Inhaltsverzeichnis:
1 ZIELSETZUNG 3
2 ARBEITSGESELLSCHAFT IM WANDEL 4
2.1 EIN ÜBERBLICK 4
2.2 SUBJEKTIVIERUNG IN DER ARBEITSWELT 5
2.3 FLEXIBILISIERUNG IN DER ARBEITSWELT 6
2.4 BEDEUTUNG DER ERWERBSARBEIT 6
3 FLEXIBILISIERUNG DER BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE 7
3.1 NORMALARBEITSVERHÄLTNIS 7
3.2 ENTWICKLUNG DER BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE 7
3.3 PREKARISIERUNG DER BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE? 8
3.4 WAS IST „GUTE ARBEIT“ AUS SICHT VON ERWERBSTÄTIGEN? 9
3.5 WORK LIFE BALANCE TROTZ INSTABILER BESCHÄFTIGUNGEN? 9
3.6 ABGRENZUNG 10
4 HERAUSFORDERUNG DURCH INSTABILE BESCHÄFTIGUNG 11
4.1 ALLGEMEINES 11
4.2 THEORETISCHE BETRACHTUNG IM ÜBERBLICK 12
4.3 MÖGLICHE FLEXIBILISIERUNGSBELASTUNGEN 14
4.3.1 Übersicht 14
4.3.2 Integration / Desintegration 16
4.3.3 Lebensplanung 17
4.3.4 Identität- und Anerkennungsproblematik 18
4.3.5 Gesundheit 18
4.4 FÖRDERUNG PERSONALER RESSOURCEN 19
4.5 STELLUNGNAHME 20
5 ZUSAMMENFASSUNG 22
6 LITERATURVERZEICHNIS 24
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1 Zielsetzung
Im Zuge des Strukturwandels der Arbeitsgesellschaft, der auch unter Stichworten wie Entgrenzung, Vermarktlichung und Subjektivierung diskutiert wird (vgl. z.B. Voß, 1998; Kratzer & Sauer, 2005), zeichnen sich Veränderungstendenzen ab, die die Arbeits- und Lebenswelt des Einzelnen stark beeinflussen. Mit der Zunahme instabiler Beschäftigungsverhältnisse und einer zeitlichen und räumlichen Flexibilisierung von Arbeit werden sich die steuernden und regelnden Funktionen von Institutionen, Traditionen, Zugehörigkeiten in ihrer Wirkung abschwächen. Damit entstehen für den Einzelnen auf der einen Seite neue Freiheiten, Optionen und Chancen, aber auch vielfältige Risiken, Entscheidungs- und Wahlzwänge, die belastend wirken können und gewohnte soziale wie materielle Sicherheiten in Frage stellen. Für die Betroffenen wächst die Notwendigkeit, das eigene Leben bewusst und aktiv zu gestalten. Der in diesem Zusammenhang häufig gebrauchte Begriff Work Life Balance (WLB) kann dabei als Schlagwort aufgefasst werden, dessen Bedeutung und Inhalt sich in Abhängigkeit der Fragestellung unterschiedlich erschließen lässt. In dieser Arbeit wird versucht den Zugang über instabile Beschäftigungsformen und den damit einhergehenden Belastungen, Ressourcen und Puffern herzustellen. Das Zusammenspiel und die Optimierung langfristiger Balanceprozesse werden als entscheidende Einflussgröße für eine erfolgreiche Anpassung an die veränderten Arbeitswelten gesehen (vgl. Kastner, 2004a). Dabei gilt es den weiterhin hohen Stellenwert der Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft, verbunden mit der Vorstellung der Erwerbstätigen darüber was für sie „gute Arbeit“ ausmacht, mit den fortschreitenden Umbrüchen in der Entwicklung der Arbeit in Einklang zu bringen.
