Überwindung der natürlichen Intelligenz André Schmidt
durch Genmanipulation und Keimbahntherapie?
INHALTSVERZEICHNIS
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1 Einleitung 3
2 Die aktuelle Problemstellung 4
2.1 From chance to choice 4
2.2 Ziele und Motive der Biotechnologie 5
2.3 Ethische Herausforderungen 6
3 Designerbaby - Perfektion aus dem Labor? 7
3.1 Das Kind nach eigenen Maßstäben 7
3.2 Weitere Formen der Einflussnahme 8
3.3 Das slippery slope Argument 9
4 Die Anlage - Umwelt - Korrelation 10
4.1 Der Einfluss der genetischen Anlage 10
4.2 Der Einfluss der menschlichen Umwelt 11
4.3 Der Einfluss der Kultur 13
5 Bedeutungsverlust der Verantwortung 14
5.1 Reduzierung pädagogischer Verantwortlichkeit 14
5.2 Die Grenzen der Biotechnologie 15
6 Schlussbemerkung 17
Literatur - und Quellenverzeichnis 20
Überwindung der natürlichen Intelligenz André Schmidt
durch Genmanipulation und Keimbahntherapie?
1 Einleitung
In dieser Seminararbeit sollen anhand von ausgewählten Aufsätzen und Ab-handlungen verschiedener Autoren, wie Markus HENGSTSCHLÄGER und Otto SPECK unterschiedliche philosophische Positionen zur Thematik Überwindung der natürlichen Intelligenz durch Genmanipulation und Keimbahntherapie näher betrachtet werden. Dabei wird für ein besseres Verständnis neben einer anfänglichen aktuellen Problemstellung in der Gesellschaft der Gegenstand auch in einen kurzen sozialen Kontext eingegliedert. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit soll auf der Vorstellung sowie der ethischen Reflexion der unterschiedlichen mit der modernen Biotechnologie ver-bundenen Erwartungen, berechtigten Hoffnungen und Wünsche gelegt werden. Ein Hauptaugenmerk wird dabei der Fragestellung gewidmet sein, ob man sich überhaupt klar darüber ist, was unter den Begriffen Designerbaby oder Kind nach Maß zu verstehen ist, oder ob dadurch nur eine künstliche Aufregung erzeugt wird. Im Speziellen soll dabei ein grundsätzlicher Blick auf das Machbare und das Nichtmachbare sowie auf das Wünschenswerte und das Nicht- wünschenswerte im Zusammenhang mit dem fiktiven Ruf nach genetisch perfekten Kindern durch eine Aufarbeitung der aktuellen biomedizinischen Fortschritte geworfen werden, indem auch der Frage nachgegangen werden soll, ob und wie weit der wissenschaftliche Fortschritt den Lebenswert und die Lebenssituation der Menschen zukünftig verändern sowie zu einem eventuellen Bedeutungsverlust der pädagogischen Erziehung führen könnte. Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dient unter anderem der kurze Überblick über den aktuellen Stand der biomedizinischen Wissenschaft aus dem Werk „Das ungeborene menschliche Leben und die moderne Biomedizin. Was kann man, was darf man?“ des Autors Markus HENGSTSCHLÄGER. Neben Aufsätzen wie „Auf der schiefen Ebene zum Designerbaby. Warum die Bioethik immer zu spät kommt“ von Axel W. BAUER wird aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographie Otto SPECKs, „Soll der Mensch biotechnisch machbar werden? Eugenik, Behinderung und Pädagogik“ sowie die psychologische Abhandlung „Pädagogische Psychologie“ von Andreas KRAPP und Bernd WEIDEMANN hierfür herangezogen, um auch die Untersuchungen anderer Fachleute sowie den Forschungsstand mit einzubeziehen.
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durch Genmanipulation und Keimbahntherapie?
2 Die aktuelle Problemstellung
2.1 From chance to choice
Schon seit den neunziger Jahren werden in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit weltweit kontroverse Diskussionen über die umwälzenden Entwicklungen der Biotechnik sowie die entsprechenden Perspektiven für die Zukunft der Menschen geführt. Durch oftmals polemische Schlagzeilen wie „Die Zukunft liegt im Labor!“„Biotechnologie ist Deutschlands Zukunft!“ in den Medien, werden die Biowissenschaften mittlerweile schon regelrecht zu neuen Leitwissenschaften emporgehoben. Es scheint, dass sich eine neue Eugenik angemeldet hat, die nicht nur angetreten ist behindertes Leben zu verhindern, sondern wenn möglich auch in absehbarer Zeit Kinder ohne Makel oder außergewöhnlichen Wesensmerkmalen zu produzieren. 1 Gerade durch die nahezu vollständige Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahre 2004, jene chemisch molekulare Struktur, welche die gesamte Information für den Bauplan eines Menschen in sich trägt, wurde in der Forschung, Politik sowie in der Wirtschaft das Interesse an Umsetzungs- und Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Biotechnologien vehement beflügelt.
Besonders im Zusammenhang mit dem Themengebiet der Neurophilosophie und Künstlicher Intelligenz ist in weiten Bereichen die Auffassung vertreten, in der Biotechnologie eine Möglichkeit gefunden zu haben, die natürliche Intelligenz des Menschen überwinden zu können. Denn es ist immer mehr in der aktuellen Diskussion zu beobachten, dass die in den Medien viel gepriesenen biotechnischen Chancen ganz offensichtlich auch einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend folgen, die dem modernen Bedürfnissen der Menschen nach Perfektion, Fitnessstreben und Belastungsreduktion in vielerlei Hinsicht entsprechen - eine Fülle von Optionen freisetzen. 2 Dabei steigern sich die Visionen vom neuen Menschen in manchen Köpfen bis zu paradiesischen unrealistischen Vorstellungen, wobei körperliche und leibliche Schranken sowie Grenzen der Verantwortungsfähigkeit, Vorstellungskraft und Technikabschätzung oft nicht wahrgenommen werden.
