1 Einleitung
In der Forschung zu Hartmanns von Aue „Gregorius“ ist die Frage nach der Schuld ein häufig diskutiertes Thema. Es existieren viele unterschiedliche Ansichten über die Schuldfrage, welche in zahlreichen Aufsätzen und Monographien erörtert worden sind. In meiner Proseminararbeit soll jedoch eine andere Thematik behandelt werden, da es genauso wichtig ist zu erfahren, aus welchem Grund der Protagonist Gregorius von der Sünde, die er - wenn auch unwissentlich, begangen hatfreigesprochen und am Ende sogar von Gott zum Papst bestimmt wird. In der Erzählung kommt an keiner Stelle die Schuldthematik auf, weil Gregorius die Sünde wie selbstverständlich auf sich nimmt und bereit ist, für die begangenen Taten zu büßen.
Das Bußemotiv scheint bei der Erlösung Gregorius’ demzufolge eine bedeutende Funktion zu besitzen, weshalb die Rolle der buoze in Hartmanns „Gregorius“ im Folgenden genauer analysiert wird.
Dafür muss zunächst die Etymologie und Wortbedeutung des Begriffs geklärt werden. Um sich der Thematik anzunähern, soll außerdem kurz dargelegt werden, welche Bedeutung die Buße zur Zeit Hartmanns in der mittelalterlichen Gesellschaft einnahm.
Im Hauptteil seien daraufhin inhaltsanalytische Fragen geklärt, welche die Rolle der Buße verdeutlichen. Es soll erörtert werden, wann die Buße des Gregorius beginnt und welchen Verlauf sie nimmt. Zudem sollen Sünde und Buße des Fischers und Gregorius’ Mutter näher betrachtet werden, um eventuelle Unterschiede bei der Art zu büßen auszumachen. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Buße des Protagonisten, aus diesem Grund soll seine Erlösung durch die Wunder Gottes ebenfalls genauer analysiert werden. Da der Erzähler sowohl im Prolog als auch im Epilog einiges über die Buße sagt, werden diese ebenso zur Kenntnis genommen. Abschließend sollen alle Ergebnisse zusammengefasst dargestellt, die Rolle der Buße ausführlich beantwortet und eventuell auftretende Fragestellungen dargelegt werden.
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2 Einführendes
2.1 Etymologie und Wortbedeutung
Der Begriff Buße stammt von dem althochdeutschen Wort buoza ab, welches übersetzt „Besserung“ bedeutet. 1 Dem mittelhochdeutschen Ausdruck buoz(e) sind mehrere Bedeutungskomponenten zugeschrieben. So kann mit buoz(e) zum einen „Heilung“ gemeint sein, zum anderen auch die „Besserung“ oder „Abhilfe“. 2 Im „Gregorius“ findet an einigen Stellen auch das Prädikat büezen Verwendung, welches mit „(aus-)bessern“, „gut machen“, „von etwas befreien“, „Buße leisten“ oder „bestrafen“ übersetzt wird. 3
2.2 Buße im Mittelalter
Im 11. und 12. Jahrhundert gilt die Buße zunächst als „Inbegriff des christlichen Heilsweges“ 4 , die alles Gute bewahrt. Der Büßer soll seine Sünden bedenken und diese beichten. Dabei treten Priester, welche eine von Gott gegebene Vollmacht besitzen, als Richter auf, dem Sünder bei wahrer Buße die Strafe zu erlassen. Der Schmerz über die sündige Tat soll allerdings ein Leben lang nicht vergehen. Häufig erhalten die Büßer für ihren Glauben an die Güte Gottes jedoch am Ende eine Belohnung. 5
Der Philosoph Abaelard teilt die Buße im 12. Jahrhundert in drei verschiedene Kate-gorien ein: Reue, Beichte und Genugtuung. Für ihn stellt hierbei die Reue das zentrale Motiv der Buße dar, weil diese die Liebe zur Güte Gottes symbolisiert und daher schon die Reue eines Sünders allein in der Lage ist, dessen Schuld zu beseitigen. Eine Beichte ist demnach genau genommen nicht nötig. Sie soll nach Abaelards Erachten dennoch stattfinden, da ein Priester auf diese Weise befähigt ist Fürbitten für den Büßer auszusprechen. 6
1 Vgl. Yavuzyasar, Ayfer: (Art.) Buße/Büßer. In: Metzler-Lexikon Religion. Gegenwart - Alltag -Medien, hg. v. Christoph Auffarth; Jutta Bernard; Hubert Mohr. Bd. 1. Stuttgart/Weimar 1999, S. 195.
