Technische Universität Dresden Wintersemester1999/2000 Philosophische Fakultät Institut für Soziologie Lehrstuhl für Techniksoziologie
Seminar: Innovationen – Erzeugung und Anwendung industrieller Güter und Dienstleistungen
Thema: Das Prinzip Verantwortung als Anspruch einer modernen Ethik im Zeitalter der Technologie
Uwe Liskowsky
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 03
2. Ethik Seite 03
2.1. Ökologische Ethik Seite 05
2.2. Technikethik Seite 06
3. Das Prinzip Verantwortung Seite 09
4. Schlußbemerkung Seite 15
Literaturverzeichnis Seite 17
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1. Einleitung
Der Inhalt der vorliegenden Arbeit wird sich im wesentlichen auf Aspekte einer traditionellen Ethik und darüber hinaus auf die „neuzeitliche“ Einflußgröße der Technik und deren Auswirkungen beziehen. In diesem Zusammenhang werde ich im besonderen auf das Schaffen von Hans Jonas eingehen. Wichtige Fragen werden hierbei sein: Inwieweit kann aus der Entwicklung der Technik eine Bedrohung für die Umwelt abgeleitet werden und inwiefern muß sich diese in einer neuen Ethik widerspiegeln? Welche Stellung hat der Mensch in der Natur bzw. wie kann sich sein Wesen mit dem der Natur quasi zweckrational verbinden? Welches Maß an Innovationen ist im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit des Seins überhaupt zulässig? Unter diesen Gesichtspunkten versuche ich eine metaphysische Darstellung der menschlichen Natur mit praktischen Konsequenzen für die Handlungsweisen der Menschen im Sinne eines Naturbezuges zu veranschaulichen. Der von Jonas neu definierte Begriff der Verantwortung wird dabei genauer zu beleuchten sein. Der einzelne Mensch als Initiator der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung wird in diesem Zusammenhang zum Träger der Verantwortung für Leben und Natur und demnach zum Mittelpunkt des von mir zu bearbeitenden Themas.
2. Ethik
Unabhängig von dem Schaffen Hans Jonas‘ versuche ich zunächst grundsätzliche Fragen zur Problematik von Ethik und sittlichem Verhalten zu erörtern. Ich werde hierbei einige mir wichtig erscheinende Philosophen und deren Beurteilung zum Thema „Ethik“ mit einfließen lassen, um ein möglichst verständliches und anschauliches Bild zu geben.
Der Begriff der Ethik verweist auf die Lehre der Sittlichkeit als Grundvoraussetzung für moralisches und vernünftiges Handeln. Ob diese Sittlichkeit dem Mensch immanent gegeben ist, oder ob sie mittels der Erziehung erst gelehrt werden muß, spielt zunächst gar keine entscheidende Rolle, wichtig ist nur, daß jeder Mensch prinzipiell in der Lage ist, ohne festgelegte Autorität aufgrund seines eigenen Maßes an Vernunft, moralisch zu handeln. Eine in sich schon erklärende Beschreibung von sittlichem Verhalten birgt auch der Begriff der normativen Ethik. Die Norm versteht
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sich dabei als Richtschnur für ein verinnerlichtes, gerechtes Handeln, welches durch die Werte der Gesellschaft manifestiert werden (vgl. Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie © 1993-1997). Ähnlich wie Kant‘s „Kategorischer Imperativ“, in dem der Leitspruch lautet: „Handle stets so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ ist auch schon der konfuzianische Tugendbegriff zu verstehen. Die Tugend wird hierbei gleichgesetzt mit der Haupteigenschaft eines Menschen edler Gesinnung. Moralische Grundsätze wie z.B. Nächstenliebe oder Respekt dem anderen gegenüber sind der Inbegriff der „Goldenen Regel“, die besagt: „Was du selbst nicht wünschst, tu nicht den andern!