Inhalt
1. Einleitung
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2. Zur Theorie der Höflichkeit
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2.1 Brown und Levinsons Höflichkeitstheorie 4
2.1.1 Positives und negatives Face 6
2.1.2 Face threatening acts 7
2.2 Höflichkeitsstrategien nach Brown und Levinson 9
3. Zur Theorie der Unhöflichkeit - Jonathan Culpeper
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3.1 Verschiedene Ausprägungen von Unhöflichkeit: inherent und mock impoliteness 11
3.1.1 Inhärente Unhöflichkeit 12
3.1.2 Scheinunhöflichkeit 12
3.2 Unhöflichkeitsstrategien nach Culpeper 13
4. Auswertung und Vergleich der Modelle nach Brown Levinson und Culpeper 14
5. Fazit
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Literatur
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1. Einleitung
Dass Höflichkeit zu den Tugenden gehört, ist ein ungeschriebenes Gesetz in einer Gesellschaft. Aber ist sie heute immer noch so wichtig wie Generationen zuvor? Ist nicht inzwischen eher Unhöflichkeit die Regel? Denn muss heutzutage nicht alles schneller, effektiver, Erfolg versprechender sein - und Höflichkeit stellt doch eher ein Hindernis dar als einen Antrieb, da sie vielmehr die Dinge aufhält als sie in Gang zu bringen.
Nun nimmt Unhöflichkeit nicht zwangsläufig die Bedeutung an, die Höflichkeit trotz allem noch zugeschrieben wird. Dies verdeutlicht, dass sie immer noch als negative Eigenschaft bewertet wird. Dennoch ist Unhöflichkeit in vielen Alltagssituationen latent aber auch offensichtlich spürbar - jeder hat schon die Erfahrung einer Situation gemacht, in der er nicht anders konnte, als die scheinbare Höflichkeit als Unhöflichkeit zu empfinden und seine Reaktion nicht eindeutig darstellen zu können.
In der vorliegenden Arbeit soll es nun um die Theorie zur Unhöflichkeit gehen - ein Unterfangen, das durch bisher wenige Erforschungen mit der Einflechtung eigener Erfahrungen verbunden werden muss. Forschungen und Theorien zur linguistischen Unhöflichkeit sind eher rar gesät, daher beziehe ich mich vorwiegend auf Jonathan Culpeper, der mit seinem Artikel „Towards an anatomy of impoliteness“ [CULPEPER, 1996] eine erste linguistische Basis bildet. Will man Literatur zum Thema „Unhöflichkeit“ finden, sollte man sich nach Literatur zum Thema „Höflichkeit“ erkunden und von dieser aus sich um eigene Anstrengungen bemühen. Ansonsten existieren zahlreiche populärwissenschaftliche „Schmöker“ wie der Knigge, mit denen man sich nebenbei beschäftigen und aus denen man zumindest gute praktische Ratschläge für höfliches Verhalten gewinnen kann. Ich möchte mit dieser Arbeit als Ergebnis die wichtigsten Aspekte einer möglichen Theorie der Unhöflichkeit herausarbeiten, und schließe dabei meine eigenen Standpunkte mit ein, um der Theorie einen zwar individuellen und subjektiven, aber doch auch praktischen
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Aspekt hinzuzufügen. Im Blickpunkt soll dabei immer bleiben, dass ich Unhöflichkeit und Höflichkeit nicht als gegensätzliches Paar einer möglichen Art von Handlung sehe, sondern dass beide Aspekte sich auf einem Kontinuum befinden und eine von vielen Möglichkeiten darstellen, wie man sich in einer Situation mit seinem Gesprächspartner verhält. Diese Erkenntnis ziehe ich selbst, und auch aus dem Aufsatz von Locher und Watt: „Politeness theory and relational work“ [LOCHER & WATT, 2005].
Alle Beispiele und Abbildungen, die nicht auf eine Quelle verweisen, sind selbst erzeugt beziehungsweise aus der eigenen Erfahrung geschöpft.
2. Zur Theorie der Höflichkeit
Ausgehend von der Höflichkeitstheorie nach Penelope Brown und Stephen Levinson ist das Ziel dieser Arbeit, eine adäquate „Umkehr“-Theorie für den Begriff „Unhöflichkeit“ zu finden. Der Inhalt des ersten Kapitels bildet also die Basis für das zweite, welches die Unhöflichkeitstheorie von Jonathan Culpeper betrachtet.
2.1 Brown und Levinsons Höflichkeitstheorie
Penelope Brown und Stephen Levinson veröffentlichen ihre Theorie zur Höflichkeit erstmals 1978 unter dem Titel „Universals in language usage: Politeness phenomena“. Sie baut auf der Theorie des 'face' (hier: Face) nach Erwin Goffman [GOFFMAN, 1986] und dem Kooperationsprinzip nach Grice [GRICE, 1975] auf und entwickelt beides weiter.
