IN GEDENKEN AN PROFESSOR DR. CHRISTOPH BECKER
VORWORT
Die vorliegende Diplomarbeit, welche sich dem Tourismus und der Themenhotellerie in Las Vegas widmet, bildet den Abschluss meines Studiums der Freizeit- und Tourismusgeographie an der Universität Trier.
Die Motivation, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen, basiert zum einen auf meinem allgemeinen Interesse am Land USA, insbesondere dem Westen des Staates, sowie auf einem vorherigen Besuch in Las Vegas im Rahmen der geographischen Großexkursion 2006.
Ich hoffe, dass beim Leser dieser Arbeit ein Interesse für die zahlreichen Facetten der Unterhaltungsmetropole in der Wüste Nevadas geweckt werden kann.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meiner Freundin Franziska Schreiber bedanken, die mich bei der Erstellung der Diplomarbeit und der Durchführung der Analyse vor Ort in Las Vegas tatkräftig unterstützt hat. Ohne ihre Hilfe wäre diese Arbeit wohl nicht in dieser Form zustande gekommen. Auch meinen Eltern, die mein Studium an der Universität Trier ermöglicht haben, sei herzlichst gedankt.
Auch möchte ich Adriana Glinka und Katja Schnee für das zeitaufwändige Korrekturlesen sowie Robert „Dino“ Bell für die Unterstützung bei der Befragung vor Ort, der Familie Dörr für die zahlreichen interessanten Informationen über die Stadt Las Vegas und den Gesprächspartnern meinen Dank aussprechen.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Christoph Becker für die Betreuung dieser Arbeit sowie Prof. Dr. Helmut Wachowiak und Herrn Prof. Dr. Andreas Kagermeier für die Übernahme der Zweitkorrektur.
Daniel Steffens Trier, im September 2008
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VIII
Fotoverzeichnis VIIII
Abk ürzungsverzeichnis X
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Methodische Vorgehensweise 2
1.3 Aufbau der Arbeit 3
2 Definitionen 6
2.1 Der Begriff „Hotel“ 6
2.2 Themenhotels als Sonderform der Hotelbetriebe 8
2.3 Der Erlebnisbegriff 9
3 Destination Las Vegas. 13
3.1 Landeskundlicher Überblick 13
3.1.1 Geographische Lage und Ausdehnung. 13
3.1.2 Physiogeographische Merkmale 15
3.1.2.1 Geomorphologie 15
3.1.2.1.1 Der Grand Canyon und das Colorado-Plateau 16
3.1.2.1.2 Red Rock Canyon. 18
3.1.2.1.3 Death Valley. 18
3.1.2.2 Klima und Vegetation 19
3.1.3 Stadtgeschichte. 23
3.1.3.1 Ureinwohner 23
3.1.3.2 Gründung der Stadt Las Vegas 24
I
3.1.3.3 Vom ersten Hotel zur heutigen Entertainment-Metropole 26
3.1.4 Bevölkerung 29
3.1.4.1 Bevölkerungsgeographische Entwicklung 29
3.1.4.2 Gegenwärtige bevölkerungsgeographische Strukturen. 30
3.1.5 Wirtschaft 31
3.2 Funktionale Gliederung der Stadt Las Vegas 33
3.2.1 Las Vegas Boulevard (Strip) 34
3.2.2 Downtown Las Vegas 35
3.3 Tourismus in Las Vegas. 37
3.3.1 Tourismuswirtschaft 37
3.3.1.1 Die Las Vegas Convention and Visitors Authority 37
3.3.1.2 Entwicklung der touristischen Kennzahlen 39
3.3.1.3 Ökonomische Bedeutung des Tourismus in Las Vegas. 40
3.3.1.4 Marktsegment der deutschen Touristen in Las Vegas 41
3.3.2 Das touristische Angebot 42
3.3.2.1 Ursprüngliches, naturgegebenes Angebot 44
3.3.2.2 Abgeleitetes touristisches Angebot 44
3.3.2.2.1 Beherbergungswesen 45
3.3.2.2.2 Verkehr 47
3.3.2.2.3 Einkaufstouristisches Potential in Las Vegas 48
3.3.2.2.4 Kulturtouristisches Potential. 49
3.3.2.2.5 Unterhaltungstouritische Angebote. 50
3.3.2.2.6 Der Kongress- und Tagungsmarkt. 51
3.3.2.2.7 Potential des glücksspielorientierten Tourismus. 52
3.3.2.2.8 Hochzeitstouristisches Potential 53
3.3.2.3 Motive für den Las Vegas-Aufenthalt 54
3.3.3 Auswirkungen des Tourismus 56
3.3.3.1 Positive Auswirkungen 56
3.3.3.2 Probleme 57
3.3.3.2.1 Ökologische Probleme. 57
3.3.3.2.2 Ökonomische Probleme. 60
3.3.3.2.3 Soziale Probleme. 61
3.3.4 Touristische Zukunft der Destination Las Vegas. 63
4 Glücksspiel in Las Vegas. 66
4.1 Entwicklung des Glücksspiels 66
4.1.1 USA. 67
II
4.1.1.1 Erste Phase (1600 bis ca. 1850) 67
4.1.1.2 Zweite Phase (ca. 1850 bis ca. 1910) 67
4.1.1.3 Dritte Phase (1930 bis Mitte 1970) 68
4.1.1.4 Vierte Phase (1976 bis heute) 69
4.1.2 Las Vegas 69
4.2 Bedeutung des Glücksspiels für Las Vegas. 70
4.3 Formen des Glücksspiels. 71
4.4 Aufbau und Taktik der Casinos 73
4.5 Casino-Übersicht. 74
5 Die Themenhotellerie in Las Vegas. 76
5.1 Der US-amerikanische Hotelmarkt. 76
5.1.1 Historische Entwicklung der Hotellerie in den USA. 76
5.1.2 Struktur des US-amerikanischen Hotelmarktes 77
5.1.3 Klassifikation der Hotelbetriebe. 79
5.2 Entstehung der Themenhotels 81
5.3 Bedeutung des Themas und Themenkategorien 83
5.4 Themenhotels als touristische Angebotsform 85
5.4.1 Das Erlebnis zählt - Merkmale der Themenhotels 87
5.4.2 Einteilung in verschiedene Themenhotelkategorien 89
5.4.3 Themenhotels als Ersatz für Originaldestinationen? 92
5.5 Strip versus Downtown 93
5.6 Themengastronomie 94
5.7 Hotelkonzerne und Eigentumsverhältnisse der Hotels 95
5.7.1 Entwicklung der Eigentumsverhältnisse. 95
5.7.2 Übersicht der Hotelkonzerne in Las Vegas. 96
5.7.2.1 MGM Mirage, Inc. 97
5.7.2.2 Harrah’s Entertainment, Inc. 98
5.7.2.3 Sonstige Hotel- und Glücksspielkonzerne in Las Vegas 100
5.8 Die Zukunft der Themenhotels in Las Vegas 102
5.8.1 Dethematisierung: Themenhotels - Ein Auslaufmodell? 102
5.8.2 Aktuelle Trends in Las Vegas 104
5.8.3 Neue und zukünftige Hotelgroßprojekte in Las Vegas. 108
5.8.3.1 Neue Wohnformen 108
5.8.3.2 Zukünftige Projekte im Beherbergungswesen. 109
5.8.4 Las Vegas in China? - Konkurrenz durch internationale Destinationen 113
III
6 Praktischer Teil: Empirische Untersuchungen 117
6.1 Methodik und Vorgehensweise 117
6.1.1 Themenhotelanalyse. 117
6.1.2 Fragebogen für Touristen. 118
6.2 Analyse der Themenhotels in Las Vegas. 119
6.2.1 Datenauswertung 120
6.2.2 Themenhotelanalyse. 123
6.2.2.1 North Strip 123
6.2.2.1.1 Vollthematisierte Hotels 124
6.2.2.1.2 Teilthematisierte Hotels 125
6.2.2.2 Central Strip. 126
6.2.2.2.1 Vollthematisierte Hotels 126
6.2.2.2.2 Teilthematisierte Hotels 135
6.2.2.3 South Strip. 138
6.2.2.3.1 Vollthematisierte Hotels 138
6.2.2.3.2 Teilthematisierte Hotels 142
6.2.2.4 Off-Strip 145
6.3 Befragung internationaler Las Vegas-Touristen. 149
6.3.1 Datenauswertung 149
6.3.1.1 Fragenblock I: Soziodemographisches Profil der Befragten 149
6.3.1.2 Fragenblock II: Destination Las Vegas. 151
6.3.1.3 Fragenblock III: Themenhotellerie 156
6.3.2 Diskussion und Interpretation der Ergebnisse 162
7 Fazit. 164
Literaturverzeichnis 168
Printmedien. 168
Onlinemedien. 175
Anhang XII
Anhangsverzeichnis XII
IV
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Abb. 2: Differenzierung des Beherbergungsgewerbes.
Abb. 3: Übersicht Las Vegas Valley
Abb. 4: Geographische Lage Las Vegas.
Abb. 5: Der Westen: Naturräumlich-ökologische Gliederung.
Abb. 6: Colorado-Plateau
Abb. 7: Klimadiagramm Las Vegas
Abb. 8: Klimaregionen Nordamerikas.
Abb. 9: Vegetationszonen Nordamerikas.
Abb. 10: Graphische Darstellung der Bevölkerungsentwicklung.
Abb. 11: Altersverteilung Las Vegas 2006
Abb. 12: Wirtschaftszweige in Las Vegas 2008
Abb. 13: Entwicklung der Touristenankünfte (in Mio.) 1990-2007.
