1 Einleitung
„Gerade die sprachlichen Fähigkeiten werden in vielsprachigen Klassen nur unzureichend entwickelt. Das hat nicht zuletzt die PISA-Studie auf dramatische Weise deutlich gemacht. Generell ist das Bildungsrisiko für Kinder mit Migrationshintergrund in Deutschland sehr viel höher als in anderen Ländern mit vergleichbaren Einwanderungszahlen.[...]Kinder mit Deutsch als Zweitsprache sind nach wie vor einem Unterricht ausgesetzt, der die sprachlichen Fähigkeiten und Kenntnisse voraussetzt, die zuvor hätten vermittelt werden müssen.“ (Belke/Geck 2004, 5)
Ausgehend von diesem einleitenden Zitat wird deutlich, welch große Bedeutung eine frühe sprachliche Förderung von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache darstellt. Hierfür sind neben kompetenten ErzieherInnen und LehrerInnen unter anderem auch vielfältige Fördermaterialien von Nöten. Fraglich ist an dieser Stelle jedoch vor allem, ob diese Fördermaterialien auch wirklich angemessen mit den jeweiligen Fördergegenständen umgehen. In der vorliegenden Seminararbeit soll dieser Fragestellung anhand einer Analyse einiger ausgewählter Materialbeispiele nachgegangen werden. Als Fördergegenstand wird der Bereich der Präpositionen dienen, unter anderem weil diese in fast jedem Satz vorkommen und ihnen auch generell ein hoher Anteil am Wortaufkommen in Texten zuteil wird. Zudem werden im Verlauf des (kindlichen) Zweitsprachenerwerbs Präpositionen anfangs häufig gänzlich weggelassen. Von den Kindern werden „die “kleinen“ Wörtchen nicht als sinntragende Elemente im Satz“ (Ahrens 2003, 155) erkannt, ihnen genügen zumeist einzelne Schlüsselbegriffe, um ein sinnvolles Verhältnis herzustellen. Das korrekte Anwenden von Präpositionen ist für einen richtigen Sprachgebrauch demnach unumgänglich. Gerade weil DaZ-Kinder in diesem Bereich immense Probleme haben, ist es von umso größerer Bedeutung, die Verwendbarkeit von Fördermaterialien zu Präpositionen kritisch zu überprüfen. Hierfür seien zunächst die wichtigsten grammatikalischen Grundlagen erörtert, um damit in einem zweiten Schritt ein Basiswissen aufzubauen, welche genauen Schwierigkeiten vor allem DaZ-Kinder im Umgang mit dem Fördergegenstand „Präpositionen“ haben können. Im Hauptteil der Arbeit werden dann unterschiedliche Fördermaterialien beschrieben und mithilfe der zuvor erstellten
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Kriterien auf ihre Eignung hinsichtlich der Förderinhalte analysiert. Abschließend werden die Ergebnisse in einem Resümee vergleichend gegenübergestellt.
2 Theoretische Grundlagen zum Fördergegenstand „Präposition“
2.1 Grammatikalischer Hintergrund
Der Begriff Präposition stammt ursprünglich aus dem Lateinischen. Wörtlich übersetzt bedeutet dieser Ausdruck „das Vorangestellte“ und bezieht sich damit auf die Wortstellung. In der Regel stehen Präpositionen folglich vor ihrem Bezugswort. Ferner gibt es diverse Präpositionen, welche dem Bezugswort nachgestellt werden und auch einige wenige mehrgliedrige, die ihres einrahmen (vgl. Duden 2006 7 , 607).
Die Funktion einer Präposition ist es, zwei unterschiedliche Größen in ein Verhältnis zueinander zu bringen, weshalb eine Präposition im Deutschen auch als Verhältniswort bezeichnet wird. Das Verhältnis oder die Beziehung zu einem Wort kann hierbei unterschiedlicher Art sein - so differenziert man zwischen temporalen, lokalen, modalen, kausalen und neutralen Präpositionen (vgl. ebd., 110).
Ein Verhältniswort kann ferner nie allein stehen, es fordert immer eine Ergänzung, welche im Normalfall eine Nominalphrase ist. Dieser Nominalphrase wird durch die vorangestellte Präposition ein Kasus zugewiesen, welcher Genitiv, Akkusativ oder Dativ sein kann (Rektion). Verhältniswörter können weiterhin unterschiedlich viele dieser Fälle regieren. So genannte Wechselpräpositionen wie an oder vor regieren zum Beispiel den Dativ und den Akkusativ, wohingegen das Verhältniswort durch lediglich den Akkusativ führt. Einige wenige Präpositionenwie beispielsweise entlang - können im Deutschen sogar alle drei Fälle regieren (vlg. ebd., 611ff.).
