Der reflexive Einsatz der literarischen André Schmidt
Form des Essays im Ethikunterricht
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 3
2 Literarische Formen philosophischer Texte 4
2.1 Philosophie in der Literatur 4
2.2 Literatur in der Philosophie 5
2.3 Marginale Gattungen 6
3 Die Literarische Form des Essays 7
3.1 Die gesellschaftliche Funktion 7
3.2 Der subjektive Prozess des Urteilens 8
3.3 Erfahrung und Experiment 9
3.4 Eine kritische Kategorie des eigenen Geistes 10
4 Das didaktische Potential des Essays 11
5 Die doppelt kodierte Bewertung eines Essays 13
5.1 Sprachliche und stilistische Anforderungen 13
5.2 Formale und strukturelle Anforderungen 14
6 Schlussbemerkung 16
Literatur - und Quellenverzeichnis 18
Der reflexive Einsatz der literarischen André Schmidt
Form des Essays im Ethikunterricht
1 Einleitung
In dieser Seminararbeit sollen anhand von ausgewählten Texten verschiedener Autoren, wie BELKE, MARTINICH und MÜLLER-FUNK die unterschiedlichen Vorstellungen und Konzeptionen von der wichtigen literarischen Form des Essays im Hinblick auf ihre praktische Funktion in der Anwendung näher betrachtet werden. Dabei werden neben einer Klassifizierung und Beschreibung der etablierten Ge-brauchsform nach ihrer dominanten wertenden und prüfenden Funktion auch die untergründige argumentative und methodische Wirkung verdeutlicht. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll auf der Herausarbeitung der Multifunktionalität dieses literarischen Elements im pragmatischen Gebrauch nach seinen Inhalten, Anwendungen und Zielstellungen gelegt werden. Das Hauptaugenmerk wird dabei der Fragestellung gewidmet sein, inwiefern die Arbeit mit dem Essay im Philosophie- und Ethikunterricht fruchtbar sein kann und welche didaktischen Potentiale dieser literarischen Form entnommen werden können. Im Speziellen soll eine Untersuchung in Bezug auf das eigenständige schriftliche Philosophieren unternommen werden, indem auch der Frage nach der Analyse sowie der Bewertung der sprachlichen, stilistischen und formalen Bedingungen nachgegangen werden soll.
Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dienen unter anderem die statistischen Erhebungen aus dem Werk “Erfahrung und Experiment. Studien zu Theorie und Geschichte des Essayismus“ des Autors Wolfgang MÜLLER-FUNK. Aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographien Horst BELKEs, „Literarische Gebrauchsformen“, „Der deutsche Essay - Materialien zur Geschichte und Ästhetik einer literarischen Gattung“ von Ludwig ROHNER sowie die englische Abhandlung „Philosophical writing - an introduction“ von Aloysius P. MARTINICH werden hierfür herangezogen, um die Untersuchungen anderer Fachleute sowie den Forschungs-stand mit einzubeziehen.
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Der reflexive Einsatz der literarischen André Schmidt
Form des Essays im Ethikunterricht
2 Literarische Formen philosophischer Texte
2.1 Philosophie in der Literatur
In der heutigen Didaktik der Philosophie und Ethik werden in bestimmten Zusammenhängen weitestgehend literarische Texte behandelt, die auf Grund ihres Inhalts zu philosophischen Problemstellungen hinführen oder sogar die schwer zugänglichen philosophischen Quellentexte und Werke ersetzen sollen. Zu diesen literarischen Gattungen zählen unter anderem Monologe, Dialoge, Briefe, Fabeln und Erzählungen. Aber auch Lexikon- und Zeitungsartikel sowie (Auto-)Biographien und Essays gehören dazu. 1 Durch den Einsatz dieser literarischen Formen kann man die didaktischen Vorteile dieses bewährten Verfahrens nutzen, um den Schülern den oft trockenen Unterrichtsstoff besser vermitteln zu können, wobei der Schwerpunkt in der philosophischen Intension der jeweiligen Literatur liegt. So bietet beispielsweise das Behandeln von Literatur eine willkommene Abwechslung gegenüber den häufig abstrakten und damit oftmals schwer zugänglichen Texten der Philosophiegeschichte. 2 Die meisten literarischen Formen beschreiben konkrete lebensnahe Ereignisse sowie Erfahrungen und lassen sich aus diesem Grund besser mit der eigenen Lebenswelt der SchülerInnen verknüpfen. Zudem sind erzählte Geschichten meist anschaulicher, spannender und interessanter als wissenschaftliche Abhandlungen, sodass sie nicht nur von den Schülern leichter verstanden werden, sondern diese darüber hinaus auch noch zu einem weiteren individuellen Studium motivieren können. 3