Abb. 14: Beherbergungsbelegungsrate 1998 bis 2007
Abb. 15: Hauptgründe für den Las Vegas Aufenthalt 2007.
Abb. 16: Entwicklung der Brutto-Einnahmen aus den Spielbetrieben in Clark County
Abb. 17: Beliebteste Casinospiele in Las Vegas 2008.
Abb. 18: Chronologie der bedeutendsten Themenhotels in Las Vegas
Abb. 19: Aufbau der Themenhotels am Beispiel des Hotels The Venetian.
Abb. 20: Strategiemix der Themenhotels in Las Vegas
Abb. 21: Thematisierungs-Zielgruppen-Matrix mit Einordnung der verschiedenen
Themenhotels.
Abb. 22: Besitzverhältnisse der Themenhotels in Las Vegas 2008
Abb. 23: Zusätzliche Hotel/Motelzimmer in den Jahren 2008 bis 2012
Abb. 24: Lage der analysierten Themenhotels.
Abb. 25: Häufigkeit verschiedener Ausstattungsfaktoren.
Abb. 26: Verwendete Themenkategorien.
Abb. 27: Thematisierungsgrad der Themenhotels
Abb. 28: Thematisierungsgrad der einzelnen Gestaltungselemente.
Abb. 29: Herkunftsländer.
Abb. 30: Altersstruktur.
Abb. 31: Schulabschluss (n 103)
Abb. 32: Anlass des Las Vegas-Besuchs (n 105)
Abb. 33: Unterkunftsart (n 90)
Abb. 34: Reisedauer (n 97)
V
Abb. 35: Gründe für die Wahl der Unterkunft (n 99)
Abb. 36: Assoziationen mit Las Vegas (n 266)
Abb. 37: Bedeutung bestimmter Angebote in Las Vegas (n 103)
Abb. 38: Wahrgenommene Angebote (n 103)
Abb. 39: Assoziationen mit den Themenhotels (n 194)
Abb. 40: Beliebtheit der Themenhotels (n 80)
Abb. 41: Beeindruckende Aspekte der Themenhotels (n 84)
Abb. 42: Normale Hotels statt Themenhotels? (n 103)
Abb. 43: Bedeutung verschiedener Aspekte bei einem Hotel in Las Vegas (n 103)
Abb. 44: Konformität der Hotelaspekte (n 103)
VI
TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 1: Temperatur und Niederschlag in Las Vegas im Jahresverlauf 21
Tab. 2: Bevölkerungsentwicklung. 30
Tab. 3: Durchschnittliche Tagesausgabenanteile von Besuchern des Großraums Las Vegas
im Jahr 2007. 40
Tab. 4: Monatliche Hotel-/Motelbelegungsrate (in Prozent) 2007 45
Tab. 5: Die fünf größten Convention Center in Las Vegas. 52
Tab. 6: Wichtigkeit der Faktoren für die Entscheidung, Las Vegas zu bereisen 55
Tab. 7: Pro und Contra Gambling 66
Tab. 8: TOP 20 Casinomärkte in den USA 2007 70
Tab. 9: Umsatz der Casinohotels nach Abteilungen 2006 71
Tab. 10: Einnahmen aus dem Glücksspiel nach Bundesstaat 75
Tab. 11: Standorte der Casinos mit über 1 Mio. Spieleinnahmen pro Jahr. 75
Tab. 12: Die größten Hotelketten der Welt (2008) 78
Tab. 13: Zweidimensionale Hotelklassifizierung in den USA 80
Tab. 14: Hotelklassifizierungskriterien des AAA. 80
Tab. 15: Special Interest Themenhotels in Las Vegas (Beispiele) 90
Tab. 16: Darstellung der Nettoeinnahmen MGM Mirage 2007. 98
Tab. 17: Die größten Hotel- und Glücksspielgesellschaften in Las Vegas 200. 101
Tab. 18: Übersicht der Luxushotels in Las Vegas. 105
Tab. 19: Zukünftige Hotelexpansionen im Überblick. 106
Tab. 20: Die zehn höchsten Gebäude in Las Vegas. 107
Tab. 21: Neue Wohnprojekte in Las Vegas (Auswahl) 109
Tab. 22: Zukünftige Hotels in Las Vegas (Auswahl) 110
Tab. 23: Hotels und Wohntürme des CityCenter. 111
Tab. 24: Visionäre Themenhotelprojekte in Las Vegas (Auswahl) 112
Tab. 25: Hotelprojekte in Macau (Auswahl) 115
Tab. 26: Übersicht Themenhotels 119
VII
FOTOVERZEICHNIS
Foto 1: Blick in den Grand Canyon vom South Rim. 1
Foto 2: Calico Hills im Red Rock Canyon 1
Foto 3: Zabriskie Point, Death Valley 1
Foto 4: Las Vegas Springs (um 1900) 24
Foto 5: Rekonstruktion der Stewart-Ranch 25
Foto 6: Ehemaliger Bahnhof Las Vegas (um 1940) 25
Foto 7: Downtown Las Vegas (um 1950) 27
Foto 8: Flamingo Las Vegas (um 1950) 27
Foto 9: Moon Las Vegas (Modell) 113
Foto 10: Harrods Vegas (Modell) 113
Foto 11: MGM Grand Macau. 114
Foto 12: Wynn Macau 114
Foto 13: Circus Circus Hotel Casino. 1
Foto 14: Eingangsbereich Sahara Hotel Casino. 125
Foto 15: Riviera Hotel Casino 1
Foto 16: Bellagio Fountains. 127
Foto 17: Nachtansicht Bellagio. 127
Foto 18: Das römisch inspirierte Caesars Palace 129
Foto 19: Römische Brunnenanlage (Forum Shops) 129
Foto 20: Imperial Palace, O’Sheas und Flamingo. 130
Foto 21: Gebäudeensemble Imperial Palace 130
Foto 22: Mirage mit Palmengarten 131
Foto 23: Ehemaliges Castaways Hotel 131
Foto 24: Frontansicht Hotel Paris Las Vegas. 132
Foto 25: Nachtaufnahme Paris Las Vegas. 132
Foto 26: TI mit Schatzinsel. 133
Foto 27: Straßenrandgestaltung des TI. 133
Foto 28: Frontansicht The Venetian 135
Foto 29: Nachbildung des Markusplatzes 134
Foto 30: Eingangsbereich Bally’s Las Vegas 135
Foto 31: Flamingo Hilton 136
Foto 32: Ursprüngliches Flamingo Hotel 136
Foto 33: Frontfassade Harrah’s Las Vegas. 1
Foto 34: Planet Hollywood Las Vegas 138
Foto 35: Ursprüngliches Aladdin-Hotel. 138
VIII
Foto 36: Hotel Excalibur 139
Foto 37: Pyramide und Sphinx des Luxor 139
Foto 38: Hotel Monte Carlo 141
Foto 39: Skyline New York - New York 142
Foto 40: Nachbildung der Brooklyn Bridge. 142
Foto 41: Mandalay Bay 143
Foto 42: Das historische Hacienda Hotel 143
Foto 43: Straßenansicht MGM Grand 145
Foto 44: Goldener MG-MLöwe. 144
Foto 45: Tropische Holzfassade des Tropicana-Casinos. 1
Foto 46: New Orleans-inspirierte Fassade des 148
Foto 47: Gigantische Gitarre vor dem Hard 148
IX
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AAA American Automobile Association Abb. Abbildung AGA American Gaming Association AH&LA American Hotel & Lodging Association Anm. d. Verf. Anmerkung des Verfassers bzw. Beziehungsweise °C Grad Celsius ca. circa DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband DETR Nevada Department of Employment, Training and Rehabilitation ebd. Ebenda f. folgende Seite ff. folgende Seiten GICB Macao Gaming Inspection and Coordination Bureau Ha Hektar HIDTA High Intensity Drug Trafficking Area Inc. Incorporated (als Aktiengesellschaft eingetragen) k.A. keine Angabe km Kilometer LVCVA Las Vegas Convention and Visitors Authority LVS Las Vegas Sands m Meter MEZ Mitteleuropäische Zeit Mio. Million mm Millimeter Mrd. Milliarde MSA Metropolitan Statistical Area
X
NCPG Nevada Council on Problem Gambling NN Normalnull NSBP National Scenic Byways Program NV Nevada o. A. Ohne Autor o. J. Ohne Jahr o. S. Ohne Seite ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr RRCIA Red Rock Canyon Interpretive Association S. Seite Tab. Tabelle TI Treasure Island U.S. United States USA United States of America v. Chr. Vor Christus vgl. Vergleiche z.B. zum Beispiel
XI
1 EINLEITUNG
„Wenn Gott Geld gehabt hätte, hätte er die Welt so gemacht wie Las Vegas.“ (STEVE WYNN in STERN.DE 2005, o. S.)
