Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
1. Einleitung
„Aus der Tiefe der menschlichen Seele entspringen neue Wege, die nach Hause führen. Es ist der
ewige Erneuerungsprozess der schöpferischen Kraft, die in dir hervorbricht. Lass dich vom Fluss
tragen, gib dich hin, dann bist du zuhause.“ (B.A. Brennan)
In meinem Psychologiestudium spezialisierte ich mich auf subjektive Krankheitstheorien, Psychoseforschung, Kreativität und Bewusstseinstheorien.
Durch das Studium der multimedialen Kunsttherapie gelang es mir, mein psychologisches Interesse mit meinem Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck zusammenzuführen. Ich begann im Lauf meiner Ausbildung und Praxis der Kunsttherapie mit weiteren künstlerischen Medien zu experimentieren. Speziell das Malen hat meinen künstlerischen Ausdruck und mein Verständnis von Kreativität erweitert. Die Kunsttherapieausbildung hat mich um viele bunte Ausdrucksfacetten erweitert und mir Werkzeug in die Hand gegeben, um anderen Menschen dabei helfen zu können, neue Ausdrucksformen für die schöpferische Energie zu finden.
Die Tätigkeit als Kunsttherapeutin in einem Tageszentrum für psychiatrische PatientInnen gab mir die Möglichkeit,
• mein Forschungsinteresse an Psychosen in der Arbeit mit psychotischen Menschen zu vertiefen,
• das kreative Selbstheilungspotential bei Psychotikern zu aktivieren und weiter zu erforschen,
• selbst entwickelte kunsttherapeutische Übungen zu erproben,
• mehr über Psychosen zu lernen,
• den eigenen Schaffensprozess zu erweitern und weiterzuentwickeln,
• mit neuen Medien zu experimentieren,
• meine kunsttherapeutische Position zu finden und theoretisch zu formulieren.
In der vorliegenden dokumentiere ich meine Tätigkeit in den Jahren 2004 und 2005 als Kunsttherapeutin im Tageszentrum S. und beschreibe ich meinen
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Entwicklungsprozess als Kunsttherapeutin. Aus Datenschutzgründen werden keine Namen genannt.
Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei meinen KlientInnen, TeamkollegInnen, AusbildnerInnen und AusbildungskollegInnen bedanken, ohne deren Beiträge diese Arbeit nicht zustande gekommen wäre.
2. Biographie
Mag. Johanna Vedral, geb. am 30.9.1967 in Bruck/ Mur, lebt und arbeitet in Wien Tätigkeitsschwerpunkte: Schreibcoaching, psychologische Beratung, Kunsttherapie, Traumarbeit
KONTAKT:
Mag. Johanna Vedral
Web: www.schreibstudio.at
Seit 2005 freiberuflich tätig:
• Schreibcoach: wissenschaftliche Abschlussarbeiten
• Autorin: CI-Texte, didaktische Konzepte, Gutachten, psychologische Fachtexte
• Schreib- und Kreativ-Workshops
• Lektorat (u.a. Medizin aktuell, ÖBB, Böhlau Verlag, Diplomarbeiten etc.)
• Konzeption von Beratungs- und Betreuungsangeboten für psychisch kranke Arbeitslose
• AMS-Trainerin (Bewerbungstraining, Soft Skills, Persönlichkeitsentwicklung, Einzelcoaching, sozialpädagogische Betreuung)
Weitere berufliche Erfahrungen:
• Arbeitsrehabilitation von psychisch Kranken
• Aufbau einer Kunstwerkstatt für kunsttherapeutische Betreuung
• Leitung von Traum- und Kreativworkshops
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Ausbildungen
• Studium Psychologie (Uni Wien). Diplomarbeit: „Subjektive Krankheitstheorien von Frauen mit nicht-karzinombedingter Hysterektomie“,
http://www.amazon.de/Subjektive-Krankheitstheorien-Frauen-nicht-karzinombedingter-Hysterektomie/dp/3638104664
• Weiterbildung zur multimedialen Kunsttherapeutin (ÖAGG Wien). Diplomarbeit: „Kunsttherapie mit Schizophrenen“
• UNIUN - Uni Wien UnternehmensgründerInnenprogramm
• TrainerInnenausbildung
• Fortbildung zur Arbeitspsychologin (Bund österr. PsychologInnen)
• SchreibtrainerInnenausbildung (writersstudio)
Publikationen (Auswahl)
• Der Weg des Träumens - Kreative Traumarbeit. GRIN-Verlag, 2008
• Das Wesen der Psychose - objektive und subjektive Theorien der Schizophrenie. GRIN-Verlag, 2008
• „Sie brauchen die Gebärmutter ja nicht mehr…“ - Frauen berichten über Gebärmutterentfernung und die Folgen. GRIN-Verlag, 2008
• Schreibblockaden- was wirklich hilft, 2007 Online im Internet, URL: http://www.schreibstudio.at/index.php?option=com_content&task=blogsection &id=6&Itemid=38 [Stand 26.3.08]
• Frauen und Aggression, 2006 Online im Internet, URL:
http://www.psychologie.at/wissen/themaarchiv.asp?bereich=4&menu=themen &detail=1&themaid=58 [Stand 26.3.08]
• Creative multilingual dreamwork, 2003 Abstract. Online im Internet, URL: http://www.asdreams.org/2003/abstracts/johanna_vedral.htm [Stand 26.3.08]
• An Online Guide to International Dreamwork. Geschichte der Traumforschung
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3. Meine kunsttherapeutische Position
Die kunsttherapeutische Haltung, die ich in diesem Kapitel beschreibe, habe ich im Rahmen meiner kunsttherapeutischen Projekte erarbeitet.
Kunsttherapie bedeutet für mich…
Mit kreativen Medien in Bewegung, in Fluss kommen, die Freude und Energie wieder finden. Sich selbst in Bewegung bringen. Dabei lege ich besonderen Wert auf das Kennenlernen unterschiedlicher Medien. Wer sagt, dass ich nicht malen kann? Ich muss kein Picasso sein, um Spaß am Malen zu haben. Aber vielleicht finde ich im Laufe der kunsttherapeutischen Selbsterfahrung heraus, dass ich mich ganz wunderbar mit Collagen ausdrücken kann oder mit Schauspiel?
Kunsttherapie ist...
Ein Gestaltungs-Spiel-Raum.
Wir spielen mit Farben, Musik, Ton, Bewegung,…
Wir kommen in Kontakt mit unserer Energie, unseren Kräften und Ressourcen. Wir tauchen ein in die Freude, unser Leben selbst zu gestalten.
Wie wirkt Kunsttherapie?
Indem wir uns auf den Gestaltungsprozess mit unterschiedlichen kreativen Medien einlassen, kommen alte Muster in Bewegung. Wir nehmen Kontakt auf zu unserem kreativen Selbst und aktivieren so unsere Selbstheilungskräfte. Wir gestalten uns selbst immer wieder neu. Wir verleihen unserer Energie Gestalt und Form. Wir erleben uns selbst als aktive GestalterInnen unseres Lebens.
In diesem Sinne wirkt Kunsttherapie sowohl strukturierend und ich-stärkend wie auch auflockernd und in Bewegung bringend. Durch diese inneren Bewegungen werden Ressourcen und Selbstheilungskräfte aktiviert.
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Eine wichtige Grundhaltung in meiner kunsttherapeutischen Arbeit ist Klientenkompetenz, d.h. jede Form von Deutungen und Interpretationen wird abgelehnt, stattdessen werden Methoden eingesetzt, die die KlientInnen darin unterstützen, die Bedeutungen ihrer Bilder zu erschließen und damit ihre eigenen Bedeutungen zu erkennen bzw. zu entwickeln.
Der Gestaltungsprozess fördert:
Strukturierung:
Indem wir gestaltend tätig sind, gestalten wir uns selbst. Der Gestaltungsprozess ist ein strukturierender Vorgang, in dem sowohl innerer wie äußerer Raum individuell Ausdruck bekommt. Bei psychiatrischen Patienten steht die Wiederaneignung verloren gegangener Wahrnehmungs-, Bewusstseins-, Gefühls- und Orientierungsleistungen im Vordergrund, wie z.B. die Gestaltmuster der Selbst- und Fremdrepräsentanzen, die bei psychisch Kranken oft zu zerfallen drohen. Symbolisierungsprozesse:
Die im Gestaltungsprozess entstehenden Symbole haben eine Brückenfunktion zwischen bewussten und unbewussten Prozessen und werden mit Hilfe von Bildern (Collagen, Plastiken, Inszenierungen, Texten…) sichtbar. Diese „Materialisierung“ des Unbewussten gibt die Möglichkeit, die zuerst unbewussten Affekte in projizierter, symbolisch verdichteter Form anzuschauen, zu integrieren und schließlich zu reintrojizieren.
den kreativen Ausdruck:
Die Anregung des kreativen Potentials ist auch als allgemeine Gesundheitsförderung im Sinne von Ressourcenaktivierung zu verstehen: künstlerische Tätigkeit ermöglicht, sich als aktiv, gestaltend und handelnd erfahren. Sie verfeinert und erweitert die Wahrnehmung. Kreativ zu sein bedeutet auch den Mut zu haben, Neues zu erproben und Bewährtes in Frage zu stellen.
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Der Collagenprozess fördert darüber hinaus:
Dass festgelegte/ überholte Muster/ Bedeutungen in Frage gestellt/ zerschnitten
und durch eine neue Kombination in neue/ unverbrauchte Bedeutungen überführt werden können. In anderen Worten:
Ein zerbrochener, auseinanderfallender, dysfunktionaler Lebenszusammenhang
wird zerrissen/ zerschnitten und in einer neuen Synthese wieder zusammengefügt.
Die Arbeit an einer Collage bedeutet Suchen, Austauschen, auf Überraschendes
gefasst sein, das Spekulieren auf den Zufall und Mut zum Experiment. Sie fordert auf zur Lust am Wahrnehmen der Realität, zu Kreativität, Fantasie und Spontaneität.
Meine Haltung als Leiterin von kunsttherapeutischen Gruppen:
Entdecken Sie die Vielfalt, den inneren Reichtum und die schöpferische Kraft in Ihrem Leben!
Ich möchte Sie einladen, gemeinsam mit anderen in einer respektvollen und nicht wertenden Gruppe ihren Gestaltungs-Spiel-Raum zu erforschen. Im Verlauf der kunsttherapeutischen Gruppensitzungen lernen Sie unterschiedliche kreative Medien wie Collage, Malen, Tanz, Ton, Musizieren, Schreiben, Theaterspiel usw. und damit ihre ureigene Ausdruckskraft besser kennen. In der Gruppe entsteht ein starkes kreatives Feld, in dem es Ihnen leicht fällt, sich auf den Gestaltungsprozess einzulassen. Am Ende eines Zyklus’ werden Sie zumindest ein Ausdrucksmedium gefunden haben, mit dem Sie in Fluss kommen, um mit Energie und Elan neue Schritte in Ihrem Leben setzen zu können.
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4. Kunsttherapeutische Projekte 2003-2005
Workshop „Multilingual creative dreamwork“,Juni 2003 im Rahmen der ASD-
Konferenz „Dreaming at the Bay“ in Berkeley/ Kalifornien. Projekt Kunsttherapeutische Übungsabende, 2003, Tanz*Hotel, Wien
Contact*Creativ-Gruppe für junge Erwachsene, gemeinsam mit Maria Danzinger
(Ergotherapeutin) und Mag. Reinhard Gassner (Pädagoge). 7 Abende, 2004, Tanz*Hotel, Wien Mit-Initiation der Gruppe Spontan Kreativ
Kreative Traumgruppe „Traumraum 2004, Kunstquartier, Wien
Aufbau und Leitung der Kunstwerkstatt für psychisch Kranke im Tageszentrum S.,
2004/ 2005 Kreative Traumstunde für KrankenpflegeschülerInnen, 2004, Wien
Kreative Ressourcenarbeit für TeilnehmerInnen von AMS-Kursen, Wien, 2005
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5.Aufbau der Kunstwerkstatt im Tageszentrum S.
Schon am Tag meiner Bewerbung durfte ich mir die leeren Ergotherapieräume ansehen und mir einen davon für die Kunstwerkstatt aussuchen. Ich bekam die Möglichkeit, ein Atelier für das Tageszentrum einzurichten, einen Raum der Kreativität für meine KlientInnen und mich.
Die ersten zwei Wochen meiner Arbeit im TZ bestanden darin, in Windeseile die Einrichtung und die Grundausstattung für den Kunsttherapieraum zu besorgen. Mein Budget umfasste hier ca. 4000 Euro. Ich besorgte ein großes Regal, vier Holztische, sechs Plastikdrehsessel, Magnetleisten zum Aufhängen von Bildern und natürlich eine Grundausstattung an Materialien - verschiedenes Papier, Leinwände, Pastellkreiden, Gouache-Farben, Acrylfarben, Buntstifte, Pinsel, Ton, Scheren, Klebstoff, Musikinstrumente, Gymnastikbälle, Matten und Therabänder. Ich brachte viele Zeitschriften aus meinem Fundus für Collagen mit.
