Kurzfassung
Dem Deutschen Wanderverband zufolge ist das Wandern die beliebteste Outdoor-Aktivität der Deutschen. Jede Menge Reiseveranstalter haben diesen Trend durchschaut und richten ihre Angebote gleichermaßen auf dem Markt aus. Doch im Vergleich zu den boomenden er Jahren hat der Wandertourismus ein neues Bild angenommen, das die Tendenz zur Internationalisierung sowie Trendentwicklungen, Abenteuer und Exklusivität in sich schließt. Für die Produktentwicklung auf dem Veranstaltermarkt bedeutet diese Veränderung Einbeziehung individueller Kundenwünsche, Spezialisierung auf Nischen, Schaffung von Zusatznutzen und hohe Qualität in der Dienstleistung. Dabei sollte das Erleben in authentischer Umgebung im Vordergrund stehen und das Gefühl von Selbstverwirklichung angestrebt werden.
Schlagwörter: Wandern, Reiseveranstalter, Wandertourismus, Produktentwicklung, Individualität, Zusatznutzen, Authentizität, Selbstverwirklichung
Abstract
According to „Deutscher Wanderverband” the most favourite outdoor activity of German population is hiking. Many tour operators have identified this growing market segment and developed various offers and packages to meet demand. But in comparison to the hiking boom in the sixties industry has created a completely new image: internationalization, adventure and exclusivity are main tendencies. In order to meet customer expectations tour operators have to react to individual needs, create additional benefits aspire high quality while developing products. At the same providers should aim for authenticity and finally customers should get the sense of achievement and self-fulfilment.
Keywords: hiking, tour operator, hiking tourism, product development, individualization, additional benefit, authenticity, self-fulfilment
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung. I
Abstract. I
Inhaltsverzeichnis. II
Abbildungsverzeichnis. VI
Tabellenverzeichnis VII
Abkürzungsverzeichnis VIII
Vorwort. X
Zielsetzung und Vorgehensweise 1
Tourismus und Wandern 3
Was bedeutet „Wandern“? 4
Begriffserklärung Wandern. 4
Begriffserklärung Bergwandern 5
Begriffserklärung Bergsteigen. 6
Begriffserklärung Trekking. 6
Geschichtliche Entwicklung des Wandertourismus 7
Institutionalisierung des Wanderns 12
Verbände und Vereine 12
Schutzhütten. 16
Wege. 20
Wandertourismus heute - eine neue Reiseform? 20
Wandern - eine Form des alternativen und umweltbewussten Reisens 23
Sanfter Tourismus 23
Naturtourismus. 24
Nachhaltiger Tourismus 25
Ökotourismus 26
Inhaltsverzeichnis III
Beschreibung der Wandertouristen als Marktnachfrager 27
Zielgruppenanalyse 27
Urlaubsmotive und Anforderungen an das Produkt. 29
Natur. 30
Erlebnis 30
Sport und Aktivität 31
Gesundheit und Wellness 31
Selbstfindung 31
Ökologisches Bewusstsein 33
Individualität 33
Art der Informationsbeschaffung. 34
Beschreibung des Reiseveranstaltermarktes 37
Wanderreisen als touristisches Produkt 37
Touristisches Leistungsbündel 38
Besonderheiten touristischer Produkte 40
Angebotsformen 42
Marketingstrategien. 45
Marketing-Instrumente 49
Aktuelle Marktsituation. 52
Beschreibung der Angebotstiefe 56
Beschreibung der Angebotsbreite 59
Produktentwicklungsvorgang bei Wanderreisen in Verbindung mit
Expertenbefragungen. 74
Produktentwicklungsprozess 78
Produktdefinition 80
Produktkonzeption 86
Produktgestaltung. 92
Produktdesign 93
SWOT-Analyse im Bezug auf das Wandern 95
Schwächen und Gefahren. 95
Verletzungsgefahr 95
Herzinfarktgefahr 96
Höhenkrankheit. 96
Wetterabhängigkeit 97
Murenabgänge, Felsstürze und Hochwasser als Folgen der
Klimaerwärmung. 98
Eingeschränkter Komfort, Hygiene und Sauberkeit 99
Inhaltsverzeichnis IV
Belastung der Bereisten 100
Verlust der Authentizität durch „Fun-Parks“ 101
Stärken und Chancen. 103
Umweltverträglichkeit. 103
Ökonomische Vorteile für Betroffene des Wandertourismus. 104
Individueller Nutzen durch hohen Erlebniswert im Vergleich zum
geringen Geldwert. 104
Erkennung von Trends 105
Best Practice-Beispiel einer Wanderreise anhand einer
Alpenüberquerung vom Karwendel bis zum Gardasee 107
Ausgangssituation. 107
Ausrüstung. 108
Routenverlauf. 109
Erfahrungsbericht. 113
Markteinführung. 114
Zusammenfassung und Fazit 116
Anhang A: Mitglieder des Verbands Deutscher Gebirgs- und Wandervereine
e.V. 122
Anhang B: WanderStudienreise auf Zypern mit „Studiosus“ 125
Anhang C: Wellnesswandern in Österreich mit „Elch Adventure Tours“ 127
Anhang :D Wandern und Tierbeobachtungen auf Madagaskar mit
„Erlebnisreisen weltweit“ 128
Anhang E: Fotowanderreise zum Polarkreis mit „Hauser Exkursionen“ 134
Anhang F: Wandern und Jodeln in Österreich mit „Weltweitwandern“ 142
Anhang G: Frauenwanderreise im Himalaya mit „Frauen Unterwegs“ 145
Anhang H: Pilgerwandern auf dem Jakobsweg mit „Vuelta“ 149
Anhang I: Schneeschuhwandern im Vinschgau mit dem „DAV Summit Club“ 150
Anhang J: Fragebogen zur Produktentwicklung 151
Inhaltsverzeichnis V
Anhang K: Beurteilungsbogen „Hauser Exkursionen“ 153
Anhang L: Best Practice-Beispiel einer Wanderreise über die Alpen 155
Literaturverzeichnis 171
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung : Horace Bénédict de Saussure besteigt den Mont Blanc
Abbildung : Historische Entwicklung des Wanderns.
Abbildung : Berliner Hütte im Zillertal.
Abbildung : Olpererhütte in den Zillertaler Alpen
Abbildung : Ökotourismus (ÖT) im Vergleich zu anderen Tourismusformen
und Begriffen
Abbildung : Zielgruppenmodell Urlaubs- und Reisestile
Abbildung : Bedürfnispyramide nach Maslow
Abbildung : Modell der Leistungserstellung bei Dienstleistungen.
Abbildung : Wettbewerbsmatrix nach Porter
Abbildung : Alpenrosen.
Abbildung : Edelweiß
Abbildung : Alpenmohn
Abbildung : Neuigkeitsgrad eines Produktes aus der Sicht der Kunden
(Markt) und des Unternehmens.
