Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Aktuelle Formen der Migrationspolitik und der Zusammenarbeit in der EU 4
2.1. Die EU im Kooperationsdilemma 6
2.2. Von Melilla bis Lampedusa - Ausgewählte Beispiele. 7
3. „Festung Europa“ 9
3.1. Verschärfung der Einreise- und Migrationsbestimmungen. 10
3.2. Beispiele für die Problematik der Migrationswilligen 14
4. Perspektiven des Wandels in der zwischenstaatlichen Migrationspolitik der E.U 15
4.1. Der Nationalstaat als Leitmaxime - Abschottung als Prinzip. 15
4.2. Migration als Chance - Integration und Ausgleich als Zielmarke 16
5. Fazit 17
Literaturverzeichnis 19
Internetquellen 20
2
1. Einleitung
Die hier vorliegende Arbeit wird sich mit der zwischenstaatlichen (Nicht-) Kooperation auf der Ebene der Migrationspolitik der Europäischen Union auseinandersetzen. Das Stichwort der „Festung Europa“ ist momentan einer der Begriffe, der zum Schlagwort für Kritik an den bestehenden Zuständen geworden ist und für große Kontroversen sorgt.
Im ersten Teil meiner Arbeit lege ich die Grundlagen für das weitere Vorgehen. Der Status quo der zwischenstaatlichen Kooperation im ausgewählten Politikfeld wird beschrieben und theoretisch unterstützt.
In einem hochkomplexen System wie dem vorliegenden spielen natürlich immer die Interessen der einzelnen Nationalstaaten eine herausragende Rolle und sorgen für eine erhöhte Problematik bei der Entscheidungsfindung, da die Gesamtinteressen der EU gegenläufig zu denen des Nationalstaates sein können. Die Konsensfindung ist im Rahmen der Ausweitung der EU natürlich nicht einfacher geworden und ich werde versuchen, die verschiedenen Standpunkte der einzelnen Nationalstaaten innerhalb der EU deutlich zu machen. Da hier naturgemäß nicht auf jeden einzelnen Nationalstaat eingegangen werden kann, werde ich diese (soweit möglich) zu Gruppen zusammenfassen bzw. ausgewählte Vertreter dieser „Gruppen“ vorstellen und die Positionen vergleichen.
Im zweiten Teil gehe ich auf den Begriff der „Festung Europa“ ein und werde untersuchen, welche Entwicklungen zu dieser Begrifflichkeit führten und was die Ursachen für diese Entwicklungen sind.
Die Empirie und Praxisnähe wird durch die Betrachtung der Problematik der Migrationswilligen geleistet. Die Meldungen über missglückte Migrationsversuche sind nahezu täglich zu vernehmen, doch hinter jeder Meldung stecken individuelle Schicksale, auf die in dieser Arbeit jedoch nur streiflichtartig eingegangen werden kann. Im dritten Teil meiner Arbeit werde ich Perspektiven für einen möglichen Wandel in der Migrationspolitik der EU darstellen. Die beiden unvereinbar scheinenden Pole der Abschottung und der Migration werden dabei einzeln betrachtet und gegenübergestellt. Es wird zu überlegen sein, welchen Weg die EU einschlagen sollte bzw. könnte. Den Abschluss bildet das Fazit, in dem ich die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasse und zu einer Beurteilung der vorgefundenen Fakten komme. Soweit möglich, wird eine Handlungsempfehlung den Schlusspunkt dieser Arbeit bilden.
3
2. Aktuelle Formen der Migrationspolitik und der Zusammenarbeit in der EU
In diesem Abschnitt werde ich die theoretischen Grundlage für das weitere Vorgehen legen. Als leitende theoretische Annahme gilt hier der liberale
Intergouvernementalismus von Andrew Moravcsik. 1 Im Kern dieser Theorie stehen drei Elemente: „the assumption of rational state behaviour, a liberal theory of national preference formation, and an intergovernmentalist analysis of interstate negotiation.” 2 . Die erste Annahme setzt also ein rationales staatliches Handeln voraus. Dieses bedeutet, dass der jeweilige Akteur (hier: Staat) eine Kosten-Nutzen-Abwägung durchführt und auf dieser Grundlage seine Entscheidungen trifft. Im Vordergrund steht hierbei immer die Maximierung des Gesamtnutzens. 3 Eine Analyse der Innenpoltik stellt somit die Voraussetzung für die weitergehende Betrachtung der zwischenstaatlichen Kooperation dar.