Nach drei Wochen war es soweit - ich konnte die erste Kunsttherapie-Session anbieten.
Die Kunstwerkstatt wurde viermal die Woche von zwei bis sieben KlientInnen besucht. In der Morgenrunde, in der alle MitarbeiterInnen und KlientInnen gemeinsam zusammensitzen, wurde u.a. auch täglich eingeteilt, wer in die Kunstwerkstatt gehen konnte. Es war Raum für Gemeinschaftsbilder, Malen nach vorgegebenen Themen, Malen zu Musik, Kennenlernen unterschiedlicher Materialien und Techniken und das gemeinsame Erfinden von Geschichten. Ein Tag pro Woche wurde nur für Musik reserviert. In den Musiktherapiesessions war Raum für gemeinsame Improvisation, Körpermusik, Bewegung, Stimme und
musiktherapeutische Kommunikationsspiele.
Im August 2004 vertrat mich während meines Urlaubs meine Kollegin Brigitte Schöndorfer, Kunst- und Energietherapeutin, und brachte viele neue Impulse in die kunsttherapeutische Arbeit ein, vor allem mehr Bewegung und den Beginn einer Frauengruppe, in der ich mit den Frauen im TZ gezielt an frauenspezifischen
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Themen arbeiten konnte. Im Dezember 2004 praktizierte meine Kollegin Eva Pazdera, Kunsttherapeutin und Malerin, in der Kunstwerkstatt, brachte den KlientInnen neue Techniken in der Acrylmalerei nahe und gestaltete aktiv die Weihnachtsfeier mit.
In vier großen Malsessions beteiligten sich alle KlientInnen und BetreuerInnen des TZ am Malen von großen Gemeinschaftsbildern. Dabei entstanden auch viele der Bilder, mit denen wir das TZ anlässlich der Eröffnungsfeier im Juni schmücken konnten.
Je nach Interesse neu hinzukommender KlientInnen wurden laufend neue Materialien besorgt, z.B. Ölpastelle, Kohlestifte, Tusche, Zeichenfedern, Aquarellpapier, Acrylspachtelmasse etc. Mein monatliches Budget betrug dafür 100 Euro.
Die Kunstwerkstatt hat sich zu einem Raum der kreativen Möglichkeiten und des freien künstlerischen Ausdrucks entwickelt, ein Raum, den die KlientInnen auch gerne in den Pausen nützen, um an ihren Werken weiterzuarbeiten oder etwas Neues zu beginnen.
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6. KlientInnen im Tageszentrum
Im Zeitraum vom 9.3.04 - 13.7.05 nahmen 22 KlientInnen Angebote der Kunstwerkstatt in Anspruch. Im Folgenden gebe ich einen Überblick über die Diagnosen der KlientInnen, exemplarisch zu einigen KlientInnen weitere Hintergrundinformationen aus von mir und meiner Kollegin verfassten Gutachten und KlientInnenberichten sowie Beispiele für von den genannten KlientInnen gemalte Bilder:
Fr. S.K., 35 J., paranoide Schizophrenie, Parasuizid.
Aus dem Gutachten von Fr. S.K.: Fr. S.K. gibt an, dass es ihr psychisch „zur Zeit besser ginge, da sie sich Tatsachen bewusster sei.“ Auf die Frage welche Tatsachen dies seien, meint Fr. S.K., dass sie sich dessen bewusst ist, “dass ich singen, malen und schreiben kann!“ Sie habe Ängste. „Angst was andere über mich denken, Angst schon in der Früh ins TZ zu gehen (es könnte am Weg etwas passieren), Angst dass andere glauben, dass ich schlecht bin, Angst was andere glauben, denken,...“ Im Juni 1992 wäre sie zum ersten Mal beim Spezialisten gewesen. Sie wäre während der Unizeit sehr einsam gewesen, hätte sich zurückgezogen und wenig Kontakte zugelassen (weder zu Schulfreunden noch zu Eltern). Bei einem Konzert von U2 hätte sie sich in den Sänger (Bono) verliebt. Sie hätte ständig an ihn gedacht „Was denkt er über mich?“. Sie meint: „Wir sind durch die Liebe verbunden“. Täglich könnte sie seine Stimme beim Schlafengehen hören. Er hätte telepathische Fähigkeiten, und ihre Liebe sei so stark, dass sie sich hören könnten. Fr. S.K. meint, in psychotischen Situationen davon überzeugt zu sein, dass er an sie denkt. In nicht psychotischen Situationen sei es ihr jedoch bewusst, dass es nicht so ist. „Warum sollte er an mich denken, er kennt mich ja nicht einmal!“ Stimmen höre sie selten. Die Stimmen am Abend seien keine akustischen Halluzinationen, sondern Telepathie. In Gugging hätte sie ihren Opa aus der Hölle gehört. Bei einem Kreta-Urlaub hätte sie ein Bono-Interview gehört. Optische Halluzinationen hätte sie wesentlich öfter. Hauptsächlich sehe sie Bono, manchmal jedoch auch andere Stars. Auf die Bitte zu beschreiben, was sie unter „psychotisch“ verstehe, meint Fr. S.K.: Gedanken, z.B. Natascha Kampusch oder andere Kinder umgebracht zu haben, mit Gott reden, wirre
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Gedanken, Verfolgungsgedanken. Fr.S.K. besuchte die Kunstwerkstatt nur kurze Zeit, zog sich dann zurück, weil sie nicht mit „Dilettanten“ Kunst machen wollte, sie sei eine große Künstlerin.
Fr. K.H., 54 J., paranoide Schizophrenie, Residualzustand
Seit 20 Jahren in psychiatrischer Behandlung, lebt im Seniorenheim, seit Frühling 2005 an Brustkrebs erkrankt. Sie besuchte regelmäßig die Musiktherapiesessions, Malen wollte sie nicht so oft: „Ich weiß nicht, was ich malen soll.“ Auffällig war ihre kindliche Freude beim Musizieren und Malen.
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Fr. R.H., 37 J., Depression, Somatisierungsstörung
Verließ das TZ nach einem Jahr, um ihren schwer erkrankten Lebensgefährten zu pflegen. Lebhaft und kommunikationsfreudig. Besuchte regelmäßig die Kunstwerkstatt und bemalte mehr Leinwände als alle anderen KlientInnen.
Fr. M., 27 J., paranoide Schizophrenie
war nur eine Woche im TZ, noch nicht bereit für Arbeitsrehabilitation.
Hr. C.P., 23 J., paranoide Schizophrenie, Cannabissucht
Verließ das TZ nach zwei Wochen, weil er noch nicht bereit war für eine regelmäßige Tagesstruktur.
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Hr. G. W., 28 J., psychotische Phasen bei angeborener zerebraler Leistungsschwäche. Depression, spezifische Phobie - Höhenangst (F 40.2)
Hr. K.G., 43 J., paranoide Schizophrenie (F20.0), Sozialphobie (F40.1), Alkoholabhängigkeitssyndrom, seit 2001 abstinent (F10.0)
Fr. V.H., 52 J., Dysthymia (F34.1), anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4), Panikstörung mit Agoraphobie (F40.01), Spezifische Phobie (F40.2) Fr. V.H. besuchte regelmäßig die Kunstwerkstatt und hielt sich auch gern in den Pausen hier auf.
Fr. V.H., „Gold“
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Hr. G.K., 34 J., Somatisierungsstörung.
Hr. G.K. besuchte die Kunstwerkstatt regelmäßig. Verließ das TZ nach einigen Monaten, um wieder eine Rehabilitationsklinik in Anspruch zu nehmen.
Hr. G.K., „Baum“
Hr. V.G., 22 J., paranoide Schizophrenie, episodischer Verlauf mit zunehmendem Residuum (F 20.0), F 34.1 (Dysthymia), F 42.1 (Zwangsstörung), F 40.2 (spezifische Phobie), selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, Epilepsie in der Kindheit Hr. V.G. besuchte regelmäßig die Musiktherapiestunden, weil er sich hier entspannen und loslassen konnte. Verließ das TZ nach 10 Monaten, um die Maturaschule zu beenden.
Hr. V.G., Malen zu Musik
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Hr. A.S., 29 J., generalisierte Angststörung mit Zwangsgedanken (F41.1), sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (dependent/ängstlich) (F61.0) Hr. A.S. besuchte gerne und regelmäßig die Kunstwerkstatt.
Hr. A.S., „Meine Krankheit als Raum“
Hr. E.P., 25 J., paranoide Schizophrenie mit ausgeprägten Denk- und Konzentrationsstörungen.
Türke 2. Generation. Eine Zeitlang besuchte er täglich die Kunstwerkstatt, hatte dann einige Monate Probleme mit dem Aufstehen und ließ sich durch meine Nachfrage, ob er nicht wieder in die Kunstwerkstatt kommen wolle, dazu bewegen, ein paar Mal früher im TZ zu erscheinen. Trotz Sprachproblemen war er besonders fasziniert vom Schreiben (siehe auch Protokolle).
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Hr.E.P., „Der auserwählte König“
Hr. O.T., 23 J., bipolare affektive Störung, gegenwärtig leicht depressiv (F31.3), Entwicklungsstörung (F83), Sozialphobie (F40.1), Generalisierte Angststörung (F41.1), selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
Hr. O.T. nahm gerne und regelmäßig an der Kunstwerkstatt teil, wobei er sieben Monate davon zwanghaft an einer Reproduktion eines Lara Croft-Posters arbeitete. Ihn in einer Gruppe zu integrieren (er redete wie ein Wasserfall und forderte viel Grenzsetzungsbemühungen) war eine besondere Herausforderung für mich.
Hr. R.H., 34 J., progrediente schwergradige Sozialphobie, begleitet mit rezidivierenden depressiven Episoden mittleren Ausmaßes. Wurde aus dem TZ ausgeschlossen, weil er sich gegenüber einer Mitarbeiterin als Stalker betätigte - auch noch monatelang nach seinem Ausschluss.
Hr.C.A., 37 J., Alkoholismus, manische Depression.
Nach einigen Monaten, in denen er sich gut im TZ integriert hatte, Alkohol-Rückfall und „Abtauchen“.
Hr.E.U., 39 J., paranoide Schizophrenie (F20.0) mit vorbekannter Strum nodosa (E04.9)
starke Schwankungen, immer wieder akute Phasen.
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Hr. L. E., 23 J., paranoide Schizophrenie
Beschreibung der Krankheit aus seiner Sicht: Lese- und Konzentrationsstörungen, Verfolgungswahn (v.a. in öffentlichen Verkehrsmitteln und bei größeren Menschenansammlungen Während der Fahrt fühlt er sich von den anderen Fahrgästen beobachtet („Sie lesen meine Gedanken“) oder verfolgt bzw. ist er damit beschäftigt, die Gedanken der anderen Fahrgäste „zu lesen“.), Vergiftungswahn „Anfall“: die Haut an den Händen werde dünner, er hätte ein Kältegefühl am Rücken, sein Bauch würde sich innerhalb von Minuten riesig aufblähen. Solche Anfälle würden drei bis vier Stunden dauern. Verließ das TZ wegen eines akuten Schubs, den seine Eltern in seiner Heimat (Sri Lanka) mit Hilfe eines Heilers behandeln lassen wollten.
Hr.L. E., „Burg“
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Hr. L.E., „Monster“
Hr. M.A., 19 J., paranoide Schizophrenie, Heroinsucht, antisoziale
Persönlichkeitsstörung, narzisstische Züge, Substitutionstherapie
Hr.M.A., “Visual Cliff”
Hr. H.G., 35 J., rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F 33.4), soziale Phobie (F 40.1), Alkoholabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent (F10.20), Epileptische Anfälle
Seinen ersten Aufenthalt in Gugging hatte Hr. H.G. 1992 während seiner Ehe, da er wegen Alkoholkonsums aggressiv war. 1998 unternahm Hr. H.G. einen Selbstmordversuch. Er schluckte alle Medikamente, die er zu Hause fand, doch rief er selbst den Arzt, als er seine Katzen beobachtete und fürchtete, was mit ihnen
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geschehen könnte, wenn er nicht mehr für sie sorgen könne. Seit damals trinkt er keinen Alkohol mehr. Bei Rückfällen wendet er sich an den PSD. Insgesamt war er ca. 8-9- mal in Gugging stationär aufgenommen. Seinen längsten Aufenthalt hatte er 1998 (5 Wochen).
