INHALTSVERZEICHNIS
1. EINFÜHRUNG. 2
2. BEGRIFFLICHE ANNÄHERUNG 4
2.1 WAS IST SÄKULARISIERUNG? 4
2.2 RELIGION IN DER MODERNEN GESELLSCHAFT. 4
2.2.1 ZUM BEGRIFF „RELIGION“ 4
2.2.2 DIE „MODERNE“ 5
2.2.3 ZUM VERHÄLTNIS VON RELIGION UND MODERNE 6
3. RELIGIONSSOZIOLOGISCHE MODELLE 7
3.1. DIE SÄKULARISIERUNGSTHESE. 7
3.2 INDIVIDUALISIERUNGSTHESE. 8
3.3 DAS ÖKONOMISCHE MARKTMODELL 9
4. KRITISCHE BETRACHTUNGEN 10
4.1 JOAS KRITIK AN DER „POSTSÄKULAREN GESELLSCHAFT“ 10
4.1.1 DER SONDERFALL EUROPA 11
4.2 DIE KRITIK AN DER SÄKULARISIERUNGSTHESE - ZU RECHT? 12
5. FAZIT. 14
5. LITERATUR 16
1
1. Einführung
Die Modernisierung führe zu einem Bedeutungsverlust der Religion innerhalb der modernen Gesellschaft. Vor wenigen Jahrzehnten war die Idee, die einen Zusammenhang zwischen Moderne und Säkularisierung impliziert, eine anerkannte These in den Sozialwissenschaften. Mit dieser Hypothese berief man sich auf Ideen von Max Weber und Emile Durkheim, die mitunter inhaltlich als Begründer der Säkularisierungsthese gelten. Die Bedeutung von Religion und Kirche nehme in der modernen Gesellschaft ab und würde zurückgehen im Zuge der Modernisierung. Rationalisierung 1 , Industrialisierung, Urbanisierung, Mobilisierung 2 und die Auflösung der traditionalen Bindungen 3 seien Charakteristika dieser Moderne und der Modernisierung.
Lange Zeit wurde in den Sozialwissenschaften von der gänzlichen Säkularisierung der Gesellschaften in der Moderne gesprochen. In den aktuellen sozialwissenschaftlichen Veröffentlichen jedoch scheint davon kaum noch die Rede zu sein. Die abnehmende Relevanz von Religion in modernen Gesellschaften mutet fragwürdig an, betrachtet man die gegenwärtigen politischen Konfliktlinien und Diskurse auf globaler Ebene. Man spricht von „De-Säkularisierung“, „Re-Spiritualisierung“ und sogar von einer „Wiederkehr der Götter“. Es war Jürgen Habermas der im Herbst des Jahres 2001 4 in seiner Dankesrede beim Deutschen Friedenspreis des Buchhandels erstmals von der „post-säkularen Gesellschaft“ sprach. Von einer Gesellschaft,
„die sich auf das Fortbestehen religiöser Gemeinschaften in einer sich fortwährend säkularisierenden Umgebung einstellt.“
Dahinter verbirgt sich ein gänzlich neues Verständnis von Säkularisierung. Dessen ungeachtet gibt es auch Theoretiker wie Hans Joas. Dieser bestreitet, dass es jemals zu einem solchen Phänomen wie der Säkularisierung gekommen sei. Das bedeutet, Joas konsequent folgend, dass es auch keine „postsäkulare Gesellschaft“, wie Habermas sie zeichnet, geben kann.
