirklichkeiten eines Verfallsyndroms des einzelnen Menschen und der gesamten Menschheit.
Mit der Alternative Haben oder Sein verknüpfte Fromm zwei grundsätzliche Ausrichtungen menschlicher Existenz mit einer Fülle
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von Einsichten in die Psyche des Einzelnen und der Gesellschaft mit ihren Traditionen, mit der theiistischen Religion und bedeutenden Denkergebnissen der Geschichte.
Da Fromm Denkansätze in philosophischer und soziologischer Art und Weise auf Marx zurückzuführen sind, möchte ich zunächst versuchen die Wurzeln zu beleuchten, die im 18.- und 19. Jahrhundert liegen.
1. Die große Verheißung
Die Französische Revolution ist der Vorläufer einer anderen, weit herrlicheren Revolution, die die letzte sein wird.
1.1. Der Zeitgeist des 18.- und 19. Jahrhunderts
ist die Pluralität revolutionärer Ideen zur Neuorientierung und Neuwerdung der Weltordnung.
Thesen:
Die Zeit wird kommen, wo die Sonne nur eine Welt freier Menschen bescheint, die keinen Herren außer ihrer Zukunft anerkennen, wo Tyrannen und Sklaven, Priester und ihre dummen, scheinheiligen Werkzeuge nur noch in der Geschichte oder auf der Bühne existieren. Condorcet
Statt dessen versuchen die herrschenden Klassen jede soziale Veränderung aufzuhalten, sie führen ein müßiges und verschwenderisches Leben, hemmen auch den wirtschaftlichen Fortschritt in Form von möglichen technischen Erfindungen , die bei richtiger Entwicklung unbegrenzte Fülle schaffen und durch deren wissenschaftliche Verteilung rasch Glück und Wohlstand der Menschheit für alle Zeiten gewährleistet würden. Saint-Simon
Alle bisherigen Klassenkämpfe sind ein Ergebnis des Warenmangels in der Welt gewesen, die Entdeckung neuer mechanischer
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Produktionsverfahren aber, die die Welt mit Gütern überfluten, würde, ohne rechtzeitige Einschränkung, zu einem Klassenkampf führen, vor dem alle vergangenen Konflikte verblassen würden. Konkurrenzkampf der Kapitalisten, • Senkung der Löhne, •
Erhöhung der Arbeitsstunden, •
zahlreiche akute Wirtschaftskrisen, •
soziales und politisches Chaos, • künstliche Armut durch • das Anwachsen der Güter, •
Niedertrampeln der Menschenrechte. •
Das Recht der Kapitalansammlung und der Besitz von Produktionsmitteln muss staatlich verboten werden. Simondi
Der Mensch ist frei geboren, aber überall liegt er in Ketten. Rousseau
Das Wahre ist das Ganze, das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Hegel
Die treibende Kraft der Geschichte ist nicht geistiger Natur, sondern die „Stimme der materiellen Umstände“ zu einer gegebenen Zeit.
Feuerbach Der Mensch ist, was er isst.
Die Menschengeschichte ist die Geschichte des entscheidenden Einflusses der physischen Umwelt auf den Menschen der Gesellschaft, folglich vermag die Kenntnis physischer Gesetze den Menschen allein zum Herren dieser Kräfte zu machen, indem sie ihn befähigt, sein Leben diesen bewusst anzupassen.
Das einzig mögliche Gebiet, in dem wir dieses Prinzip geschichtlicher Bewegung suchen können, muss der wissenschaftlichen, d.h. Der empirischen Untersuchung offen stehen. Und da die zu erklärenden die des sozialen Lebens sind, muss die Erklärung irgendwie in der Natur der gesellschaftlichen Umwelt liegen, in deren Zusammenhängen der Mensch sein Leben verbringt,- mithin in jenem Gewebe private rund öffentlicher Beziehungen, deren Bedingungen der Einzelne schafft,..., deren Gesamtheit Hegel die bürgerliche Gesellschaft nennt. Marx
Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt, ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. Marx
Entfremdung tritt ein, wenn etwas, das geschaffen wurde , um menschlichen Bedürfnissen zu dienen, ein Eigenleben annimmt und vom Menschen nicht mehr als etwas von ihm zur Befriedigung eines vielleicht längst erloschenen Bedürfnisses Geschaffenes, sondern als ein objektives Gesetz oder eine Einrichtung angesehen wird, die ewig rechtmäßige Autorität besitzt - wie etwa die Naturgesetze für die Wissenschaftler und Laien oder wie die Kirche für die Gläubigen.
nach Marx
Entfremdung kann erst ein Ende finden, wenn die letzte Klassedas Proletariat- das Bürgertum nieder gerungen hat; die Ideen, welche dieser Sieg hervor bringt, werden selbsttätig der Ausdruck der gesamten Menschheit und eine Wohltat für diese sein. Keine Institution und kein Gedanke , die auf einer Verfälschung des Charakters irgend eines Teils des Menschengeschlechtes beruhen und so zu seiner Unterdrückung führen oder diese zum Ausdruck bringen, haben eine Chance zu überleben. Der Kapitalismus, unter dem bestimmte Menschen - nämlich die Arbeiter - wie leblose Gegenstände eingekauft und verkauft werden, ist offensichtlich ein System, das die Wahrheit verzerrt und die Geschichte Klasseninteressenten unterzuordnen sucht, was eine Ungerechtigkeit ist. Daher ist er offensichtlich dazu bestimmt, von der sich zusammenballenden Macht seiner aufgebrachten Opfer verdrängt zu werden.
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Arbeit zitieren:
Dipl.Soz.päd. Antje-Marianne Di Bella, 2009, Die neue Stadt - Wie ist diese Gesellschaft zu retten?, München, GRIN Verlag GmbH
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