Hr.G.H., „Vernetzt“
Hr. P.S., 45 J., paranoide Schizophrenie
seit 20 Jahren in psychiatrischer Behandlung, entmündigt. Starke Schwankungen, immer wieder akute Phasen. Hr. P.S. nimmt seine Aufgaben im TZ sehr wichtig. Eine seiner Aufgaben ist das Blumengießen, die er ernst nimmt. Hr. P.S. vergisst aber öfters darauf. Er leidet seit langem an einer paranoiden Schizophrenie, die ihn in vielen Bereichen stark beeinträchtigt. Dies zeigt sich vor allem in den Grundarbeitsfähigkeiten, aber auch in seinem sozialen Verhalten. Er selbst meint sehr einsam zu sein. Dennoch weiß er sich zu helfen und sucht sich Kontakte, z.B. im Tageszentrum, im Club S. Seit Herbst 2004 lebt Hr. P.S. erstmals alleine in einer Wohnung. Er wird von seinem Sachwalter und vom PSD dabei unterstützt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten scheint er sich doch eingelebt zu haben. Hr. P.S. hat große Probleme mit Geld umzugehen. Wenn er Geld bekommt, so gibt er dieses gleich aus. Gegenstände, die er nicht selbst gekauft, sondern geschenkt bekommen hat (von seinem Sachwalter), verschenkt er an Familien in seinem Haus. Hr. P.S. ist sehr eigenwillig. Er scheint in seiner Welt zu leben und nur manchmal andere an dieser teilnehmen zu lassen. Hr. P.S. nimmt an der Gesprächsrunde und an den Angeboten der Kunstwerkstatt teil. Dabei erzählt er gerne von seiner Zeit als Matrose.
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Hr.P.S., „Das Totenschiff“
Hr. I.K., 37 J., Persönlichkeits- und Verhaltensstörung nach Alkoholmissbrauch (OPS, F10.71), zwanghafte Persönlichkeitsstörung (F60.5), Epilepsie (G40.9)
Hr. K.I., „Zwei Männer spielen Roulette“
Hr. J.T., 58 J., paranoide Schizophrenie (F20.0)
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7. Kunstwerkstatt-Protokolle
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Der Haifisch, der hat Zähne
Eine Gemeinschaftsproduktion der Kunstwerkstatt vom 12.3.04 S.K., G.K., E.P., Mag. Johanna Vedral
Wir sind auf einer einsamen Insel und es ist Vollmond. Von weitem hört man ein Froschkonzert. Ein Frosch kommt zu uns und fragt: „Hast Du meine Freundin, die Sonne, gesehen? „Nein, komm am Morgen wieder vorbei!“ „Komm, dann sitzt Du an meinem Esstisch. Dann siehst Du ihre Knochen.“ Und wenn Du morgen kommst, nehmen wir gemeinsam am Strand ein Sonnenbad.
Es wird Morgen auf der Südseeinsel. Das Meer hat unsere Kleider weggespült. Plötzlich kommen die Ureinwohner, die am ganzen Körper mit Blüten geschmückt sind. Sie bedrohen uns mit einem Messer und wir bekommen die Panik. Schnell weg hier!
Wir laufen kopfüber ins Wasser, wo ein Hai mit Messer und Gabel auf uns wartet: „Ihr kommt genau richtig zum Mittagessen.“
Da schwimmt plötzlich ein Baumstamm vorbei, den wir dem Hai in den Rachen werfen. Daraufhin rieseln ihm die Zähne wie Sand aus dem Maul. Die Ureinwohner helfen uns, den Hai mit Hilfe von Netzen, aus dem Meer zu ziehen.
Hurra, heute gibt es Fisch! Später sitzen wir am Lagerfeuer und essen den Fisch, während wir den Wellen lauschen, die an den Strand schlagen.
Hr.E.P. Teil 1
Ich sitze allein auf einer einsamen Insel
ICH fühle mich so allein.
ICH suche mir was zum Essen.
DANN habe ich einen Fisch gefangen.
ICH wollte mir auch Obst suchen.
DANN habe ich alles gegessen.
DANN habe ich plötzlich ein Boot kommen gesehen.
ICH bin dann so schnell wie möglich zum Boot geschwommen.
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DANN habe ich gesagt, endlich seit ihr da.
ENDE Teil 2
DIE WELLE
Eine Erzählung von E.P.
10 Jahre später bin ich wieder zu Hause.
Ich gehe wieder surfen, ich habe mit ein Surfbrett gekauft.
Dann bin ich mit meinen Freunden surfen gegangen.
Und plötzlich war mein Freund Lorenzo sehr weit weg von uns.
Und plötzlich haben Haie attackiert.
Und wir hatten Panik.
Dann sind wir so schnell wie möglich zu Lorenzo geschwommen.
Und haben ihn gerettet.
Dann sind wir nach hause gegangen.
Und alles war wieder gut.
ENDE
Fortsetzung folgt
Die Zukunft
Von E.P.
Teil 3
20 Jahre später. Wir sind alt. Und wir haben Kinder. Unsere Kinder wollen hinfahren, wo ich früher war, zur gleichen Insel. Sie wollen Abenteuer erleben. Meine Kinder wollen Forschungsreise machen. Und etwas suchen.
Dann haben sie etwas gefunden, etwas Wertvolles. Ein uraltes Piratenschiff. In dem Schiff waren Kisten voller Gold und Edelsteine. Und plötzlich sind die Piraten gekommen. Wir haben uns im Rumfass versteckt. Die Piraten wollten vom Rumfass Rum trinken. Wir hatten große Angst.
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Plötzlich rief einer der Piraten: „Alle Mann an Deck!“ Dann hörten wir Schüsse und Geschrei. Voller Angst kletterten wir aus dem Fass. Wir stopften uns noch schnell die Hosentaschen mit Goldstücken voll. Nichts wie weg hier!
Am Deck wurde wild gekämpft. Keiner achtete auf uns. Dann haben wir das Rettungsboot genommen und sind nach Hause gerudert.
Was wir mit den Goldstücken gemacht haben, erzählen wir euch beim nächsten Mal.
ENDE
FORTSETZUNG FOLGT
Die Goldstücke Teil 4 E.P., G.K.
Mit den Goldstücken und Edelsteinen wollte mein Freund Lorenzo und ich und meine Kinder Kenneth und Jennifer ein großes Haus bauen. Und den armen Leuten spenden. Mit der Hälfte der Goldstücke sind wir unterwegs mit unserem neuen GMC Richtung Miami.
Plötzlich hält uns eine Polizeistreife an. Die Polizisten verlangen von uns die Autopapiere. Als wir unsere Papiere aus dem Handschuhfach herausnehmen wollen, kullern Edelsteine und Goldstücke heraus. Die Polizisten fragten: „Was haben wir denn da?“ und wir gerieten in Panik.
Ich stieg aufs Gas und brach mit quietschenden Reifen durch die Polizeisperre. Die Polizisten sprangen auf die Seite und schrien: „Stehenbleiben, oder wir schießen!“ Aber wir waren schon zu weit weg.
Dann hörten wir hinter uns die Polizeisirene. Wir lenkten unser Geländeauto von der Straße weg und fuhren zwischen den Mangroven im hohen Gras weiter. So konnten wir das Polizeiauto abhängen. Nach einigen hundert Metern merkten wir, dass wir in einen Sumpf hineinfuhren. „Dreh um!“ schrie mein Freund Lorenzo, doch da war es schon zu spät. Wir steckten fest.
Wie es uns im Sumpf ergangen ist, erzählen wir beim nächsten Mal.
ENDE
Fortsetzung folgt.
Im Sumpf Teil 5 Von E.P.
Mein Freund sagte: „wir haben doch ein Seil vorne im Auto.“ Und wir binden das Seil am Baum fest. Mein Freund setzt sich ins Auto und startet das Auto und das Auto bewegt sich immer weiter nach vorne und gleich ist es so weit und wir haben es geschafft und fahren wieder vorsichtig weiter. Nach so viel Arbeit hatten wir Hunger und mein Freund schießt mir einer Pistole einen großen Vogel ab, wir haben ihn
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getroffen und wir rupften ihm die Federn aus, und spießten ihn beim Feuer auf. Wir hatten schon bessere Menüs gehabt, aber Hunger ist der beste Koch. Und wir fahren wieder weiter, wir waren überglücklich dass wir wieder auf der Straße waren. Zur Sicherheit fuhren wir nicht so schnell wie beim letzten Mal um der Polizei nicht aufzufallen. Plötzlich kam wieder eine Polizeistreife, wir wollten wieder flüchten, aber der Motor starb ab, so wurden wir doch noch verhaftet und lernten das Gefängnis von Miami kennen. Was einem im Gefängnis passieren kann erfahrt ihr beim nächsten Mal.
Fortsetzung folgt
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
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Die ersten 20 Therapieeinheiten durfte ich im Rahmen meiner Arbeitszeit für die Kunsttherapieausbildung dokumentieren. Die weiteren Therapieeinheiten sind nicht mehr so ausführlich und systematisch dokumentiert, da mir nicht mehr so viel Arbeitszeit dafür zur Verfügung stand. Zur Reflexion meiner Arbeit und teilweise auch zur notwendigen Abgrenzung von den psychiatrischen Patienten erschien mir die Dokumentation aber unerlässlich, deshalb habe ich sie auch fortgeführt.
7.1 Kunstwerkstatt im Mai und Juni 2004
Ab Mitte Mai verlagerte sich meine Tätigkeit öfters in die Küche des Tageszentrums, da alle MitarbeiterInnen und KlientInnen mithalfen, die Eröffnungsfeier vorzubereiten. Im Mai leitete ich einmal wöchentlich ein Büffetttraining, d.h. ich übte mit den KlientInnen die Zubereitung von Speisen für das Büffett der Eröffnungsfeier. Im Zuge der Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier hatten wir alle so viel zu tun, dass ich
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
keine Zeit fand zum Dokumentieren der Kunstwerkstatt-Stunden. Ich konnte auch erheblich weniger Einheiten anbieten als im März und April, teilweise weil ich in der Küche arbeitete, teilweise weil alle KlientInnen zu Vorbereitungsarbeiten herangezogen wurden, also keine KlientInnen für die Kunstwerkstatt verfügbar waren.
Die Kunstwerkstatt war dafür verantwortlich, Bilder zur Dekoration des Tageszentrums für unseren Eröffnungstag zu produzieren. Wir beschlossen deshalb im Team, im Mai zwei weitere Malsessions zu veranstalten, bei denen jeweils an einem Vormittag von 9 - 11 Uhr alle KlientInnen gemeinsam mit allen MitarbeiterInnen des Tageszentrums mit Acryl auf Leinwand bzw. Gouache-Gruppenbilder auf großen Papierbögen malen konnten.
Die Malsession vom 12.5. ist unter Stundenprotokoll 20 dokumentiert.
In der Malsession vom 25.5. beschäftigte uns auch die Titelsuche für die Bilder. Ich legte zu jedem Bild kleine Notizzettel und Bleistifte und schlug vor, dass alle ihre Assoziationen zu den Bildern aufschreiben. Als nächstes wurden zu jedem Bild die gesammelten Ideen vorgelesen, und der jeweilige Künstler konnte entscheiden, welcher Titel ihm für sein Bild am besten gefiel.
Ich erfasste die in den drei Malsessions (14.4., 12.5. und 25.5.) entstandenen Bilder in einem Katalog (KünstlerIn, Titel, Preis). Die Diskussionen um die Bilderverkaufspreise beschäftigten uns in mehreren Teamsitzungen. Ich wünschte mir, dass die KlientInnen möglichst viel Geld für ihre Bilder bekommen. Unser Leiter, der schon in einer anderen Organisation Erfahrung mit dem Verkauf von KlientInnenbildern gemacht hat, schlug als Richtpreis für den Verkauf ca. 80 Euro pro Bild (50x70) vor. Ich errechnete einen Materialwert von ca. 15 Euro, den wir auf jeden Fall einbehalten. Es wurde diskutiert, ob der Verkaufserlös auf alle KlientInnen aufgeteilt werden soll, wenn ein Bild verkauft wird; ob das Geld bar ausbezahlt wird oder in eine Gemeinschaftskassa (für Extras wie Eis essen gehen, Ausflüge etc.) kommt. Schließlich entschieden wir uns dafür, den Klienten 40 % vom Verkaufspreis als erhöhtes Taschengeld auszuzahlen.
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Eine weitere Aufgabe im Zuge der Vorbereitungen zur Eröffnungsfeier war die Gestaltung einer Tageszentrums-Collage. Ich fotografierte im Mai immer wieder im Tageszentrum in den einzelnen Werkstätten, bei den Malsessions, beim Team usw. Mit diesen Fotos gestaltete ich eine große Collage, die wir im Speisesaal aufhängten.
Die Fortsetzungsgeschichte von Hrn. E.P. habe ich auch aufgehängt, mit der Bitte um Ideen fürs Weiterschreiben.
