Die folgende Arbeit soll eine kurze Übersicht zur Psychologie leistungsbezogener Kognition und Emotion geben. Im Einzelnen handelt es sich dabei um Denk- und Gefühlsvorgänge, die sich aus der subjektiven Perspektive von Leistungen ergeben, wie beispielsweise:
• Leistungsbezogene Selbst- und Handlungseinschätzung.
• Erwartungen und Bedeutungen.
• Ängste und Hoffnungen.
• etc.
Von Interesse ist an dieser Stelle nur ein Teilbereich aller Kognitionen und Emotionen, die für Lernen und Leistung von Bedeutung sind. Auf andere Teilbereiche, wie etwa Intelligenz, Vorwissen und Persönlichkeitsentwicklung soll hier nicht eingegangen werden. Zunächst sollen die relevanten Begriffe Kognition und Emotion definiert, danach Vorkommen, Bedingungen und Wirkungen von Leistungskognitionen und Leistungsemotionen beschrieben werden um zum Abschluß auf wünschenswerte zukünftige Forschung einzugehen, die sich aus dem hier dargestellten ergibt.
1. Begriffserklärungen
Kognitionen können als ein geistiges „Produkt“ definiert werden, wenn es sich dabei um interne psychische Repräsentationen von tatsächlichen oder fiktiven Sachverhalten handelt. Im Gegensatz dazu handelt es sich um einen geistigen „Prozess“ wenn es um die psychische Erzeugung solcher Repräsentationen geht. Kognitionen beruhen dabei im Unterschied zu Wahrnehmungen nicht unmittelbar auf sensorische Informationen.
Unter einer Leistung ist ein Verhalten oder ein Verhaltensprodukt zu verstehen, daß einer Bewertung anhand eines Gütemaßstabes unterzogen worden ist.
Der Zusammenschluss beider Begriffe produziert den Begriff der Leistungskognition, der Kognitionen definiert, die sich auf bewertete Verhaltensweisen und auf Verhaltensresultate beziehen. Da Gütemaßstäbe mehr oder minder subjektiv sind, folgt, dass Leistungskognitionen nicht nur von Person zu Person und von Kultur zu Kultur erheblichen Varitionen unterliegen können, sondern sich zudem auch noch in aktuelle, also zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandene, und in überdauernde, im Gedächtnis gespeicherte Leistungsüberzeugungen, unterteilen. Um diese Arten von Leistungskognitionen einer weiteren Unterteilung zu unterziehen, können sie sich zusätzlich auf:
• allgemeine Leistungssachverhalte (etwa Leistungsprinzipien einer Gesellschaft, „Leistungsideologien“),
• leistungen bestimmter Gruppen (etwa die einer Schulklasse), und
• eigene Leistungen (selbstbezogene Leistungskognition) beziehen.
Mit „Leistungsideologien“ setzt sich vor allem die Bildungssoziologie mit meist sehr konträren Auffassungen auseinander. Leistungen bestimmter Gruppen dienen vielfach statistischen Untersuchungen und selbstbezogene Leistungskognitionen sind ein Thema der Pädagogischen Psychologie. Folgende wichtige Gegenstände selbstbezogener Leistungskognition sind in diesem Zusammenhang exemplarisch identifizierbar:
2
• Leistungsbedingungen ( wie etwa die eigenen Fähigkeiten)
• Verknüpfungen von Leistungen mit ihren Bedingungen und Folgen
• Soziale Situationen
• Maßstäbe der Entstehung und Feststellung eigener Leistungen (wie in sozialen
• Vergleichsprozessen)
• Gerechtigkeit und Bedeutsamkeit von Leistungen und Leistungsfolgen. Zur Klärung des Begriffs Emotion wird meist auf Komponentendefinitionen zurückgegriffen, da es viele divergierende Definitionsvorschläge gibt, bei denen es schwer fällt einen gemeinsamen Kern zu finden. Diese Komponentendefinitionen schreiben der Emotion meist mehrere oder alle der folgenden Komponenten zu:
• Affektive Komponenten (bestehen aus einer emotionsspezifischen Gefühlsstörung des Erlebens, wie bsw. Gefühle nervöser Anspannung bei Prüfungsangst).
• Kognitive Komponenten (umfassen die emotionsspezifischen Kognitionen, wie bsw. Sorgen über mögliche Mißerfolge oder eigene Kompetenzmängel bei Prüfungsangst).
• Peripher-physiologische Komponenten (Aktivierung bei Angst).
• Expressive Komponenten (Gestik, Mimik, Körperhaltung sowie stimmliche Merkmale des Sprechens).
• Motivationale Komponenten (umfassen emotionsspezifische Handlungsimpulse, wie bsw. den Wunsch zur Flucht aus einer Prüfungssituation).