Um die ausgewählten Fördermaterialien im nachfolgenden Teil der Seminararbeit adäquat analysieren und beurteilen zu können, ist es im nächsten Unterpunkt wichtig herauszuarbeiten, welche Probleme Kinder mit Deutsch als Zweitsprache nun mit dem Gebrauch beziehungsweise Erwerb von Präpositionen haben können. Auf diese Weise soll eine fundamentale Grundlage geschaffen werden,
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von der aus die Frage, ob das Fördermaterial angemessen mit dem Fördergegenstand umgeht, genauer eruiert werden soll.
2.2 Mögliche Schwierigkeiten für DaZ-Kinder
Der Erwerb und Gebrauch von Präpositionen kann für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache unter anderem aus folgenden Gründen sehr schwierig sein: Da dem Bezugswort im Deutschen einige Präpositionen nachgestellt werden, kann es DaZ-Kindern schwer fallen, das Verhältnis beider Größen zueinander zu erkennen. Daher müssen ihnen die verschiedenen Möglichkeiten der Wortstellungen ganz klar verdeutlicht und mit ihnen eingeübt werden. Präpositionen zeigen des Weiteren unterschiedliche Bedeutungsverhältnisse an, weshalb man sie nicht einfach von der einen in die andere Sprache übersetzen kann. Es ist nötig, ihre Bedeutung aus dem Zusammenhang zu erschließen. Das DaZ-Kind muss folglich lernen zwischen den verschiedenen Sinngehalten wie Raum, Ort, Zweck sowie Art und Weise, etc. differenzieren zukönnen, was eine besondere Schwierigkeit darstellt, wenn man diese Unterschiede aus der Muttersprache nicht kennt. Es muss verstanden werden, dass ein Verhältniswort verschiedene Beziehungen ausdrücken kann. Die Präposition auf repräsentiert beispielsweise Raum-, Zeit- und Modalbeziehungen (auf dem Bett / auf ein paar Minuten / auf törichte Weise) (vgl. ebd., 610f.). Diese Multifunktionalität ist jedoch nicht das einzige Hindernis, welches die Präposition für DaZ-Kinder mit sich bringt. Wie die drei aufgeführten Beispiele bereits zeigen, folgt nach einer bestimmten Präposition nicht automatisch immer derselbe Kasus. Mit dem richtigen Anwenden von Verhältniswörtern müssen folglich auch die verschiedenen Fälle erlernt werden, die sie regieren. Auch wenn die meisten Präpositionen nur einen Kasus erfordern, ist es wichtig, dass DaZ-Kinder auch die Wechselpräpositionen (wie beispielsweise in, an auf, zwischen, vor, unter etc.) richtig anwenden können. Erschwert wird das Erlernen der Kasusrektion noch einmal dadurch, dass der verwendete Fall in einem Satz nicht immer gleich ersichtlich ist. Eine Präposition kann beispielsweise mit einem Artikel zusammengezogen werden, sodass ein Kurzwort entsteht und das eigentliche Kasussignal, welches dem Kind helfen soll, den Fall zu erkennen, quasi verschwindet (vgl. Ahrens 2003, 155f.). Diese Punkte sollten als zentrale Inhalte in einem Fördermaterial für Präpositionen berücksichtigt werden, um eine Förderung im Bereich der Verhältniswörter
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angemessen und dem Kind gerecht durchzuführen. Ob dies in einzelnen Fördermaterialen der Fall ist, soll im Folgenden an einigen ausgewählten Beispielen eingehender analysiert werden.
3 Beschreibung und Analyse der Sprach-
fördermaterialien zum Fördergegenstand „Präpositionen“
Bei den zu analysierenden Sprachfördermaterialien handelt es sich um drei zufällig ausgewählte Förderbücher, welche (unter anderem) alle den Fördergegenstand „Präpositionen“ beinhalten. Die Beschreibung der einzelnen Materialien soll auf die wichtigsten Aspekte begrenzt sein. Somit seien anfangs einige Informationen zu den Autoren, ihren allgemeinen Zielsetzungen und der Art der Sprachförderung gegeben. Des Weiteren soll die Zielgruppe bestimmt und der Aufbau des jeweiligen Förderbuches kurz erläutert werden. Letzteres aufzuzeigen ist von entscheidender Notwendigkeit, da im weiteren Verlauf nur auf diese Weise analysiert werden kann, inwieweit ausreichend theoretische Erläuterungen für den Fördernden vorhanden sind. Im Anschluss wird das eigentliche Fördermaterial zum Thema Präpositionen dann zunächst in detaillierter Form dargestellt, um es daraufhin genauer zu untersuchen.