“ (Störig, 1995: 93). Hierbei wird schon deutlich, wie sich der sittliche Grundgedanke durch alle Zeitalter immer weiter vererbt hat. In meinen Augen besteht die Ethik oder besser gesagt deren Wirkungsweise aus einer Folge von Erkenntnis und Vernunft, in der Hinsicht, daß Vernunft als Inbegriff des menschlichen Erkenntnisvermögens verstanden wird. Seit jeher beschäftigen sich Philosophen mit der erkenntnistheoretischen Frage. Verallgemeinernd kann man dabei festhalten, daß aufgrund des „menschimmanenten“ Denkens und Handelns eine gewisse Ordnung, Regelmäßigkeiten bzw. Abläufe der Welt erkannt werden sollen. Inwieweit dieses Bild tatsächlich der Wahrheit entspricht, vermag ich an dieser Stelle allerdings nicht hinreichend zu beantworten. Dennoch kann auf dem „erkenntnistheoretischen Weg“ eine gewisse Wandlung nachvollzogen werden. Aus der ursprünglichen deduktiven Beweisführung nach festgesetzten Axiomen (Descartes/Spinoza) folgte die induktive Logik (Bacon), die besagt, daß menschliches Wissen nur durch bzw. aus Erfahrung abgeleitet werden kann (vgl. Störig, 1995: 695). Insofern bietet sich der Rückschluß auf Kant augenscheinlich an, der in seiner theoretischen Vernunft die erfahrbare Realität, sprich die außermenschliche Natur als Gegenstand der Erfahrung betrachtet. Die neuzeitliche Ethik bzw. Wahrheit setzt diese Natur als ein primum verum voraus und leitet daraus deduktiv rationale Schlußfolgerungen ab (vgl. Bayertz in Bayertz (Hg.), 1991: 10). Die Naturwissenschaften als positivistische Voraussetzung erzeugen quasi die Basis für das angemessene Handeln der Menschen, wobei heutzutage der Biologie immer mehr Bedeutung zukommt. Generell kann man festhalten, daß alle Stufen des Evolutionsprozesses im Prinzip eine erkenntnisgewinnende Entwicklung darstellen, die Kategorien des Wirklichen und demzufolge des Erkennens implizieren. In meinen Augen bildet das Erkennen aufgrund der Erfahrung der (für den denkenden
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Menschen) objektiven Welt die Basis für die Entwicklung der Vernunft und somit der Moral. Schon Sokrates postulierte die Tugend nur als wahren Wert, wenn sie auf Einsicht gegründet ist. Sie ist daher auch lehrbar. Für das Thema der Hausarbeit ist dabei wichtig, daß objektive Gegebenheiten der den Menschen umgebenden Welt sich auf seine Sinneserfahrung niederschlagen und folglich seine (vernünftigen) Handlungen in eine bestimmte Richtung lenken. Die Moral ist dabei ein ewiges und heutzutage, wie im folgenden noch genauer zu erklären sein wird, auch ein biologisch determiniertes Prinzip.
2.1. Ökologische Ethik
Ethik ist also prinzipiell ein Verhaltensmaßstab, der den gerechten bzw. vernünftigen Umgang mit anderen Menschen quasi als Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Miteinander festlegt. Die menschliche Würde dient dabei als unsichtbares Gesetz für gegenseitiges respektvolles Handeln. Wie aus der dargestellten Erläuterung bereits unschwer zu erkennen ist, bezieht sich der Begriff der Ethik bisher nur auf den Menschen. Der unmittelbar signifikante Andere, dem mit ethischer Einstellung gegenüberzutreten ist, ist zunächst nur der Mensch. Jonas wirft hierbei die Frage auf, was aus dem moralischem Gedanken wird, wenn die Zivilisation zugrunde geht. Hierbei sollte weiter gefragt werden, welchen Stellenwert die Natur als Voraussetzung für die Existenz bzw. die Natur des Menschen hat und ob sie nicht auch mit gleichem Respekt behandelt werden muß. Eine Antwort darauf kann nur ein (moralisches) „Umgangsprinzip“ bzw. die Darstellung von Verhaltensnormen gegenüber der außermenschlichen Umwelt geben. Man spricht in diesem Zusammenhang von unterschiedlichen Dimensionen der Natur und leitet daraus unterschiedliche Betrachtungsweisen ab. Ist die Natur als eigenes Ganzes zu verstehen, das mit dem Menschen nur in eine Art Wechselwirkung tritt oder ist vielmehr der Mensch nicht auch Bestandteil dieser Natur und hat sich an deren Prinzipien zu halten? Welcher Teil der Natur verdient moralische Berücksichtigung? Kann man den Tieren, den Pflanzen oder sogar der unbelebten Natur ein eigenes Recht auf moralische Anerkennung gewähren? Hans Jonas, als Vertreter des ethnischen Naturalismus verweist hierbei auf die Würde der Natur als gleichermaßen für den Menschen geltendes, charakteristisches Kriterium. Das Ökosystem hat an
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Uwe Liskowsky, 2000, Das Prinzip Verantwortung als Anspruch einer modernen Ethik im Zeitalter der Technologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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