Betrachtet man die Begriffe Kognition und Emotion zusammenfassend unter den oben genannten Aspekten, so handelt es sich:
• bei Kognitionen einerseits um psychische Repräsentationen;
• bei Emotionen andererseits um Systeme unterschiedlicher psychischer Teilprozesse, denen wiederum auch repräsentationale genauso wie handlungsvorbereitende und handlungsleitende Funktionen zugeschrieben werden können. Daraus folgt, dass sich Kognitionen und Emotionen sozusagen „überlappen“. Kognitionen können somit Bestandteil einer Emotion sein. Man spricht von einer sogenannten „heissen“ Kognition, wenn diese affektiv getönt ist und in das Gesamtgeschehen einer Emotion integriert ist, wie dies bsw. bei Mißerfolgssorgen bei Prüfungsangst der Fall ist. Weiterführend ist zu den Begriffen Kognition und Emotion anzumerken, daß sie sich nicht nur „überlappen“, sondern auch mit dem Begriff Motivation „überschneiden“.
Bei der Motivation kann es sich vor allem um Wunsch- oder Absichtskognitionen handeln woraus abzuleiten ist, dass einige spezifische Kognitionsarten als Motivation aufzufassen sind. Unter Besinnung auf das Komponentenkonzept der Emotionen sind Motivationen als Bestandteil von Emotion anzusehen. Eine Überschneidung aller drei Begriffe Kognition, Emotion und Motivation ergibt sich z.B. bei dem angstgetönten Wunsch eine Leistungssituation zu vermeiden.
3
Für die empirische Forschung ergibt sich daraus die Gefahr tautologische Befunde zu produzieren, die dann natürlich unweigerlich zu Fehlinterpretationen führen können.
2. Vorkommen, Bedingungen und Wirkungen von Leistungskognitionen und Leistungsemotionen.
Unter Berücksichtigung der oben gegebenen Begriffsklärungen fällt bei Betrachtung der bisherigen Forschung zu Leistungskognition und -emotion auf, daß jeweils nur ein Kognitionstypus und/oder eine einzelne Art von Emotion thematisch in den Vordergrund gerückt wird. Bedauerlicherweise zeichnen sich Lern- und Leistungssituationen aber durch eine immense situationale Vielfalt aus, sind von unterschiedlicher Wichtigkeit und mit unterschiedlichen Konsequenzen belegt, ziehen Erfolge oder Mißerfolge nach, können sich auf ein Individuum oder auf Gruppen beziehen, so dass in ihnen die gesamte Spannbreite des Denkens und Fühlens liegen kann.
Zum Forschungsgegenstand wurden bisher vier Kognitionsarten:
• Kognitionen zu eigenen Fähigkeiten (sog. Fähigkeitsselbstkonzepte) und daraus resultierenden Leistungen. Es handelt sich hierbei um gespeicherte Repräsentationen eigener vergangener, gegenwärtiger oder zukünftiger Fähigkeiten. Die Forschung konzentriert sich dabei auf Real-Fähigkeitsselbstkonzepte und weniger auf Ideal-Fähigkeitsselbstkonzepte.
• Erwartungen und Kausalattributionen. Beinhalten einerseits zeitliche Relationen und andererseits deren Bedingungen und Folgen. Diese Relationen sind in Erwartungen vorwärtsgerichtet, während sie bei Kausalattributionen rückwärtsgerichtet sind (wie bsw. die Erklärung eines eingetretenen Ereignisses anhand möglicher Ursachen).
• Valenzkognitionen Hierbei handelt es sich um Repräsentationen der Bedeutsamkeit von Leistungen und ihren Folgen. Die subjektive Bedeutsamkeit eines Lernstoffs oder einer Leistung ist von zentraler Bedeutung für das individuelle Interesse an Lernen bzw. Leistung.
Bei den Emotionen konzentriert sich die bisherige Forschung bisher auf das Phenomen der Prüfungsangst, obgleich es nicht nur auf den ersten Blick von hoher Salienz ist, dass Leistungssituationen über Angst hinaus noch sehr viele andere negative und positive Gefühle auslösen können.
4
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Udo Schultheis, 1999, Einführung in die pädagogisch-psychologische Forschung zum leistungsbezogenen Denken und Fühlen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Attribution und Bedeutung für den Schulalltag
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Skript, 4 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Udo Schultheis hat den Text Einführung in die pädagogisch-psychologische Forschung zum leistungsbezogenen Denken und Fühlen veröffentlicht
Udo Schultheis hat einen neuen Text hochgeladen
Pädagogisch-psychologische Diagnostik 2
Anwendungsbereiche und Praxisf...
Hans-Peter Langfeldt, Lothar Tent
Pädagogisch - psychologische Diagnostik I. Theoretische und methodisch...
Lothar Tent, Ingeborg Stelzl
Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V ...
Horst Dilling, Werner Mombour, M. H. Schmidt, Elisabeth Schulte-Markwort
Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests 1
Rolf Brickenkamp, Elmar Brähler, Heinz Holling, Detlev Leutner, Franz Petermann
Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests 2
Rolf Brickenkamp, Elmar Brähler, Heinz Holling, Detlev Leutner, Franz Petermann
0 Kommentare