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG
Noch vor etwa einem Jahrhundert war Las Vegas ein unbedeutender Fleck auf der Landkarte und bestand gerade einmal aus einem Provinzbahnhof und einer Farm. Dort, wo heute künstliche Erlebniswelten die Besucher begeistern und hunderte Wasserfontänen in den Himmel schießen, lag eine der trockensten Regionen der Erde. Als der Mexikaner Antonio Armijo vor 180 Jahren die ersten Grundwasserquellen im Las Vegas-Tal entdeckte, ahnte niemand, dass diese Gegend zu einer der am stärksten boomenden Destinationen im internationalen Tourismus werden würde. Mit der Legalisierung des Glücksspiels und dem Bau des nahe gelegenen Hoover Staudamms vor etwa 75 Jahren wurde die Basis für sämtliche touristischen Entwicklungen der Stadt geschaffen. Die ersten offiziell genehmigten Casinos eröffneten, mit ihnen kamen die Touristen - zunächst nur aus Amerika und Mexiko, später auch aus allen anderen Teilen der Welt - und mit ihnen der Reichtum, der insbesondere innerhalb der letzten vier Jahrzehnte eine explosionsartige Entwicklung der Stadt Las Vegas ermöglichte (vgl. THARLER 2006, S. 9). Dabei ist es gerade der Leidenschaft der Amerikaner, dem Glücksspiel, zu verdanken, dass diese Stadt mit ihren künstlichen Welten inmitten der Wüste Nevadas entstand, denn das Glücksspiel ist der am schnellsten wachsende Sektor der amerikanischen Tourismusbranche (vgl. ECKARDT 2007, S. 79f.). Heute ist Las Vegas ein Superlativ, der sich ständig aufs Neue selbst übertrifft. Immer größer, höher und luxuriöser - das ist die Devise der Stadt. So präsentiert sich Las Vegas heute als eine schillernde, vielfältige, abwechslungsreiche und vergnügungssüchtige Stadt der Extreme. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich das neue Zentrum der Stadt, der Las Vegas Strip, zu einer einzigen zusammenhängenden künstlichen Erlebniswelt entwickelt, mit inszenierten Vulkanausbrüchen, Seeschlachten, tropischen Paradieslandschaften, künstlichen Seen inmitten der Wüste und Nachbauten der wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt. Nur in Las Vegas ist es möglich, innerhalb eines kurzen Fußmarsches von den ägyptischen Pyramiden, vorbei an der Freiheitsstatue und der Skyline von Manhattan, orientalischen Basaren und dem alten Rom bis zum Eiffelturm in Paris zu gelangen. Erst durch diese Inszenierung wird der Aufenthalt in der Wüstenmetropole zum einmaligen Erlebnis für die Besucher.
Es stellt sich die Frage, welche touristischen Elemente bzw. Attraktionen die Destination Las Vegas definieren und was die Stadt so beliebt macht. Darüber hinaus ist zu untersuchen, wie die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas im Einzelnen erfolgte und welche Potentiale
1
künftig noch im Tourismus stecken. Weiterhin soll der Einfluss der Themenhotels geprüft und der Frage nachgegangen werden, inwiefern diese selbst als touristische Sehenswürdigkeit fungieren. Welche Themen werden von den Hotels verfolgt, gibt es thematisch eventuell Schwerpunkte? Welche Arten von Themenhotels gibt es, was sind die Merkmale und wie sind die zukünftigen Potentiale? Üben die Themenhotels wirklich eine besondere Anziehungskraft als Sehenswürdigkeit für Touristen aus und welche Auswirkungen hat dies für Destinationen, die durch die künstliche Welten zu erleben sind?
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, zum einen die historische und aktuelle Entwicklung des Tourismus in Las Vegas darzustellen und zum anderen anhand einer systematisch umfassenden Analyse die touristischen Potentiale der Themenhotels herauszuarbeiten. Bei der Konzeption dieser Arbeit stellen sich dem Verfasser folgende zentrale Leitfragen: 1. Welche Faktoren machen die Attraktivität der Spielerstadt aus und in welchem Maße können die Themenhotels zu dem Erfolg des Tourismus beitragen? 2. Ist das Glücksspiel für den hohen Stellenwert des Tourismus verantwortlich und wie groß ist der Anteil der Besucher, die auch heute noch hauptsächlich zum Spielen nach Las Vegas reisen?
3. Befindet sich Las Vegas derzeit in einem erneuten Trendwandel und wenn ja, worauf basiert dieser Wandel? Kann ein solcher Trendwandel das Ende der ThemenhotelÄra bedeuten?
Diese Leitfragen ziehen sich als roter Faden durch die verschiedenen Kapitel und sollen im Rahmen der vorliegenden Arbeit beantwortet werden.
1.2 METHODISCHE VORGEHENSWEISE
Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden durch die Verwendung unterschiedlicher Arbeitsschritte und -methoden erlangt. Um einen ersten Einblick in das Thema zu erhalten, wurde zunächst eine Recherche und Auswertung der vorhandenen relevanten deutschen Literatur vorgenommen. Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes in Las Vegas vom 29.04.2008 bis zum 27.07.2008 konnte eine umfangreiche Analyse des touristischen Angebotes durchgeführt werden. Neben einer mehrwöchigen Befragung der Gäste und einer ausführlichen Begehung aller Themenhotels der Stadt wurde das vorhandene Prospektmaterial der verschiedenen touristischen Attraktionen und Themenhotels sowie zahlreiche Statistiken und Publikationen ausgewertet.
Anhand verschiedener Expertengespräche mit touristischen Akteuren in Las Vegas sowie in Deutschland konnten zudem qualitative Erkenntnisse und statistische Daten über den
2
Tourismus in der Wüstenstadt und die Themenhotellerie gewonnen werden. Die Gespräche wurden als offene, nicht standardisierte Interviews unter Zuhilfenahme eines vorher angefertigten Fragenkataloges durchgeführt. Die Ergebnisse der Expertengespräche sind als mündliche Mitteilungen im Text kenntlich gemacht.
Eine weitere Datenquelle stellte das Internet dar, das wertvolle Informationen lieferte und mit dessen Hilfe aktuelle Daten und Statistiken sowie Presse- und Jahresberichte analysiert werden konnten. Die in der Arbeit verwendeten Internetquellen sind im Literaturverzeichnis gesondert aufgelistet.
Abschließend sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Begriffe Tourismus und Fremdenverkehr sowie Glücksspiel, Gambling und Gaming in dieser Arbeit jeweils synonym verwendet werden.
1.3 AUFBAU DER ARBEIT
Die vorliegende Arbeit gliedert sich grob in fünf Teile, die insgesamt sieben Kapitel umfassen: Den einleitenden Teil (Kapitel 1), einen Definitionsteil (Kapitel 2), einen theoretischen Teil (Kapitel 3, 4 und 5), einen empirischen Teil (Kapitel 6) sowie einen abschließenden Teil (Kapitel 7).
Nach einer Einführung in das Thema sowie der definitorischen Abgrenzung der Termini Hotel, Themenhotel und Erlebniswelt in Kapitel 2 wird im theoretischen Teil zunächst die Destination Las Vegas vorgestellt (Kapitel 3). Zu Beginn wird ein landeskundlicher Überblick gegeben. Neben den physiogeographischen Merkmalen und dem naturräumlichen Potential wird die Stadt in ihrer historischen Entwicklung sowie die Bevölkerungs- und Wirtschaftsstrukturen beschrieben. Anschließend wird auf die funktionale Gliederung eingegangen, wobei dem Las Vegas Boulevard sowie der Downtown besondere Bedeutung geschenkt wird. Darauf erfolgt eine Darstellung des Tourismus in Las Vegas, die neben den touristischen Kennzahlen das touristische Angebot und die Auswirkungen des Fremdenverkehrs umfasst.
Das Glücksspiel gilt als wesentlicher Faktor in der Entwicklung der Stadt Las Vegas. Kapitel 4 wird befasst sich explizit mit dem Glücksspielmarkt, wobei zunächst auf die Entstehung allgemein sowie speziell in Las Vegas eingegangen wird. Des Weiteren wird die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges für die Metropole herausgearbeitet, die wichtigsten Formen des Glücksspiels erläutert und der generelle Aufbau der Casinos dargestellt. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einem Überblick über die Casinos der Stadt.
Kapitel 5 widmet sich der Themenhotellerie von Las Vegas. Dieses Kapitel umfasst zunächst die Beleuchtung des amerikanischen Hotelmarktes, die Entstehung der Themenhotels sowie die Bedeutung der Thematisierung. Im Anschluss daran werden die Themenhotels als
3
touristische Angebotsform eingehend betrachtet. Des Weiteren soll untersucht werden, mit welchen Problemen die Stadt zu kämpfen hat und welche Konkurrenz für das Erlebnis- und Glücksspiel-Reiseziel Las Vegas besteht, insbesondere durch die Boomtowns Macau und Dubai. Auch ist es interessant aufzuzeigen, welche Konzerne hinter den großen Erlebnishotels und Casinos stecken. Welche gigantischen Bauvisionen könnten in Zukunft realisiert werden? Welche wurden bereits abgesegnet oder verworfen? Stehen Konzernübernahmen an? Aufgrund dieser Vielzahl an interessanten Fragen sollen diesem immobilienwirtschaftlichen Bereich ebenfalls einige Unterkapitel der Arbeit gewidmet sein. Zum Ende des fünften Kapitels folgt eine Einschätzung der Zukunft der Themenhotels, ausgelöst durch die Dethematisierungsmaßnahmen einiger großer Erlebnishotels, sowie die Diskussion der aktuellen Trends in Las Vegas.
Der empirische Teil der Arbeit wird in Kapitel 6 behandelt und beinhaltet die Konzeption, Darstellung, Diskussion und Bewertung der empirischen Erhebungen. Nach der Darlegung der methodischen Vorgehensweise wird zunächst die Analyse der Themenhotels in Las Vegas vorgenommen. Im zweiten Teil der empirischen Untersuchung erfolgt die Auswertung der Befragung der internationalen Touristen in der Wüstenmetropole. Diese Befragung hatte zum Ziel, das Image und Potential sowohl der Stadt als auch der Themenhotels zu ermitteln sowie Hintergründe für die Wahl der Destination zu generieren. Abgeschlossen wird das Kapitel mit der Diskussion und Interpretation der Ergebnisse. Kapitel 7 fasst die im Rahmen der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse abschließend zusammen. Darüber hinaus werden die eingangs gestellten Leitfragen aufgegriffen und anhand der theoretischen und empirischen Erkenntnisse beantwortet. Abbildung 1 zeigt nochmals den Aufbau der Arbeit im Überblick.