Die Eröffnungsfeier war für uns alle ein großes Ereignis. Besonders stolz machte mich, dass alle honorigen Gäste unsere Bilder lobten und staunten, in welch kurzer Zeit diese Bilder entstanden sind. Verkauft wurde leider keines, das liegt aber sicher auch daran, dass wir nicht extra darauf hingewiesen haben, dass die Bilder käuflich zu erwerben sind (nur mit den dezenten Preisschildern).
Etwa eine Woche brauchten wir nach der Eröffnungsfeier, um wieder in einen Normalbetriebsmodus zu finden.
Die erste Musiktherapie-Stunde nach der Eröffnungsfeier, am 8.6., war für mich wie für die zwei teilnehmenden KlientInnen (Fr.K.H., Hr. V.G.) eine große Freude. Ich nützte sie v.a. für Bewegung mit dem Gymnastikball und freie Improvisation mit unterschiedlichen Instrumenten.
Eine besonders schöne Musiktherapie-Stunde erlebte ich am 29.6. Wieder waren es Fr. K.H. und Hr. V.G., da Hr. E.P. es in letzter Zeit selten vor 10 Uhr schafft, im Tageszentrum zu erscheinen. Wir begannen mit freier Improvisation - etwa 15 Minuten lang ein harmonisches Zusammenspiel, bei dem sich eine verzaubertverträumte Stimmung einstellte. Dann ließ ich die KlientInnen ihre Gefühle beim Musizieren malen, mit dem Instrument, das sie gespielt hatten, vor ihnen. Nach dem Malen wieder Improvisation, zum Schluss sprachen wir über unsere Empfindungen beim Musizieren und über die Bilder. Fr. K.H. malte wieder eines der Muster, das sie regelmäßig reproduziert - Rauten und Wellen - und drückte auch verbal ihr Wohlbefinden aus. Bei der zweiten Improvisation zeigte Fr. K.H. ein besonders gutes Rhythmusgefühl, als sie mich mit Rasseln auf der Schlitztrommel begleitete.
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Hr. M.A.: möchte einen Song schreiben - Thema: Lovesong. An wen soll der Song gerichtet sein? Traumfrau. Er hat sehr unklare Vorstellungen darüber, an wen das Lied gerichtet sein und welche Inhalte/ Gefühle es transportieren soll. Ich erarbeite mit ihm die Eigenschaften seiner Traumfrau, wir fantasieren (mit Fr. R.H.s Hilfe) ein Szenario: er verliebt sich in sie, sie hat aber einen anderen, Sehnsucht, Trauer, Wut.
7.2 Kunstwerkstatt Protokolle Juli 2004
1.7.2004 Drehbuch
Fr. R.H., Hr. E.P., Hr. M.A.
Hr.E.P. hat sich eine Videokamera gekauft und möchte einen Film drehen. Drehbuch - erste Session: Auseinandersetzung mit Fragen wie: wer spielt mit, Drehort, Länge des Films, Requisiten, Rollenfindung, Filmgenre.
Hr. E.P. würde am liebsten gleich loslegen, um einen 1 ½ Stunden-Horror-Film fürs Kino zu produzieren. Meine Aufgabe ist es hier, die Fantasie in realisierbare Bahnen zu lenken, nämlich einen Film von ca.15-20 Minuten Dauer. Ideen für Drehorte gibt es auch - Zentralfriedhof, Kellerberg (Ruine, Weinkeller), Tageszentrum…
Frage: Welche Rolle möchten Sie am liebsten spielen?
Hr. E.P. möchte der edle Held sein, der mit Monstern und Bösewichten kämpft und eine junge Frau rettet. Filmvorbilder wären Brad Pitt (Troja, Interview mit einem Vampir), Keanu Reeves (Matrix), Spiderman, Tom Cruise. Sein Outfit: Ledermantel, schwarze Schuhe, schwarzer Pulli, schwarze Hose, schwarze Sonnenbrille. Musik: „Satanmusik“, Eminem
Fr. R.H. steuert Ideen, Begeisterung und Requisitenkenntnisse bei, spielen möchte sie nur eine Leiche. Sie hätte eine Nebelmaschine zur Verfügung und kann auch gut schminken. Sie steuert auch die Idee bei, dass es einen Erzähler geben könnte und die Schauspieler so möglichst wenig zu sprechen hätten. Auf der Suche nach einem Film-Bösewicht sind sich Hr. E.P. und Fr. R.H. einig - da wünschen sie sich Hrn. R.H. und gehen dann auch gleich ins Büro, um ihn für den Film anzuwerben. Er wirkt interessiert.
Hr. M.A. hängt nur teilnahmslos ab und geht dann in den Ruheraum.
Zum Schluss grübeln wir, woher wir eine junge Frau bekommen könnten, die sich retten lässt - es gibt im Tageszentrum keine junge Frau, und ich bin mir nicht sicher, ob wir eine junge Frau von außerhalb einladen könnten, um mitzuspielen. Es kommen auch Ideen, dass sich einer der Männer als Frau verkleiden könnte, Fr. R.H. scherzt, Hr. M.A. hätte so ein liebes Gesicht...
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7.4 Kunstwerkstatt Protokolle August 2004
Die ersten zwei Augustwochen war ich auf Urlaub, eine Woche davon vertreten durch Brigitte Schöndorfer, die zweite Woche fand eine Urlaubsaktion der anderen BetreuerInnen mit den KlientInnen statt.
17.8.04
TeilnehmerInnen: Hr. M.A., Hr. E.P., Hr. A.S., Hr. O.T., Fr. R.H.
Freier Tanz zu einer CD von Hrn. A., das gefällt v.a. den jungen Männern.
Übung: Jeder malt ein A3-Bild mit einer Farbe, nur etwa 1 Minute - dann erfolgt ein überraschender Wechsel zum nächsten Bild, so viele 1-Minuten-Zyklen, bis jeder an jedem Bild gemalt hat. Zum Schluss kehrt jeder zu seinem Bild zurück und hat ein paar Minuten Zeit, es fertig zu malen.
Es herrscht eine gute Stimmung, es wird untereinander gescherzt und viel kommuniziert. Fr. R.H. hat als einzige gegenständlich gemalt, ein Gesicht. Sie fühlt sich als einzige nicht so wohl mit der Übung, weil ihr Bild „verschandelt“ wird, nicht mehr ihr Bild ist. Die Männer kennen die Übung schon von einer Stunde mit Brigitte.
Danach: freies Malen. Hr. A.S. malt sich selbst im Meer, umgeben von Haien, mit einer Sprechblase „Hilfe!“ und bittet um ein Einzelgespräch über sein Bild, 15 Minuten sind noch Zeit.
18.8.04
TeilnehmerInnen: Hr. E.P., Hr. O.T., Fr. R.H.
Freier Tanz zu einer Cd von Fr. R.H.
Übung: ein A3-Blatt in zwei Hälften falten, zeichne mit Ölkreiden, wie es dir im TZ/ zuhause geht.
Zuerst Widerstand: „Mir fällt nichts ein!“ Dann zeichnen alle, ich zeichne auch mit.
Hr. E.P.: zuhause: Liebe (Eltern), Freunde, Fußball, Fernsehen, HipHop. Die TZ-Seite sieht eher leer aus: große Hand (Ich strecke meine Hand in die Zukunft aus!), Sonne (fröhlich), Spiel.
Fr. R.H.: zuhause: Liebe (Lebensgefährte, Kinder), Heiraten? TZ: eine strahlende Sonne, Energie - und Traurigkeit, weil Hr. R.H. geht.
Hr. O.T.: zeichnet einen Fluss, Wiese, Büsche, Wolken, Sonne. Auf der Zuhause-Seite Sonnenschein, aber weder Menschen, noch Häuser, noch Tiere... Die Gewitterwolken ziehen hinüber zur Sonnenseite. Im Gespräch über das Bild frage ich ihn, wo er sei auf dem Bild? Er zeichnet noch mit Bleistift ein Zelt auf die
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Gewitterwiese, und nachdem ich die Übung beendet habe, noch schnell ein Boot, das aus dem Gewitter raus lenkt (mit Fahrer), aber nicht zurück nach Hause. Anschließend: Einzelgespräch
20.8.2004
Auf Wunsch der Klientinnen findet (im Anschluss an Brigittes Impuls) die erste Frauenrunde statt. Teilnehmerinnen sind Fr. K.H., Fr. V.H. und Fr. R.H.
Tanz: Gabrielle Roth: Luna
Was möchten Sie machen? - sehr schnell kommt der Wunsch nach Körperbildarbeit auf.
Ich gebe ihnen große Papierbögen, die am Boden aufgelegt werden, und Ölkreiden als Material, Musik (auf Wunsch von Fr. R.H.): Enya.
Anleitung: jede malt ein Körperbild, z.B. sich aufs Papier legen und die Körperumrisse von einer der anderen Teilnehmerinnen nachfahren lassen, doch jede malt ihre Umrisse liegend selbst nach. Zuerst die Umrisse, dann bitte ich, auszumalen: Was gefällt mir an mir?
Während des sehr konzentrierten Malens weise ich auch noch darauf hin, dass wir die Bilder nicht aufhängen müssen und mit nach Hause nehmen können, wenn das gewünscht wird.
Fr. K.H.: hat Spaß dabei, malt sich mit Blumenkleid und Knöpfen, ohne Busen, Hüften, usw. Das Sitzen am Boden fällt ihr schwer, ist ungewohnt, doch sie weiß sich zu helfen, sucht verschiedene Positionen. Ich biete ihr eine Sitzmatte zum Knien an, zwischendurch setzt sie sich auf den Sessel und achtet gut auf sich. Sie ist als erste fertig und betrachtet lange ihr Bild. Sie hat das Gesicht nur schematisch gezeichnet (Punkt-Punkt-Strich-Strich), ein hoch geknöpftes Blumenkleid. Sie schaut sich das Bild eine Zeitlang an. Ich weise sie auf die zwei Knöpfe hin, die bis in den Hals gezeichnet sind, und schlage vor, doch eine Kette zu zeichnen. Bei der Besprechung des Bildes geben auch die anderen Kommentare ab. Fr. K.H.s Bild wirkt ein bisschen wie ein Kind im Badeanzug/ Strampelanzug, übermütig. Großer Spaß beim Nachspüren der Bewegung der gezeichneten Figur.
Fr. R.H.: leidet sehr unter der Hitze und stöhnt und ächzt. Sie malt sich nur in Umrissen, ohne Gesicht, dazu einen männlichen Partner, beide ohne Hände, ohne Füße, darunter ein Feuer, drückt Herzschmerz aus. Sie möchte nicht über das Bild sprechen.
Fr. V.H.: zeichnet ihre Hände exakt nach und bekleidet ihr Bild mit sehr weiten Kleidungsstücken. Das Gesicht und auch die Frisur gestaltet sie mit Liebe zum Detail, einen sehr neugierigen Blick. Der Körper wirkt sehr unförmig. Die Figur wirkt, als würde sie gleich springen, losspringen - und auch Fr. V.H. findet es sehr spannend, dieser Bewegung nachzuspüren.
Bildbesprechung: Ich schlage vor, der Bewegung der gemalten Figur nachzuspüren. Es entsteht ein Dialog. Die Frauen sind auch sehr interessiert an den Bildern der
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anderen, mit ihren Kommentaren aber stets sehr respektvoll, ein gutes, vertrauensvolles Gruppenklima.
Ich sperre den Raum nach Absprache mit den Klientinnen zu, denn der geschützte Rahmen ist für die Körperbildübung sehr wichtig. Es entsteht durch das Ausschließen der Männer eine konspirative Stimmung: Raum für uns Frauen.
26.8.04 Frauengruppe, 2.Termin
Teilnehmerinnen: Fr. V.H., Fr. K.H., Fr. R.H. (Fr. S.K. ist zwar anwesend, möchte aber lieber in den Ruheraum).
Eintanzen, den Raum in Besitz nehmen (Marla Glen), die Bilder von den Wänden nehmen, Platz für die Körperbilder der letzten Session machen. Wir hängen die Bilder auf.
Übung: mit den Körperbildern der letzten Session tanzen (Sally Oldfield), hinspüren, mit welcher Körperstelle möchte ich mich näher befassen?
Fr. R.H. möchte das Bild der letzten Woche, in der sie ihr unglückliches Verliebtsein thematisiert hat, nicht mehr bearbeiten und zerstört es.
Übung: Jede Teilnehmerin bekommt einen neuen großen Bogen Papier am Boden und kann ein weiteres Körperbild malen, mit besonderer Ausgestaltung der Grenzen, der Hände und der Füße und des Körperteils, der ihnen beim Tanzen wichtig erschien. Ich schlage Ölkreiden oder Gouachefarben vor, das Körperbild kann die Konturen nachmalen oder frei gezeichnet sein.