Bei dieser Analyse soll in zwei Schritten vorgegangen werden: zuerst wird allgemeine Kritik an dem Fördermaterial geäußert respektive Unstimmigkeiten oder Unklarheiten der Materie thematisiert. Daraufhin soll die eingangs genannte, essentielle Frage beantwortet werden, ob die ausgewählten Fördermaterialien adäquat mit dem Fördergegenstand „Präpositionen“ umgehen, wobei die in 2.2 als zentral eruierten Förderinhalte Wortstellung, Verhältnisbeziehung und Rektion als Grundlage dienen sollen.
3.1 Fördermaterial von Simone Neumann
3.1.1 Beschreibung des Fördermaterials
Die Autorin des ersten Fördermaterials, welches nun dargestellt werden soll, ist von Beruf Sprachtherapeutin und hat es sich mit den zu untersuchenden Sprachfördermaterialien (vgl. Neumann 2001) zur Aufgabe gemacht, ganzheitliche Sprachförderung für Eltern, Erzieher und Therapeuten anzufertigen.
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Das allgemeine Ziel ihrer zum größten Teil präventiven Förderung ist vor allem, dass sich alle Kindergarten- und Grundschulkinder im Alltag behaupten können, sowie ihnen soziale Kontakte als auch schulischen Erfolg zu sichern. Hierfür wird eine Sprachförderung in Einzelarbeit oder in Kleingruppen von ihr favorisiert. NEUMANNS Anliegen besteht ferner darin, Sprache nicht bloß einüben zu lassen, sondern „über Handeln, über das Spiel, über die Bewegung oder über die Wahrnehmung erfahrbar zu machen“ (ebd., 9).
Ferner sei angemerkt, dass es sich bei dieser Sammlung nicht explizit um Sprachfördermaterial für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache handelt. Sie bilden jedoch einen Teil der Zielgruppe, weshalb dieses Material ebenfalls auf seine Anwendbarkeit geprüft werden kann.
Aufgebaut ist das Förderbuch in sechs verschiedene Bereiche: nach einer kurzen Einleitung der Autorin folgt eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der Sprachförderung. In dieser ist vor allem die Bedeutung der Sprache an sich und der Verlauf der kindlichen Sprachentwicklung thematisiert. Zudem wird der Zusammenhang von Sprache, Wahrnehmung und Bewegung erläutert, was als thematische Einführung in den späteren Hauptteil dient. Nach den theoretischen Vorbemerkungen folgen drei Kapitel mit Sprach-, Wahrnehmungs- und Bewegungsspielen. Im Anhang befinden sich, sortiert nach den einzelnen Kapiteln, zudem über 50 Seiten mit Arbeitsblättern. Das Thema „Präpositionen“ ist in NEUMANNS Materialsammlung unter dem Abschnitt „Sprachspiele zur Erweiterung grammatischer Fähigkeiten“ zu finden. Dieses Kapitel umfasst mitsamt angehangenen Arbeitsblättern insgesamt zehn Seiten. Der Fördergegenstand „Präpositionen“ wird thematisch auf einer viertel Seite behandelt (vgl. ebd., 22). Nach der Überschrift „Präpositionen“ erfährt die Förderperson in einem ersten kurzen Abschnitt zunächst etwas über die Intention der beiden folgenden Spiele. Die Kinder sollen die Verhältniswörter mithilfe der aufgeführten Sprachspiele kennen lernen, um die Lage eines Gegenstandes beschreiben zu können. Auf die Spielintention folgt ein kurzer theoretischer Abschnitt, welcher dem Fördernden in drei Zeilen erklärt, was man unter Präpositionen versteht und welche Funktion sie haben. Zudem werden einige Beispiele für Verhältniswörter genannt. Daraufhin wird erläutert, dass Kinder sich Präpositionen am besten einprägen können, „wenn sie vom Kind praktisch
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Arbeit zitieren:
Katharina Büker, 2009, Ein Vergleich unterschiedlicher DaZ-Fördermaterialien zum Fördergegenstand „Präpositionen“, München, GRIN Verlag GmbH
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