Abbildung : Mögliche Strukturierung der Entwicklung in einem
Unternehmen
Abbildung : Zusammenhang zwischen Merkmalsklassen und
Kundenzufriedenheit
Abbildung : Darstellung der Wettbewerbssituation in einem Portfolio
Abbildung : Einordnung der bekanntesten Kreativitätstechniken
Abbildung : Beispiel einer einfachen Produktstruktur
Abbildung : Tourenverlauf vom Karwendel bis zum Gardasee
Abbildung : Profil der Tour Karwendel - Gardasee
Tabellenverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle : Segmentierung der Hütten des ÖAV. 16
Tabelle : Verhalten der Touristen nach Robert Junk 24
Tabelle : Magazine zum Thema Wandern 35
Tabelle : Internetseiten zur Wandervorbereitung 36
Tabelle : Formen der Pauschalreise 43
Tabelle : Strategiesystematik 46
Tabelle : Instrumente der Preispolitik 50
Tabelle : Vergleich Wanderreiseveranstalter 54
Tabelle : Anforderungen an die Kondition der DAV Summit Club-Reisenden. 58
Tabelle : Gründe für die Weiter- oder Neuentwicklung von Produkten 78
Tabelle : Kriterien zur Analyse von Wettbewerbsprodukten und -
unternehmen. 84
Tabelle : Ausrüstungsliste für die Alpenüberquerung 109
Tabelle : Angebotskalkulation für eine Reisegruppe mit Personen 115
Tabelle : Mitglieder des Verbands Deutscher Gebirgs- und
Wandervereine e V 122
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung ASI Alpinschule Innsbruck Aufl. Auflage Ausg. Ausgabe AV Alpenverein AVS Alpenverein Südtirol bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa
CD-ROM Compact Disk - Read Only Memory CO Kohlendioxid
d.h. das heisst DAV Deutscher Alpenverein DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband DR Demeter-Reisen DTV Deutscher Tourismusverband DuÖAV Deutsch und Österreichischer Alpenverein DWJ Deutsche Wanderjugend
e.V. eingetragener Verein E EC Electronic Cash EG Europäische Gemeinschaft evtl. eventuell EWV Europäische Wandervereinigung f. folgende ff. fortfolgende FKK Freikörperkultur GPS Global Positioning System Gz Gehzeit h Stunde(n) HE Hauser Exkursionen Hm Höhenmeter i.d.R. in der Regel inkl. inklusive k.A. keine Angabe
Kap. Kapitel KdF Kraft durch Freude km Kilometer km/h Kilometer pro Stunde LSF Lichtschutzfaktor m Meter Mio. Million MP MPEG- Audio Layer : Dateiformat MwSt. Mehrwertsteuer Nr. Nummer o.V. ohne Verfasser österr. Österreichische ÖT Ökotourismus p.P. pro Person PC Personal Computer PDA Personal Digital Assistant PET Poly-Ethylen-Terephthalat Pkw Personenkraftwagen qm Quadratmeter RV Reiseveranstalter
S. Seite s. siehe SC Summit Club SKR Studien-Kontakt-Reisen Tab. Tabelle Tel. Telefon TV Television
UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization USP unique selling proposition, einzigartiger Verkaufsvorteil
usw. und so weiter uvm. und viele mehr v.a. vor allem vgl. vergleiche W-H-D Wellness Hotels Deutschland
z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil
Vorwort
In den modernen Industrieländern gibt es seit gut hundert Jahren eine beträcht- liche Anzahl von Menschen, für die das Wandern zu den erfüllendsten und wert- vollsten Dingen des Daseins gehört. Wenn man weiß, wie intensiv und glückver- heißend z.B. das bergsteigerische Erlebnis sein kann, dann verwundert es einen stets aufs Neue, wie schwer sich Alpinisten damit tun, ihr Erleben in Worte zu fassen. Sie werden sprachlos oder verfallen in Klischees, wenn sie danach befragt werden, was ihnen das Erklimmen des Berges denn bedeute.
Nahezu jeder Mensch, der aus dem flachen Lande kommt, wird angesichts einer hoch aufragenden Bergkulisse von Empfindungen des Staunens oder der Ehrfurcht berührt. Beim Bergsteiger gesellt sich zu dieser Reaktion des bewundern Anschauens noch ein Handlungsimpuls hinzu, der lautet: Da muss ich hinauf! Der Anblick des Berges erweckt Leidenschaft. Höhe, Kälte, Steilheit und andere Unbequemlichkeiten schrecken den Alpinisten nicht ab, im Gegenteil, diese Erschwernisse erhöhen den Aufforderungscharakter des großen Berges.
Die Bergbesteigung wird für den leidenschaftlichen Alpinisten erst in jener Sekunde voll gültig, sobald er den Fuß auf die höchste Spitze, auf den obersten Stein gesetzt hat. Dies ist ein magischer Punkt. Der Punkt der Erlösung. Wenn man dort oben steht, wird einem klar, dass man vollkommene Arbeit geleistet hat. Alles ist perfekt. Zur gleichen Zeit spürt man in sämtliche Muskelfasern hinein die Mühen des kräftezehrenden Anstiegs. Es kommt der Blick hinab in die Tiefe der Täler hinzu, der ebenfalls die Größe der Tat und des unbeschreiblichen Empfindens von Glück bezeugt.
Doch nicht das bergsteigerische Erlebnis allein, sondern die Begeisterung für das Wandern an sich bringt umfassendes Potential mit sich, das als Grundlage für einen prosperierenden Wandermarkt dient.
Eva Kulina München, im Oktober
1 Zielsetzung und Vorgehensweise 1
Zielsetzung und Vorgehensweise
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Wandern, wobei der Schwer- punkt auf dem Bereich der touristischen Wanderreise liegt. Im Vergleich zu den boomenden Wanderausflügen in die Alpen in den er Jahren hat sich zwischen- zeitlich viel getan. Wandern hat einen geänderten und somit neuen Stellenwert auf dem Markt eingenommen. Neben der Zielgruppe haben sich auch die Desti- nationen und die Wanderreisen selbst neu gestaltet. Im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Wanderreiseveranstalter immer mehr an, da inhaltsreiche sowie indivi- duell zugeschnittene Angebotsversionen von Wandertouristen nachgefragt wur- den. Welchen Weg zeitgemäße Wanderprodukte in ihrer Entwicklung gehen, soll im Kern dieser Arbeit behandelt werden. Hierbei wird insbesondere auf folgende Punkte eingegangen:
Zunächst wird in Kapitel der Bezug zwischen Wandern und Tourismus erläutert.
Begriffe wie „Wandern“, „Bergwandern“, „Bergsteigen“ und „Trekking“ werden darin erklärt. Außerdem soll die geschichtliche Entwicklung im Wandertourismus und die daraus resultierende Institutionalisierung dargestellt werden. Mit einem Bezug auf den heutigen Wandertourismus wird dieses Kapitel abgeschlossen.
Das . Kapitel gibt einen Überblick über das Wandern als alternative und umwelt- bewusste Reiseform. Es wird auf Begriffe wie „sanfter Tourismus“, „Naturtouris- mus“, „nachhaltiger Tourismus“ und „Ökotourismus“ eingegangen, indem eine
Zuordnung des Wanderns zu den Begriffen stattfindet.
In Kapitel erfolgt eine Beschreibung des klassischen Wandertouristen hinsichtlich seiner Lebensgewohnheiten, Urlaubsmotive und den üblichen Verfahren seiner Informationsbeschaffung.
Wodurch sich der Markt der Wanderreiseveranstalter kennzeichnet und wie er sich von anderen Reisemärkten abgrenzt, beschreibt das . Kapitel. In diesem Ab- schnitt findet neben einer ausführlichen Erklärung über die Kennzeichen von
Wanderreisen als touristisches Produkt auch eine Darstellung der aktuellen
Marktsituation statt. Anhand von Experteninterviews wird anschließend der
eigentliche Produktentwicklungsprozess von Wanderreisen verdeutlicht.
Mit der in Kapitel aufgeführten SWOT-Analyse sollen dem Leser allgemeine
Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren des Wanderns nahe gebracht wer- den. Durch diese Methode, die auch auf Wandern spezialisierte Reiseveranstalter als Vergleich nutzen können, bietet sich die Möglichkeit eventuell noch unge- nutzte Potentiale zum Erzielen von Wettbewerbsvorteilen und Entwicklungsmög- lichkeiten von Wanderprodukten zu erkennen.
