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Neurobiologische Aspekte des Bewußtseins

Title: Neurobiologische Aspekte des Bewußtseins

Term Paper , 2000 , 28 Pages , Grade: 1

Autor:in: Andreas Liebeg (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Summary Excerpt Details

Die meisten Themenstellungen, die in den Bereich der Neuropsychologie fallen, drehen sich
um defizitäre Begriffe. Diesen Weg wollte ich nicht beschreiten. Das Phänomen des Bewußtseins
schien mir geeignet und prädestiniert für eine neurobiologische Betrachtung. Ich muß
allerdings zugestehen, daß ich in der darauffolgenden Literaturrecherche bemerkt habe, daß
doch die meisten Ergebnisse durch Untersuchungen an Patienten mit Bewußtseinsstörungen
erzielt wurden. Diesem Moment mußte ich auch in meiner Hausarbeit Rechnung tragen, was
man besonders am Kapitel Wahrnehmung, aber auch an so manch anderem Beispiel in dieser
Arbeit, bemerkt. Trotzdem habe ich versucht, einerseits Ergebnisse ins allgemeine zu übertragen
und andererseits Resultate zu finden, denen keine Läsionen zugrunde liegen.
Neben der Suche nach einem nicht defezitorientierten Gegenstand hat auch meine rationalistisch
materialistische Einstellung einen wichtigen Anstoß zur Themenfindung gegeben. Gerade
eine im wahrsten Sinne des Wortes unbegreifliche Erscheinung wie das Bewußtsein ist hier
eine große Herausforderung. Da die Ergebnisse der Hirnforschung eine allgemeingültige These
des Bewußtseins nur sehr spekulativ zuläßt, habe ich einen reduktionistischen Weg gewählt.
Hierzu will ich jedoch bemerken, daß dieser Reduktionismus bereits in den einzelnen
Kapiteln seine eigene Illegitimität zeigt, da es nicht möglich ist, das komplexe System des
Gehirns in Einzelteile zu zerlgen. Daher habe ich auch in fast allen Kapiteln Querverweise zu
anderen angegeben.
Grob wurde die Hausarbeit in zwei Teile gegliedert. Zuerst behandle ich Gehirnstrukturen, die
mir für das Entstehen die Existenz von Bewußtsein wichtig scheinen, um dann psychische
Prozesse zu beleuchten, wobei allerdings auch hier die neurobiologische Sichtweise Vorrang
hat. Es ist mir allerdings im räumlichen Rahmen einer Hausarbeit unmöglich gewesen, alles,
was ich für wichtig gehalten hätte, zu behandeln. Die zu lesenden Kapiteln sind allerdings für
meine Sichtweise ausschlaggebend, die ich im Resümee noch darlegen werde und stark von
Roth (1996) beeinflußt ist.
Zum Formalen ist noch zu bemerken, daß unter den Überschriften meist Literaturangaben
stehen. Diese verweisen auf die Hauptbezugspunkte des darauffolgenden Kapitels. Mit dem
Begriff des Kortex ist immer der Neokortex gemeint.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Definition von Bewußtsein

Formatio reticularis

Aufbau

Funktionen

Empirische Betrachtung

Der assoziative Kortex

Lobus parietalis, frontalis und temporalis

Das limbische System

Teile des limbischen Systems

Funktionen

Limbisches System und Bewußtsein

Wahrnehmung

Der Wahrnehmungsprozeß

Selbstwahrnehmung-Fremdwahrnehmung

Bewußtseinsrelevante Wahrnehmungstörungen

Seelenblindheit

Assoziative Seelenblindheit

Anosognosie

Split-Brain-Patienten

Gedächtnis

Gedächtnistheorie nach Hebb

Potenzierung der Zellmembrane

Kurzzeitgedächtnis und Bewußtsein

Willensfreiheit

Willkürmotorik

Schlußfolgerungen

Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen des Bewusstseins aus einer neurobiologischen Perspektive zu beleuchten, wobei der Schwerpunkt auf der Verwurzelung mentaler Prozesse in der physischen Materie des Gehirns liegt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit Bewusstsein als ein Systemphänomen des gesamten Gehirns – unter besonderer Berücksichtigung subkortikaler Strukturen und des limbischen Systems – betrachtet werden kann, anstatt es rein auf kortikale Leistungen zu reduzieren.

  • Neurobiologische Grundlagen der Wachheit und Selektionsmechanismen durch die Formatio reticularis.
  • Die Rolle des assoziativen Kortex und des limbischen Systems bei der Verhaltensbewertung und Informationsverarbeitung.
  • Wahrnehmungsprozesse und die pathologischen Erkenntnisse bei Bewusstseinsstörungen (z. B. Seelenblindheit, Anosognosie).
  • Die neuronale Fundierung des Gedächtnisses und dessen unerlässliche Funktion für das menschliche Bewusstsein.
  • Eine materialistische Analyse der Willensfreiheit und die Dekonstruktion des Leib-Seele-Dualismus anhand motorischer Korrelate.

Auszug aus dem Buch

Bewußtseinsrelevante Wahrnehmungsstörungen:

Wie ich bereits zu Beginn dieses Kapitels bemerkte, will ich einen vergleichsmäßig großen Teil meiner Betrachtungsweise der Pathologie widmen. Gerade im Versuch, eine Verbindung zwischen Bewußtsein und Wahrnehmung zu schaffen mag dies ein nützlicher Beitrag sein.