4
2 DEFINITIONEN
2.1 DER BEGRIFF „HOTEL“
Die Bestimmung und Abgrenzung des Begriffs „Hotel“ erweist sich als nicht unproblematisch, da bislang nicht einheitlich festgesetzt ist, welche Unternehmung sich als Hotel bezeichnen darf und welche nicht. Obwohl es sowohl nationale als auch internationale Anstrengungen hinsichtlich einer allgemeingültigen Definition gegeben hat, blieben diese Bemühungen ohne Erfolg. Alleine in Deutschland existieren für den Begriff der Hotelunternehmung als höchste Ausprägungsform eines Beherbergungsbetriebes zahlreiche Definitionen. All diesen Definitionen liegt jedoch ein gemeinsames Merkmal zugrunde: Die Hauptleistung eines jeden Hotels ist das Beherbergungs- und Verpflegungsbedürfnis. Zusätzliche Leistungen, die sowohl personelle Dienstleistungen als auch gesonderte Anlagen einschließen können, gehen über die Grundfunktionen weit hinaus und entscheiden oftmals über Erfolg oder Misserfolg der Hotelunternehmung (vgl. HENSELEK 1999, S. 5). Im Folgenden werden drei Definitionen, zwei aus touristischer und eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht, beispielhaft näher vorgestellt.
Diese Definition von HENSELEK aus dem Jahr 1999 stellt den betriebswirtschaftlichen Aspekt in den Vordergrund. Komplementärleistungen, deren Leistungen als Maßstab für den Standard der Hotelleistung gelten, ergänzen die Hauptleistung. Diese umfasst sowohl Beherbergungs- als auch Bewirtungsleistungen und entsprechen somit dem Hauptzweck des Hotels. Trifft ein Definitionsmerkmal nicht zu, liegen Erscheinungsformen der Parahotellerie vor (vgl. ebd., S. 5).
Das Statistische Bundesamt hingegen charakterisiert Hotelunternehmungen als
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem deutschen Fremdenverkehrsverein eine praxisorientierte Begriffsdefinition, die sich in der deutschen Tourismuswirtschaft durchgesetzt hat.
Neben dieser Definition formuliert der DEHOGA genaue Mindestanforderungen hinsichtlich des Leistungsangebotes, die ein Hotelbetrieb erfüllen sollte (vgl. DEHOGA 2008, o. S.): • Es werden mindestens zwanzig Gästezimmer angeboten • Ein erheblicher Teil der Gästezimmer ist mit eigenem Bad/Dusche und WC ausgestattet
• Das Hotel verfügt über zusätzliche Einrichtungen und über eine tägliche Zimmerreinigung • Ein Hotelempfang steht zur Verfügung
Die angeführten Definitionen umfassen ein breites Spektrum an Betrieben, denn große Kettenhotels mit 500 Zimmern fallen ebenso unter die Bezeichnung „Hotel“ wie kleine Hotels mit 20 Zimmern und Basisausstattung oder auf Wellness, Golf oder Tagungen spezialisierte Luxushotelanlagen.
Zusammen mit der Gastronomie lässt sich das Beherbergungswesen dem Gastgewerbe zuordnen. Die Beherbergungsindustrie wird in die klassische Hotellerie und in Parahotellerie unterschieden. Die nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über die vielfältige Beherbergungslandschaft. In der vorliegenden Arbeit wird jedoch nur auf die klassische Hotellerie eingegangen, zu der die Betriebsart Hotel und die Sonderform des Themenhotels zählt (vgl. FREYER 2001, S. 118).
7
Abb. 2: Differenzierung des Beherbergungsgewerbes
Quelle: Eigene Darstellung nach FREYER 2001, S. 118
2.2 THEMENHOTELS ALS SONDERFORM DER HOTELBETRIEBE
Eine spezielle Form der Hotelbetriebe stellen die Themen- oder Erlebnishotels dar. Diese Betriebe verfolgen eine Nischenstrategie, denn sie versuchen, mit einer aufwändigen Inszenierung eine künstliche Erlebniswelt zu erstellen und somit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verwirklichen.
Themenhotels sind in nahezu allen Teilen der Welt verbreitet. Ihre Bandbreite reicht von thematisierten Hotels in Themen- und Freizeitparks (z.B. Hotel Santa Fe/EuroDisney Paris) über ganze Ferienlandschaften (z.B. Dorfhotel Fleesensee/Deutschland), Kunst- und Theaterhotels bis hin zu den Hotels der Hard Rock-Kette und den weltweit bekannten Megaresorts in Las Vegas (z.B. das ägyptisch gestaltete Luxor), Macao (z.B. The Venetian Macao), Dubai (z.B. Dubailand) und auf den Bahamas (z.B. The Atlantis at Paradise Island) (vgl. STEINECKE 2003, S. 128). Obwohl in der Literatur immer wieder Bezug auf die Themenhotellerie genommen wird, existiert jedoch weder eine einheitliche Definition noch eine klare Begriffsabgrenzung. Folgende Kriterien sind laut STEINECKE maßgebend für die Betriebsform Themenhotel: • Themengerecht gestaltete Zimmer, • Thematische Gastronomie, • Themengerechter Einzelhandel und • Shows.
Die Thematisierung eines Hotels dient dazu, dem Gast ein Erlebnis zu vermitteln. Menschen suchen in ihrer Freizeit einen Kontrast zu ihrem Alltagsleben, sie wollen in andere Welten
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eintauchen, fremde, vergangene oder futuristische Welten erleben. Um einen hohen Erlebniswert zu erzielen, muss ein Themenhotel einzigartig und authentisch sein. Neben der subjektiven Wahrnehmung eines jeden Menschen und der Umsetzung des Themas ist vor allem das Thema selbst wichtig, denn es muss so gewählt werden, dass es die Gäste anspricht und in ihren Bann zieht. Bei Betrachtung des Themenhotelmarktes in Las Vegas fällt auf, dass ein solches Hotel nicht zwingend über die von STEINECKE geforderten Einzelhandelsgeschäfte und Shows verfügen muss. Stattdessen ist es wichtig, dass das gewählte Thema in möglichst allen Bereichen der Hotelanlage zur Anwendung kommt, um die Immersion des Gastes in die fremde Welt möglichst einfach zu machen (vgl. OPASCHOWSKI 2000, S. 44ff.).
Mithilfe der oben genannten Kriterien von STEINECKE sowie unter Berücksichtigung des Erlebnismotives und des Hotelmarktes der Stadt Las Vegas definiert der Verfasser dieser Arbeit den Begriff „Themenhotel“ wie folgt:
2.3 DER ERLEBNISBEGRIFF
„Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis!“ (Oscar Wilde) 1
Künstliche Erlebniswelten sind keine Erfindungen unserer Zeit, sondern wurden schon seit jeher zur Unterhaltung der Bevölkerung und zum Ablenken von den Missständen des Alltags eingesetzt. Beispiele hierfür sind die Theateraufführungen im antiken Griechenland oder die Showkämpfe im alten Rom, die zur Volksbelustigung dienen sollten. Neuere Formen künstlich gestalteter Ideallandschaften sind beispielsweise die französischen Barockgärten des 17. und 18. Jh. sowie die seit Mitte des 19. Jh. stattfindenden Weltausstellungen (vgl.
1 Quelle: http://www.meiers-weltreisen.de
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STEINECKE 2007, S. 129). Durch gesellschaftliche Entwicklungen, technologischen Fortschritt sowie aufgrund sozialer und politischer Faktoren haben sich zwar die Rahmenbedingungen geändert, der Kerngedanke der Erlebniswelten bleibt jedoch der gleiche: Es geht darum, dem Besucher die Flucht in eine andere, bessere Welt zu ermöglichen. Darüber hinaus können Erlebnisse sogar als eigenständiges wirtschaftliches Angebot neben Einzelgütern, Massengütern und Dienstleistungen gesehen werden (vgl. PINE/GILMORE 2000, S. 15).
Doch was genau wird unter dem Begriff Erlebnis bzw. künstliche Erlebniswelt verstanden und wieso erfreut sie sich solcher Beliebtheit?
Erlebnisse sind Begegnungen, Aktivitäten oder Genüsse, die tiefer gehen als die gängigen Konsumerfahrungen. Erlebnisse entstehen erst durch eigene Erfahrungen in der Umwelt und liefern einen Beitrag zur Lebensqualität. Sie beruhen auf Einmaligkeiten, Besonderheiten, zusätzlichen Werten und der Einbettung in eine besondere Umgebung (vgl. SCHROEDER o.J., S. 95).
Erlebniswelten können in unterschiedliche Typen eingeteilt werden: Neben Urban Entertainment Center (z.B. Caesars Palace Forum Shops), Themenparks (z.B. Disneyland), Ferienparks (z.B. CenterParcs), Wasserparks (z.B. Wet’n’Wild Las Vegas), Indoor-Skianlagen (z.B. Alpincenter Bottrop), Sportarenen (z.B. KölnArena), Brand/Corporate Lands (z.B. Autostadt Wolfsburg) und anderen zählen laut STEINECKE (2007, S. 127ff.) auch die Themenhotellerie (z.B. The Venetian) und die Erlebnisgastronomie (z.B. Hard Rock Café) zu den künstlichen Erlebniswelten. Aufgrund ihres breiten Angebotsspektrums werden die Erlebniswelten als Mixed-Use-Center bezeichnet.