Im Folgenden werden die in den letzten Jahrzehnten verzeichneten Veränderungen der Arbeitswelt hin zu Subjektivierung und Flexibilisierung aufgezeigt um daran anschließend den Bereich der Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse und die damit einhergehende Diskussion um die Erosion der Normalarbeitsverhältnisse näher zu betrachten. Die damit verbundenen Herausforderungen die sich durch instabile Beschäftigungsverhältnisse für die Balanceprozesse der WLB stellen, sollen zusammenfassend aufgezeigt werden.
Auch wenn sich die aus den verschiedenen instabilen Beschäftigungsformen resultierenden Anforderungs- und Beanspruchungsprofile unterscheiden, so gibt es doch
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„gemeinsame“ Beanspruchungsfolgen, die sich aus der Belastungen der „Instabilität“ ergeben können. Ein Ausblick auf mögliche Potentiale, eine Balance zwischen den geänderten arbeitsweltlichen Anforderungen und den eigenen Ressourcen (wieder) herzustellen, sollen das Bild einer Work Life Balance unter dem Aspekt instabiler Beschäftigungen abrunden.
2 Arbeitsgesellschaft im Wandel
2.1 Ein Überblick
Arbeitsgesellschaft und Erwerbsarbeit befinden sich seit Beginn der 1980er Jahren in einer tief greifenden Umbruchphase (vgl. z.B. Voß, 1998; Kratzer & Sauer, 2005). Während zunächst angenommen wurde, dass der Wandel durch den Bedeutungsverlust die Arbeitsgesellschaft ausgelöst wird (vgl. Matthes, 1982), wird in neueren Diskussionen die Entwicklung von der Arbeit selbst als grundlegend für die These des Umbruchs dargestellt (vgl. Kratzer, Sauer, Hacket, Trinks & Wagner, 2003). Insbesondere drei Entwicklungen werden dabei von Kratzer et al. (2003) hervorgehoben. Zum einen sind dies Hinweise auf weitgehende Veränderungen der Unternehmensorganisation und der Organisation von Arbeit, wie z.B. neue Produktionskonzepte, Dezentralisierung und Vermarktlichung. Als weitere Entwicklung wird eine wachsende Verbreitung neuer Arbeitsformen und neuer leistungspolitischer Konzepte wie z.B. indirekte Steuerung durch Zielvereinbarungen gesehen und zum dritten die zunehmende Flexibilisierung von Arbeit.
Sauer (2003) sieht die gesellschaftliche Organisation von Arbeit vor allem gekennzeichnet von den Tendenzen Entsicherung und Flexibilisierung auf der einen und Selbstorganisation und Subjektivierung von Arbeit auf der anderen Seite. Mit diesen Veränderungen sind aber nicht nur die grundlegenden Strukturprinzipien der fordistisch-tayloristischen Regulation von Arbeit betroffen, sondern es wird dabei auch der Lebensentwurf des Einzelnen beeinflusst. Die Subjektivierung verweist auf eine Abkehr von tayloristischen Rationalisierungsprinzipien. An Stelle von Fremdorganisation und direkter Kontrolle, Standardisierung und Arbeitsteilung tritt die Selbstorganisation, die indirekte Steuerung, die Re-Integration von planenden und ausführenden Tätigkeiten. Es wird nun wieder verstärkt die Arbeitskraft als Subjekt angesprochen. Die Entsicherung kann als Bruch mit der fordistischen betrieblichen und sozialstaatli-
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chen Regulierung beschrieben werden. Mit der Zunahme von ungesicherter Beschäftigungsverhältnisse und der Flexibilisierung von Arbeit werden Marktrisiken stärker auf die Beschäftigten verlagert.
Im Folgenden werden die Begriffe Subjektivierung und Flexibilisierung der Arbeitswelt als auch die aktuelle Bedeutung der Erwerbsarbeit näher betrachtet.