Mit dem Best Practice-Beispiel, einer Alpenüberquerung, stellt die Verfasserin abschließend in Kapitel einen Bezug von der Theorie zur Praxis her und präsentiert eine von ihr selbst gestaltete und realisierte Wanderreise als marktfertiges Produkt.
Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung und einem Fazit.
Tourismus und Wandern
Das Reisen ist zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens geworden. Es gehört fast schon automatisch zu Begriffen wie Freizeit, Ferien und Urlaub und mit zu einer der populärsten Formen von Glücksempfinden. Spaziergänge und Wanderungen zählen allgemein zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen europäischer Touristen. Zwei Drittel aller Inlandsurlauber sind laut Angaben des DTV (Deutscher Tourismusverband) potentielle Wandergäste. Zunehmend fühlen sich auch jüngere Gäste angesprochen. Rund die Hälfte der Wanderurlauber ist zwi-
schen und Jahre alt. 1
Nach oder während der Wanderung wünscht sich der Gast eine authentische Verköstigung aus qualitativ hochwertigen Produkten der Region. Neben Komfortunterkünften erhofft er sich abwechslungsreiche Aktivitäten vor Ort als Alternativprogramm zum Wandern. Der allgemeine Trend zum Wellness- und Gesundheitsurlaub sowie ein hoher Anteil an einkommensstarken Individualgästen mit überdurchschnittlicher Reise- und Ausgabebereitschaft machen das Wandern zu einem touristischen Spitzenprodukt für Naturgenießer, Entdecker, Müßiggänger,
Abenteurer oder Sportinteressierte. 2
Immer mehr Übernachtungsbetriebe tragen das Gütesiegel „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“, das der Deutsche Wanderverband für wanderfreundliche Unterkünfte vergibt. Im Mai waren es zertifizierte Häuser. Die teilnehmenden Häuser müssen Kern- und acht Wahlkriterien erfüllen, die vor Ort überprüft werden. Sie müssen besonders auf die Interessen von Wanderern ausgerichtet und von DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) oder DTV klassifiziert sein, außerdem in einer attraktiven Wanderregion liegen, Trocknungsmöglichkeiten für die Ausrüstung und einen Gepäcktransport zur nächsten Unter-
1 Vgl.
2 Vgl. Baumbach (), S. .
kunft anbieten sowie über wanderkundige Mitarbeiter verfügen. Zudem müssen sie bereit sein, wandernde Gäste kurzfristig und auch nur für eine Nacht aufzu-
nehmen. 3
. Was bedeutet „Wandern“?
Wer annimmt, Wandern wäre eine Sportart, die nicht mit der Zeit gehe, der irrt. Wanderer jedoch unterscheiden sich in gewisser Weise von den vielen anderen Sport treibenden Menschen. Sie sind „Idyllensucher“, die sich Luxus gönnen, denn: Zum Wandern braucht man Zeit. Wandern ist eindeutig eine sportliche Tätigkeit, die zu körperlichem Wohlbefinden führt. Das reine „Kilometer-Machen“ aber wird zweifellos jedes stilvolle Erlebnis verhindern, das mit dem Wandern von seinem Ursprung her verbunden war. Trekking-Höchstleistungen und „Querfeldein-Survival-Walks“ machen die kleinen Entdeckungen am Wegesrand unmöglich. Wandern aber braucht Zeit, viel Zeit, und statt Muskulatur eher Phantasie. Schließlich geht es doch um das Ineinanderspielen körperlich-sinnlicher, geistiger und seelischer Erfahrungen derer, die sich mit dem Rucksack auf dem Rücken in freier Natur bewegen. 4 Nicht umsonst heißt es, dass jemand ein „bewanderter“ Mensch ist, wenn er in seinem Leben reiche Erfahrungen gesammelt hat und ein fundiertes Wissen aufweisen kann. Was der Mensch sich erwandert hat, das kann ihm keiner mehr nehmen. Schon Goethe sagte einst:
„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ 5
.. Begriffserklärung Wandern
Das Wort „Wandern“ stammt vom althochdeutschen „wantõn“, was „wenden, verwandeln, sich ändern“ bedeutet. Aus diesem Ausdruck entwickelte sich im Laufe der Zeit „von einem Ort zum anderen ziehen“ und seit dem . Jahrhundert
3 Vgl. Baumbach (), S. .
4 Vgl. Knecht/Stolzenberger (), S. .
5 Goethe ( - )
bis in die Gegenwart ist unter dem Wanderbegriff „größere Strecken in der Natur zu Fuß zurücklegen“ zu verstehen. 6 Dennoch verlangt das Wort „Wandern“ in Verbindung mit dem klassischen Wanderer eine etwas ausführlichere Erklärung und wird demnach von der Verfasserin wie folgt definiert:
Einen Rucksack trägt der Wanderer mit sich, um nach oder während des Wanderverlaufs auf Proviant zurückgreifen zu können. Zusätzliche Kleidung gehört im Falle eines Wetterumschwungs ebenso hinein. Trotz des florierenden Geschäfts in der Sportartikelbranche, die mittlerweile für jede Sportart die „passende“ Bekleidung erfunden hat, ist der Wandersektor davon verhältnismäßig wenig betroffen, da diese Sportart grundsätzlich mit jeder bequemen Freizeitkleidung durchgeführt werden kann. Dennoch sollte beim Wandern stets auf passendes Schuhwerk geachtet werden. Das heißt, Wanderstiefel die bis über den Knöchel reichen und somit für Stabilität sorgen sind notwendig. Durch die griffige Sohle wird zusätzlich die Verletzungsgefahr reduziert. Ein Stock bzw. zwei Stöcke geben
dem Wanderer die Möglichkeit seine Kräfte auch auf die Arme zu verteilen. Ge- nauso geeignet sind sie zum Balanceausgleich und Abstützen an unsicheren Stel- len.
.. Begriffserklärung Bergwandern
Bergwandern differenziert sich vom Wandern insofern, dass anstelle des flachen Geländes, wie es in den Tälern und auf der Ebene vorfindbar ist, die Berge aufgesucht werden. Hierbei unterscheiden sich v.a. die Gegebenheiten des Weges, der zwar gebahnt ist, aber durch Unebenheiten und größere Steine einen ungleich-
6 Vgl. Pfeiffer (), S. .
mäßigeren Verlauf aufweist. Die Bewegungsform des Gehens wird durch das Steigen ersetzt und steilere Anstiege verlangen mehr Kondition als beim Wandern. Zu den Bergwanderern zählen allerdings auch jene, die sich den Aufstieg per Pedes durch eine Seilbahn-, Sessellift- oder Gondelfahrt ersparen und auf dem Berg in etwa . - . m Höhe eine Höhenwanderung vollziehen.
.. Begriffserklärung Bergsteigen
Der Begriff „Bergsteigen“ ist nicht klar definiert und reicht vom einfachen Berg- wandern über alpines Klettern bis hin zum so genannten Höhenbergsteigen in den Regionen der Sieben- und Achttausender. Trotz alledem grenzt die Verfasse- rin den Ausdruck des Bergsteigens ein, indem sie ihn wie folgt festlegt:
„Beim Bergsteigen findet, wie beim Bergwandern, die sportliche Betätigung im Gebirge statt. Die Erschließung des Berges findet neben schmalen steilen Pfaden und befestigten Steigen z.T. auch auf unsicherem weglosem Gelände statt.“
Dies sollte nur von trittsicheren, geübten und schwindelfreien Bergwanderern begangen werden. Klettertouren und Wanderungen mit Klettersteigen schließt die Verfasserin von ihrer Arbeit aus und werden nicht als Wanderreisen gewertet. Genauso wenig fallen Extremtouren, die eine überdurchschnittliche Kondition und Technik verlangen sowie Skitouren nicht in das zu behandelnde Themengebiet.