Fr. K.H. reproduziert das Bild vom letzten Mal, allerdings zeichnet sie nicht ihre Konturen, sondern gestaltet das Bild frei - eine schlankere, mädchenhaftere Version. Das Arbeiten am Boden strengt sie an, ich biete ihr wieder einen Sessel zum Ausruhen. Sie malt ein anderes Kleid, verwendet viel Farbe zum Gestalten. Das Bild wirkt brav, gefällig, ausdrucksarm. Besonders betont: die Kleidung.
Ich erinnere zwischendurch alle daran, sich zu strecken, zu dehnen, sich nicht zu verspannen.
Fr. R.H.: fragt während des Malens noch einmal nach, wie ich das mit den Grenzen gemeint habe (ich habe die Anleitung absichtlich sehr offen formuliert, um viel Raum zu lassen), ich sage ihr, sie solle beim Malen ihre Grenzen betonen, das könne die Haut sein, im Körper, außerhalb... Sie wählt wieder Orange, auch ihr Bild ähnelt dem von letzter Woche, doch sie betont diesmal die Augenpartie, zornige Augen, ihr Bild wirkt dynamisch, kräftig und sehr bestimmt. Die Füße fehlen. Die Körperkonturen sehr betont.
Fr. V.H.: wählt Silber. Auch sie malt heute frei - eine schlankere Version ihrer selbst. Wieder verhüllt die Kleidung den größten Teil ihres Körpers. Eine sehr in sich ruhende Gestalt. Die Grenzen betont sie stark.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Bildbesprechung: Wieder eine sehr vertraute, intime Stimmung mit freier Improvisation von allen Teilnehmerinnen zu jedem Bild. Dass alle schlanker gezeichnet wurden, wird sofort bemerkt und auch thematisiert. Fr. K.H. hat sich als junge schlanke Frau gezeichnet, wie sie wieder gern wäre. Fr. R.H. thematisiert ihre Wut (die zornigen Augen), ihre Energie (Blitze in der Hand), Traurigkeit - und ihre Körperbewegung ist: mit den Händen altes abschütteln. Fr. V.H. hat ihren Nabel besonders betont und fühlt sich in der Pose ihrer Figur sehr wohl. Fr. R.H. bemerkt dann, dass die zwei Bilder miteinander sprechen könnten (eine gute Idee fürs nächste Mal).
Musiktherapie-Stunde, 7.9.04 9-10 Uhr
TeilnehmerInnen: Hr. A.S., Hr. O.T., Hr. V.G., Fr. V.H., Fr. K.H.
Wir beginnen mit freier Improvisation, dann stelle ich die Aufgabe, dass einer nach dem anderen reihum einsetzt, so dass zuerst einer, dann zwei, zum Schluss alle spielen - und dann sollen wieder langsam immer einer weniger spielen. Für diese Übung brauchen wir drei Durchgänge, bis sie funktioniert. Wieder freie Improvisation. Dann die Dirigentenübung. Nochmals freie Improvisation. Zum Abschluss spielt jeder einzeln vor, wie es ihm jetzt geht.
Hr. A.S. möchte sich bereits nach wenigen Minuten freier Improvisation zurückziehen.
Hr. O.T. muss während der gesamten Stunde öfters ermahnt werden, weil er drauflos spielt, ohne dass er dran wäre bzw. während andere sprechen. Ich bitte ihn auch, sein Instrument stets nur so laut zu spielen, dass die anderen noch gehört werden. Er rasselt einmal auch Hrn. V.G. zum Ohr hin, was diesen verärgert. Ich ermahne Hrn. O.T., auf das Gehör und die Nerven der anderen TeilnehmerInnen Rücksicht zu nehmen. Bei der Dirigentenübung ist er äußerst unsicher und bricht schnell wieder ab, hier ist er mit seiner sozialen Unsicherheit überfordert.
Hr. V.G. hat sich in der Früh gleich für die Musiktherapie gemeldet und wirkt während der Stunde weniger verspannt als sonst.
Fr. K.H. ist gut gelaunt, genießt die Musiktherapie sichtlich. Als Dirigentin ist sie ausdrucksarm.
Fr. V.H. ist eine hervorragende Dirigentin, es macht allen Spaß, für sie zu spielen, sie genießt es auch sehr.
17.9.04 Mein sicherer Ort
9-10.30
TeilnehmerInnen: Fr. K.H., Fr. V.H., Hr. A.S., Hr. M.A. (kommt ca. 9.40)
Aufgabe: Mit Ölkreiden/ Buntstiften/ Bleistiften auf A3-Papier den sicheren Ort gestalten, es kann ein innerer Ort, ein Fantasieort, ein wirklicher Ort sein. Dazu Musik von Ravi Shankar. Nach etwa 25 Minuten bitte ich, auch sich selbst (als
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Symbol oder Person) ins Bild zu setzen: Wo bin ich am sicheren Ort? Wo bin ich sicher? Bildbetrachtung für sich: in einen schriftlichen Dialog mit dem Bild treten: Mein sicherer Ort ist...
Fr. K.H. schreibt in ihrer Muttersprache (Kroatisch), ist als erste fertig. Sie zeichnet drei Häuser, ein paar Herbstbäume (eine stereotype Reproduktion eines Bildes, das sie schon früher gezeichnet hat). Sie sagt: Ich fühle mich sicher, wenn ich hier spazieren gehe. Sie zeichnet sich nicht selbst, auch nach Aufforderung nicht.
Hr. M.A. hat Einstiegsschwierigkeiten, „Ich weiß nicht, was ich machen soll, mir fällt nichts ein“, zeichnet dann aber einen Swimmingpool im Vierkanthof seines Vaters und schreibt dazu, dass er hier als Kind mit seinen Cousins eine schöne Zeit hatte. Auf meine Aufforderung hin, sich selbst ins Bild zu setzen, zeichnet er sich im Swimmingpool.
Fr. V.H. zeichnet ein Haus, davor ein riesiger Baum, um vieles größer als das Haus, sie zeichnet sich selbst darunter sitzend. In ihrem Text beschreibt sie die Freuden des Erntens.
Hr. A.S. zeichnet sein Zimmer, die Katze, die Pendeluhr, seinen Ohrensessel. Als zweites Bild einen Baum und eine Bank darunter, das ist ein Fantasieort. Nach Aufforderung zeichnet er sich im Ohrensessel als Mensch, auf der Bank als Symbol (Kerze).
22.9.04 Berufswünsche
11-12.00
Teilnehmer: Hr. A.S., Hr. M.A., Hr. E.P., Hr. O.T. Alle Teilnehmer dieser Einheit haben noch keine beruflichen Erfahrungen.
Aufgabe: Zeichnen Sie sich selbst in 10 Jahren an Ihrem Arbeitsplatz. Stellen Sie Ihre Arbeitsumgebung, evtl. Menschen und sich selbst in Ihrer Tätigkeit dar. Anschließend ein paar Sätze dazu schreiben.
Dynamik der Stunde:
Hr. O.T. zweifelt und ist sehr unsicher, er habe nur unrealistische Vorstellungen, er möchte zu den „Starken“ in Amerika, aber dafür sei es zu spät, da hätte er trainieren müssen. Nach einigem Zögern und Grübeln von seiner Seite schlage ich ihm vor, doch den von ihm geäußerten Berufswunsch „Spieleberater“ zu zeichnen. Er zeichnet sich zuerst „eingekastelt“, ohne Umgebung, nur er und sein PC in einer Koje, ich schlage ihm vor, einen Kunden und die Umgebung zu zeichnen. Hr. E.P. weiß sofort, er will Modeverkäufer werden, und macht sich gleich daran, säuberlich gestapelte Kleider zu zeichnen, detailgetreu, geordnet: Kleidersorten, Modemarken, die Kunden. Erst auf mehrmalige Aufforderung zeichnet er sich selbst. Zuerst schematisch, dann fordere ich ihn auf, sich doch modisch zu kleiden, daraufhin radiert er die Figur aus und zeichnet sich noch einmal, modisch gekleidet, als Chef, das Geschäft nennt er „Palaz Shop in New York“. Hr. M.A.; zeichnet ein Auto, sich selbst unter dem Auto liegend. Er möchte Mechaniker werden und sein Auto tunen. Ich frage ihn, welche Automarke: Honda.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Wann er mit dem Führerschein begänne. Er meint, zuerst müsse er seinen Drogenentzug machen.
Hr. A.S. zeichnet verschiedene Tiere. Er würde gerne als Tierpfleger in einem Zoo arbeiten, er weiß, dass es in diesem Beruf ums Füttern, Pflegen und Säubern der Tiere. Er äußert Bedauern, dass er die Tierpflegerschule nach drei Tagen abgebrochen hätte wegen der Hänseleien der Mitschüler.
5.10.04
9-10.30: Musiktherapie
Teilnehmer: Hr. M.A., Hr. A.S., Hr. V.G., Hr. O.T.
Freie Improvisationen mit Instrumentengruppen:
• Wir beginnen mit Trommeln, dann freie Instrumentenwahl.
• Übung: Sukzessive werden Instrumente durch Körperklänge (In die Hände klatschen, auf die Schenkel klatschen, mit den Fingern schnippen, Tönen...) ersetzt - und in einem zweiten Durchgang Instrumente-Körperklänge-wieder Instrumente.
• Zwei Instrumente bzw. beidhändig spielen
• Metallische Instrumente spielen
• Hölzerne Instrumente spielen
Hr. M.A. ist sehr unruhig und laut (unter Methadoneinfluss) und muss immer wieder in seine Grenzen verwiesen werden: er spielt zu laut, spielt anderen zum Ohr hin, hält sich nicht an die Vorgaben, beginnt Gespräche, etc. Die Körperklänge machen ihm viel Spaß, er klopft gegen die Tür, die Wand, Sessel, Tisch, etc., singt auch und macht begeistert mit, allerdings mit zu viel Überschwang. Verlässt mehrmals den Raum, um rauchen zu gehen.
Hr. V.G. fühlt sich durch Hrn. M.A.s Agitiertheit gestört, tut sich aber schwer, seinen Unmut zu äußern, außer durch Blicke, die er mir zuwirft.
Ich thematisiere schließlich Hrn. M.A.s Agitiertheit und frage, wie es den anderen damit geht. Hier ergibt sich: Hr. O.T. ist indifferent, ohne Meinung, Hr. A.S. fühlt sich gestört, weil er seine eigene Musik nicht mehr hört, Hr. V.G. traut sich nichts zu sagen, lässt mich für ihn sprechen, er greift auch dieses Angebot, seinen Unmut zu äußern, nur sehr zaghaft auf. - Eigene Meinung sagen lernen, Kritik äußern lernen! Weiters führe ich in dieser Stunde (anlässlich der überbordenden Stimmung von Hrn. M.A., die auf andere, v.a. ängstliche oder leicht irritierbare KlientInnen, unangenehm wirken könnte) ein Signal ein, das jeder Gruppenteilnehmer setzen kann, wenn es ihm zu laut, zu viel wird: mittels Körpersprache das Abschlusssignal „Silentium“ aus der Dirigentenübung setzen. Was von Hrn. A.S. gleich eingesetzt - und von Hrn. M.A. ignoriert wurde. Dieses Signalsetzen wird sicherlich zu gruppendynamischen Auseinandersetzungen führen.
13.10.04, 9-10.30
TeilnehmerInnen: Hr. A.S., Hr. O.T., Hr. V.G., Hr. K.G., Fr. K.H.
Hr. K.G. ist das erste Mal dabei und genießt es sichtlich, hier mitzumachen. Freie Improvisationen mit unterschiedlichen Instrumentengruppen, von
verschiedenen TeilnehmerInnen ausgewählte Instrumente, fließender Wechsel von
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Instrumenten zu Körperklang... Aus dem Wechselspiel mit Körperklang entsteht eine sehr heitere, ausgelassene Stimmung, als würden die GruppenteilnehmerInnen ewig weiterspielen wollen, teilweise wird auch Stimme eingesetzt (Hr. V.G., Hr. K.G. pfeifen).
Im Anschluss ans Musizieren (teilweise Sessions von 10-15 Minuten Länge) ein Gespräch über Situationen, in denen gesungen wird:
Fr. K.H. singt beim Fernsehen im Gemeinschaftsraum mit. Hr. A.S. und Hr. K.G. singen in der Dusche, Hr. V.G. singt allein in seinem Zimmer, Hr. O.T. findet Singen nicht cool, er hat nur als Kind gesungen.
28.10.04 9-10.30 Freies Malen Gouache-Farben, Papier Teilnehmer: Hr. O.T., Hr. P.S., Hr. A.S.
Hr. O.T. malt einen Wrestling-Käfig, bald reicht ihm das A2-Blatt nicht mehr, er muss noch eines dazukleben (Raumvorstellungsschwierigkeiten?). Der Käfig ist leer und wirkt bedrohlich, darunter schreibt er RAW IS WAR, weiß aber nicht, was das bedeutet. Er ist die ganze Stunde damit beschäftigt, Gitterstäbe zu malen und dabei unzufrieden. Zuerst hat er zuwenig Platz, dann ist er mit der Farbmischung unzufrieden, und er würde lieber mit Bleistift zeichnen. Zum Schluss zeichnet er noch eine Tür in den Käfig.