Seelenblindheit (vgl. Roth 1996, S.216; Gadenne 1996, S.151):

Im Zusammenhang mit Bewußtsein ist dies eines der interessantesten Phänomene. Bei Patienten, die unter diesem Defizit leiden, ist das primäre visuelle Sehzentrum lädiert oder zerstört, was zur Folge hat, daß kein bewußtes Sehen möglich ist. Es bleibt allerdings eine unbewußte Sehfähigkeit vorhanden, was sich aufgrund der Pupillenreaktion auf äußere Reizungen feststellen läßt. Die Patienten selbst empfinden sich als blind. Fordert man sie dazu auf, einen Gegenstand in ihrem blinden Gesichtsfeld zu ergreifen, so erwidern diese, es sei ihnen nicht möglich, da sie ihn nicht sehen. Drängt man sie nun aber energisch dazu, das Objekt willkürlich zu fassen, so gelingt ihnen das, obwohl sie selbst das Gefühl haben, ins Leere zu greifen.

Noch seltsamer wird dieses Phänomen, wenn man den Patienten eine Aufforderung zeigt und von ihm verlangt, diese zu erkennen und zu befolgen, denn es ist ihnen tatsächlich möglich, auch wenn sie selbst keine Ahnung haben wieso. Diese Erscheinungen demonstrieren, daß es sowohl Kognition mit als auch ohne Bewußtsein gibt. Außerdem beweist sie, „daß Bewußtsein an die Unversehrtheit und Aktivität corticaler Felder gebunden ist“ (Roth 1996, S. 216).

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Der Autor erläutert seinen materialistischen Ansatz und begründet die Entscheidung, neurobiologische Aspekte des Bewusstseins auch anhand von pathologischen Fällen zu untersuchen.

Definition von Bewußtsein: Es wird die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition von Bewusstsein in den Neurowissenschaften aufgezeigt und zwischen philosophischen, psychologischen und biologischen Sichtweisen differenziert.

Formatio reticularis: Das Kapitel beschreibt dieses System als Aktivierungsinstanz des Gehirns und als notwendigen Selektionsmechanismus für das Entstehen von Bewusstsein.

Der assoziative Kortex: Hier werden die Integrations- und Verbindungsfunktionen kortikaler Regionen beleuchtet und deren enge Zusammenarbeit mit subkortikalen Zentren diskutiert.

Das limbische System: Das limbische System wird als essenzielles Verhaltensbewertungssystem charakterisiert, das untrennbar mit Gedächtnisprozessen und der emotionalen Regulierung verbunden ist.

Wahrnehmung: Der Autor zeigt auf, wie Wahrnehmung als Informationsverarbeitungsprozess die Grundlage der Bewusstseinsbildung bildet, illustriert durch verschiedene pathologische Störungen.

Gedächtnis: Basierend auf der Theorie von Hebb wird die Bedeutung neuronaler Schleifen und die Konsolidierung von Informationen als fundamentale Voraussetzung für Bewusstsein erarbeitet.

Willensfreiheit: Durch die Analyse motorischer Prozesse und des Bereitschaftspotentials wird die Vorstellung einer freien Willensentscheidung aus materialistischer Sicht kritisch hinterfragt.

Resümee: Der Autor fasst seine Erkenntnisse zusammen und plädiert für eine stärkere Einbeziehung subkortikaler Ebenen in die neurobiologische Bewusstseinsforschung.

Schlüsselwörter

Bewusstsein, Neurobiologie, Formatio reticularis, limbische System, Wahrnehmung, Gedächtnis, Willensfreiheit, materialistischer Monismus, Kortex, neuronale Netzwerke, Pathologie, Seelenblindheit, Bereitschaftspotenzial, Ich-Bewusstsein, Kognition.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die neurobiologischen Grundlagen des Bewusstseins aus der Sicht des rationalistischen Materialismus und stellt dar, wie Bewusstsein als Resultat komplexer Gehirnprozesse verstanden werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die neuroanatomischen Strukturen wie die Formatio reticularis und das limbische System, die Mechanismen der Wahrnehmung, die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten sowie die neurobiologische Einordnung der Willensfreiheit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, dass das Bewusstsein nicht allein auf den Kortex zurückzuführen ist, sondern ein Zusammenspiel des gesamten Gehirns, insbesondere unter Einbeziehung subkortikaler Ebenen, darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verwendet eine literaturbasierte Analyse neurologischer und neuropsychologischer Befunde, wobei er insbesondere pathologische Fallbeispiele nutzt, um die theoretischen Konzepte der Neurobiologie zu verifizieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden nacheinander die Strukturen und Funktionen von Formatio reticularis, assoziativem Kortex, limbisches System, Wahrnehmung und Gedächtnis analysiert, um abschließend die Frage der Willensfreiheit neu zu bewerten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bewusstsein, Materialismus, neuronale Netzwerke, limbische System, Willensfreiheit und neurobiologische Korrelate charakterisiert.

Welche Rolle spielt die Pathologie bei der Argumentation des Autors?

Pathologische Defizite wie Seelenblindheit oder Anosognosie dienen dem Autor als Belege, um die Abhängigkeit des Bewusstseins von spezifischen neuronalen Strukturen und Prozessen objektiv nachvollziehbar zu machen.

Wie bewertet der Autor die menschliche Willensfreiheit?

Auf Basis der Untersuchungen von Libet kommt der Autor zu dem Schluss, dass der subjektive Willensakt ein Epiphänomen ist und menschliches Handeln primär aus unbewussten neuronalen Prozessen resultiert.

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Details

Title
Neurobiologische Aspekte des Bewußtseins
College
Neisse University Görlitz  (Fachbereich für Sozialwesen)
Course
Neuropsychologie
Grade
1
Author
Andreas Liebeg (Author)
Publication Year
2000
Pages
28
Catalog Number
V13138
ISBN (eBook)
9783638188661
Language
German
Tags
Neurobiologische Aspekte Bewußtseins Neuropsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Liebeg (Author), 2000, Neurobiologische Aspekte des Bewußtseins, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13138
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