.. Begriffserklärung Trekking
Das Wort „Trekking“ stammt aus dem Englischen und bedeutet „mehrtägige Wanderung einer geführten, kleinen Gruppe durch oft unwegsames Gebiet im Hochgebirge“. 7 Streng genommen bezeichnet der Begriff „Trekking“ eine besondere Form des Wanderns, nämlich das Zurücklegen einer Strecke über längere Zeit
7 Vgl. Duden (), S. .
bei gleichzeitigem Verzicht auf Übernachtungsmöglichkeiten in Gebäuden. Die Übernachtung erfolgt unter freiem Himmel, im Zelt oder in einem Biwak - bspw. einem Blachen-, Schnee- oder Steinbiwak. Heute hat sich aber der Begriff „Trekking“ oder „Trek“ als Sammelbegriff für Wanderungen von Ort zu Ort durchgesetzt. Trekkingreisende sind mit dem Rucksack unterwegs, übernachten und verpflegen sich in Hütten und ziehen am nächsten Tag wieder weiter - vielleicht
auch Monate lang. 8
. Geschichtliche Entwicklung des Wandertourismus
In mancherlei Hinsicht waren die Wallfahrten die Vorläufer der Wanderreisen. Die Tage der Wallfahrt waren in einer Zeit, die keinen Urlaub im heutigen Sinn kannte, auch Tage der Erholung und des Ausbrechens aus der dörflichen Sozialkontrolle. Tatsächlich war Freizeit im . Jahrhundert im Wesentlichen für kirchliche Verrichtungen bestimmt, die als willkommene Unterbrechung und Abwechslung im Arbeitsleben verstanden wurden. Auf Wallfahrt zu gehen, war Bußübung und Freizeiterlebnis zugleich.
Neben dieser religiös bestimmten Fußreise gewann das Spazierengehen und Wandern immer mehr an Popularität. Eine neue bürgerliche Gehkultur wurde seit den ern des . Jahrhunderts erprobt. Über Aufklärung, Freiheit und autonomes Denken wurde in Begriffen des Gehens und der Geherziehung geredet. „Zu Fuße! Da ist man sein eigener Herr!“, vermeldeten die Poeten. 9 Beeinflusst von Jean-Jacques Rousseau und seiner aufklärerischen Haltung „Zurück zur Natur“, fing zu dieser Zeit der Englische Adel mit der Eroberung der Alpen an und reiste v.a. ins Berner Oberland, nach Grindelwald, Zermatt und Chamonix. Die Natur
wurde nicht mehr als Bedrohung, sondern in ihrer Schönheit empfunden. Die Alpen, früher als gefährliche, dämonische Region verrufen, waren auf einmal eine grandiose Erholungslandschaft. 10 Als im Jahre zum ersten Mal der Mont
8 Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de (Zugriff am ..)
9 Vgl. Sandgruber (), S. ff.
10 Vgl. Ludwig/Has/Neuer (), S. .
Blanc bestiegen wurde, hat der Alpinismus begonnen. Die Erstbesteigungen des Großglockner (), des Ortler () und der Jungfrau () folgten. Repräsentanten der städtisch-intellektuellen Welt bezwangen die Alpen in erster Linie für wissenschaftliche Zwecke und ließen sich als Erstbesteiger feiern. 11 Abb. zeigt die Besteigung des höchsten Berges Europas durch Horace-Bénédict de Saussure und seine Seilschaft . Neben der wissenschaftlichen Ausrüstung schleppten die Teilnehmer eine Unmenge von Gegenständen auf den Gipfel wie u.a. ein Bett, eine Matratze und einen Vorhang. Der hinterste Träger hat einen Kohleofen auf seinem Rücken.
Abbildung : Horace Bénédict de Saussure besteigt den Mont Blanc 12
Einen regelrechten Boom erlebte die Begeisterung für die Alpen allerdings erst ab Mitte des . Jahrhunderts. Zahlreiche Artikel und Bücher wurden über das Naturwunder Alpen veröffentlicht, und die Neugier in großen Teilen der Bevölkerung wuchs. wurde in England der erste Alpenverein gegründet. So genannte Alpenexperten reisten aus England an und führten den erstaunten Einheimischen
11 Vgl. Ludwig/Has/Neuer (), S..
12 Swissworld, http://www.swissworld.org (Zugriff am ..)
vor, wie man ihrer Meinung nach mit den Bergen umzugehen hatte. 13 Die Gründung des Schweizer und Deutsch-Österreichischen Alpenvereins folgte wenige Jahre darauf. Durch die sportliche Herausforderung gab es nun einen neuen Zugang zu den Alpen. war am Rigi, oberhalb des Vierwaldstätter Sees, die erste touristische Bergbahn auf einem Alpengipfel in Betrieb genommen. Die neuen Vereine kurbelten durch den Bau von Wegen und Hütten den Alpentourismus weiter an. 14
Im späten . Jahrhundert erschlossen sich auch die Arbeiter das Wandern. Die
stark für proletarisches Wandern. Ein deutlicher Anstieg in der Wandertätigkeit, die bislang nur dem Adel, Bürgertum und Beamten vorbehalten war, war zu verspüren. 15 Dieser Zuwachs wurde verstärkt durch eine vollkommen neue Dimension der Mobilität, der Eisenbahn. In achteinhalb Stunden ratterte viermal täglich ein Personenzug über den Brenner von Kufstein nach Bozen. Die Fremden-
verkehrsorte in den Bergen boomten. 16
Die sozialen Dimensionen des Wandererlebnisses erkannten auch die Nationalsozialisten. Sie schufen die Organisation Kraft durch Freude (KdF) und boten günstige Wanderreisen an. Das Verbot anderer Organisationen wie Naturfreunde oder gewerkschaftliche Anbieter machte sie fast konkurrenzlos. Natürlich war der ideologische Hintergrund unverkennbar. 17
Begünstigt durch den Aufbau einer sozialen Marktwirtschaft, durch die wachsende Motorisierung und durch die Sehnsucht nach Ruhe und Idylle nach Kriegsende, wurde in den er Jahren der Grundstein zum Massentourismus gelegt. Pioniere der Pauschalreisen für die breite Schicht in der Tradition des KdF waren Carl Degener und Wilhelm Scharnow. Sie gründeten die erste Reiseagentur namens Touro-
13 Vgl.
14 Vgl. Ludwig/Has/Neuer (), S..
15 Vgl. Thiel/Homrighausen (), S..
16 Vgl. Fritsche/Sulzenbacher (), S..
17 Vgl. Thiel/Homrighausen (), S..
pa und hatten mit ihren organisierten Bahnreisen in das erste nun entstehende Tourismuszentrum, Ruhpolding im Chiemgau, einen vollen Erfolg. Weiterhin jedoch nutzte ein Großteil der Bevölkerung andere und v.a. billigere Reisemöglichkeiten wie zum Beispiel Ausflüge mit Wandervereinen.
Ab setzte eine rasante Entwicklung ein. In Südtirol stiegen die Zahlen im Vergleich zu den ern um das Achtfache, von drei auf Mio. Touristen. Landschaften haben sich seitdem nachhaltig verändert, viele Ortsbilder wandelten sich einschneidend. 18
schlugen erste Rückgänge zu Buche, da v.a. der Skitourismus den Wandertourismus verdrängte und Tourismusverantwortliche sich nicht gezwungen sahen, zukunftsorientiert zu denken und zu handeln und Alternativen für das Sommerangebot zu finden. 19 Eine weitere Erklärung für die rückläufigen Zahlen im Sommer ergab eine in Südtirol durchgeführte Gästebefragung, worin das Schlechtwetterprogramm als mangelhaft empfunden wurde. 20
In Abb. werden die signifikantesten Ereignisse der historischen Entwicklung bezüglich des Wanderns auf einem Blick dargestellt.