2.2 Subjektivierung in der Arbeitswelt
Mit dem Begriff der Subjektivierung wird der Bedeutungszuwachs von Subjektivität und subjektiver Gestaltung der Arbeitskraft in der Arbeitswelt beschrieben. Nach Kratzer et al. (2003) sind entscheidende Indizien für einen Veränderungsprozess in Richtung einer „Subjektivierung von Arbeit“ die neuen Arbeits- und Organisationsformen, die mit Anforderungen an die Selbstorganisation und Selbstregulation der Beschäftigten einhergehen und/oder den Einsatz von Subjektivität (Emotionen, Kooperationsfähigkeit, Kreativität, etc.) erfordern. Es lassen sich dabei Verschiebungen z.B. von der Zentralisierung zur Dezentralisierung, vom Top-down-Ansatz zum Bottom-up-Ansatz in Organisationen als eine Verschiebung des Fokus von der Objektivierung betrieblicher Zusammenarbeitsprozesse hin zur Subjektivierung erkennen. Dies zeigt sich unter anderem durch den vermehrten Einsatz von Gruppen- und Projektarbeit. Daneben werden zunehmend indirekte Steuerungskonzepte wie Ergebnissteuerung und die Selbststeuerung von Individuen und Gruppen etabliert und dadurch das eigenverant-wortliches Handeln der Beschäftigten gefordert. Durch diesen Zugriff auf "den ganzen Menschen" (Pongratz & Voss, 2000) wird in betriebswirtschaftlicher Absicht das subjektive Potenzial der Beschäftigten zur Produktivitätsressource des Unternehmens. Darüber hinaus sind jedoch auch gesellschaftliche und lebensweltliche Tendenzen wie Individualisierung, Pluralisierung von Lebensstilen und ein Wertewandel zu beobachten, die ebenfalls als Hinweise zur Subjektivierung von Arbeit gelten können (Kratzer et al., 2003). Die Subjektivierung von Arbeit basiert somit nicht nur auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen, sondern kann ebenso aus persönlichen Motiven der Beschäftigten heraus resultieren. Dieser Entwicklung wurde auch mit dem „Arbeitskraftunternehmer“ als neuem Typus von Arbeitskraft Rechnung getragen (vgl. Pongratz & Voss, 2003). In diesem Zusammenhang sei allerdings auf die Anmerkung von Kratzer et al. (2003) hingewiesen, die aufgrund der wachsenden Differenzierung von Erwerbsarbeit, Lebensla-
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gen, Lebensstilen und Lebensläufen, in generalisierenden Aussagen prinzipiell die Gefahr der unzulässigen Verallgemeinerung sehen.
2.3 Flexibilisierung in der Arbeitswelt
Die Flexibilität im Begriff flexible Arbeitsformen beziehen sich zum einen auf die Art der Beschäftigung, bzw. des Vertragsverhältnisses zur Leistungserbringung - sei es als Alleinselbständige, Freie, feste Freie, in befristeten Beschäftigungsverhältnissen, als Zeitarbeitnehmer oder in unbefristeten Beschäftigungsverhältnissen in Vollzeit oder Teilzeit. Sie bezieht sich zum anderen auf die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die sich dabei nach Kratzer et al. (2003) durch drei Prinzipien auszeichnet: Zum einen in der Individualisierung der Arbeitszeit, zum anderen in der Vermarktlichung des zeitlichen Arbeitseinsatzes und zum dritten in der Selbstorganisation der Arbeitszeit. Flexibilisierung von Beschäftigung und Arbeitszeit sind keine neuen Phänomene: Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass das individuelle Arbeitsvolumen zur Variable und das Subjekt zum Akteur der Organisation der Arbeitszeit wird (Kratzer et al., 2003). Es ist somit ein Wandel von der kollektiven zur individuellen und von der fremd organisierten zur selbst organisierten Arbeitszeit zu beobachten. Ein weiterer wesentlicher Unterschied besteht in der höheren Unmittelbarkeit von Arbeitszeitgestaltung und Markter-fordernissen. Die Arbeitszeitgestaltung kann somit als Komplementärstrategie zu der Vermarktlichung der Organisation und der Übertragung von Steuerungsfunktionen auf die Beschäftigten gesehen werden. Das Arbeitsvolumen wird zum ausschlaggebenden Kriterium, die Zeit als Maßstab verliert ihre Bedeutung.