Das zweite Element des Theoriekerns ist eine liberale Theorie der nationalen Präferenzbildung. Durch die oben getätigte Annahme, dass die staatliche Präferenzbildung stark durch die Innenpolitik beeinflusst wird, stellen wir also fest, dass in liberalen und pluralistischen Gesellschaften die bestehenden nationalen Interessensgruppen erhöhten Einfluss auf die Präferenzbildung haben können. Die regierenden Politiker sind alle auf Zeit in ihre Ämter gewählt und streben in den meisten Fällen eine Wiederwahl an. Somit ist es notwendig, die Interessen der zivilgesellschaftlichen Gruppen zu berücksichtigen und aufzugreifen. 4 Das dritte Element des liberalen Intergouvernamentalismus stellt die intergouvernamentalistische Analyse zwischenstaatlicher Verhandlungen dar. Auf dieser Ebene versuchen die Regierungen, ihre eigenen Interessen in den Verhandlungen durchzusetzen. Auffällig ist hier die Problematik, die sich in der Verteilung der Kooperationsgewinne zwischen den teilnehmenden Verhandlungspartnern darstellt. 5
1 Vgl. Moravcsik, Andrew - Preferences and Power in the European Community. A Liberal
Intergouvernmentalist Approach (1993). In: Journal of Common Market Studies 31:4 (1993).
2 Vgl. Moravcsik, Andrew - Preferences and Power in the European Community. (S. 480) a.a.O.
3 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. Von Mastricht
bis Tampere. (S. 8). Darmstadt (2001).
4 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. (S. 9 f.). a.a.O.
5 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. (S. 10). a.a.O.
4
Beobachtungen haben ergeben, dass die Partner mit der größten Verhandlungsmacht auch die größten Kooperationsgewinne für sich verbuchen konnten. 6 Auch hier spielt die Beeinflussung durch innenpolitische Interessensgruppen eine starke Rolle. Je homogener der Druck, der von diesen Gruppen ausgeht, umso einfacher ist es für die Regierung, eine starke Verhandlungsposition einzunehmen.
Bei unklaren Ausgängen sind die Interessen jedoch häufig sehr heterogen und führen somit zu einer Schwächung der Verhandlungsposition.
Konkret bedeutet dies, dass ein Staat dann die größte Verhandlungsmacht hat, wenn es einzelstaatliche Alternativen gibt und er glaubhaft mit seinem Veto drohen kann. 8 Auf dieses Szenario wird im späteren Verlauf der Arbeit noch anhand des Einstimmigkeitsprinzips in der Europäischen Union eingegangen. Durch diese Problematik rückt eine Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners in den Vordergrund, die jedoch nicht unausweichlich eine Einigung auf den niedrigsten gemeinsamen Standard erwarten lässt. 9
Alternative Handlungsmöglichkeiten bei Nicht-Kooperation von Staaten und gegebenem Einigungszwang stellen die Drohung des Ausschlusses des Veto-Staates aus der Gemeinschaft sowie die Möglichkeit, die zu verabschiedenden Gesetze in „Pakete“ zu bringen und somit zu schnelleren Abschlüssen zu kommen, dar. 10 Als Faktoren, die Einfluss auf Verhandlungsmacht und -ergebnis der teilnehmenden Staaten haben, führt Moravcsik folgende an: „nature of the alternative policies and
6 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. (S. 10). a.a.O.
7 Abbildung: Analyserahmen der zwischenstaatlichen Verhandlungen nach Moravcsik
8 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. (S. 10). a.a.O.
9 Vgl. Moravcsik, Andrew - Preferences and Power in the European Community. (S. 502). a.a.O.
10 Vgl. Bösche, Monika - Die Einwanderungs- und Asylpolitik der Europäischen Union. (S. 11). a.a.O.
5
coalitions, the level and symmetry of information, the extent of communication, the sequence of moves, the institutional setting, [...].“. 11
An dieser Fülle von wichtigen Faktoren können wir also erkennen, dass die nationale Präferenzbildung und die Umsetzung in eine intergouvermentalistische Kooperation eine immense Aufgabe für alle Beteiligten darstellt und von vielen Unwägbarkeiten tangiert werden kann.