„Von einer abnehmenden Bedeutung der Religion kann in globaler Perspektive
1 Vgl. Max Weber
2 Vgl. David Martin
3 Vgl. Johannes Berger
4 Nur kurze Zeit nach den Anschlägen des 11. September 2001
5 Joas, H. (2004) S. 123
2
Die Annahme, die Jahrzehnte fast unhinterfragt geglaubt und rezipiert wurde, dass Religion in der modernen Gesellschaft eine untergeordnetere Rolle spielen wird als in der Vormoderne, ist nun in Frage gestellt und nur wenige Sozialwissenschaftler möchten ihr heute noch zustimmen. Dennoch, es finden sich Theoretiker, die bedeutende Argumente für die Säkularisierung der Gesellschaft darzulegen wissen. Im Folgenden soll die These der Säkularisierung der modernen Gesellschaft überprüft und aus verschiedenen Perspektiven betrachtet sowie deren Kritiker benannt und diskutiert werden. Andere Thesen, die die Stellung der Religion in der modernen Gesellschaft beschreiben, werden dargelegt um vergleichend die Plausibilität von Säkularisierung und postsäkularer Gesellschaft bemessen zu können. Die Begrifflichkeiten „Moderne“ und „Religion“ sollen in einer Annäherung erklärt werden um auf das Verhältnis von Moderne und Religion Bezug nehmen zu können.
Diese Arbeit findet Argumente, die sich der Säkularisierungstheorie anschließen, aber auch Argumente, um diese zu widerlegen und um sich schlussendlich in der aktuellen Diskussion positionieren zu können und eine Antwort auf die Frage, ob es „Die Wiederkehr der Götter“ 6 - wie der Titel eines Buches des Religionssoziologen Friedrich W. Graf pointiert - in die heutige Zeit gibt, zu finden.
6 Friedrich Wilhelm Graf (2004): „Die Wiederkehr der Götter. - Religion in der modernen Kultur“
3
2. Begriffliche Annäherung
Insbesondere in einem Diskurs, der sich um all zu oft verwendete und missverstandene Begrifflichkeiten wie Religion, Moderne und Säkularisierung spannt, ist es von Bedeutung diese Begrifflichkeiten und das Verhältnis von Religion und Moderne klar zu erläutern. Der folgende Abschnitt setzt sich mit den Deutungsmöglichkeiten der benannten Begrifflichkeiten auseinander und erläutert die Interpretation, die für die folgenden Darstellungen von Bedeutung sind.
2.1 Was ist Säkularisierung?
Zunächst war der Begriff der Säkularisierung ein Rechtbegriff, der den Wechsel von Ordensmitgliedern zu „Weltpriestern“ beschrieb und wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur sozialwissenschaftlichen Beschreibung von Gesellschaften gebraucht.
Säkularisierung kann also zunächst einmal als „Verweltlichung“ gedeutet werden, denn sie beschreibt die steigenden Ablösungsprozesse des Individuums, der Gesellschaft selbst und des Staates von Religionsgemeinschaften und Einflüssen der Kirche. Zudem verlieren traditionelle religiöse Glaubensinhalte,
Moralvorstellungen, Sanktionsmechanismen und Verhaltensweisen an Relevanz im Normensystem der Gesellschaft. 7
Dennoch, eine einheitliche Definition von diesem gesellschaftlichen Phänomen „Säkularisierung“ besteht nicht. Der spanisch-amerikanische Religionssoziologe José Casanova hält drei Bedeutungen von Säkularisierung fest. Sie beschriebe erstens den Rückgang der Bedeutung der Religion innerhalb der Gesellschaft, zweitens den Rückzug der Religion aus dem öffentlichen Raum und drittens die Freisetzung gesellschaftlicher Teilbereiche von direkter religiöser Kontrolle. 8
2.2 Religion in der modernen Gesellschaft
2.2.1 Zum Begriff „Religion“
Das Verständnis von Religion scheint zunächst nicht sonderlich komplex. Doch bei genauerer Betrachtung kann Religion auf verschiedene Weisen verstanden werden. Es kann sich dabei erstens um eine reine Glaubenseinstellung handeln, zweitens um die Häufigkeit oder Intensität der Teilnahme an religiösen Praktiken oder Ritualen und letztlich auch um die reine Mitgliedschaft in einer
7 Vgl. Hillmann, K.-H. (1994). Stichwort „Säkularisierung“
8 Vgl. Walter, P. (2007) S. 10-11
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Arbeit zitieren:
Beate Jaschik, 2009, Gibt es die Wiederkehr der Götter?, München, GRIN Verlag GmbH
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