2 Vgl. Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Stuttgart 34 1976, S. 28/376.
3 Vgl. ebd., 28.
4 Benrath, Gustav A.: (Art.) Buße. In: Theologische Realenzyklopädie, hg. v. Gerhard Krause; Gerhard Müller. Bd. 7. Berlin/New York 1981, S. 460.
5 Vgl. ebd.
6 Vgl. ebd., 461.
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Petrus Lombardus, welcher ein Schüler Abaelards gewesen ist, erweitert den Gedanken seines Mentors, indem er zwischen leichter und schwerer Sünde differenziert. Für ihn genügt es bei leichten Vergehen beispielsweise, wenn tägliche Buße durch das Beten eines „Vater Unsers“ geleistet wird. Auf diese Weise ist es einem Sünder möglich seinen Fehltritt, auch ohne Mithilfe eines Priesters, wieder gutzumachen. 7
Schwere Sünden sind hingegen anders zu behandeln. Lombardus erklärt, dass für ein schweres Vergehen eine Beichte notwendig ist. Dem Sündenbekenntnis muss jedoch die ehrliche Reue vorausgehen, weil nur sie maßgebend für die daraus folgende Absolution ist, da Gott alleine die schwere Sünde vergeben kann, da „nur er [...] die Seele [reinigt]“ 8 . Nachdem einem Priester gebeichtet wurde, verkündet dieser Gottes etwaige Bestrafung, ob dem Sünder also noch von Gott erlassene Bußleistungen auferlegt worden sind oder nicht.
Im 15. Jahrhundert wurde den Menschen von der Kirche erzählt, sie könnten ihre Strafen für begangene Sünden durch das Zahlen von Geld reduzieren. Der Ablasshandel ist für diese Arbeit jedoch unwichtig, da Hartmanns von Aue „Gregorius“ zu einer früheren Zeit entstand.
3 Das Motiv der buoze in Hartmanns „Gregorius“
Im Prolog des Werkes wird gleich zu Beginn „über die Buße zur rechten Zeit (V. 6-34)“ 9 reflektiert. Mit der Verwendung eines Oxymorons in Vers 79 gibt Hartmann dem Rezipienten eine kleine Definition der Buße. 10 Diese hat demnach gute und schlechte Seiten. Die Buße stellt einerseits eine süeze (V. 79) dar, weil sie einen Sünder an ein „süßes“ Ende führen wird. Gleichzeitig ist sie aber auch bitter (ebd.), da der Weg zu dem erhofften Ziel sehr schwer zu bewältigen ist. Wählt man jedoch
7 Ebd.
8 Ebd.
9 Cormeau, Christoph: Hartmanns von Aue ,Armer Heinrich’ und ,Gregorius’. Studien zur Interpretation mit dem Blick auf die Theologie zur Zeit Hartmanns. München 1966 [MTU 15], S. 45.
10 Vgl. Hartmann von Aue: Gregorius, hg. v. Hermann Paul; Burghart Wachinger. Tübingen 14 1992 [ATB 2], S. 3.
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Arbeit zitieren:
Katharina Büker, 2007, Welche Rolle spielt das Motiv der "buoze" in Hartmanns von Aue "Gregorius"?, München, GRIN Verlag GmbH
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