18 Vgl. Rösch/Rohrer (), S. .
19 Vgl. Theiner/Steinhauser (), S..
20 Vgl. Rösch/Rohrer (), S. .
Tourismus und Wandern
Abbildung : Historische Entwicklung des Wanderns
21 Eigene Darstellung
. Institutionalisierung des Wanderns
Ab Mitte des . Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Institutionalisie-
rung des Wanderns durch Wander- und Gebirgsvereine. Diese meist bürgerlichen und Heimat verbundenen Vereine leisteten Pionierarbeit in der Erschließung der
Natur durch Wanderwege, Wegweiser, Karten, Schutzhütten und Aussichtstürme. wurde mit dem Badischen Schwarzwaldverein der erste deutsche Mittelge- birgsverein gegründet und nach einem Bergwanderunfall die erste Berg- rettungsstelle weltweit in der österreichischen Steiermark. 22
.. Verbände und Vereine
a) Deutscher Wanderverband: Der Deutsche Wanderverband (DWV) ist der Dachverband der deutschen Gebirgs- und Wandervereine (s. Anhang A) mit rund
. Mitgliedern. Durch ihn werden mehr als . km Wanderwege betreut, Wanderführer ausgebildet, geführte Wanderungen angeboten und viele weitere Veranstaltungen für Wanderfreunde realisiert. Der DWV schafft mit "Wanderbares Deutschland" objektive Qualitätskriterien für wandertouristische Angebote. 23 Im Mai schlossen sich in Fulda Vereine zum „Verband Deutscher Touristen-Vereine“ zusammen, dem rund . Mitglieder angehörten. „Das Touristenwesen in Deutschland im allgemeinen zu fördern“ wurde als Vereinszweck formuliert. Die Mittelgebirgslandschaften, wie Spessart, Rhön und Harz, sollten erschlossen und die Bevölkerung dort durch einen ersten bescheidenen Fremdenverkehr unterstützt werden. Die Wandervereine legten Wege an,
markierten sie, boten gemeinsame Wanderungen an, gaben Wanderführer her- aus und empfahlen darin auch wanderfreundliche Gasthöfe. wurde der Verband umbenannt zum „Verband deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V.“. Die Zahl der Mitglieder wuchs und gehörten dem Dachverband Vereine mit über . Mitgliedern an. Die Themen der jährlichen Mitgliederversamm- lungen muten auch heute noch aktuell an: Haftpflichtversicherungen, einheit-
22 Vgl.
23 Vgl. Wandern.de, http://www.wandern.de (Zugriff am ..)
liche Wegebezeichnungen, Kulturarbeit oder die Förderung des Jugend- sowie des Schülerwanderns. Von Anfang an bauten die Wandervereine Aussichtstürme sowie Wanderhütten und -heime auf. Ferner richteten sie erste provisorische, meist nur im Sommer geöffnete Unterkünfte für die Jugend ein. Seit den er Jahren engagieren sich die Wandervereine für die Schaffung und Betreuung von Naturparken, die neben dem Naturschutz auch der Erholung dienen sollen. 24
b) Deutsche Wanderjugend: Die deutsche Wanderjugend (DWJ) ist die outdoororientierte Jugendorganisation des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, kurz Deutscher Wanderverband. Deutschland hat in der DWJ eine sehr starke Jugend-Wanderorganisation, die sich aktiv für diese Outdoor-Aktivität einsetzt. 25 In der DWJ sind etwa . Kinder und Jugendliche organisiert. Das
Spektrum der Aktivitäten ist vielfältig und reicht von wöchentlichen Gruppen- treffen, über Freizeiten bis zu internationalen Jugendbegegnungen. Ein besonde- rer Schwerpunkt liegt im Bereich „Junges Wandern“. Die DWJ unterstützet Kinder, Jugendlichen und Gruppenleiter/-innen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. D.h. sie sucht und entwickelt neue Ideen, Konzepte und Anregungen für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die auf verschiedenen Internetseiten und in der regelmäßig erscheinenden Zeitschrift „WALK & more“ veröffentlicht werden. Darüber hinaus bietet sie Lehrgänge und Fachtagungen für Gruppenleiter/-innen sowie Ferien- und Feizeitangebote für Kinder und Jugendliche an. 26
c) Naturfreunde Deutschlands: Die Naturfreunde Deutschlands sind zwar nicht im eigentlichen Sinne ein Wanderverband, fördern aber Freizeitbeschäftigungen wie Wandern, Reisen, Heimatkunde, Wassersport und ähnliches. Angeregt wer- den soll vor allem die Lust auf Natur, aber auch Bildung und Kultur spielen eine wichtige Rolle. Insofern passt für die Naturfreunde die Definition als einer der wichtigen Wanderverbände. Deutschland und Deutschlands Natur sanft zu erle-
24 Vgl.
(Zugriff am ..)
25 Vgl. Wandern.de, http://www.wandern.de (Zugriff am ..)
26 Vgl. Deutsche Wanderjugend, http://www.wanderjugend.de (Zugriff am ..)
ben ist Ziel dieses Vereins. 27 Die Wurzeln der Naturfreunde liegen in der Arbeiterbewegung im späten . Jahrhundert. Sie verstehen sich als „Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur“. In ihrer Satzung bekennen sie sich zum demokratischen Sozialismus und sind somit abzugrenzen gegenüber überwiegend bürgerlichen Gebirgs- und Wandervereinen oder den kurze Zeit später entstandenen jugendlichen Wandervögeln. Bekannt sind sie vor allem durch ihr Netz von Naturfreundehäusern, den preisgünstigen, naturnah gelege-
nen Übernachtungsstätten für Einzel- und Gruppenwanderer. 28
d) Alpenverein: Sechs Jahre nach der Gründung des ersten Alpenvereins (AV), dem Englischen, wurde der Österreichische und der Schweizer Verein ins Leben gerufen. Der Deutsche Alpenverein (DAV) folgte weitere sechs Jahre darauf. 29 Bereits ergab sich der Zusammenschluss der beiden Gründungen zum Deutsch und Österreichischen Alpenverein (DuOeAV). Dessen Ziel war es, z.T. in Kollektivarbeit mit dem Schweizer Alpenclub, die vertikale Erde zu erschließen. Die Funktionäre und Mitglieder stammten v.a. aus dem urbanen Bildungsbürgertum, dem Adel und der Führungsschicht der Alpentäler. Es erfüllte sich die Vision einer neuen Solidarität zwischen den Bergsteigern und der Bergbevölkerung. Die Gliederung des Alpenvereins in selbständige Sektionen schuf die ideale Struktur für die Alpenerschließung und die -präsenz des bald größten Bergsteigervereins der Welt. Die Motive dafür, die Alpen zugänglich zu machen, reichten von wissenschaftlichem Eros, Neugier, Lebens- und Erlebnislust über romantische Sehnsüchte und Heimatsuche bis in den irrationalen Nationalismus. Ausschlaggebend für die Erschließung waren folgende Faktoren:
Die Kenntnis des Hochgebirges mit der Hochgebirgskartographie.
Die Erfahrungen für das Bauen von Hütten und Wegen.
Die Instandhaltung von Hütten und Wegen.
Das Bewirtschaften der Hütten gemäß der Hüttenordnung.
27 Vgl. Wandern.de, http://www.wandern.de (Zugriff am ..)
28 Vgl. Online-Lexikon Wikipedia, http://de.wikipedia.org (Zugriff am ..)
29 Vgl. Ludwig/Has/Neuer (), S. .
Die Organisation und Ausbildung der Bergführer als eigenen Berufsstand.