Hr. A.S. bittet um eine Idee, ich gebe ihm vor: Er solle einen Rahmen malen, wie ein Fenster, und das, was er bei einem Blick durch den Fenster-Rahmen sähe. Er malt eine rote Mauer und eine blaue Schlucht, die sich nach unten verengt. Eine Gestalt mit Bleistift, die „endlos fällt“ und HILFE schreit. Beim Gespräch über das Bild frage ich, wo die Person ist, von der der Fallende sich Hilfe erwartet. Er weiß es nicht. Vorschlag: beim nächsten Mal ein Bild malen, auf dem der Helfer ist - und versuchen, die zwei Bilder in Beziehung zu setzen.
Hr. P.S. nimmt am freien Malen in der Kunstwerkstatt teil und malt ein „Totenschiff“, die „brennende Arche Noah“ und spricht frei flottierend vom Leben als Matrose, von der Sintflut, von Jesus, etc. . Im nachfolgenden ersten Einzelgespräch thematisierte er den Verlust seiner Eltern, v.a. seiner Mutter, die 2000 verstorben ist. Er meinte, „die anderen“ sagten, er wäre selbstmordgefährdet durch den Tod seiner Mutter, aber das sei nicht wahr. Durch den Tod seiner Mutter wurde die Vormundschaft für ihn zuerst auf eine Tante, dann auf einen gerichtlich bestellten Sachwalter übertragen. Mit dem Sachwalter ist er unzufrieden und meint, nicht ausreichend mit
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Geld versorgt zu werden. Er erhält allerdings jeden zweiten Tag 30 Euro für seinen persönlichen Bedarf. Seine Probleme im Umgang mit Geld bestehen schon länger, er berichtet z.B., dass er nicht auf seine Mutter gehört hätte und öfters falschen Freunden Geld geschenkt hätte. Statt sich mit notwendigen Dingen wie Lebensmitteln oder Kleidung auszustatten, gibt er sein Geld für Dinge aus, die ihn momentan ansprechen, die er aber dann oft bald wieder wegschenkt oder wegwirft. Weiters erzählt er von seinem Matrosenleben. Er gibt an, am Schiff einen Arbeitsunfall unter Alkoholeinfluss erlebt zu haben, wodurch zwei Finger zum Teil amputiert werden mussten.
Auf seine Ziele angesprochen, gibt er an, arbeiten gehen zu wollen, im nächsten Satz meint er aber, er tauge nicht zum Arbeiten und wolle eigentlich lieber vagabundieren. Er sagt, die Wohnung in Schwechat hätte er gegen seinen Willen bezogen, er wäre lieber nach Wien gegangen, wo er Leute kenne und auch Verwandte habe.
10.11.04
9-10.30, Freies Malen
Teilnehmer: Hr. C.A., Hr. M.A., Hr. H.G., Hr. E.P., Hr. E.U., Hr. O.T.
Hr. O.T.:
Beschäftigt sich mit dem Lara Croft-Poster, das er mit Bleistift auf Leinwand in der Malsession (vergangene Woche) zu skizzieren begonnen hat. Ich schlage ihm vor, er solle die misslungene Skizze mit Grundierfarbe übertünchen und es auf Papier zu versuchen. In seiner umständlichen Art ist er die ganze Einheit damit beschäftigt, die Leinwand zu grundieren, ein neues Bild auszusuchen, es zu kopieren und - mit Hilfe von Hrn. Aberham - ein Rastergitter drüberzuzeichnen. Dann ist er völlig damit überfordert, die Größe des Rasters auf das Zeichenpapier zu übertragen. Zwischendurch holt er sich auch noch Rat bei Hrn. Ertl, hat somit Rat von drei Personen, weiß aber trotzdem nicht weiter.
Hr. C.A:: skizziert mit Bleistift Blumen, hilft Hrn. O.T: beim Rasterzeichnen und Berechnen,
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Hr. E.U. lustig, agitiert, interessiert an Gesprächen über morphogenetische Felder, malt eine Spirale
Hr. H.G. müde, weggetreten, sehr still, Mandala
Hr. M.A. begeistert vom Fingermalen mit den Ölpastellen, interessiert an den Bildern der anderen, Scherze mit Hrn. E.P.
Hr. E.P. zeichnet einen tödlich endenden Stierkampf
Gute Atmosphäre, Gesprächsfluss, gegenseitiges Interesse
7.5 Kunstwerkstatt, Protokolle Dezember 2004
In den letzten Wochen hat sich eine Stammgruppe herausgebildet, die v.a. an freier Kunstwerkstättenarbeit interessiert ist:
Hr. H.G.: malt Mandalas mit Buntstift aus
Hr. O.T.: zeichnet seit Wochen an einer Rasterkopie von einem Lara Croft-Poster Hr. C.A.: übt sich in unterschiedlichen Techniken, v.a. Aquarell Hr. A.S.: arbeitet mit Einzelanleitung zu vorgegebenen Themen Fr. V.H.: malt an einem sehr meditativen Bild
Hr. E.P.: hat eine Portraitserie (KlientInnen aus dem TZ) begonnen (Bleistift) Hr. P.S. und Hr. M.A. schneien zeitweise vorbei.
Die Musikstunden finden z.Z. mangels Interesse nicht statt.
11.1.05
Musiktherapiesession.
Teilnehmer: Hr. A.S., Hr. G.W., Hr. P.S., Hr. K.G.
Die neue Marching Drum steht ganz im Zentrum dieser Session. Jeder probiert sie aus, zuerst am Tisch liegend, dann am Körper, und dass diese Trommel den ganzen Körper in Schwingungen versetzt, wird sehr angenehm erlebt. Das Trommelspiel wirkt auch sehr kommunikationsanregend, v.a. Hr. K.G. und Hr. P.S. beginnen zu plaudern und wirken ganz locker. Könnte es sein, dass die körperliche Stimulation durch den angenehmen Basston für Schizophrene besonders günstig wirkt? Es entsteht die Idee, am Faschingsdienstag einen Musikumzug in Schwechat zu machen, evtl. mit Masken. Von Hrn. E.U. kommt eine Titelidee für die Band: Delirium Trance Combo... ☺
14.1./ 28.1.:
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Logo-Session mit allen KlientInnen: wir suchen Ideen für ein TZ-Logo Die gesammelten Ideen werden am 15.2. in einer Teamsitzung weiter bearbeitet.
18.1.05
Musiktherapiesession
Fr. S. (Schnupperantin), Hr. K.G., Hr. C.A., Hr. A.S.
Fr. S. springt schon nach einer Minute gemeinsamen Musizierens auf, der Kopf tue ihr weh, läuft in die Kunstwerkstatt, ich begleite sie. Sie wirft sich zu Boden und produziert einen dissoziativen Anfall. Ich biete ihr an, sich hinzulegen, der Ruheraum ist aber besetzt, also richte ich ihr ein Lager aus Matten. Ich bitte Heidi, nach ihr zu sehen und gehe wieder musizieren. Eine Viertelstunde später ruft mich Heidi dazu, Fr. S. wirkt bewusstlos bzw. weggetreten, wir überlegen, die Rettung zu holen, da ist sie wieder ansprechbar. Heidi checkt Atmung und Puls und widmet Fr. S. dann weiterhin Aufmerksamkeit.
Ich kann mich noch eine halbe Stunde aufs Musizieren einlassen, freie Improvisation, v.a. mit den Trommeln, aber auch ein neues Musikinstrument, das in der Holzwerkstatt hergestellt wurde, ein Einsaiten-Instrument.
19.1.05 Offene Kunstwerkstatt
Hr. O.T., Hr. H.G., Hr. C.A., Fr. R.H., Hr. P.S.
Hr. O.T.: paust einen kleinen Teil seines Lara Croft-Bildes ab und ist erstaunlich ruhig, seine Musikwünsche bringt er dezent ein, ich verweise ihn auf die Regel, dass er am Ende der Stunde einen Song einlegen könnte.
Hr. H.G.: Mandala, scherzt mit Fr. R.H. Ich lege für ihn „Herzilein“ af, weil er den Wunsch geäußert hat, Volksmusik zu hören.
Hr. C.A.: zeichnet ein weiteres Bild aus seinem Buch ab, Krabbe, erzählt über Theatererfahrungen (im Gespräch mit Fr. R.H.)
Fr. R.H.: übermalt eine Leinwand schwarz, macht eine Buntstiftskizze, bringt eine entspannende CD mit.
Hr. P.S.: hat den Tisch vollgepatzt, ich bitte ihn, zu putzen. Er malt ein Bild zum Film „Das Boot“, mit 2 Sonnen und will mir gegen Bezahlung (eine Zigarette) verraten, was es darstellt ☺ In rascher Folge malt er noch eine Blume und ein Stilleben (Topfenpalatschinke) und ist dann nicht mehr ansprechbar, geht.
26.1.:
Geleitetes Malen - Selbstportrait (Ganzkörper), etwa 2 Wochen vorher Selbstportrait mit Fingern gemalt.
27.1.:
Freies Malen - Hr. O.T. beginnt nach fast 3 Monaten Rasterzeichnen und Abpausen die ersten Pinselstriche an seinem Lara Croft-Bild (begonnen: 5.11.04)
2.2.:
Mission Statement-Übung, erster Teil. TeilnehmerInnen: Fr. V.H., Fr. K.H., Fr. R.H., Hr. H.G.
Mit etwas Unterstützung entstehen Mission Statements, Fr. V.H. und Fr. R.H. ist es wichtig, das Wort Mission durch Berufung bzw. Bedeutung zu ersetzen. Fr. K.H.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
genießt die Herausforderung, so viel zu lesen/ zu verstehen und meint, da lerne sie ja Deutsch.
Zum Abschluss bitte ich alle, ihr Mission Statement schön zu schreiben und es auch zu illustrieren. Ich verspreche, für morgen das Synonymwörterbuch mitzunehmen, damit wir weiterarbeiten können. Darüber hinaus werden wir noch mit anderen Medien arbeiten -Zusätzlich zum Finden von Synonymen werde ich Collagen, Malen, etc. anbieten.
Hr. H.G. geht heute sehr aus sich heraus und beginnt von sich aus, über seine Katzen zu reden.
7.-11.2.
Praktikumswoche mit Brigitte Schöndorfer und Eva Pazdera
15.2.05
Musiktherapiesession Hr. A.S., Hr. P.S., Hr. G.W., Hr. O.T.
Improvisation mit der Marching Drum. Hr. O.T. unsicher, fragend.
7.3.
Malen zu Mantras
Fr. R.H., Fr. V.H., Hr. H.G., Hr. O.T., Hr. A.S.
Hr. O.T. darf unter der Bedingung, dass er andere nicht durch Quasseln stört, weiter an seinem Lara Croft-Bild malen. Es gelingt ihm, sich sehr dezent zu verhalten. Fr. R.H. ist nach einer zweiwöchigen Pause (Krise, Selbstmordgefährdung, Gugging) wieder im TZ. Sie fühlt sich von den Kali-Mantras unangenehm berührt und erzählt, dass sie sich zuhause Naturtöne-Musik anhört, um sich zu entspannen. Sie malt eine Blume, die sie dann nicht fertig stellt. Fr. V.H. gefällt die Musik sehr gut, sie malt ein Blumen-Mandala. Hr. H.G. malt wieder ein abstraktes Muster, das allen gefällt. Hr. A.S. malt großflächig mit Farbe, Vögel. Ich male ein Augen-Bild.
8.3. Musik
Fr. K.H., Hr. G.W., Hr. V.G., kurz auch Hr. M.A.
Freie Improvisation. Fr. K.H. spielt erstmalig mit der Marching Drum. Sie gibt souverän und ausdauernd einen ruhigen, sehr entspannenden angenehmen Beat vor und genießt die Stunde.
Hr. G.W. geht wieder sehr auf in der Musik, er fühlt sich sichtlich wohl. Er genießt es, in einem durch Rhythmus definierten Klangkörper mit Melodien zu improvisieren. Hr. K.G. wirkt nicht besonders anwesend, spielt aber die ganze Stunde mit. Hr. M.A. ist nur ca. 10 Minuten dabei, experimentiert mit den neuen Instrumenten aus der Holzwerkstatt und verschwindet dann wieder.
Ich empfinde während der Stunde einen tiefen Frieden und fühle mich sehr wohl in dem Klangkörper. Ich reflektiere die Wahl meiner Instrumente - ich unterstütze meist
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
den Trommler und verstärke so den Grundrhythmus, also strukturierendes Mitspielen.