2.4 Bedeutung der Erwerbsarbeit
Unter dem Eindruck wirtschaftspolitischer Daten schien es zu Beginn der 1980er Jahre realistisch, mit einem weiteren Absinken der durchschnittlichen Erwerbsarbeitszeit zu rechnen (vgl. Offe, 1983; Matthes, 1982). Die Bamberger Thesen von einem Ende der Arbeitsgesellschaft haben sich jedoch nicht bestätigt. Bewahrheitet hat sich, dass das Modell des Normalarbeitsverhältnisses zugunsten neuer Arbeitsformen „erodiert“ ist, d.h. institutionelle und standardisierte Rahmenbedingungen von Arbeit werden mehr und mehr zur Disposition gestellt (vgl. Kratzer & Sauer, 2005). Dies hat jedoch nichts an der Bedeutung der Erwerbsarbeit geändert. Im Rahmen der Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung Deutschlands wurde festgestellt, dass Deutschland weiterhin eine Arbeitsgesellschaft bleibt und Erwerbsbeteiligung für die große Mehrheit der
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Bevölkerung die Aktivität ist, die ihre Lebensweise bestimmt und über ihre soziale Sicherung entscheidet (vgl. Kratzer & Sauer, 2005). Nach Sauer (2003) wird der gesellschaftliche Umbruch nicht durch das „Ende der (Erwerbs-) Arbeitsgesellschaft“ markiert, sondern es ist gerade die Entwicklung von Arbeit selbst, in der sich die Umbrüche manifestieren.
3 Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse
3.1 Normalarbeitsverhältnis
Der Begriff des Normalarbeitsverhältnisses wurde mit der einsetzenden Diskussion über Flexibilisierungs- und Deregulierungstendenzen der Arbeitswelt in den 1980ern geprägt. Nach Osterland (1990) sind „Normalarbeitsverhältnis“ und „Normalbiographien“ Begriffe, die in die sozialwissenschaftliche Diskussion Einzug gehalten haben, als der Tatbestand, den sie bezeichnen sollten, bereits wieder im Entschwinden zu sein schien. Dabei versteht man unter einem Normalarbeitsverhältnis ein außerhalb des eigenen Haushalts, unbefristetes, arbeits- und sozialrechtlich abgesichertes, unselbstständiges und auf Normalarbeitszeit basierendes Arbeitsverhältnis für einen Auftraggeber (vgl. Mückenberger 1985). Das Normalarbeitsverhältnis bietet einen Rahmen und Orientierung für individuelles sowie für institutionelles Handeln. Dies beinhaltet neben der sozialrechtlichen Absicherung, sowohl Möglichkeiten der Teilhabe an Gestaltungs- und Regelungsprozessen als auch Planbarkeit von Berufsverlauf und Lebensführung. Gerade durch die Kontinuität der Beschäftigung wird dem Einzelnen ermöglicht, seinen Lebensentwurf auf einer sozialen und materiellen abgesicherten Basis aufzubauen. Die Begriffe „instabile Beschäftigung“ oder auch „atypische Beschäftigung“ werden nun für die Erwerbsarbeitsformen verwendet, die von diesem so genannten Normalarbeitsverhältnis abweichen.
3.2 Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse
Instabile bzw. atypische Beschäftigung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wenn auch das Normalarbeitsverhältnis für die Mehrheit der Erwerbstätigen weiterhin die Norm darstellt, so ist doch eine deutliche Zunahme davon abweichender Beschäftigungsverhältnisse zu beobachten. Der prozentuale Anteil der nicht dem Normalarbeitsverhältnis entsprechenden Beschäftigungsverhältnisse divergiert je nach Datenquelle und liegt zwischen 30 und 40 Prozent (vgl. dazu Brinkmann, Dörre, Röbenack, Kraemer, Speidel, 2006, S. 19ff). Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in Deutschland
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Arbeit zitieren:
Ella Kolb, 2007, Work Life Balance unter dem Aspekt instabiler Beschäftigungen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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Deniz B. Schobert, Adelheid Susanne Esslinger
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