Die Einrichtung des Bergrettungsdienstes.
Die Pachtverträge mit den einheimischen Pächtern.
Die Kooperation mit den Talgemeinden.
Die Ausbreitung des Alpinismus als neue kulturelle Begegnung hatte zur Folge, dass überall in Deutschland AV-Sektionen wie Pilze aus dem Boden schossen. Kaum gegründet bauten sie in attraktive Gebirgsgruppen ihre Schutzhäuser. Bereits zehn Jahre nach Zusammenschluss zählte der Verein rund . Mitglieder in Sektionen und verfügte schon über Hütten. umfasste der noch immer elitäre Verein bereits . Mitglieder, Sektionen, Hütten und ein Wegenetz von rund . km. Bei den Einheimischen fand diese Alpeneroberung mit vermehrten Dienstleistungen uneingeschränkte Zustimmung. Der rasante Zuwachs nach dem Ersten Weltkrieg auf knappe . Mitglieder bis zum Jahre , hatte die Gründe, dass eine völlige Umstrukturierung vom noblen, fast geschlossenen Bürger- und Aristokratenverein zu einem Volks- und Massenverein stattgefunden hat. Neben den in den Bergen Frieden und Freiheit Suchenden kamen die Arbeitslosen, die die Erbswurstsuppe und kostenlose Lager auf die Hütten lockte. Weitere Erschließungen, Vergrößerung und Neubauten
bewirtschaftete Hütten in den Alpen. Im Jahre kam es zur Gründung des AV Südtirol (AVS), der bis heute Hütten auf touristisch interessanten Standplätzen errichtet hat. Der wirtschaftliche Aufstieg betraf auch die drei Alpenvereine, deren Sektionen und Mitgliederzahlen ständig wuchsen. Ein neuer Bezug, gerade der städtischen Menschen zur Natur und ein Naturschutz- und Umweltdenken gewann auch im AV immer mehr an Gewicht. verabschiedete der AV in seinen Hauptversammlungen sein verbindliches Grundprogramm für Naturschutz- und Umweltplanung im Alpenraum. Er trat damit demonstrativ aus der Rolle des Er-
schließers in die Rolle des Schützers und Verhinderers weiterer alpiner Hütten-und Wegebauten. 30
.. Schutzhütten
Wie ein flächendeckendes Netz überspannt der Alpenvereinsbesitz alle alpinen Regionen und demonstriert Alpenvereinspräsenz. Schutzhütten stehen auf eigenem Grund und Boden. davon befinden sich in Österreich (vgl. Tab. ):
Tabelle : Segmentierung der Hütten des ÖAV 31
In insgesamt . Schlafplätzen der österreichischen Schutzhütten nächtigen jährlich etwa Mio. Bergsteiger und Bergwanderer. Dazu kommen weitere , Mio. Tagesgäste. Ca. . Beschäftigte haben auf den Hütten einen ständigen Arbeitsplatz.
Vorläufer der Schutzhütten waren die Hospize auf wichtigen Alpenübergängen, die bis ins Mittelalter zurückgingen. Die Schutzhütte der ersten Erschließungsphase war eine einfache Selbstversorgerhütte mit ebenerdigen Räumen wie Küche, Stube, Lager. Die Hütten waren aus Stein gemauert und teilweise mit Steinplatten gedeckt.
Die zweite Phase des Schutzhüttenwesens leitete die Bewirtschaftung ein, als der Versorgungswunsch von den Touristen auf die Gastronomieinteressen der Einhei-
30 Vgl.
31 Oberwalder (), S. .
mischen Bergführer als Hüttenpächter trifft. Die unmittelbare Folge des steigenden Besuches waren die Hüttenerweiterungen durch Aufstockung und Zubauten.
Um folgte die dritte Phase, das alpine Schutzhaus, ähnlich dem Talgasthof: hoch gebaut, oft sogar besser ausgestattet und gastronomisch aufwändiger geführt. Die letztgenannte Funktion bekam ein Übergewicht bis zu echten Auswüchsen. Die Identifikation mit der eigenen Stadt und der häufig nach ihr benannten Hütte manifestierte sich auch im Schmuck der Häuser und im steigenden Luxus. Die Berliner Hütte in den Zillertaler Alpen war seither mit ihren Schlafplätzen ein Musterbeispiel für ein Nobelhaus im Hochgebirge. 32 Mit ihrem dreigeschossigen Schlafhaus aus dem Jahre , einer halboffene Veranda, die das Schlafhaus mit den bestehenden Bauteilen verband und in der folgenden Zeit als Kegelbahn genutzt wurde sowie ihrem beheizten Trockenraum für Schuhe und Kleidung, galt dieses Bauwerk als Hütte der Superlative. bekam das Gebäude einen eigenen Telefonanschluss, eine Dunkelkammer für die Entwicklung von Fotomaterial, sogar ein eigenes Postamt und eine Schuhmacherwerkstatt. 33 Abb. verleiht einen Eindruck dieses Hauses.
32 Vgl. Oberwalder (), S. ff.
33 Vgl. Online-Lexikon Wikipedia, http://de.wikipedia.org (Zugriff am ..)
34 BR-online, http://www.br-online.de (Zugriff am ..)
Abbildung : Berliner Hütte im Zillertal 35
Die Forderung der Elite der jungen Führerlosen nach der einfachen Hütte zieht seither wie ein roter Faden durch die Diskussionen in den Hauptversammlungen
wurde dieses Thema noch einmal aufgegriffen und Grundsätze für diese letzte Entwicklungsphase im Schutzhüttenbereich wie folgt festgeschrieben:
Die Erschließung der Alpen ist beendet. Neue Hütten und Wegeanlagen werden nicht mehr errichtet.
Auch bei notwendigen Hüttensanierungen gibt es keine Kapazitätserwei-
te.
Schwerpunkt aller Bau- und Organisationsmaßnahmen wird die umwelt-
Auch
35 Online-Lexikon Wikipedia, http://de.wikipedia.org (Zugriff am ..)
36 Vgl. Oberwalder (), S. .
In Anlehnung an diese wegweisenden Vorschriften finden in der heutigen Zeit Wiederaufbauten des AV statt. So z.B. der Bau der Olpererhütte (Abb. ) in den Zillertaler Bergen, die Ende Juni eröffnet wurde.
Abbildung : Olpererhütte in den Zillertaler Alpen 37
Diese vom österreichischen Architekten Hermann Kaufmann entwickelte Schutzhütte der Sektion Neumarkt in der Oberpfalz versteht sich als Visitenkarte des alpinen Natur- und Umweltschutzes. Bei der Wahl der Baustoffe wurde die Recyclebarkeit der Materialien berücksichtigt. Holz als nachwachsender Rohstoff ist CO-neutral und trägt damit zum Klimaschutz bei. Eine Photovoltaikanlage und ein mit Rapsöl betriebenes Blockheizkraftwerk erzeugen den notwendigen Strom und das Warmwasser. Das Abwasser wird in einer vollbiologischen Kläranlage mit Membranfiltration gereinigt. Die Anlage reinigt alle Abwässer der Hütte bis hin zu einer wieder verwendbaren hygienisierten Brauchwasserqualität. Sie ist die erste Anlage dieser Art im alpinen Bereich. Reinstes Quellwasser wird in einem neuen Behälter oberhalb der Hütte gefasst. 38