1 Vgl. SPECK, Otto: Soll der Mensch biotechnisch machbar werden? Eugenik, Behinderung und Pädagogik,
München 2005, S. 9 ff.
2 Vgl. SPECK, Otto: Soll der Mensch biotechnisch machbar werden?, S. 15.
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durch Genmanipulation und Keimbahntherapie?
2.2 Ziele und Motive der Biotechnologie
Aus der öffentlichen Debatte lassen sich vor allem die drei Argumente Kostenersparnis, Heilung und Verbesserung des Erbgutes entnehmen, die als Ziele und Motive für die heute stark diskutierte Molekularbiologie ins Feld geführt werden. Das Argument der Kostenersparnis im Sinne von Kosten-Nutzen-Analysen stößt zwar immer wieder auf entschiedene Abwehr, jedoch mit den wachsenden Finanzierungsproblemen der öffentlichen Hand erlangt dieses Argument immer mehr an Gewicht. 3 Die moderne Biomedizin - schwerpunktmäßig die Genforschung - hat ohne Zweifel, Erkenntnisse für das Wohl des Menschen erlangt wie kaum eine andere Wissenschaft zuvor. Dennoch ist das zweite und wichtigste Argument, über die Weiterentwicklung der Humangenetik und mit Hilfe der genetischen Beratung ließen sich schwere Krankheiten heilen und Leid mindern, für SPECK völlig unangemessen, da nur 5 % aller schweren Behinderungen auf genetische Kausalfaktoren zurückzuführen sind, von denen wiederum nur ca. 0,5 % durch Gendiagnostik entdeckt werden können. Bis heute ist die Genetik den Beleg dafür, dass diese Heilversprechen, an realer Bedeutung gewinnen könnten, schuldig geblieben. 4 Hinter dem Argument der Verbesserung des Erbgutes verbirgt sich zum einen das extrem wirkungsmächtige Motiv des Kinderwunsches sowie die Vorstellung eines evolutionären Prinzips, wonach Gene, welche die Reproduktionsfähigkeit verbessern, von einer Generation zur nächsten mit immer größerer Häufigkeit vererbt werden und sich letztlich innerhalb einer Population stark ausbreiten. Man glaubt, dass der Mensch die Fähigkeit entwickelt habe, seine genetischen Prädispositionen zu erkennen, zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken. Durch solche Gedankenexperimente gelingt es der Forschung, die Akzeptanz für die neuen Techniken zu erhöhen sowie einen potentiellen Markt zu schaffen, noch bevor das entsprechende Produkt angeboten werden kann. Dabei gilt, wo ökonomische Interessen bestehen, da gibt es motivierte Anbieter und motivierte Kunden. Dort, wo noch keine Motive bestehen, könnten sie schon bald geweckt werden: 5 SILVER schildert in seinem Buch „Das geklonte Paradies." einige fiktive Fälle, die so konstruiert sind, dass in ihnen das Klonen eines Kindes durchaus als plausibel erscheinen mag.
3 Vgl. SPECK, Otto: Soll der Mensch biotechnisch machbar werden?, S. 46 ff.
4 Ebd., S. 46 ff.
5 Vgl. BAUER, Axel W.: Auf der schiefen Ebene zum Designer-Baby. Warum die Bioethik immer zu spät kommt. In:
Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 244 vom 20. Oktober 1999, S. 54. Seite 5 von 21
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2.3 Ethische Herausforderungen
Jedoch formiert sich auf der anderen Seite auch eine ablehnende Haltung gegen einen Menschen nach Maß, denn der sich daraus abzeichnende Paradigmenwechsel führt nicht nur zu grundlegend veränderten Sichtweisen im Hinblick auf das menschliche Zusammenleben, sondern verstärkt auch die beunruhigende Grundtendenz, worin der Mensch künftig in der Lage sein soll, nicht nur Krankheiten und die Abhängigkeit von unliebsamen Zufällen überwinden zu können, sondern darüber hinaus auch noch wählen kann, in welcher biologischen Verfassung er leben wolle. Somit handelt es sich in der Tat um ein sehr vielschichtiges Thema und man kann SPECK zustimmen, der darauf aufmerksam macht, dass sich daraus durchaus bedrohliche Konsequenzen für das menschliche Zusammenleben entwickeln könnten. 6 Es ist also höchste Zeit sich Gedanken über die Auswirkungen der jüngsten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Biotechnologie zu machen, denn eine solche Diskussion über die Vor- und Nachteile sowie Risiken und Gefahren sollte am Anfang und nicht am Ende einer langen Reihe neuer Forschungsergebnissen stehen. 7 Es ist zu prüfen, ob denn all diese Euphorien machbar sein werden und ob die Verheißungen auch wirklich für alle Menschen gelten sollen oder nur für den Teil, die auf Grund finanzieller Ressourcen vermögend genug sein werden, um sich die Optimierung ihrer physischen Lebensgrundlagen zu leisten. Aus diesem Grunde sollte diese Debatte nicht nur aus einer Sichtweise heraus geführt werden, denn durch eine falsche und einseitig geführte öffentliche Diskussion können die enormen Möglichkeiten, welche die moderne Biomedizin für die Menschheit darstellt, zunichte gemacht werden.
6 Vgl. SPECK, Otto: Soll der Mensch biotechnisch machbar werden?, S. 11.
7 Ebd., S. 9.
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André Schmidt, 2006, Überwindung der natürlichen Intelligenz durch Genmanipulation und Keimbahntherapie? , München, GRIN Verlag GmbH
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