Multifunktionalität, Thematisierung und Erlebnisorientierung stellen die Kennzeichen dieser neuartigen Angebotstypen dar. Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist der Kontrastwelt- bzw. Paradiescharakter. Erlebniswelten bieten eine Plattform für die Phantasien der Nutzer. Es geht nicht darum, ein Abbild der Wirklichkeit zu schaffen, sondern es soll das verwirklicht werden, was die Menschen sich in ihren Träumen vorstellen. Um es den im Alltag oft gestressten, gelangweilten und gesättigten Menschen zu ermöglichen, für einen bestimmten
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Zeitraum in eine andere, der Alltagsrealität ferne Welt zu entfliehen, sind bestimmte Maßnahmen erforderlich (vgl. KAGELMANN 2004, S. 78ff.): • Das Alleinstellungsmerkmal Einzigartigkeit, um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben,
• dauerhafte Attraktionen und wechselnde Events,
• den Gästen muss eine Kette von emotionalen Erlebnissen präsentiert werden, • Entertainment-Architektur,
• perfekter Service und ausgezeichnete Dienstleistungsqualität, • Sicherheitsvermittlung: Ein Gefühl der Sicherheit muss den Gästen, die sich auf eine kriminalitätsfreie Erlebniswelt einlassen, ebenso vermittelt werden wie das Vertrauen auf eine gleichbleibende Qualität,
• Thematisierung/Storytelling: Ein innovatives Thema, das in der gesamten Erlebniswelt beibehalten wird, intensiviert das Erlebnisgefühl.
Künstliche Erlebnislandschaften können durchaus interessanter und faszinierender sein als die realen Naturlandschaften. Wer kann es sich beispielsweise schon zeitlich und finanziell leisten, echte Krokodile in fernen Ländern zu beobachten? Und während das echte Krokodil langweilig vor sich hin döst, fesselt das Disney-Krokodil die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Es rollt mit den Augen, verschwindet unter der Wasseroberfläche, taucht wieder auf und macht bedrohliche Geräusche. Dieses Beispiel zeigt, dass die Erlebniswelt nicht zwingend dem Anspruch von Wahrheit und Wirklichkeit entsprechen muss, viel wichtiger ist es, den Erlebnishunger der modernen Gesellschaft zu befriedigen (vgl. OPASCHOWSKI 2000, S. 44ff.).
Auf diesen Prinzipien der künstlichen Erlebniswelten beruht auch der Erfolg der Themenhotels in Las Vegas. Die Thematisierung dient dazu, dem Gast einen Mehrwert in Form eines besonderen Erlebnisses zu vermitteln. Die Themen der großen Casinohotels sind daher so gewählt, dass sie die Sehnsüchte der heutigen Erlebnisgesellschaft widerspiegeln. Dabei dient sowohl die Konzentration der Attraktionen auf eine relativ geringe Distanz - wo sonst kann man innerhalb eines Fußmarsches von etwa einer Stunde so viele internationale Top-Sehenswürdigkeiten auf einmal bewundern - als auch die Darstellung einer Über-Wirklichkeit dem intensiveren Empfinden des Erlebnisses. Diese Hyperrealität (vgl. FREYERMUTH 2000, o. S.) wird dadurch erreicht, dass die Imitationen auf die Schattenseiten der Originale verzichten. So ist das Wasser der Kanäle im kopierten Venedig nicht trüb und übel riechend, sondern glasklar. Im Planet Hollywood Hotel kann ein stündlich inszenierter Gewittersturm betrachtet werden, ohne dass die Zuschauer dabei nass werden
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und im Straßenrandbereich des Mirage Hotels werden die Besucher Zeuge eines spektakulären Vulkanausbruchs, ohne dabei Lavamassen oder Ascheregen fürchten zu müssen. Selbst die Schwefelgerüche der pyrotechnischen Effekte werden durch einen wohl riechenden Piña Colada-Duft überlagert (vgl. HAHN 2005, S. 25 und THARLER 2006, S. 57). „Las Vegas hat sich zu einem Disneyland in der Wüste entwickelt.“ (HAHN 2005, S. 25) Gerade diese Perfektionierung der Wirklichkeit bietet aber auch eine hohe Angriffsfläche für die Gegner der Kunstwelten. Die Mehrzahl der Gegenargumente dreht sich um das Problem der Echtheit touristischer Erfahrungen. Vor allem die Ursprünglichkeit der authentischen Erfahrungen gehe nach Meinung der Kritiker verloren. Der Architekt Michael Sorkin kritisiert die architektonische Gestaltung der Themenlandschaften in Las Vegas und bezeichnet sie sogar abwertend als „Architektur der Täuschung“ (vgl. FREYERMUTH 2000, o. S.).
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3 DESTINATION LAS VEGAS
„Welcome to Fabulous Las Vegas!“ 2
Im Folgenden wird die Destination Las Vegas aus geographischer und touristischer Sicht vorgestellt. Zunächst wird ein landeskundlicher Überblick zur Einordnung der Stadt mit ihrem Umland in die Region Südwest-USA gegeben. Anschließend wird die touristische Entwicklung beleuchtet sowie die heutige Situation und zukünftige Potentiale im Tourismus aufgezeigt.
3.1 LANDESKUNDLICHER ÜBERBLICK
Der landeskundliche Überblick soll Einblicke in die geographische Lage und die geomorphologischen Hintergründe, in klimatische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlagen sowie in die Stadtgeschichte der Wüstenmetropole ermöglichen.
3.1.1 GEOGRAPHISCHE LAGE
UND
AUSDEHNUNG
Las Vegas befindet
sich im Südwesten der Vereinigten von Amerika inmitten der Mojave-Wüste. Im äußersten Süden des 36. amerikanischen Bundesstaates Nevada im Las Vegas-Valley gelegen wird die Stadt im Osten von den kahlen Bergen der Muddy Mountains, im Südosten
künstlich angelegten Lake Mead, im Süden durch die Black Mountains, im Westen von den Spring Mountains mit dem 3.630 m hohen Charleston Peak und im Norden von den Quartzite Mountains eingegrenzt. Die Kernstadt (City of Las Vegas) befindet sich auf 36°19‘ nördlicher Breite und 115°22‘ westlicher Länge auf einer Höhe von 616 m ü. NN und erstreckt sich über ein Gebiet von 340 km². Das Agglomerationsgebiet (MSA Las Vegas) umfasst neben der Kernstadt die Städte Boulder City, Henderson, Primm, Mesquite und
2 Der Satz „Welcome to Fabulous Las Vegas“ steht seit 1959 auf dem berühmten Schild, das 1959 von Betty Willis entworfen
wurde und seitdem den südlichen Beginn des Las Vegas Boulevard markiert (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).
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Quelle: REMMELE 2007, o. S.
Vergleich zum Strip immer noch
heruntergekommen wirkt, dem modernen Las Vegas Boulevard (besser bekannt als „Strip“) südwestlich der Downtown mit einer Vielzahl hypermoderner Hotel- und Kasinokomplexe und den seit einigen Jahren immer weiter ausufernden Vorortwohngürteln rund um die Stadt, besonders aber im Westen der Downtown. Die wirtschafts- und verkehrsgeographisch äußerst günstige Lage als Verkehrsknotenpunkt, vor allem aber die Nähe zum riesigen Ballungszentrum Los Angeles, hat seit etwa drei Jahrzehnten zu einem hohen kontinuierlichen Besucher- und Einwohnerzuwachs geführt. Nach Los Angeles und Dallas/Fort Worth besitzt Las Vegas mit 46,2 Millionen Passagieren pro Jahr (2006) den drittgrößten Verkehrsflughafen im Südwesten der USA. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Zuwachs von 5% festzustellen (vgl. AIRPORTS COUNCIL INTERNATIONAL 2007, o. S.). Der McCarran International Airport gilt als einer der modernsten und dynamischsten Flughäfen der USA. Mit fast 1.700 Starts und Landungen pro Tag rangiert er auf Platz sechs der Flughäfen mit dem weltweit höchsten Verkehrsaufkommen. Aufgrund des enormen Passagieraufkommens ist der Bau eines zweiten Flughafens ca. 30 km südlich der Stadt absehbar (vgl. ebd., o. S. und LVCVA 2007, S. 3).
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3.1.2 PHYSIOGEOGRAPHISCHE MERKMALE
3.1.2.1 Geomorphologie
Umgeben von der Mojave-Wüste befindet sich Las Vegas im Südwesten des Großen Beckens (auch Great Basin oder Range genannt). Diese geomorphologische Großregion mit einer Ausdehnung von etwa 540.000 km² ist eine sehr trockene Landschaft, die sich im Westen der USA zwischen der Sierra Nevada im Westen und der Wasatchkette im Osten erstreckt. Von der Nordgrenze Nevadas reicht das Große Becken etwa 1.600 km weit nach Süden bis zum Rio Grande. Das Great Basin ist kein eigentliches Becken, sondern ein riesiges Gebiet mit Gebirgen und Tälern ohne Abfluss ins Meer. Die Region ist das größte zusammenhängende trockene und halbtrockene Gebiet in Nordamerika (vgl. HARRIS 2003, S. 15ff.). Während sich im nördlichen Bereich
besonders viele Berge und Täler befinden, ist der Süden, in dem auch die Stadt Las Vegas liegt, durch große Wüstengebiete geprägt. Diese einzigartige Landschaft wurde in Millionen von Jahren durch die Subduktion der Pazifischen Platte unter die Nordamerikanische Platte geformt. Als Folge dieses Prozesses entstanden zum einen die deutlich sichtbaren Ausprägungen der amerikanischen Kordilleren, zum anderen aber auch kleinräumigere Vorgänge wie Vulkanismus, Überschiebungs-, Faltungs- und Bruchschollentektonik. Die Entstehung des Großen Beckens in seiner heutigen Form resultiert aus einer spättertiären Hebungsphase vor etwa 19 Millionen Jahren, in der eine Dehnung der Erdkruste des amerikanischen
Dehnung bewirkte tiefe Brüche und Störungen, aus denen Gebirgshorste und Gräben entstanden. Die große Zahl der parallel angeordneten Bergketten (z.B. die Spring Mountains im Westen von Las Vegas) und Becken (z.B. das Las Vegas-Tal) im Südwesten der USA ist die Folge dieser Bruchtektonik (vgl. HAHN 2002, S. 387 und BARETH 1998, S. 12). Im Folgenden wird die Entstehung der besonderen geomorphologischen Gegebenheiten, die das Las Vegas-Tal umgeben, erläutert. Dabei handelt es sich im Einzelnen um den Grand Canyon im Osten, den Red Rock Canyon im Westen der Stadt sowie das Death Valley, das Tal des Todes, an der Grenze zu Kalifornien.