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8 Resümmee
8.1 Das erste Jahr im TZ
Im ersten Jahr gestaltete ich aus leer stehenden Ergotherapieräumen die Kunstwerkstatt (Einrichtung, Materialien, Struktur des Kunsttherapieangebotes). Im Team wurde ein Eingangsprozedere für neu ankommende KlientInnen entwickelt, die Kunstwerkstatt etablierte sich als Raum zum Ankommen, als Schutzraum und als beliebtes Angebot.
Ich hatte im ersten Jahr meiner Tätigkeit als Kunsttherapeutin die Möglichkeit, mit den KlientInnen auszuprobieren, worauf sie ansprechen, welche
kunsttherapeutischen Interventionen bei psychisch Kranken Sinn machen und womit wir uns im kreativen Miteinander wohl fühlen. Wir experimentierten mit unterschiedlichen Materialien und Settings. Von Anfang an errichtete ich mit den KlientInnen gemeinsam einen wertungsfreien und entspannten Raum der Kreativität, in dem viel Platz war für Entwicklung und Freude am Schaffen.
Eines der wichtigsten Erfolgskriterien für eine gelungene Kunsttherapiestunde war für mich stets, wenn affektverflachte schizophrene oder depressive Menschen miteinander lachen oder lächeln konnten.
8.2 Das zweite Jahr - Umstrukturierung - Konzept
In der Klausur mit dem Team (April 2005) wurden Strukturveränderungen für die Kunstwerkstatt und ein Konzept erarbeitet:
Tagesablauf Kunstwerkstatt:
9-9.30: Musik und Bewegung im Gruppenraum 9.30-10.30. andere Medien (angeleitet) in der Kunstwerkstatt 10.30-10.40: Pause
10.40-12.00: Weiterarbeiten oder freie Arbeit
Einstieg ist pünktlich um 9 Uhr, Zuspätkommende können noch um 10.40 einsteigen.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Regelung der Teilnahme der KlientInnen:
• Jeder Klient hat einen fixen Vormittag in der Woche, an dem er an der Kunstwerkstatt teilnehmen kann.
• Im ersten Monat ihres Aufenthalts im TZ können KlientInnen zusätzlich zu ihrem fixen Kunsttherapie-Vormittag an einem zweiten Vormittag pro Woche in die Kunstwerkstatt gehen.
• Versäumt ein Klient wegen Fernbleibens/ Krankheit/ Urlaub etc. seinen Kunsttherapietermin, kann er erst in der darauf folgenden Woche wieder zu seinem Termin teilnehmen.
• Im Falle eines Urlaubstages der Kunsttherapeutin werden KlientInnen des betreffenden Tages bei Bedarf und Interesse auf andere Tage aufgeteilt.
Durch die regelmäßige wöchentliche Teilnahme an fixen Kunsttherapie-Vormittagen hat jeder Klient 3 Stunden, in denen er sowohl Gruppen- als auch individuell auf ihn abgestimmte Einzelbetreuung bekommt. Durch die fixen Gruppen können nun auch fortlaufende, aufbauende Kunsttherapieeinheiten gestaltet werden. Die
Zusammenstellung der Gruppen wurde von den Störungsbildern und persönlicher Sympathie der TeilnehmerInnen geleitet.
Individueller Kunsttherapieplan für die einzelnen KlientInnen:
M.A.: Strukturierung, Aktivierung, Körperbewusstsein stärken: Arbeiten mit Ton, Musiktherapie, Bewegung.
L.E.: Strukturierende, stützende und aktivierende Übungen: Zeichnen von Portraits, z.B. Gefühlsausdrücke, Abzeichnen von Vorlagen. Bewegung (Körperbewusstsein!).
K.G.: Aktivierung: Musiktherapie, Bewegung.
H.G.: Ermutigung zum Experimentieren (Zufallstechniken), Bewegung.
V.H.: Aktivierung, Ermutigung zum Experimentieren (Zufallstechniken), Bewegung.
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K.H.: Krankheits- und Operationsverarbeitung/ Trauerarbeit: themenspezifisches Malen („Meine Krankheit“, etc.).
K.I.: Ermutigung zum Experimentieren (Zufallstechniken), Trauerarbeit (themenspezifisches Malen), Zeichnen.
S.K.: strukturierende und aktivierende Übungen: Zeichnen von Portraits, z.B. Gefühlsausdrücke, Abzeichnen von Vorlagen etc. Realistische Szenarien erarbeiten (Malen, Schreiben: „mein Arbeitstag“, etc.)
A.K.: Kommunikation (Gruppenübungen), Krankheitseinsicht
E.P.: Ermutigung zum Experimentieren (Zufallstechniken), strukturierende und aktivierende Übungen: Zeichnen von Portraits, z.B. Gefühlsausdrücke, Abzeichnen von Vorlagen etc. Realistische Szenarien erarbeiten (Malen, Schreiben: „mein Arbeitstag“, etc.), Entspannung.
A.S.: Musiktherapie, Fantasiereisen (Entspannung), Schreiben, Malen von angstbesetzten und „sicheren“ Situationen.
P.S.: Konzentration (Portraitzeichnen).
O.T.: Erarbeitung realistischer Perspektiven (Zeichnen, Schreiben), Körperbewusstsein (Bewegung).
E.U.: Gefühlskonfrontation (Portraitzeichen).
G.W.: Zeichnen lernen (Selbstsicherheit, Konzentration), Musiktherapie (Dirigieren), Bewegung (Koordination).
8.3 Kunstwerkstattprotokolle
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Für die ersten Wochen in der neu strukturierten Kunstwerkstatt plane ich, strukturierende Übungen zu anbieten, bei denen „Techniken erlernen“ im Vordergrund steht.
9.5.05
Einwachsen und Aufstellen des neuen Regals, Aufräumen, Putzen
10.5.05
Beginn: 10.40 (wegen Gesprächsrunde) Freies Malen.
11.5.05
Einzelstunde mit Fr. V.H., da die anderen GruppenteilnehmerInnen an diesem Tag fehlten. Wir schauten gemeinsam die Mappe von Fr.V.H. durch, fanden einige halbfertige Bilder, an denen sie gerne weiterarbeiten würde.
12.5.05
Gesichter zeichnen, anschließend an die Übung eine Gestalt mit ausgewähltem und beabsichtigten Gesichtsausdruck mit Aquarellstiften zeichnen. Hr. K.I. freut sich sehr, auf diese Art ans Zeichnen/ Malen herangeführt worden zu sein. Die Erzählungen von P.S., in denen er u.a. Verspottet- und Verfolgtwerden thematisiert, inspirieren mich zu einer Zeichnung mit Dämonen. Was ihn wiederum zum Zeichnen einer Teufelsfratze inspiriert.
Wochenzusammenschau: Thema der Woche: einen Garten planen/ aus dem Garten ein Detail herausnehmen und ausführen - wurde nicht realisiert. Stattdessen war es ein Ankommen/ Aufräumen/ Eingewöhnen. Themenschwerpunkt Gesichtsausdrücke zeichnen.
23.5.05
Planen Sie einen Garten - Hr. G.W.
Hr. K.I. zeichnet weiter an seiner Karikatur. Er wollte seinen Donnerstagtermin (Feiertag) nicht versäumen, er meint, ich brächte ihm Zeichnen bei und lobt mich über den grünen Klee. Ist fasziniert davon, Zeichnen zu lernen und von der Konzentration, die er aufbringt. Reflektiert über den künstlerischen Prozess.
24.5.05
Auf Anregung von Hrn. A.S. wird nach dem Musizieren mit den Gymnastikbällen geturnt. Hr. A.S.: Ausfüllen des Persönlichkeitsfragebogens Hr. E.P.: Schlange Hr. H.G.: verschanzt sich hinter Mandalas
25.5.-3.6.:
Mit jeder Gruppe wird eine Übung von Betty Edwards („Garantiert zeichnen lernen“) durchgeführt: drei unterschiedliche Motive. Ein Pferd von einem unbekannten
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Künstler, ein Porträt von Picasso und ein Porträt von Schiele - werden den KlientInnen verkehrt herum vorgelegt und sollen auch verkehrt herum (Linien!) abgezeichnet werden. Nach anfänglicher Verwunderung, Abwehr („Ich kann nicht zeichnen!“) oder Neugier sind alle sehr überrascht über die Ergebnisse. Der einzige, der diese Übung nicht machen konnte, war Hr. K.G., der in dieser Woche leider wieder in einen akuten schizophrenen Schub rutschte. Er war äußerst lebhaft und agitiert in der Musiktherapie und schaffte es dann nicht, die Linien des einfachen Pferdebildes abzuzeichen. Aufgrund meiner Beobachtungen in der Kunsttherapie bat ich meine KollegInnen, Hrn. K.G. nahe zu legen, den Facharzt aufzusuchen.
8.4. Psychohygiene in der kunsttherapeutischen Arbeit mit psychiatrischen PatientInnen
Im Laufe meiner Tätigkeit mit psychiatrischen KlientInnen erfuhr ich, dass meine Fähigkeit zur Empathie sich auch auf psychotische Bewusstseinszustände erstreckt. Bei KlientInnen, die sich trotz Medikation in Richtung eines psychotischen Schubes entwickelten, konnte ich diese Fähigkeit wiederholt einsetzen, um sie mit Hilfe des therapeutischen Netzes (PSD, Fachärzte, Team) „aufzufangen“. Nach Therapiestunden mit akut psychotischen PatientInnen brauchte ich allerdings immer wieder selbst Supervision durch TeamkollegInnen oder unseren Leiter.
Bei der kunsttherapeutischen Begleitung von psychotischen Menschen ist es für die TherapeutIn wichtig, besonders gut für sich selbst zu sorgen. Für mich erwies es sich als hilfreich für meine Psychohygiene, mit den psychiatrischen KlientInnen gemeinsam zu malen, um mein psychisches Feld von Wahnvorstellungen etc. meiner KlientInnen zu reinigen. Dabei brachte ich oft psychotische Inhalte aufs Papier, die in den Kunsttherapiestunden sozusagen im Raum waren, vgl. auch folgendes Bild:
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Johanna Vedral, Kunsttherapiestunde vom 25.5.05
8.5 Abschluss meiner Tätigkeit im Tageszentrum
Da unser Tageszentrum auch nach eineinhalb Jahren noch nicht die Vollauslastung durch KlientInnen erreicht hatte, war das dadurch entstandene Budget-Minus für die Geschäftsführung nicht länger tragbar. Deshalb wurde meine Teilzeitstelle eingespart. Diese Entscheidung der Geschäftsführung verwunderte, verärgerte und frustrierte unser Team sehr, da insbesondere die gute Teamzusammenarbeit die besondere Qualität unserer Arbeit ausgemacht hatte und wir die in der Teamklausur beschlossenen strukturellen Verbesserungen gerade erst mit viel Engagement umzusetzen begonnen hatten. Auch die KlientInnen zeigten sich betroffen und bedauerten sehr, dass ihnen das Angebot der Kunstwerkstatt nun nicht mehr zugänglich sein sollte, denn die KunsttherapeutInnenstelle wurde ersatzlos gestrichen. Die letzten Wochen meiner Tätigkeit im TZ nützte ich für ausgiebige Reflexion im Team. Es war uns ein großes Anliegen, dass die Kunstwerkstatt in irgendeiner Form weiterhin den KlientInnen zur Verfügung stehen sollte.
Wir arbeiteten im Team aus, dass die Kunstwerkstatt in Selbstverwaltung durch Klienten weiter bestehen sollte. In der täglichen einstündigen Mittagspause sollte die Kunstwerkstatt von Fr.V.H. für interessierte KlientInnen geöffnet werden. Fr. V.H. übernahm gerne diese Aufgabe, die die Verwaltung und Nachbestellung der
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Materialien, die Unterstützung bei maltechnischen Fragen und das Herstellen von bespannten Keilrahmen beinhaltet. Zum Abschluss veranstalteten wir eine große Malsession, bei der wieder etliche Einzelbilder wie auch ein großes Gemeinschaftsbild entstanden.
Ich verlasse das TZ mit einem lachenden und einem weinenden Auge:
Ich habe in den 17 Monaten hier viel gelernt, das ich sehr zu schätzen weiß für meinen zukünftigen beruflichen Weg - hervorragende Teamarbeit, Aufbau einer Kunstwerkstatt, therapeutische Praxis mit psychisch Kranken, Strukturierung und Weiterentwicklung eines kontinuierlichen kunsttherapeutischen Angebots - es tut mir leid, dass ich nicht mehr in der neuen, verbesserten Struktur (mit Therapieplan und fixen Gruppen) weiterarbeiten kann. Das, was ich hier gelernt habe, hat einen entscheidenden Grundstein für meine weitere therapeutische Tätigkeit gelegt, und dafür bin ich meinen TeamkollegInnen und meinen KlientInnen sehr dankbar.
