Inhalt
1. Projektentwurf. 3
2. Transkriptionskopf 4
3. Transkription des Ausschnittes 5
4. Gesprächsanalyse 7
4.1. Kontextanalyse 7
4.2. Handlungsbeschreibung 9
4.3. Folgeerwartung. 14
4.3.1. Isoliertes Gespräch von Henning und Torben. 14
4.3.2. Isoliertes Gespräch von Florian und Torben 16
4.4. Timing 17
4.4.1. Sprecherwahl: Selbstwahl und Fremdwahl der Sprecher. 17
4.4.2. Simultan gesprochene Textpassagen. 19
4.5. Interaktive Konsequenzen 19
4.6. Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik 21
4.7. Zusammenfassende Analyse 23
5. Persönliche Stellungnahme 25
6. Literatur. 27
7. Anhang: Transkript zum Ausklappen 28
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1. Projektentwurf
In unserer Gruppe hatten wir am Anfang des Semesters die Idee „Jugendsprache“ zu untersuchen. Wir wollten bestimmte Sprachcodes von Jugendlichen in einer Gruppe untersuchen. Der Mitstudent Oliver Hansen ließ also Aufnahmen auf einer „LAN-Party“ machen. Dort trafen sich sechs jugendlichen Jungen, um im Computernetzwerk Spiele miteinander zu spielen.
Auf der Aufnahme sind bestimmte „Ausdrücke“ vorhanden, die man dem Sprachcode dieser Gruppe zuschreiben könnte, jedoch wäre die Untersuchung dessen für mich unbefriedigend geblieben, weil man hier vielleicht so eine Art „Übersetzungslexikon“ für die Ausdrücke hätte schreiben können, nicht aber Phänomene untersuchen können, wann sie gebraucht werden und wie sie gebraucht werden. Das hätte den Rahmen dieser Arbeit überschritten, denn man hätte verschiedene Stellen in der Aufnahme transkribieren müssen. Zudem werden bestimmte Ausdrücke auch nicht wiederholt gesagt, sondern nur einmal auf der ganzen Aufnahme.
Meine Aufmerksamkeit wurde beim Anhören der Aufnahmen viel mehr von einer anderen Stelle erregt: Am Anfang der Aufnahme sind die Jungen damit beschäftigt ihre Computer aufzubauen und miteinander zu verbinden. Dabei treten bestimmte Probleme auf, die sie versuchen zu lösen. An einer Stelle werden sie lauter und die Stimmung scheint gereizt zu sein, weil die LAN- Verbindung bei einem Teilnehmer nicht funktioniert. Der Teilnehmer (Torben) merkt, dass sein Computer nicht die richtige LAN- Verbindung mit den andern Computern eingeht und tritt in Kommunikation mit den anderen. Dabei stellt er einem anderen Teilnehmer (Henning) eine Frage, worauf dieser auch antwortet, Torben aber wiederum auf die Antwort nicht reagiert. Er hat nämlich schon wieder eine andere Idee, wie das Problem zu lösen wäre. Gleichzeitig will ihm aber noch ein dritter Teilnehmer (Florian) erklären, wie es „wirklich“ geht.
Das für mich Interessante liegt darin, dass Henning trotzdem versucht zu antworten und auch ein Signal von Torben erwartet oder einfordert, dass dieser die Antwort zur Kenntnis genommen hat. Er erregt die Aufmerksamkeit von Torben mit bestimmten Mitteln, obwohl dieser schon wieder mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist.
- Wie kommt es zu der Situation, dass Henning versucht, die Aufmerksamkeit von Torben zu erreichen?
- Mit welchen Mitteln erreicht Henning die Aufmerksamkeit von Torben und welchen Zweck erfüllen die Mittel im Einzelnen?
