1. Einleitung
„Jede Veränderung bringt Belastungen mit sich, und selbst die positivsten Veränderungen können Stress verursachen, der uns zurückwirft.“ 1 Bei der Auswahl meines Themas für diese Ausarbeitung bin ich desöfteren an meine Grenzen gestoßen, da auch ich mit einem traumatischen Erlebnis behaftet bin und mich leider allzu oft in Beschreibungen wiederfand. Ich habe allerdings auch während der Arbeit an diesem Propädeutikum viel über mich nachgedacht, über Verhaltensweisen, von denen ich gelesen habe und die sich ebenso in Facetten meiner Persönlichkeit widerspiegeln. Da ich nunmehr nicht mehr allein nur die Verantwortung für mich trage, sondern auch für meine kleine Tochter, habe ich angefangen an mir und vor allem mit mir zu arbeiten. Ich möchte im Folgenden erklären, was man unter dem Begriff Trauma eigentlich verstehen sollte, welche Faktoren für ein Trauma ursächlich sind, welche
differenzierten Symptome der Traumatisierung es gibt und wie sie sich auf die Persönlichkeitsentfaltung eines jeden Einzelnen auswirken können. Ich möchte kurz auf mögliche Ursachen und Folgen eines Traumas in der prä- und perinatalen Phase eingehen und dann über traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit berichten und welche signifikanten (Spät-)Folgen sich daraus für die Betroffenen in ihrer Entwicklung ergeben können. Abschließend werde ich einige ressourcenorientierte Bewältigungsstrategien nach Luise Reddemannn vorstellen. Der Einfachheit halber werde ich über DEN Traumatisierten oder Betroffenen berichten, dies hat keine geschlechtsrelevanten Gründe.
2. Definition Trauma
Um über die Bedeutung von Traumata für den Menschen schreiben zu können, sollte vorab die Bedeutung des Wortes Trauma geklärt werden.
Der Begriff Trauma, im Plural Traumata, kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „Wunde“.
1 Kennerly, Schatten über der Kindheit, S.75
2
Als Trauma oder Psychotrauma wird die Erinnerung einer Person an die Situation eines für sie seelisch einschneidenden Erlebnisses bezeichnet bzw. der seelische und / oder auch der körperliche Eindruck (z.B. auf Hirnstrukturen), den das Erlebnis hinterlassen hat. Häufig wird auch stellvertretend die traumatisierende Situation selbst als Trauma bezeichnet. 2 Ein Trauma ist folglich ein durch Auswirkung von außen hervorgerufener Schaden körperlicher und / oder seelischer Art. 3 Da ein Trauma ein biologischer Vorgang ist, kann grundsätzlich jede Situation, die als Bedrohung wahrgenommen wird und die die aktuelle Fähigkeit, mit dem Ereignis umzugehen, übersteigt, Auswirkungen auf die Gefühle und das Verhalten des Betroffenen haben. „Das gilt unabhängig davon, wie alltäglich die Bedrohung möglicherweise ist. Die Definition Trauma richtet sich nach der Reaktion, die im Nervensystem eines Menschen hervorgerufen wird - nicht unbedingt nach der Art oder Intensität der Umstände.“ 4
3. Ursachen und Symptome von Traumata
3.1 Ursachen von Traumata
Auslöser einer Psychischen Traumatisierung können Ereignisse sein, die die psychische Belastungsgrenze eines Individuums übersteigen und nicht adäquat verarbeitet werden können. Mitunter kann sich die bloße Beobachtung einer solchen Situation traumatisierend auf den Zuschauer auswirken. Erlebnisse, die Traumata auslösen können, sind Gewalt, Krieg, Mord, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, körperliche und seelische Misshandlungen, Unfälle, Krankheiten, Katastrophen, sowie emotionale Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Krankheiten, Katastrophen, sowie emotionale
Vernachlässigung, Verwahrlosung, soziale Ausgrenzung, Mobbing, Zwangsräumung und Obdachlosigkeit. 5 Die möglichen Ursachen und Faktoren, die zu einem Trauma beitragen, können laut Levine und Kline in fünf Kategorien aufgelistet werden:
2 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_(Psychologie)
3 Vgl. Das neue Universallexikon, Bassermann, S. 367
4 Levine und Kline, Verwundete Kinderseelen heilen, S.36
5 Vgl. Wikipedia
3
1. Unfälle und Stürze
Hierzu zählen Treppenstürze, Stürze vom Bett, vom Fahrrad, beim Skifahren oder Skateboardfahren, sowie weitere Verletzungen, die man sich während sportlicher Aktivitäten zuziehen kann. In diese Kategorie gehören auch Autounfälle und das beinahe Ertrinken oder Ersticken.