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3.1.2.1.1 Der Grand Canyon und das Colorado-Plateau
Das Colorado-Plateau ist mit 1.500 bis 3.300 m das höchstgelegene Plateau der USA. Es erstreckt sich schüsselförmig vom Grenzgebiet Nevada-Arizona über den Norden Arizonas, den Südwesten Utahs und über Teile von New Mexico und Colorado (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 28).
Abb. 6: Colorado-Plateau
Quelle: NATIONAL GEOGRAPHIC 2005, o. S.
Das heutige Gebiet des Colorado-Plateaus war vor etwa zwei Milliarden Jahren zur Zeit des Präkambriums von einem Meer bedeckt, an dessen Grund sich Sand, Schlamm und Muschelkalke ablagerten. Aufgrund vulkanischer Aktivitäten wurden die oberen Sedimentschichten von Lava bedeckt, die tieferen Schichten versteinerten zu Sandstein und Schieferton. Tektonische Plattenverschiebungen bildeten Gebirge mit Brüchen, Verwerfungen, Rissen und Faltungen. Vor etwa 60 Millionen Jahren (vgl. TEUSCHL 2001, S. 55) begann sich das Colorado-Plateau zu heben, wobei die Sedimentschichten um mehr als 1000 m zum heutigen Plateau nach oben gedrückt wurden. Gleichzeitig wurde das Gebiet
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durch den Colorado River, den Green River und andere Flüsse abhängig von den Gesteinshärten der unterschiedlichen Schichten erodiert und es entstanden verschiedenste Canyonbildungen (vgl. PRESS/SIEVER 1995, S. 196).
Der berühmteste dieser Canyons ist der Grand Canyon, etwa 420 km östlich von Las Vegas gelegen. Der Grand Canyon ist eine steile, 450 km lange und bis zu 27 km breite Schlucht im Nordwesten des Bundesstaates Arizona (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 180), die im Laufe von Jahrmillionen vom Colorado River ins Gestein des Colorado Plateaus gegraben wurde. Die Erosionsform des Grand Canyons ist erdgeschichtlich gesehen relativ jung. Seit etwa sechs Millionen Jahren gräbt sich der Fluss in das sich immer noch hebende Colorado-Plateau ein, gleichzeitig sind die Sandsteinschichten an den Canyonwänden der Abtragung durch Wind, Niederschlag und Eis ausgesetzt. Im Gebiet des Grand Canyons ist die Schichtenfolge in getreppten Steilhängen in der über 1.500 m tiefen Schlucht sehr gut ersichtlich. Der Colorado River, der sich aufgrund endogener Hebungen in die Tiefe gegraben hat und immer noch gräbt, hat eine äußerst breite Canyon-Landschaft mit isoliert herausragenden Tafelbergen, „mesas“ genannt, und Insel- oder Zeugenbergen erschaffen, die aufgrund der unterschiedlichen Resistenz der Gesteinsarten verschiedene Höhen und Mächtigkeiten besitzen (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 30).
Die gewaltigste Schlucht der Erde ist Anziehungspunkt für eine Vielzahl von Touristen. Über vier Millionen Urlauber kommen jedes Jahr, um dieses atemberaubende Naturschauspiel zu erleben. Besonders in den frühen Morgen- und Abendstunden, wenn die Sonne über der Schlucht auf- bzw. untergeht, leuchten die Gesteinsschichten in spektakulären Grün-, Blau-und Rottönen. Neben der Aussicht werden den Touristen Rafting-Trips, Helikopterflüge, Maultierausritte und mehrtägige Wanderungen zum Boden der Schlucht angeboten. Die neueste Attraktion ist der Skywalk am Nordrand des Canyons, der die Möglichkeit bietet, mitten in die Schlucht hinaus zu
schreiten. Eine hufeisenförmige Stahlkonstruktion, die 22 Meter weit über eine fast senkrecht abstürzende hinausragt, Besuchern den freien Blick in die Erdgeschichte und auf den 1200 m Colorado BISSINGER 2007, S. 47f.).
3.1.2.1.2 Red Rock Canyon
Der Red Rock Canyon liegt nur wenige Meilen westlich von Las Vegas mitten in der Mojave Wüste. Das 800 km² große Naturschutzgebiet umfasst unzählige Schluchten, Felsnadeln und glühende Bergflanken. In diesem Terrain stehen mehrere Millionen Jahre alte Sandsteintürme und Kakteen in staubtrockener Erde. Die erosive Kraft des Windes hat hier unweit der Glitzerwelt von Las Vegas Wunderwerke geschaffen: Die Oberflächengestalt reicht von grauem Kalkstein aus dem Paläozoikum über versteinerte Dünen des hellroten Sandsteins aus dem Jura bis zu von eisenroten Spuren durchzogenen geologischen Formationen (vgl. BISSINGER 2007, S. 102).
Die spektakulären Gesteinsformationen (vgl. Foto 2) sind das Resultat des Keystone-Thrust-Fault, einer Verwerfung in der Erdkruste, bei der eine Gesteinsplatte direkt über eine andere gehoben wurde. Vor etwa 65 Millionen
Jahren begann die aus grauem Kalkstein bestehende Gesteinsplatte, die einst Meeresboden eines alten Ozeans war, sich über den rotbraunen Sandstein hinweg zu bewegen. Das Kernstück des Red Rock Canyon bildet eine mehr als 20 km lange und etwa 900 m hohe, nahezu senkrecht aufragende, Felswand. Schmelzwasser und Niederschläge haben den Fels entlang bestehender Vertiefungen und Risse im brüchigen Gestein ausgehöhlt (vgl. RRCIA 2006, o. S.).
3.1.2.1.3 Death Valley
Das Death Valley („Tal des Todes“) erstreckt sich im Osten Kaliforniens im Grenzgebiet zu Nevada und stellt eine etwa 230 km lange, bis zu 26 km breite abflusslose Senke dar. Das Tal liegt in der Mojave-Wüste östlich der Sierra Nevada und ist die trockenste Region der Vereinigten Staaten. 1994 wurde das Death Valley zum Nationalpark erklärt, das Parkgebiet umfasst neben dem eigentlichen Tal auch weite Teile des umliegenden Panamint Range-Gebirges mit Höhen von bis zu 3.368 m über NN. Rund ein Fünftel des Tal des Todes liegt unterhalb des Meeresspiegels, der tiefste Punkt Nordamerikas befindet sich mit 86 m unter NN am so genannten Badwater (vgl. U.S. NATIONAL PARK SERVICE 2008, o. S.). Die vor ungefähr 200 Millionen Jahren im Paläozoikum abgelagerten Sedimentschichten wurden infolge tektonischer Aktivitäten erst vor etwa 50 bis 5 Mio. Jahren zu einem Graben
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abgesenkt, während die umliegenden Bergketten zur gleichen Zeit durch Faltung und Vulkanismus entstanden sind. Auch heute noch kommt es in diesem Gebiet zu tektonischen Bewegungen, was Störungen im geologisch noch sehr jungen Vulkangestein am östlichen Grabenrand belegen. Die heutige Morphologie des Talbodens ist geprägt von Erosionsschutt der umgebenden Berge sowie von Terrassenbildung durch in Feuchtperioden des Quartärs entstandenen Seen (vgl. SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 30f.). Einer dieser Seen war der Lake Manly, der während der Eiszeit im Pleistozän vor etwa 50.000 Jahren das Death Valley füllte. Die Uferlinien und -terrassen des Lake Manly sind heute noch etwa 120 bis 150 m über dem Talboden zu erkennen. Nach der Verdunstung des Sees aufgrund des trockener und wärmer werdenden Klimas blieb ein Salzbecken in der Talsohle des Beckens zurück. Durch die hohe Verdunstungsrate und die tiefe Lage füllt der Salzsee auch heute noch große Teile des Death Valley aus (vgl. BARETH 1998, S. 126).
Das Tal des Todes ist nicht nur das tiefste, sondern auch das trockenste und heißeste Gebiet Nordamerikas. Das bisher gemessene Maximum liegt bei 57 Grad Celsius; der Ort Furnace Creek im Death Valley bekommt im
Jahresmittel nur 59 mm Niederschlag. Das Death Valley ist eine orographisch bedingte Wüste,
Niederschläge in dem in den mittleren Breiten liegenden Gebiet treten dadurch auf, dass die feuchtgesättigten Winde auf dem Weg von ihrem Sättigungsgebiet, dem Pazifischen Ozean, neben der hohen Gebirgskette der Sierra Nevada von vier weiteren Bergrücken abgehalten werden. Zusätzlich spielt auch der Föhneffekt eine
bedeutende Rolle. Nach dem Überwinden der Sierra Nevada sinken die Luftmassen auf der Leeseite des Gebirges ab, dabei kommt es zur Erwärmung und Austrocknung der Luft. Je weiter die Luft absinkt, desto mehr nimmt die Trockenheit zu. Der große Höhenunterschied zwischen dem über 3.350 m hohen Telescope Peak und dem 86 m unter Null gelegenen Badwater Point auf sehr kurzer Distanz (weniger als 25 km) ergibt einen besonders ausgeprägten Föhneffekt, weshalb das Death Valley zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Welt zählt (vgl. HAHN 2002, S. 380).