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Ich werde mich in dieser Hausarbeit also der Frage widmen was passiert, wenn eine Frage gestellt wird und jemand sie beantwortet, der Gegenüber allerdings kein Signal gibt, dass er der Antwort überhaupt zugehört hat. In dem Ausschnitt fordert der „Antwortgeber“ das Signal von dem „Fragensteller“ ein und gibt nicht auf, bevor er es bekommen hat. Ich werde dazu in meiner Hausarbeit wie folgt vorgehen: Zunächst werde ich die Umstände, unter denen die Aufnahmen stattgefunden haben, in einem Transkriptionskopf darstellen. Danach erfolgt die Transkription eines Ausschnittes aus den Aufnahmen, das ich nach dem Transkriptionssystem GAT transkribiert habe. Daran anschließend folgt die Gesprächsanalyse (nach Deppermann, 1999), in der ich verschiedene Schwerpunkte gelegt habe. Ich habe zunächst einen Überblick über das Gespräch gegeben und bin zunächst der Frage nachgegangen, wie es überhaupt zu der Situation zwischen Torben, Henning und Florian kommen konnte. Danach habe ich mich immer weiter auf das Gespräch von Torben und Henning spezialisiert, sodass ich am Ende in dem Punkt Äußerungsgestaltung und Formulierungsdynamik nur noch auf die Äußerungen von Henning beschränkt habe, um zu der Frage zu kommen, wie es Henning schafft die Aufmerksamkeit von Torben zu erreichen. Danach folgt eine zusammenfassende Analyse, in der ich die Punkte, die mir wichtig erscheinen, noch einmal in einen Gesamtzusammenhang bette. Die Hausarbeit schließt eine persönliche Stellungnahme ab.
2. Transkriptionskopf
Signatur: Lan-Party
Gesprächspartner
Gesprächsdaten
Aufnahmedaten
Allgemeine Bemerkungen
Im transkribierten Ausschnitt laufen einige Gespräche parallel. Ich habe mich bei der Transkription auf das Gespräch „um“ Torben konzentriert. Deshalb ist das Gespräch im Hintergrund (es ist daran zu erkennen, dass es leiser ist als das im Vordergrund) von mir nicht mit transkribiert worden. Das dient auf der einen Seite dazu, das Gespräch zu beschränken und es für mich analysierbar zu machen, auf der anderen Seite wäre es aber teilweise gar nicht möglich gewesen, Äußerungen aus dem Gespräch im Hintergrund zu transkribieren, weil sie nicht verständlich sind.
3. Transkription des Ausschnittes
Ich habe den Ausschnitt mit dem Transkriptionssystem GAT transkribiert. Für die vielen simultanen Sprechakte wäre auch ein Notationssystem gut gewesen. Meiner Meinung nach reicht GAT für meine Zwecke noch aus, denn es wird an keiner Stelle durch drei Personen simultan gesprochen.
Im Anhang befindet sich das Transkribierte noch einmal zum Ausklappen, damit das Transkript immer neben der Gesprächsanalyse als Vergleich und Orientierung ausgeklappt liegen kann.
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01 T: EY leu LEUchtet mein äh:m=mein (---) HENning guckst du mal kurz 02 auf mein [HA-(port/pa) ]-03 H:
04 F: 05 D: 06 H: 07 D: 08 T: 09 =sechs ne (.) eins [sechs FÜNF eins ]; 10 F: [das musst du nich MACHen] (.) NEI:N mach= 11 =einfach ein kleines HEIM und [FIRmennetz eingeben] [ (--) ]= 12 H: [so jetzt LEUchtet ] [deins=AU:ch]-13 F:
14 T: 15 H: 16 F: 17 H: 18 F: 19 H: 20 T: 21 H: 22 F: 23 H: 24 F: 25
26 27 28 29 T: (-) NEIN stellt=doch keine INternet [verbindung dar].
30 F: 31 =das ERSTE ich kann das nich=so=gut lesen. 32 F: (--)(-) dann wähl dat=n=ne DA:S (1.3) da:nn=ma:ch (--) jetzt ne= 33
34 35 T: [LA:N](.)= 36
37 38 F: [ja MÜsste=eigentlich ]. 39 ja (--) so und dann WEI:ter (.) WEI:ter (--)(-) jetzt SU:cht er= 6
41 4. Gesprächsanalyse
In der folgenden Gesprächsanalyse werde ich nur auf die Zeilen 1-24 eingehen, denn die Zeilen 25-41 sind für die Fragestellung meiner Untersuchung (siehe Einleitung) im Detaillierten nicht relevant. Ich werde also nur die Zeilen analysieren, in denen Henning noch Gesprächspartner von Torben ist. Ab Zeile 25 ist das nicht mehr der Fall. Hier erklärt Florian Torben etwas, ohne dass Henning versucht an dem Gespräch noch teilzunehmen.