37 Eigene Darstellung ()
38 Vgl. Olpererhütte, http://www.olpererhuette.de (Zugriff am ..)
.. Wege
Die Schutzhütten sind untereinander durch ein alpines Wegenetz in Äquatorlänge mit Wegerechten und Erhaltungspflichten verbunden. Die so geschaffene alpine Infrastruktur ist ein Jahrhundertwerk und steht im Sinne der Bergfreiheit jedermann zur Verfügung. Die in die Milliarden gehenden finanziellen Mittel dafür sind nie addiert worden. Diese sind, genauso wie der Arbeitseinsatz, Folge ehrenamtlicher Tätigkeiten. 39
Eine Bergwanderung im alpinen Gebirge durchläuft vom Tal bis zum Gipfel mehrere Höhenstufen: Sie führt durch den Bergwald, über Alpweiden und erreicht die Zone, in der die Fichten klein und dicht gepackt mit Zweigen stehen. Sie durchstreift Latschenbereiche, Schuttfelder und vielleicht führen Schrofengelände zum Gipfel. Währenddessen folgt sie markierten Wegen, womöglich aber auch nur Steigspuren. In Einzelfällen muss der Weg komplett selbst gesucht werden. Im Frühsommer verschwindet der Weg unter Altschneeresten, die Wegabschnitte liegen versperrt. Im Herbst können Neuschnee und vereiste Passagen behindern und zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten können Bachüberschreitungen problematisch sein. 40
. Wandertourismus heute - eine neue Reiseform?
Heute ist eine Internationalisierungstendenz im Wandertourismus spürbar. Für den Alpenraum bedeuten diese Entwicklungen eine deutlich erhöhte Konkurrenz- situation auf dem Wandersektor. 41 Doch sterben wird er nicht, der Alpinismus im traditionsreichen Bergsteigerland der Alpen. Lediglich sein Gesicht hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, was jedoch wohl nur den Zeitgeist widerspiegelt: Schneller, besser, mehr - und das in einem Tempo, wie man es
39 Vgl. Oberwalder (), S. .
40 Vgl. Kraus/Schwiersch (), S. .
41 Vgl. Theiner/Steinhauser (), S. .
noch vor Jahren kaum für möglich gehalten hätte. Aus Pionieren sind Sportler geworden. Dementsprechend verändert haben sich auch ihre Ziele. 42
Das Publikum der interessierten Wanderer in Deutschland ist also vorhanden und nimmt seit einigen Jahren sogar immer mehr zu. schnürten Mio. Deutsche die Wanderschuhe, unternahmen einen Wanderurlaub oder einen Wander-Kurzurlaub. Mehr als % der deutschen Destinationen bieten Wanderurlaube an. Laut dem „European Travel Monitor“ 43 war Österreich mit einem Anteil von % der europäische Marktführer für Sommerurlaub in den Bergen. Auf weiteren Plätzen rangierten Italien (%), Frankreich (%), Schweiz (%) und Deutschland (%). Insgesamt lagen die Sommerferien in den Bergen und auf dem Land mit einem Marktanteil von % an vierter Stelle im Ranking der beliebtesten Sommerferienarten der Europäer. Der größte Teil der österreichischen Wanderurlauber kommt aus Deutschland (%). Viele davon sind Stammgäste. Auch bei den Einheimischen (%) liegt Wandern in Österreich hoch im Kurs. Die hohe Gesamtzufriedenheit (%) mit ihrem Österreich-Urlaub bestätigt die Weiterempfehlungsabsicht von jeweils %. 44 Beim Wandern in der heutigen Zeit stehen Naturgenuss und Erholung im Vordergrund, das bedeutet auch, dass schmale naturnahe Pfade gegenüber Teerstraßen bevorzugt werden. Gefragt ist eine abwechslungsreiche, gepflegte Kulturlandschaft. Landschaftliche Höhepunkte und eine Spur von Abenteuer werden ebenso erwartet wie das Vorhandensein eines modernen und übersichtlich gestalteten Wanderleitsystems. Immerhin % der Wanderer motiviert der Wunsch nach dem Naturerlebnis, % reisen dagegen allein um des Wanderns willen. 45 Obendrein erwarten die wanderfreudigen Touristen anders als früher handgefertigte Reisen und Erlebnisse, durch die der Urlaub einzigartig wird und sich von den bisherigen Ferien unterscheidet. Die
42 Vgl. Hainz (), S. .
43 weltweit größte touristische Datenbank mit vergleichbaren Reisedaten zum Auslands- und Auslandsreiseverhalten der Europäer, Amerikaner und Asiaten; durchgeführt von „IPK International“.
44 Vgl. Baumbach (), S. ff.
45 Vgl. Baumbach (), S. .
Bezeichnung dieses Trends, der sich durch Exklusivität und Abenteuer auszeich- net, lautet Mass-Adventure-Tourism. 46
46 Vgl. Baumbach (), S. .
Wandern - eine Form des alternativen und
umweltbewussten Reisens
Die wirtschaftliche Bedeutung des Reise- und Tourismusbereichs hat in den Nachkriegsjahren stark zugenommen. Mehr Freizeit, mehr Urlaubstage, mehr Urlaubsreisen, mehr Umsatz - alles scheint zu wachsen. Doch die einhergehenden Probleme werden immer offensichtlicher. Verkehrsstaus, Luftverschmutzung, erhöhter Wasserverbrauch, Müllberge, aber auch Zersiedelung der Landschaft und soziale Konflikte sind nur einige Stichworte. Damit durch Reisen und Urlaub nicht noch mehr zerstört wird, ist Umdenken angesagt. Seit ca. zehn Jahren machen die Begriffe „sanfter Tourismus“, „nachhaltiger Tourismus“ oder „Ökotourismus“ als Zauberworte weltweit die Runde. Dies arbeitet darauf hin, dass an die Stelle des
harten Tourismus eine sanfte Alternative tritt. Wie Wanderreisen in unkonventio- nelle Reiseformen eingeordnet werden und einen entsprechenden Teil zur Erhal- tung von Natur und Kultur beitragen, beschreibt folgendes Kapitel.
. Sanfter Tourismus
Das Wort „sanft“ beinhaltet beim Tourismus Umweltverträglichkeit und Sozialverantwortlichkeit. Wanderreisen umfassen beides. Umweltverträglichkeit, da natürliche Grundlagen geschützt werden in denen Menschen, Tiere und Pflanzen leben. Wanderer bewegen sich mit eigener Kraft voraus. Es entstehen weder Lärm noch Schadstoffemissionen. Mit den Elementen Luft, Boden und Wasser wird
schonend und sorgsam umgegangen. Sanfte Wanderer folgen nur markierten
Wegen und vermeiden Abschneider. Sie lassen die Natur in Ruhe, verfolgen keine
Tierspuren und umgehen Schutzzonen und Wildeinstandsgebiete. Sanfte Wan- dertouristen schließen Gatter hinter sich, entfachen nur an ausgewiesenen Stel- len Feuer und campieren nur dort, wo sie niemanden stören. 47 Wandern ist sozial-
47 Vgl. Thiel/Homrighausen (), S. .
verantwortlich, da die gesellschaftliche Ordnung und Entwicklung der einheimischen Bevölkerung beachtet wird. Dazu zählen die Sicherung der Lebensbedingungen, Selbstbestimmung, Erhaltung der kulturellen Werte, Erhöhung der Lebensqualität und Schaffung humaner Arbeitsplätze. Darüber hinaus ist der
sanfte Tourismus für die Einheimischen von Wanderdestinationen meist wirt- schaftlich rentabel. 48 Bei der Umsetzung sanfter Tourismusformen durch Wander- reisen kann jeder einzelne aktiv werden. Die als Tab. dargestellte Liste von Robert Jungk stellt sanftes und hartes Reisenden gegenüber.