3.1.2.2 Klima und Vegetation
Das Klima in Las Vegas ist geprägt von Extremen: Durchschnittlich 320 Sonnentage im Jahr (vgl. LVCVA 2007, o. S.), Höchsttemperaturen von bis zu 46 bis 49 Grad Celsius in den
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Sommermonaten, extreme Trockenheit bei 3 bis maximal 12 mm Niederschlag pro Monat und mit 29% eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 190)! Über dem heißen Süden Nevadas bildet sich im Sommer aufgrund der permanent hohen Sonneneinstrahlung ein kontinentales, äußerst stabiles Tiefdruckgebiet in Bodennähe aus. Dadurch können die vom Pazifik kommenden feucht-warmen Luftmassen in das Gebiet vordringen und seltene, aber lokal äußerst heftige Gewitter mit Überschwemmungen verursachen. Im Winter verlagern sich die Tiefdruckgebiete weiter nach Norden, so dass die Niederschlagsmenge im Vergleich zum Sommer zunimmt. Dass die Niederschläge in Las Vegas dennoch im Jahresmittel nur bei geringen 109 mm liegen erklärt sich durch die Lage im Windschatten der hohen Gebirgsketten (vgl. BARETH 1998, S. 16). Aufgrund des sehr niedrigen Regenfalls ist die Region um das Las Vegas-Valley sehr trocken und heiß. Die geringe Niederschlagsmenge ist allerdings nicht breitengradabhängig, sondern eine Folge der Reliefenergie. Die vom Pazifischen Ozean kommenden feuchtigkeitsgesättigten Luftmassen werden durch das natürliche Hindernis der Sierra Nevada dazu gedrängt, aufzusteigen, um die hohe Gebirgskette zu überwinden. Beim Aufsteigen kondensieren die Luftmassen und die Niederschläge fallen auf der westlichen Gebirgsseite. Der von den Gipfeln der Gebirge nach Osten herab wehende Wind erwärmt sich durch das Absinken der Luftmassen, gleichzeitig nimmt die relative Luftfeuchtigkeit ab, woraus noch geringere Niederschläge resultieren. Las Vegas und die die Stadt umgebende
Mojave-Wüste liegen im Regenschatten der westlichen Gebirge, die von Westen stammenden Winde haben all ihre Feuchtigkeit abgegeben, lange bevor sie die Stadt erreichen (vgl. PRESS/SIEVER 1995, S. 316). Die sommerlichen Temperaturwerte liegen in Las Vegas bei ca. 30°C, das mittlere tägliche Maximum sogar bei knapp 40°C, wobei die Temperaturen im Jahresmittel nicht unter 19°C absinken. Im Winter dagegen sind durchaus Temperaturen von 5-7°C möglich, von November bis Februar kann sogar Frost auftreten, im Hochwinter (Januar) bis zu -10°C. Demnach beträgt die Differenz zwischen
dem wärmsten und dem kältesten Monatsmittel in Las Vegas 25°C (vgl. Abb. 7 und Tab. 1). Die Region um Las Vegas ist somit eine der trockensten und heißesten Gegenden der Vereinigten Staaten (vgl. BARETH 1998, S. 18).
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Tab. 1: Temperatur und Niederschlag in Las Vegas im Jahresverlauf
Quelle: Eigene Darstellung nach www.klimadiagramme.de (12.04.08)
In Abb. 8 werden die Klimaregionen Nordamerikas nach KÖPPEN dargestellt. Die Klimazonen spiegeln sich in klar abgrenzbaren Vegetationszonen wider. Nach dieser Karte liegt Las Vegas in der Klimazone Bwh, die einem heiß-trockenen Wüstenklimat mit Trockenzeit im Winter und einer mittleren Jahrestemperatur von über 18°C entspricht.
Abb. 8: Klimaregionen Nordamerikas
Quelle: SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 21 (nach BIRDSALL und FLORIN 1992)
In Abb. 9 sind die Vegetationszonen Nordamerikas dargestellt. Im Gegensatz zum Großteil Nevadas liegt Las Vegas in der Zone Dss, die durch Zwergstrauch- und Vollwüste gekennzeichnet ist. Entscheidend für die Ausprägung der Vegetation ist das Vorhandensein von Wasser. Aufgrund der äußerst geringen Menge an verfügbarem Wasser überwiegen im Las Vegas-Tal ausgedehnte Trockenbuschgebiete, Mischformationen von Grasländern und Kleinsträuchern sowie verschiedene Kakteenlandschaften.
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Abb. 9: Vegetationszonen Nordamerikas
Quelle: SCHNEIDER-SLIWA 2005, S. 22 (nach BIRDSALL und FLORIN 1992)
In der trockenen Beckenlandschaft im Südosten Nevadas überwiegen die Xerophyten, die sich gegen die hohe Verdunstung dadurch schützen, in dem sie kleine Blätter mit dicker Außenwand oder sogar nur als Dornen umgeformte Blätter ausbilden. Die Vielzahl wasserspeichernder Sukkulenten in der Mojave-Wüste, z.B. der Orgelpfeifen-Kaktus (Organ pipe), verschiedene Yucca-Arten oder die plüschigen Teddybear Chollas, haben sich der Dürre angepasst. An den Hängen der das Las Vegas-Valley umgebenden Bergketten überwiegt niedriges Buschwerk aus Wacholder, Nußkiefer, Wermutsträuchern und buschigem Gramagras, die der Vegetationsform Trockenbusch zugerechnet werden. Die untere, durch Trockenheit bedingte Baumgrenze liegt im Südwesten der USA bei etwa 1.500 bis 1.800 m über dem Meeresspiegel (vgl. BARETH 1998, S. 18).
Die klimatische Differenzierung spiegelt sich auch in der Verteilung der Böden wider. Nach BIRDSALL und FLORIN kennzeichnen das trockene Las Vegas-Tal ausschließlich Aridisole. Hierzu zählen sowohl die Wüsten- und Halbwüstenböden der Mojave, als auch die Solontschake, Salzböden, die sich in trockenen Klimaten mit hoch anstehendem, salzhaltigem Grundwasser entwickeln. Aridisole entstehen dort, wo über eine längere Zeit die Zufuhr größerer Wassermengen in den Boden ausbleibt. Aufgrund des harten, sandigen Bodens und des geringen Niederschlags ist die einzige effektive Landnutzung die nomadische Weidewirtschaft (vgl. STRAHLER/STRAHLER 1999, S. 539).
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3.1.3 STADTGESCHICHTE
3.1.3.1 Ureinwohner
Vor etwa 13.000 Jahren begann nach dem Ende der letzten Eiszeit die Besiedelung des nordamerikanischen Kontinentes. Sibirische Jäger zogen ihrer Beute hinterher und überschritten die damals noch bestehende Landbrücke bei der heutigen Beringstraße zwischen Ostrussland und Alaska. Infolge dieser ersten Einwanderungswellen siedelten sich erste Kulturen im Südwesten der USA an. Diese frühen Jäger und Sammler, die Vorfahren der späteren Indianer, werden zur Clovis-Jägerkultur gezählt, der ältesten allgemein anerkannten menschlichen Kultur in Amerika. Benannt wurde diese Kultur nach dem Ort Clovis im Norden New Mexicos, in dessen Umgebung als erste Hinweise auf diese Kultur charakteristisch geformte, fein gerillte Speerspitzen, mit denen sie vermutlich auf die Jagd nach Mammuts gingen, gefunden wurden (vgl. DIE INDIANER IN NORD-, MITTEL- UND SÜDAMERIKA 2006a, o. S.). Die ab ca. 10.700 v. Chr. folgende Folsom-Kultur dehnte ihren Lebensraum vom Südwesten der USA bis zu den Großen Seen aus. Diese Kultur verfügte bereits über ausgefeilte Jagdtechniken mit weiterentwickelten Speerspitzen. Diese beiden Kulturen trugen mit ihrem Jagdprinzip wesentlich zur Dezimierung des Mammutbestandes in Nordamerika bei. Nach dem Aussterben der Mammuts manifestierten sich in Südwest-USA verschiedene Übergangskulturen. Die bekannteste dieser Übergangskulturen ist die nach dem Fundort in Cochise County/Arizona benannte Cochise-Kultur, die Vorfahren der Hohokam- und Mogollon-Indianer (vgl. BARETH 1998, S. 30f.). Im Gebiet des heutigen Las Vegas ließen sich ab ca. 500 n. Chr. die Anasazi-Indianer nieder, deren Kultur um das Jahr 0 aus der Mogollon-Kultur und der Oshara-Kultur entstand. Die Anasazi lebten in oberirdischen Pueblo-Behausungen, meistens in Form zugemauerter Halbhöhlen oder unter Felsüberhängen, Cliff Dwellings genannt, sowie in Canyons. Diese frühen Wohnformen sind heute noch gut erhalten in Ostnevada, Utah, Arizona und New Mexico zu finden (vgl. DIE INDIANER IN NORD-, MITTEL- UND SÜDAMERIKA 2006b, o. S.).