4.1. Kontextanalyse
Da ich mich selber mit Netzwerkpartys nicht auskenne, habe ich mich bei meinem kleinen Bruder erkundigt, der in seiner Schule schon einige Netzwerkpartys organisiert hat und habe ihn zunächst gefragt, was eine Netzwerkparty eigentlich ist. Er erzählte, man müsse es sich so vorstellen, dass sich hauptsächlich Jungen mit ihren Computern irgendwo treffen, ein Netzwerk mit ihren Computern eingehen und Spiele darauf mit- und gegeneinander spielen, wie z.B. Counterstrike. Meistens dauern Netzwerkpartys ganze Nächte hindurch. Ich fragte meinen Bruder weiter, was die Jungen in dem Gesprächsausschnitt eigentlich für ein technisches Problem haben, und was ein „Ha-port“ und eine „IP“ oder so ähnlich eigentlich ist, warum sie ein kleines Heim- oder Firmennetz eingeben sollen und was es bedeutet, wenn man es „audomadisch“ macht.
Mein Bruder erklärte mir, dass ein Hub-port eine Art Verteiler ist, der mitten im Raum steht. Von jedem PC aus geht ein Kabel zu dem Verteiler. Man müsse sich das wie eine Verteilersteckdose vorstellen, die mit jedem PC durch ein Kabel verbunden sei. Dieser Hub-port verbindet alle PCs miteinander und ermöglicht ein Netzwerk. Für jedes Kabel ist eine Diode auf dem Hub-port vorhanden, die leuchtet, wenn ein Kabel in dem Hub- port steckt. Da alle Kabel meistens gleich aussehen und man nicht sofort erkennen kann, wo die Kabel herkommen, ist es schwierig zu erkennen, welche Diode zu welchem PC gehört. Wenn jemand wie Torben also fragt „leuchtet mein Hub-port“ muss von dem, der dann nachschaut erst einmal festgestellt werden, ob eine Diode nicht leuchtet, da er nicht sofort ausmachen kann, welche Diode genau zu Torbens PC gehört. In
7
Abb.1 ist ein Bild eines Aufbaus so eines Netwerkes zu sehen, damit man sich besser vorstellen kann, wovon im Gesprächsausschnitt die Rede ist. Das Gerät, das in der Mitte des Bildes zu sehen ist und das mit „Lan Switch“ beschrieben ist, das ist der Hub-port. Wenn also alle Computer miteinander durch den Hub-port verbunden sind, muss in jedem Computer auch die Einstellung gemacht werden, dass er auch die anderen Computer erkennt. Dies kann der Computer meistens automatisch machen. Dafür ruft der Computer ein Feld auf,
IP ist eine Kennungs- Abb.1:Aufbau eines Computernetzwerkes
nummer des Computers, sodass der Hub-port einen Namen für den Computer hat. Meistens ist dies 1921680 xxx. Für die xxx werden drei ausgedachte Nummern eingesetzt. Wenn man allerdings „automatisch“ wählt, muss man in der Netzwerkumgebung noch ein „kleines Heim- oder Firmennetz“ eingeben. Wenn Florian sagt, „machs echt ma audomadisch“ und „mach einfach ein kleines heim und firmennetz eingeben“, dann meint er den gleichen Vorgang.
Bei den Teilnehmern des Gesprächs in dem Ausschnitt der LAN- oder Netzwerkparty kann man davon ausgehen, dass sie das alles wissen. Nur Torben scheint damit Schwierigkeiten zu haben, denn er weiß nicht mehr, wie er ins Netzwerk gelangt. Er hat offensichtlich vergessen sein Kabel in den Hub-port zu stecken und probiert es zunächst nicht damit, die Netzwerkverbindung über den Computer automatisch zu starten. Er will gleich die IP eingeben, die er auch nicht mehr im Kopf hat: „wie war noch mal die neu neun eins neun sechs eins sechs ne eins sechs fünf eins“ (Z.08/09)
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Arbeit zitieren:
Ursula Mock, 2005, Wenn einer gleichzeitig mit zwei anderen redet, München, GRIN Verlag GmbH
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