Die wesentliche Eigenschaft ihrer Theorie besteht darin, dass eine 'model person' die Fähigkeit besitzt, die beste kommunikative Handlung rational zu erkennen um ein bestimmtes kommunikatives Ziel zu erreichen. Die Person muss also erfassen, was oder welche
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Handlung das Face des jeweiligen Gegenübers bedrohen könnte um so auch das eigene Face wahren zu können [BROWN & LEVINSON, 1987, 58]. Richard J. Watts beschreibt Brown und Levinsons Theorie auch als die „Minimierung des Gesichtsverlusts“ beziehungsweise „Face-Verlust“ [WATTS, 2003, 85].
Unter dem Begriff des 'face' ist das öffentliche Bild zu verstehen, dass eine Person für sich beansprucht. Brown und Levinson konzentrieren sich in ihrer Theorie mehr auf den Sprecher als auf den Hörer, gehen aber dabei davon aus, dass beide, also Sprecher und Hörer, sowohl ein positives als auch ein negatives Face haben, was in Goffmans Theorie des Face‘ noch nicht unterschieden wurde. Mills bezieht sich in ihrem Buch „Gender and Politeness“ so auch auf Goffman, der den Ursprung des Begriffs 'face' in China sieht, „to describe the self-image which the speaker or hearer would like to see maintained in the interaction“ [MILLS, 2003, 58].
Das positive Face ist dabei der Wunsch des Sprechers und des Hörers, dass ihre jeweiligen Wünsche geschätzt und beachtet werden. Im Gegensatz dazu ist das negative Face der Anspruch jedes Gesprächsteilnehmers, dass man in der Gesprächssituation seine Freiheit der eigenen Handlungsauswahl wahren kann. Dem negativen Face entspricht also nicht unhöfliches Verhalten, sondern lediglich der Drang jedes Gesprächsteilnehmers, nicht in seiner Freiheit innerhalb der Situation angegriffen zu werden. Wir müssen hier also klar unterscheiden, ob sich unser Gesprächspartner tatsächlich unhöflich verhält, oder ob er nur seine Handlungsfreiheit bewahren will, aus der seine gewählte Reaktion hervorgeht.
Ein Sprecher kann sowohl das positive als auch das negative Face des Hörers angreifen; Höflichkeitsstrategien sollen dies aber vermeiden. Das Gesicht, also das Face, jedes Gesprächsteilnehmers ist allerdings durch sogenannte 'face threatening acts' (FTA) bedroht, dies sind Interessenskonflikte, die während einer Unterhaltung entstehen können. Dazu gehören Beschwerden oder Uneinigkeiten und dergleichen über ein bestimmtes Thema, über den Gesprächspartner und so weiter. Höflichkeitsstrategien stehen diesen gegenüber, das heißt, sie sollen FTAs verhindern. Werden keine Höflichkeitsstrategien
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angewandt, so sind die FTAs offensichtlich - dieser Fall ist für meine Arbeit nun wichtig, denn kann man hier nun von Unhöflichkeit sprechen? Ich bespreche dies in einem weiteren Abschnitt.
2.1.1 Positives und negatives Face
Wie im vorhergehenden Abschnitt schon dargestellt wurde, kann das Face in zwei Arten unterteilt werden. Zum Einen existiert das positive Face, mit dem unsere individuellen Wünsche geschätzt und beachtet werden sollen. Wir wollen damit ausdrücken, dass die eigene Person von anderen gutgeheißen wird oder zumindest einige unserer Präferenzen geteilt werden [BROWN & LEVINSON, 1987, 62]. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man neue Bekanntschaften macht und man so wenig wie möglich zu einem Konflikt führen will. Das Verhalten zeigt sich dann so, dass die eigenen, subjektiven Einstellungen in der Art ausgedrückt werden, dass sie mit denen des Gegenübers nicht kollidieren.
Beispiel: A: „Hallo B! Das ist C, ich kenne ihn vom
Hier ist nur wichtig, dass man erkennt, wie B sich inhaltlich versucht mit C gut zu stellen, um einen kommunikativen Abbruch zu vermeiden, der aus einem Interessenskonflikt entstehen könnte. Somit wird das positive Face der beiden Gesprächspartner bewahrt. Neben dem positiven Face existiert das negative Face. Dieses soll die eigene Freiheit der Handlungswahl erhalten, es ist also nicht das Gegenteil des positiven Face, sondern ein weiterer Aspekt, der von jedem Gesprächsteilnehmer bedacht wird, zumindest in Bezug auf sich selbst. Die Konzeption des Face ist also nicht bipolar, sondern immer, für jeden Teilnehmer, sind die Ausprägungen des Face parallel zu sehen und miteinander oberflächlich verknüpft. In der folgenden Abbildung sind diese Kennzeichen zu sehen.
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Arbeit zitieren:
Ulrike Hager, 2008, Ist Unhöflichkeit das Gegenstück zur Höflichkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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