Tabelle : Verhalten der Touristen nach Robert Junk 49
Massentourismus
. Naturtourismus
Unter „Naturtourismus“ wird eine Form des Reisens in naturnahe Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht, verstanden. In diesem Fall bietet sich die Natur i.d.R. nur als Kulisse für touristische und sportliche Aktivitäten wie
48 Vgl. Thiel/Homrighausen (), S. f.
49 Thiel/Homrighausen (), S. .
Tauchen, Bergsteigen, Klettern, etc. an. Die Erhaltung der Natur steht allerdings nicht im Vordergrund. 50 Die Bezeichnung „Abenteuertourismus“ ist im deutschen Sprachraum weiter verbreitet und wird mit dem Begriff „Naturtourismus“ gleichgesetzt.
.. Nachhaltiger Tourismus
Nachhaltiger Tourismus versucht die problematischen Auswirkungen des Tourismus zu vermeiden. In Anlehnung an die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung wird der Begriff folgendermaßen definiert:
So trägt ein Wanderurlaub zur Förderung des nachhaltigen Tourismus bei, indem der Wanderer die Wirtschaft der Einheimischen unterstützt und sich an den Produkten der Region bedient. Er beschäftigt sich i.d.R. mit Brauchtum und Tradition und unterstützt durch sein aktives Interesse die Erhaltung von Kultur und sozialer Zufriedenheit der Ortsansässigen. Der naturliebende Wanderer schont die Umwelt, indem er sich zu Fuß fortbewegt und normalerweise keine weiten Anfahrten wie etwa mit dem Flugzeug auf sich nimmt. Seine Neigung zur Natur ist stark ausgeprägt, so dass er Naturschutzgebiete für eine langfristige Erhaltung der Landschaft und zu ihrem Schutz akzeptiert und sich dementsprechend vorschriftsmäßig verhält.
50 Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de (Zugriff am ..)
51 Strasdas (), S. nach Steck ()
.. Ökotourismus
Im Vordergrund des Ökotourismus steht das auf naturnahe Gebiete ausgerichtete, ökologisch verträgliche Naturerlebnis. Als Ökotourismus werden aber nicht nur Reiseformen bezeichnet, die das Erleben der Natur fördern, sondern auch zum besseren Naturverständnis, zur Erhaltung der Kultur sowie zur wirtschaftlich sinnvollen und für die lokale Bevölkerung vorteilhaften regionalen Entwicklung beitragen. 52 Während sich der Anspruch des nachhaltigen Tourismus auf alle Reiseformen bezieht, bezeichnet der Ökotourismus ausschließlich naturbezogene Tourismusarten wie Trekking oder Bergsteigen. Er ist also weniger umfassend und deckt nur eine Nische im Welttourismus ab. Grob gesagt kann der Ökotourismus als Schnittmenge zwischen nachhaltigem Tourismus und Naturtourismus aufgefasst werden (siehe Abb. ). 53
Abbildung : Ökotourismus (ÖT) im Vergleich zu anderen Tourismusformen und Begriffen 54
52 Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de (Zugriff am ..)
53 Vgl. Strasdas (), S. f.
54 Strasdas (), S. .
Beschreibung der Wandertouristen als Marktnachfrager
An Urlaubsplanende, die sich bewusst für eine Wanderreise entscheiden, richtet sich zunächst die Frage, ob es sich um ein selbst organisiertes und durchgeführtes Vorhaben handelt oder ob dies durch einen Reiseveranstalter geschehen soll. Wer glaubt, in den Bergen nur allein und auf eigene Faust sanft reisen zu können, der irrt. Denn Wanderer profitieren i.d.R. von professionell geführten Unternehmungen besser als von Eigeninitiativen. Dies beweist insbesondere die enorm wachsende Nachfrage nach organisierten Wanderprodukten auf dem Tourismusmarkt.
. Zielgruppenanalyse
Gelang es früher noch mit einiger Treffsicherheit, die Gäste nach ihren bevorzugten Urlaubszielen zu typisieren - dieser fährt zum Wandern in die Berge, jener ist eher ein Strandtyp - so sind die Interessen nun vielfältiger und schwerer berechenbar. Man findet denselben Urlauber heute beim Skifahren in den Alpen, morgen beim Trekking im Nepal, nächstes Jahr vielleicht in der Wüste des Jemen. Unter den geänderten Reiseverhalten gingen Sicherheiten, die jahrzehntelang gehalten haben, verloren. Das Schlagwort von der Multioptionsgesellschaft trifft auch auf den Tourismus zu und stellt traditionelle Tourismusgebiete vor große Herausforderungen in der Zielgruppenanalyse, die sich wie folgt darstellt: 55
Knapp elf Mio. Deutsche wandern regelmäßig, weitere Mio. bewegen sich gelegentlich auf „Schusters Rappen“. 56 Einen beachtlichen Teil dieser Gruppe nimmt nach wie vor die plus-Generation ein. Dazu gehört speziell die Gesellschaft der Lebensstilgruppe „bürgerlich-angepasst“, die vorwiegend aus Männern zwischen und Jahren aber auch aus Paaren oder Familien mit größeren Kin-
55 Vgl.
56 Baumbach (), S. .
dern besteht. Angestellte, Beamte, Arbeiter, kleinere Selbständige und Gewerbetreibende aber auch Teilzeit arbeitende Frauen sind unter diesen Wanderern in der Mehrzahl vertreten. Dabei handelt es sich sowohl um Vorruheständler als auch um noch Erwerbstätige mit durchschnittlichem Einkommen. Der Gesundheitszustand dieser ca. , Mio. großen Gruppe ist zumeist noch recht gut. Ihre Lebenseinstellung wird als arbeits- und pflichtorientiert sowie häuslich-familienorientiert mit einer konservativen Grundhaltung beschrieben. Bezeichnendes Reiseverhalten für diese Lebensstilgruppe ist ein sich immer im gleichen Gebiet wiederholender Wander- oder Erholungsurlaub im Inland oder deutschsprachigen Ausland. Die Konsumneigung der dargestellten Personen ist durchschnittlich, eher versorgungsorientiert und tendiert besonders zu ordentlicher Qualität bei günstigen Preisen. Das Konsumverhalten ist auch im Urlaub eher sparsam, preisbewusst und solide.
Anders ist es der Fall bei der plus-Lebensstilgruppe „junggebliebene Singles“, bei denen i.d.R. eine höhere Zahlungsbereitschaft, insbesondere hinsichtlich sportlicher Aktivitäten, vorhanden ist. Mit einer stark überdurchschnittlichen Reiseaktivität und einer hohen Affinität zum Urlaub mit körperlicher Bewegung, entwickelt sich diese alternde Gesellschaftsgruppe mit , Mio. Personen 57 leicht zunehmend und repräsentiert mit etwas überdurchschnittlichem Einkommen den Wandertouristen von morgen, denn Wanderer werden immer gebildeter. So wurde im Jahr festgestellt, dass vier von zehn ein Abitur oder einen Hochschulabschluss haben. Sie suchen Qualität und möchten insbesondere auch die regionale Küche erleben. Hinzu kommt, dass die Wanderer immer jünger werden, was eine Umfrage der Universität Marburg belegt. Mehr als jeder vierte ist mittlerweile zwischen und Jahre alt. Sie sind meist individuell mit Partner, Familie oder in kleinen Gruppen unterwegs. 58 Gerade Familien mit Kindern sind besonders umweltsensibel und legen großen Wert auf schöne Natur und saubere
57 Vgl. Studie ADAPT, Fachzeitschrift “jobtelling” (), S. f.
58 Vgl. Baumbach (), S. f.
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Eva Kulina, 2008, Produktentwicklung im Wandertourismus, München, GRIN Verlag GmbH
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