Inhaltsverzeichnis
1 Fragestellung 3
2 Quellenlage 4
3 Die Ausgangslage in Attika 6
4 Das kleisthenische System 7
4.1 Die Demen 7
4.2 Die Tryttien 8
4.3 Die Phylen 9
4.4 Die Boule 9
4.5 Die Ekklesia 9
5 Forschungsmeinungen 11
6 Schlussbetrachtung 13
7 L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 4
2
1 Fragestellung
„Das Volk hatte nun die Staatsgeschäfte in der Hand und Kleisthenes war sein Oberhaupt und Fürsprecher. “ so schreibt Aristoteles in seiner Athenaion Politeia im 20. Vers. 1 Diese Arbeit soll die Reformen des Kleisthenes untersuchen und dabei besonderes Augenmerk auf die Frage nach dem tatsächlichen Demokratiegehalt dieser Reformen gelegt werden. Außerdem sollen einige Forschungsmeinungen zu Kleisthenes Motiven für sein Handeln und den Gründen für seinen Erfolg dargestellt werden.
Hat Kleisthenes wirklich eine reine Herrschaft des Volkes eingerichtet? Tat er dies aus eigennützigen Beweggründen oder beabsichtigte er das endgültige Ende der Tyrannis und den Beginn einer neuen, gerechteren Epoche?
Dazu sollen zunächst die Ausgangslage zu Beginn von Kleisthenes Wirken und daraufhin seine Veränderungen am politischen System anhand von Quellen erarbeitet werden. Nach der Darstellung der Forschungsmeinungen soll zum Abschluss der Arbeit eine Beurteilung der Reformen folgen.
Auf die Ereignisse um Perikles und Ephialtes im Jahr 462/61 v. Chr. und ihre Neuerungen am kleisthenischen System kann nicht im Detail eingegangen werden. Diese werden zwar an verschiedenen Stellen erwähnt, eine Vertiefung dieses Themas würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
1 Arist. Ath. Pol. 20, 4
3
2 Quellenlage
Die beiden Hauptquellen auf die zur Beschreibung des kleisthenischen Systems zurückgegriffen werden kann sind Herodot und Aristoteles, beide keine Zeitgenossen von Kleisthenes. Herodots Hauptwerk sind die griechischen Historien, die von Kroisos um 560. v. Chr. an bis zu den Perserkriegen unter Xerxes mit der Geschichte des griechischen Volkes behandeln und in neun Büchern verfasst sind. Seine Quellen sind zum einen eigene Beobachtungen, zum andern bezieht er sich auf mündliche Überlieferungen von, von ihm selbst als kundig bezeichneten, Personen. Selten stützt er sich auf schriftliche Quellen wie Dichtung, Inschriften oder Orakelsammlungen, tatsächliche historische Werke wie Lokalchroniken oder Beamtenlisten standen ihm jedoch kaum zur Verfügung. 2
Gelebt hat er etwa 484-424 v. Chr., wurde also erst 20 Jahre nach den relevanten Ereignissen geboren 3 und musste sich so auf die oben erwähnten mündlichen Überlieferungen verlassen. In seinem siebten Buch sagt er:
„Ich aber muss alles sagen, was erzählt wird; zu glauben aber brauche ich nicht alles und das gilt für
meine ganze Geschichte.“ 4
Diese Arbeitsmethode führt dazu, dass er häufig sich widersprechende Theorien nebeneinander stellt, ohne sich für eine davon zu entscheiden. 5 Herodot selbst verstand sich als Forscher, der Fakten sammeln und deuten, Zusammenhänge darstellen will. Der erste Satz des ersten Buches seiner Historien, der der Beschreibung der Ereignisse vorangestellt ist, lautet:
„Was Herodotos von Harlikanass erkundigt, das hat er hier aufgezeichnet, auf das nicht mit der Zeit vergehe, was von Menschen geschah, noch die großen Wundertaten ruhmlos vergehen, die Hellenen
nicht minder als Barbaren vollbracht, vor allem aber, warum sie wider einander Krieg geführt.“ 6
Bereits aus diesem Zitat geht hervor, dass Herodot um Objektivität bemüht ist und sich wohl auch selbst als unvoreingenommen einschätzte.
Am Beispiel der Perserkriege lässt sich feststellen, dass er tatsächlich nicht einseitig berichtet, sondern auch die Schwächen und Fehler der Griechen benennt, ebenso wie die Stärken der Gegner; außerdem liefert er eine sachliche Schilderung der fremden Traditionen und Sitten. 7
2 Neuer Pauly, Hdt. B
3 Neuer Pauly, Hdt. A
4 Hdt. 7, 152
5 Neuer Pauly Hdt. B
6 Hdt. 1
4
Seine Schilderungen der Ereignisse um Kleisthenes sind also als relativ glaubwürdig zu betrachten, wenn auch die zeitliche Distanz ein Problem darstellt. Im Gegensatz zu Herodot war Aristoteles kein Geschichtsschreiber sondern Philosoph. Sein Werk Athenaion Politeia liefert einen Überblick über die Geschehnisse im antiken Athen von der Zeit Drakons um 621v. Chr. bis zur Herrschaft der Dreißig, ca. 403 v. Chr. 8 Da Aristoteles erst ca. 384-322 v. Chr. lebte, war auch er auf Quellen von Zeitzeugen angewiesen. 9 Bei ihm ist vor allem zu beachten, dass er in seiner Grundhaltung demokratiefeindlich eingestellt war und eine Oligarchie der Besten, der aristoi vorgezogen hätte, wie sich der politeia, seiner Abhandlung über die Staatslehre entnehmen lässt. Dort ordnet er die Aristokratie den guten, die Demokratie jedoch den entarteten Staatsformen zu. 10
Auffällig ist die Tatsache, dass Aristoteles, obwohl er ca. 100 Jahre später gelebt hat als Herodot in einigen Punkten ausführlicher ist als dieser und Informationen liefert, die sich sonst nirgendwo finden 11 . Er muss daher entweder noch zu anderen Quellen als nur Herodot, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen, Zugang gehabt oder die Ereignisse ausgeschmückt haben. Da nicht nachweisbar ist, woher Aristoteles seine Zusatzinformationen entnimmt und auf Grund seines deutlichen Standpunktes zur Demokratie halte ich Aristoteles für nur bedingt glaubwürdig.
Zu Solons Reformen kann außerdem Plutarch, der allerdings erst 45-125 n. Chr. lebte, herangezogen werden. Plutarch verfasste zahlreiche Biographien griechischer Politiker. Seine Schriften können nicht als reguläre Geschichtsschreibung behandelt werden, da er etwa Handlungen von einer Person auf eine andere übertrug, Ereignisse hinzudichtete oder zeitliche Gegebenheiten veränderte. Auch stellte er mehr die charakterlichen Eigenschaften der Protagonisten ins Zentrum seiner Schilderungen, als die historischen Begebenheiten. Seine Schriften waren nicht als Geschichtsschreibung sondern als Würdigung großer Persönlichkeiten, guter wie schlechter Vorbilder gedacht und für ein Publikum aus der römischen Oberschicht verfasst. 12
Plutarch war also sehr subjektiv und erscheint mir daher als Quelle wenig zuverlässig.
7 Neuer Pauly, Hdt. D
8 Neuer Pauly Arist. F
9 Neuer Pauly Arist. A
10 Arist. Pol. III, 7
11 Neuer Pauly, Arist. F
12 Neuer Pauly, Plut. B II
5
Arbeit zitieren:
Katharina Grafmüller, 2008, Kleisthenes Reformen, München, GRIN Verlag GmbH
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