Im Verlauf meiner Tätigkeit im TZ habe ich ein therapeutisches Selbstverständnis entwickelt,. Darüber hinaus habe ich durch das positive Feedback meiner KlientInnen die Sicherheit gewonnen, dass ich neben Empathie, Anfängergeist, Offenheit für den Prozess und Neugier auf die Menschen, die sich mit mir in einem therapeutischen Setting aufhalten, stets auch einen gut gefüllten Kunsttherapie-Schatzkasten bei mir habe. Besonders spannend ist für mich die Inspiration für meinen eigenen kreativen Prozess durch die gemeinsame künstlerische Tätigkeit mit KlientInnen. Die größte Freude in der kunsttherapeutischen Arbeit ist für mich, wenn ein Klient sich an ein künstlerisches Medium herantraut, sich auf den kreativen Prozess einlässt und seinen ganz persönlichen Stil entwickelt.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
9. Mein Zugang zur Kunsttherapie mit Schizophrenen
Im Laufe meines Psychologiestudiums und meines post graduate-Fachliteraturstudiums zum Thema Psychose lernte ich viel über Schizophrenie aus psychiatrischer, psychiatriekritischer, ichpsychologischer, psychoanalytischer, philosophischer, neurophilosophischer und buddhistischer etc. Sicht - und ich bilde mich hier laufend weiter. Mein besonderes Interesse gilt allerdings der Innenansicht der Psychose. Dazu gibt es schriftlich niedergelegte Erfahrungsberichte von Betroffenen, die Darstellungen von psychotischen Künstlern und auch die vom Begründer der Psychose-Seminare, Thomas Bock, gesammelten Texte zum Krankheitsverständnis und den Lebensentwürfen psychotischer Menschen.
In meiner eigenen kunsttherapeutischen Arbeit mit psychotischen Menschen ist es mir ein großes Anliegen, sie dabei zu unterstützen, ihre Krankheitserfahrungen und Lebensentwürfe mit unterschiedlichen künstlerischen Medien auszudrücken, da die Sprache in der Psychose oft nicht mehr taugt, mit sich selbst oder anderen Menschen in Verbindung zu kommen. Mitterauer (2005) betont auch, dass Schizophrene besonders unter der Nicht-Machbarkeit ihrer Ideen (Dysintentionalität) leiden; durch kreatives Schaffen wird den Schizophrenen ermöglicht, sich selbst als gestaltend tätig zu erleben.
Beispiele für diese Arbeit sind niedrigschwellige Übungen wie das Anfertigen von Collagen oder Bildern zum Thema „Meine Krankheit“, „Meine Krankheit und ich“ oder Übungen, in denen die Krankheit metaphorisch dargestellt wird, wie „Meine Krankheit als Gebäude“ oder die musikalische Darstellung eines psychotischen Bewusstseinszustandes. Ich erkenne das Ritual- und Strukturbedürfnis von Schizophrenen an, z.B. durch Mantras, Barockmusik, musiktherapeutische Übungen v.a. mit Rhythmusinstrumenten, das Kopieren von Kunstwerken, Mandalamalen, wiederholenden Körperübungen, verortenden Übungen wie „Mein sicherer Raum“ oder „Lebenslinie“. Als Materialien eignen sich hervorragend Aquarellbuntstifte.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Einige Innensicht-Metaphern für die Schizophrenie sind: Spiegelhalle, im Meer versinken, verirrt, im Labyrinth, lebendig begraben, die einzig offene Tür ist die Tür zur Unterwelt.
Der Vorgang, das Ich wieder zusammenzusetzen, kann durch geschickte Regression im schöpferischen Prozess unterstützt werden, die es erlaubt, ein falsches Selbst wie eine tote Haut abzustreifen. Im langwierigen schöpferischen Prozess kann ein neues Ich wie eine gesunde Membran an der Grenze zwischen dem Inneren und der äußeren Welt wachsen.
Die Kreativität hilft aus dem Eingemauertsein des Ungeborenen heraus - immer wieder wird die fetale Phase neu geschrieben, bis die Gebärmutter nicht länger ein Grab, ein Totenschiff ist, sondern ein immerzu sprudelnder Quell, mit dem ich mich vertrauensvoll der Welt schenken, mich selbst immer wieder neu gebären kann.
Unter Selbst versteht Mitterauer, „dass ein System die Fähigkeit zur formalen Rekursion hat und daher auch über Feedback-Mechanismen verfügt.“ Schizophrenie ist für ihn gekennzeichnet durch einen Verlust der Selbstgrenzen bzw. durch die Konfusion zwischen Innenwelt und Außenwelt: Wenn schizophrene Patienten keine Selbstgrenzen haben, dann wird ihr Gehirn zum „Universum schlechthin“.
Kunsttherapie ist für mich immer auch Unterstützung bei der Selbstkonstruktion. Hilfreiche Metaphern der Selbstkonstruktion im kunsttherapeutischen Prozess sind für mich:
• Das Selbst ist kein Bild, sondern ein Prozess, ein Film.
• Das Selbst ist ein Gefäß, das kosmische Energie aufnehmen und umwandeln kann.
• Das Selbst ist empfänglich und steht in Beziehung.
• Die Beziehung zur Spiritualität/ Kreativität ist überdauernder als die Beziehungen zu anderen Menschen und deshalb für die Selbstkonstruktion besser geeignet.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Das, was immer gleich bleibt, nämlich die Identität des Subjekts, sind die Gefühle der Urheberschaft und der Leiblichkeit. Der Körper formt das Bewusstsein, das Bewusstsein formt den Körper. Missbrauch durchlöchert das Körper-Ich, es gibt keine schützende Haut, andere können in mich eindringen, meinen Körper benutzen, über mich verfügen, meinen Körper verletzen. Der Leib kann also in diesem Fall nicht als Bezugspunkt für Sicherheit angenommen werden. Es bleibt die schöpferische Kraft, das Bewusstsein der Urheberschaft.
Kunsttherapie bietet eine Struktur an - und für die Bildung einer Identität das Gewahrsein der eigenen Urheberschaft. Das Errichten einer Identitätsstruktur hat fundamentale Bedeutung für den Menschen, der zur schizophrenen Lebensbewältigung neigt. Diese Struktur und Ordnung muss von innen heraus entwickelt und aufgebaut werden, damit sich ein stabiles Selbst herausbilden kann, eine Insel der Bewusstheit im Meer des Unbewussten. Das Anbieten von äußeren Strukturen ist hilfreich, aber nicht ausreichend. Der Schizophrene muss sich von innen heraus seiner eigenen schöpferischen Urheberschaft gewahr werden. Heilung findet nicht durch den Kunsttherapeuten statt, sondern durch die eigene Schöpferkraft.
Der Raum der Kunsttherapie ist auch eine symbolische Gebärmutter-Rekonstruktion: Die verlorene Gebärmutter, der verloren gegangene innere Raum wird neu erschaffen und mit Inhalten erfüllt, mit Bildern, Musik und Gefühlen. In diesem Raum wird das kreative Selbst angesprochen, begrüßt, gespiegelt. Es darf wachsen und sich entfalten, so dass aus der inneren Leere ein Raum der Fülle, ein Raum der Möglichkeiten werden kann.
Meine Aufgabe als Kunsttherapeutin sehe ich darin, die äußere Struktur anzubieten, sie zu gewährleisten und sicher zu stellen: die Einrichtung des Raumes, Licht, Luft, Temperatur, Musik, Materialien, Angebote und Anregungen, den wertungsfreien Umgangston, die Unterstützung bei Technik- und Materialfragen, das Beachten der zeitlichen Begrenzung. Ich bin anwesend und ansprechbar. Ich beobachte den Prozess, spiegle ihn und greife, wenn notwendig, auch regulierend ein. Ich bin offen für das, was entstehen will.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
Kunsttherapie bietet eine Struktur an, einen Rahmen für die Erfahrung, im Unbewussten zu ertrinken: Strukturhilfen wie Farben und andere Materialien, die Grenzen dieser Materialien, die Grenzen einer thematischen Vorgabe.
Die Realität, mit der sich KunsttherapeutInnen im klinischen Bereich auseinandersetzen müssen, ist, dass Schizophrene mit Neuroleptika behandelt werden und andere Therapiemethoden wie Familientherapie, sozialpsychiatrische Interventionen, Musik-, Ergo- und Kunsttherapie wie auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen stets nur als Begleittherapien zur Neuroleptikatherapie eingesetzt werden. Die begleitende Funktion des Kunsttherapeuten kann in ihrer Balancierungsfunktion von den Klienten als besonders wertvoll erlebt werden.
10. Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit habe ich einen Überblick über mein bisheriges kunsttherapeutisches Schaffen und meine theoretische Grundposition als Kunsttherapeutin gegeben. Speziell meine Tätigkeit als Kunsttherapeutin in einem Tageszentrum für psychisch Kranke wurde ausführlich dokumentiert.
Mein besonderes Interesse gilt der kunsttherapeutischen Arbeit mit Schizophrenen. Den schizophrenen KlientInnen bot ich neben Gruppenbildern v.a. strukturierende Übungen an, z.B. Mantras, Barockmusik, musiktherapeutische Übungen v.a. mit Rhythmusinstrumenten, das Kopieren von Kunstwerken, Mandalamalen, wiederholende Körperübungen, verortende Übungen wie „Mein sicherer Raum“ oder „Lebenslinie“. Als Material eignen sich hervorragend Aquarellbuntstifte und Bleistifte. Für die metaphorische Auseinandersetzung mit der schizophrenen Erkrankung bot ich niedrigschwellige Übungen wie das Anfertigen von Collagen oder Bildern zum Thema „Meine Krankheit“, „Meine Krankheit und ich“ oder Übungen wie „Meine Krankheit als Gebäude“ oder die musikalische Darstellung eines psychotischen Bewusstseinszustandes an.
Die Tätigkeit im Tageszentrum gab mir die Möglichkeit, meine theoretischen Studien in die Praxis umzusetzen und tiefer in Fragestellungen, die mich beschäftigen,
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
einzutauchen. Allerdings war die Zeit zu kurz, um folgende Suchrichtungen weiter zu verfolgen:
• Die längerfristige Wirkung von strukturierenden Übungen wie „Mein sicherer Ort“, „Meine Krankheit als Raum“ etc.
• Die gezielte Weiterentwicklung von Krankheitsmetaphern einzelner schizophrener PatientInnen in kunsttherapeutischen Übungen
• Die längerfristige Wirkung von Rhythmusübungen
• Dialogisches Malen mit Schizophrenen
Besonders wichtig war für mich, im Laufe meiner Tätigkeit im TZ meine therapeutische Position und mein Forschungsinteresse klarer zu verorten und meine Forschungssuchrichtungen präziser benennen zu können. Auch meine zukünftige kunsttherapeutische Tätigkeit ist klar von einem großen Forschungsinteresse mit Freude am Experimentieren geleitet.
Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
11. Literatur
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Krankheitsverständnis und Lebensentwürfe von Menschen mit unbehandelten Psychosen. Psychiatrie-Verlag, Bonn
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Campbell, Joseph (1999): Der Heros in tausend Gestalten. Insel, Frankfurt
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Klicpera, C./ Gasteiger Klicpera, B. (1996): Klinische Psychologie. WUV, Wien
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Mitterauer, Bernhard (2005): Verlust der Selbstgrenzen. Entwurf einer interdisziplinären Theorie der Schizophrenie. Springer, Wien, New York
Paulitsch, K. (2004): Praxis der ICD-10-Diagnostik. Ein Leitfaden für PsychotherapeutInnen und PsychologInnen. Facultas, Wien
Reinecker, H. (Hg.)(1994): Lehrbuch der klinischen Psychologie. Modelle psychischer Störungen. 2.Auflage. Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle
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Vedral, Johanna (2005): Kunsttherapie mit Schizophrenen. Diplomarbeit ÖAGG-Lehrgang „Multimediale Kunsttherapie“, Wien
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Vedral, Johanna (2003): Abstract zum Workshop „Multilingual creative dreamwork“,Juni 2003 im Rahmen der ASD-Konferenz „Dreaming at the Bay“ in Berkeley/ Kalifornien. Online im Internet, URL: http://www.asdreams.org/2003/abstracts/johanna_vedral.htm
Vedral, Johanna (2002): Wie stelle ich Traum-Collagen her? Online im Internet, URL: http://www.geocities.com/johanna_vedral/viennadreaming.htm
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Arbeit zitieren:
Mag. Johanna Vedral , 2005, Kunsttherapie mit Schizophrenen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Ist es Kunst? Die Kunst intellektuell eingeschränkter Menschen
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Relevanz der Kunsttherapie. Dargestellt am Beispiel der Arbeit mit...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Diplomarbeit, 80 Seiten
Depression im Kindes-und Jugendalter
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Johanna Vedral 's Text Kunsttherapie mit Schizophrenen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Johanna Vedral hat den Text Kunsttherapie mit Schizophrenen veröffentlicht
Johanna Vedral hat einen neuen Text hochgeladen
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Michael Ganß, Matthias Linde
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