2.1. Die EU im Kooperationsdilemma
Nach den Beschreibungen der generellen Form und theoretischen Grundlage der zwischenstaatlichen Kooperation auf europäischer Ebene, kommen wir nun zu ausgewählten Handlungsmöglichkeiten, die dazu beitragen können. Als verlockende Alternative zur sofortigen Unterzeichnung bzw. Ratifizierung eines Vertrages (hier: Amsterdamer Vertrag) gilt die Stay-Out-/Opt-In-Klausel. 12 Durch diese Klausel, die es den betroffenen Ländern ermöglicht, die Vorgaben der neuen Gesetze im eigenen Geltungsbereich nicht umsetzen zu müssen, ohne sanktioniert zu werden 13 , haben sich Dänemark, Großbritannien und Irland eine Teilnahme an der neuen Politik des Titels IV im Amsterdamer Vertrag („Visa, Asyl, Einwanderung und andere Politiken betreffend den Freien Personenverkehr“) vorbehalten. 14 Einen weiteren wichtigen Punkt stellt das nationale Vetorecht 15 dar, das seine praktische Anwendung im Einstimmigkeitsprinzip findet. Dieses legt die Hürden für eine Einigung auf intergouvernamentaler Ebene (z.B. im Europäischen Rat) besonders hoch, da Entscheidungen bereits durch eine einzige Gegenstimme, unabhängig von Größe und Stimmgewicht des Staates, blockiert werden können und somit stets nach dem Konsensprinzip gefunden werden müssen. Das bedeutet, dass eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner in der Regel als wahrscheinlich gilt.
11 Vgl. Moravcsik, Andrew - Preferences and Power in the European Community. (S. 497). a.a.O
12 Vgl. Weller-Monteiro Ferreira, Susanne - Von der Festung Europa zur gestaltenden
Einwanderungspolitik? Zur aktuellen Entwicklung eines europäischen Politikfeldes (S. 17f.) In: Beiträge
zur europäischen Integration aus der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin.
Norderstedt: Books on Demand Gmbh (2004)
13 Vgl. Schultze, Rainer-Olaf - Opting out. In: Nohlen, Dieter und Schultze, Rainer-Olaf - Lexikon der
Politikwissenschaft. Band 2. N-Z. München (2004).
14 Vgl. Weller-Monteiro Ferreira, Susanne - Von der Festung Europa zur gestaltenden
Einwanderungspolitik? (S.17). a.a.O.
15 Vgl. Weller-Monteiro Ferreira, Susanne - Von der Festung Europa zur gestaltenden
Einwanderungspolitik? (S.20). a.a.O.
6
Arbeit zitieren:
David Beckeherm, 2007, Festung Europa - Analyse und Perspektiven der zwischenstaatlichen Kooperationen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die "Cleavage-Theorie" nach Lipset/Rokkan: Ein plausibles Er...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 15 Seiten
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 22 Seiten
Parteibindungen und Wahlverhalten in den neuen Bundesländern
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 17 Seiten
Rawls versus Nozick: Gerechtigkeit als Fairness und Anspruchstheorie
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Europäische und nationale Identität
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Magisterarbeit, 89 Seiten
Mehr Wettbewerb durch Regulierung? Status Quo und Perspektiven für die...
Hausarbeit, 19 Seiten
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Die Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei
Vergleich des wissenschaftlich...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Magisterarbeit, 168 Seiten
Politisch- ökonomische Zugänge zum Prozess des Regierens. Die politikw...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Handelt es sich beim politischen System Weißrusslands um ein totalitär...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Seminararbeit, 15 Seiten
Vergleich der Erziehungstheorien von Schleiermacher und Herbart
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Seminararbeit, 14 Seiten
Kenia - Länderstudie nach Wolfgang Merkel
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Zwischen der „Festung Europa“ und dem „Raum der Freiheit“
Tendenzen von Dynamik und Bloc...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Der Einfluss des Militärs in den Philippinen und Thailand im Vergleich
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Mittelmeerpolitik der Europäischen Union und die Euro-Mediterrane ...
Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik
Magisterarbeit, 80 Seiten
David Beckeherm's Text Festung Europa - Analyse und Perspektiven der zwischenstaatlichen Kooperationen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
David Beckeherm hat den Text Festung Europa - Analyse und Perspektiven der zwischenstaatlichen Kooperationen veröffentlicht
David Beckeherm hat einen neuen Text hochgeladen
Von der Festung Europa zur gestaltenden Einwanderungspolitik?
Zur aktuellen Entwicklung eine...
Susanne Weller-Monteiro Ferreira
Armut und Radikalität? Soziologische Perspektiven zur Integration der ...
basierend auf dem "World Value...
Arno Tausch
European Prospects / Europäische Perspektiven
Jürgen Habermas, Frank-Walter Steinmeier, Julian Nida-Rümelin, Wolfgang Thierse
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
Perspektiven Transzendental-PH Nomenologischer Forschung: F R Ludwig L...
K. Held, U. Claesges
0 Kommentare