2. Medizinische und operative Eingriffe
Für manche Menschen, insbesondere für Kinder können schon minimale Eingriffe wie etwa eine Spritze, das Nähen einer Wunde oder gar die Behandlung beim Zahnarzt traumatisch auf sie einwirken. In dieser Kategorie werden auch lebensbedrohliche Krankheiten und hohes Fieber, länger anhaltende
Bewegungseinschränkung, Vergiftungen und der Stress eines Ungeborenen im Mutterleib sowie Komplikationen bei der Geburt aufgeführt.
3. Gewalthandlungen und Angriffe
Zu den Gewalthandlungen und Angriffen werden insbesondere familiäre Gewalt, körperlicher und sexueller Missbrauch sowie Vernachlässigung, Krieg und Vertreibung, Bedrohung durch terroristische Angriffe, das Miterleben von Gewaltauch durch die mediale Welt, sowie Mobbing und Angriffe durch Tiere gezählt.
4. Verlust
Hierzu zählen die Trennung beziehungsweise Scheidung der Eltern, der Tod eines geliebten Menschen, die Trennung von den Eltern (beispielsweise bei Unterbringung in einer Pflegefamilie), das Verlorengehen oder verlaufen im Kaufhaus oder einer fremden Umgebung und der Verlust von Besitz (z.B. des Zuhauses).
5. Umgebungsbedingte Stressfaktoren und Naturkatastrophen
Wenn Kleinkinder oder Säuglinge extremen Temperaturen ausgesetzt sind kann das ein Faktor für einen traumatischen Prozess sein. Ebenso können plötzlich auftretende laute Geräusche wie Auseinandersetzungen, Donner, Gewalt etc. eine traumatisierende Wirkung auf Kleinkinder und Säuglinge haben. Desweiteren zählen Naturkatastrophen zu dieser letzten Kategorie dazu. Menschen, die mit Feuer,
Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen, Wirbelstürmen oder Orkanen konfrontiert wurden können diese Erfahrung oft nicht adäquat verarbeiten und tragen ein Trauma davon. 6
3.2 Symptome von Traumata
Erwachsene und Kinder zeigen kurz nach einem nicht verkrafteten Erlebnis folgende variierende Symptome: Übererregung, Kontraktionen, Dissoziation sowie Empfindungen von Taubheit und Erstarren, verbunden mit dem Gefühl der Hilf- und Hoffnungslosigkeit. 7 Diese universellen Symptome sind charakteristische Erkennungsmerkmale für Traumata.
Da Kinder, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, sich in ihren motorischen und sprachlichen Fähigkeiten von den Erwachsenen unterscheiden, können die genannten Anzeichen abweichen. Erwachsene haben die Möglichkeit, sich mit Dingen zu umgeben oder zu beschäftigen, die ihnen bei der Bewältigung des Erlebten helfen können. Kinder dagegen sind auf Erwachsene angewiesen. 8
3.2.1 Ausdrucksweisen der Symptome in verschiedenen Lebensabschnitten
Im Folgenden möchte ich kurz auf die verschiedenen Ausdrucksweisen der Symptome für Traumata von Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen eingehen.
Säuglinge, die traumatisiert wurden, haben nur die Möglichkeit sich über Schreien ihrer Umwelt mitzuteilen und, sollte es auf diesem Wege keine Abhilfe geben, dann über Dissoziation. Es hat gar keine andere Möglichkeit als körperlich gefühllos zu werden, es handelt sich um eine Schutzfunktion des Nervensystems. Auch Kleinkinder sind in ihrer Ausdrucksform motorisch und sprachlich begrenzt und haben nicht die Möglichkeiten sich zu schützen, wie es eben Erwachsene hätten. Kleinkinder entwickeln daher bei einer Traumatisierung höchstwahrscheinlich neue Ängste, neigen zu impulsiven Verhalten oder aber verschließen sich und sind oft sehr reizbar. Sie teilen ihrer Umwelt durch ihre Art zu spielen, durch das Schlafverhalten,
6 Vgl. Levine und Kline, Verwundete Kinderseelen heilen, S.35ff
7 Vgl. Ebd., S.60
8 Vgl. Ebd., S.61
5
Arbeit zitieren:
Jessica Logemann, 2009, Der Zusammenhang zwischen Traumata in der Kindheit und daraus resultierende Störungen für die Entwicklung der Persönlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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