Nach den Anasazi folgten nomadische Indianerstämme, vor allem die Paiute, Washoe und Shoshonen. Diese Stämme konnten in dem lebensfeindlichen Gebiet der Mojave-Wüste aufgrund ihrer Kenntnis der natürlichen Quellen des Gebietes längere Zeit überleben. Diese artesischen Quellen entstanden in prähistorischer Zeit, als der Süden Nevadas noch aus Marschland mit viel Wasser und üppiger Vegetation bestand. Im Laufe der folgenden Jahrtausende versiegten die Flüsse und zurück blieb eine trockene, von der Sonne ausgedörrte Landschaft. Die geologischen Formationen unter dem Las Vegas-Tal hatten jedoch genügend Wasser gespeichert, welches auf seinem Weg zum Fluss Colorado sporadisch an die Oberfläche trat (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 14).
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3.1.3.2 Gründung der Stadt Las Vegas
Im Jahr 1776 betrat der Missionar Francisco Garces als erster Europäer das Gebiet des späteren Las Vegas und entdeckte den „Spanish Trail“, den Spanischen Weg, der Santa Fé mit Los Angeles verbindet. Knapp 50 Jahre später wurde die Gegend um Las Vegas von spanischen Eroberern entdeckt (vgl. BISSINGER 2007, S. 126). 1829 geriet der Mexikaner Antonio Armijo, der mit seiner etwa 60 Mann großen Karawane auf dem Spanish Trail nach Los Angeles unterwegs war, ca. 160 Kilometer nördlich der heutigen Stadt in Wassernot. Nach tagelangem Ritt durch die Mojave-Wüste stießen die ausgesandten Kundschafter im fruchtbaren Umland des Colorado auf eine Wasserquelle, die heute als Las Vegas Springs bekannten artesischen Quellen. Die Entdecker nannten diese wasserreiche und fruchtbare Oase „Las Vegas“, was aus dem Spanischen übersetzt „Die Wiesen“ bedeutet (vgl. BRITTNER-WIDMANN/SCHRÖDER 2006, S. 37).
Foto 4: Las Vegas Springs (um 1900)
Quelle: CHUNG 2007, S. 6
Als im Jahr 1844 der berühmte Entdecker, Pfadfinder und Forscher John Fremont die Oase aufsuchte und über sie in seinen Forschungen schrieb, weckte er damit erstes Interesse an dem Tal. Bisher war Las Vegas vor allem der ortsansässigen indianischen Bevölkerung und den spanischen Pionieren und Missionaren bekannt. Nach Ende des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges (1846-1848) musste Mexiko das Gebiet des späteren Nevadas an die USA abtreten. Der größte Teil dieses Gebietes geriet unter die Verwaltung von Utah, das Las Vegas-Tal unter die von New Mexico. Nach der Teilung des Staates New Mexico fiel Las Vegas zunächst ins nun neue Territorium Arizona, wurde allerdings vier Jahre später 1867 an den Nachbarn Nevada abgegeben (vgl. BISSINGER 2007, S. 126). Hier errichtete der Mormone William Bringhurst mit 29 weiteren Missionaren aus Utah im Juni 1855 ein kleines Fort aus ungebrannten Lehmziegeln, das allerdings aufgrund häufiger Indianerüberfälle und dem Scheitern der Übernahme indianischer landwirtschaftlicher Techniken 1858 wieder aufgegeben wurde. Dieses Fort stellt die erste nicht-indianische Besiedlung in der Region Las Vegas dar (vgl. KATZ/TILFORD 2007, S. 15 und NEVADA STATE PARKS o. J, o. S.). 1865 erwarb Octavius Gass das Grundstück mitsamt dem Mormonenfort und errichtete dort
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eine große Ranch, um Reisende mit Vorräten zu versorgen. Als Gass 1881 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wechselte das Grundstück an die neuen Besitzer Archibald und Helen Stewart. Obwohl Helen Stewart nach dem Tod ihres Mannes 1884 die Farm erfolgreich bewirtschaftete und erweiterte, verkaufte sie unter dubiosen Umständen 1902 das ganze Land an den korrupten Eisenbahn-Tycoon und Senator des Bundesstaates Montana William A. Clark (vgl. THARLER 2006, S. 9). Nachdem im Las Vegas-Tal wertvolle Metalle entdeckt wurden, begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bergbau in der Region. Dies und das Wirtschaftswachstum in Los Angeles, aus dem ein zunehmender Handelsverkehr in Richtung Salt Lake City, Chicago und New York resultierte, führte dazu, dass die Bahnstrecke zwischen Südkalifornien und Salt Lake City fertiggestellt und in Las Vegas eine Eisenbahnstation angelegt wurde. Dank seiner enormen Wasservorkommen war Las Vegas der ideale Ort zum Rasten und Auftanken der Wasserdampfloks (vgl. HAHN 2002, S. 350).
Foto 5: Rekonstruktion der Stewart-Ranch
Quelle: Eigenes Foto 2008
Zur eigentlichen Stadtgründung kam es, als am 15. Mai 1905 in einer Landauktion das 110 ha große Landstück zwischen der Stewart Avenue im Norden, Garces Avenue im Süden, Main Street im Westen und 5th Street (heute Las Vegas Boulevard) im Osten, das der Union Pacific Railroad gehörte und auf dem die Bahnarbeiter vorübergehend gelebt hatten, an einem Tag versteigert wurde. Zusätzlich beschloss die Bahngesellschaft, weitere 1.200 Parzellen Farmland zu verkaufen. Die Nachfrage war groß, denn im Jahr zuvor wurde in der Gegend um das Tal Gold gefunden. Las Vegas, das bisher im Wesentlichen aus der Stewart-Ranch bestand, wurde über Nacht zur Stadt. Im selben Jahr wurde bereits mit dem „Las Vegas Hotel“ das erste Hotel der Stadt errichtet (vgl. WRIGHT o. J., S. 6 und BISSINGER 2007, S. 126). Die am weiteren Ausbau der Eisenbahn beteiligten Unternehmen nutzten Las Vegas als zentrales Lager und Schlafmöglichkeit, was einen ersten Bevölkerungsschub bewirkte. Für diese Arbeiter wurden im Bereich der heutigen Downtown die ersten Saloons und primitiven Spielhöllen errichtet. Im Bahnhof, der an der Stelle des heutigen Plaza Hotels stand, wurde einige Jahre später für die Kunden der Bahn das erste
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Hotel mit Casino eröffnet. 1911 erhielt Las Vegas als erste Stadt in Nevada offizielles Stadtrecht und seine erste Gründungsurkunde. Obwohl die Stadt zu dieser Zeit auf 50 km² erst 1.500 Einwohner zählte, war Las Vegas aufgrund des Glücksspiels bereits so bekannt, dass sich der Staat Nevada gezwungen sah, das Glücksspiel zu verbieten (vgl. BRITTNER-WIDMANN/SCHRÖDER 2006, S. 37).
Das Wachstum und die wirtschaftliche Prosperität dauerten etwa bis zum Jahr 1917 an, als sich die ersten Krisen der Eisenbahnindustrie abzuzeichnen begannen. Allgemeine Rezession, Arbeitnehmerstreiks im ganzen Land und erste Anzeichen der Weltwirtschaftskrise führten Las Vegas in eine depressive Phase. Erst der Beschluss zur Erbauung des Hoover-Staudamms 1930 änderte diese trübe Stimmung (vgl. BETGAMES.DE 2008, o. S.).
Da das „Anti-Gambling-Law“ vor allem das illegale Glücksspiel forcierte, wurde das Gesetz im Jahr 1931 wieder aufgehoben und das Glücksspiel legalisiert. Dies geschah genau im rechten Moment, denn im selben Jahr begann der Bau des Hoover Dams im Black Canyon, der für einen Zustrom von mehreren tausend spiellustigen Bauarbeitern sorgte. Mit dem Dammbau verbunden war ein wirtschaftlicher Aufschwung nach der großen Depression, der die Einwohnerzahl innerhalb eines Jahres von 5.165 (1930) auf 7.500 ansteigen ließ (vgl. BISSINGER 2007, S. 127).
3.1.3.3 Vom ersten Hotel zur heutigen Entertainment-Metropole
Infolge des durch Dammbau und Glücksspiel bedingten Aufschwungs beginnt das touristische Interesse an Las Vegas stark zu wachsen, was die Gründung von weiteren Casinos und Freizeitangeboten mit sich zog. 1940 hatte Las Vegas mittlerweile 8.500 Einwohner, von denen ein großer Teil im Zuge des Zweiten Weltkrieges durch die Ansiedelung der Rüstungsindustrie ins Las Vegas-Tal kam. Die isolierte Lage, reichliches Wasservorkommen und günstige Energie waren ideale Standortfaktoren für die Rüstungsindustrie, die bis heute nach dem Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Region ist (vgl. BISSINGER 2007, S. 127). Am 03. April 1941 eröffnete das El Rancho Vegas mit 63 Zimmern als erstes Hotel am Las Vegas Boulevard, dem so genannten Strip. Im gleichen Jahr wurde in Downtown Las Vegas das El Cortez Hotel geöffnet, welches allerdings 19 Jahre später durch ein Feuer zerstört wurde. Ein Jahr später, am 30. Oktober 1942, eröffnete bereits das zweite Hotel am Strip, das Last Frontier. Das Hotel mit integrierter Casinoanlage, das später zunächst in „Frontier“ und anschließend in „New Frontier“ umbenannt wurde, war einem alten Westernsaloon nachempfunden (vgl. LVCVA 2007, S. 1).
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Tourismusgeograph Daniel Steffens, 2008, Viva Las Vegas! - Die Entwicklung des Tourismus in Las Vegas unter besonderer Berücksichtigung der Themenhotels, München, GRIN Verlag GmbH
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