Deshalb eignen sie sich auf ihre je spezifische Weise z.B. für den methodischen Einstieg in ein neues Themengebiet oder um die Lektüre eines schwierigen philosophischen Textes daran anzuschließen. So kann man z.B. bei der Lektüre von THOMAS MANN in die Gedankenwelt von SCHOPENHAUER, NIETZSCHE sowie FREUD vordringen. Und aus den Fabeln des ÄSOP lassen sich moral- philosophische Lehren oder andere ethische Konsequenzen ziehen. Vor allem im Philosophie- und Ethikunterricht der Sekundarstufe I bilden diese Arten philosophischer Literatur eine notwendige Alternative und sind in jeder Hinsicht hilfreich. 4
1 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht. In: Zeitschrift Didaktik Philosophie
Ethik - Literarisches Philosophieren, Heft 2/ 2004, S. 90.
2 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht, S. 90.
3 Ebd., S. 91.
4 Ebd. Seite 4 von 19
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2.2 Literatur in der Philosophie
Aber es gibt durchaus noch eine andere Funktion, welche die Literatur in der Didaktik der Philosophie und Ethik einnehmen kann. Dabei liegt das Hauptaugenmerk nicht mehr auf dem philosophischen Inhalt der jeweiligen literarischen Form des Textes, sondern vielmehr auf der untergründigen Wirkung der verschiedenen Schreibstile. Johannes ROHBECK vertritt dabei die These, dass literarischen Formen auch selbst eine argumentative und methodische Funktion erfüllen können - nicht nur eine äußere Hülle sind - und sich das jeweilige didaktische Potential im Philosophie- und Ethikunterricht gezielt entfalten lässt. 5 Mit diesem Standpunkt schließt er sich der Grundposition an, die eine Vermittlung zwischen Philosophie und Literatur anstrebt. Danach gehört die Auswahl der literarischen Form wesentlich zum philosophischen Gedanken dazu. Die Philosophie ist somit unlösbar mit der Textgestalt ver-bunden, die mit speziellen methodischen Mitteln die philosophische Argumentation fortsetzt. Auf diese Art und Weise beeinflussen sich die literarische Form und der philosophische Inhalt wechselseitig und erfüllen - je nach Schreibstil - eine besondere argumentative Funktion.
Darüber hinaus werden das Denken und die Verarbeitung des Rezipienten ebenso wie die Nachwirkung durch die spezifische Darstellungsweise der jeweiligen Form erheblich mitgeprägt. 6 Ob eine Problemstellung in einer trockenen Abhandlung oder in einem lebendigen Dialog formuliert wird, wirkt demzufolge bis in die Aussage hinein. Für ROHBECK besitzen literarische Formen eine Erkenntnis fördernde Funktion und darüber hinaus kann, wenn die Philosophie und die Literatur keine Gegensätze mehr bilden und sich die Philosophie nicht ins Literarische auflöst, der philosophische Anspruch auf eine rationale Argumentation aufrechterhalten werden. 7 Mit dieser These grenzt er sich stark von den beiden anderen Grundpositionen ab, die zum einen eine strikte Trennung von Philosophie und Literatur vertreten, bei der die philosophische Argumentation und Erkenntnis von der äußeren Darstellungsform unberührt bleiben und die literarische Form lediglich der pädagogischen Nachhilfe dient. Die andere Position, die eine Auflösung der Philosophie in der Literatur vertritt, macht keinen Unterschied zwischen philosophischer und literarischer Sprache, wobei die Grenzen zwischen Philosophie und Literatur verwischen. Die Literatur
5 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht, S. 91 f..
6 Ebd., S. 92 f..
7 Ebd., S. 93. Seite 5 von 19
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André Schmidt, 2006, Der reflexive Einsatz der literarischen Form des Essays im Ethikunterricht , München, GRIN Verlag GmbH
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