Inhaltsverzeichnis
VORWORT 4
DIE NEUE SITUATION 5
DAS NEUE SEHEN 6
DIE NEUVERTEILUNG DER ROLLEN 8
DIE NEUEN FOTOGRAFINNEN 11
AENNE BIERMANN - „NEUE FOTOGRAFIN“ UND „NEUE FRAU“ 11
BILDBETRACHTUNGEN 15
BIBLIOGRAPHIE 22
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Vorwort
In der vorliegenden Arbeit skizziere ich die veränderte politische und wirtschaftliche Situation Deutschlands um daraus die Entwicklung eines Neuen Sehens und eines neuen Rollenverständnisses der Geschlechter abzuleiten. Beide Bewegungen verliefen parallel und waren niemals homogen. Ich werde auf die Entwicklung des Neuen Sehens/ der Neuen Fotografie in den Zwanziger Jahren eingehen.
Von vielen Seiten wurde der Versuch unternommen das Bild der Neuen Frau festzuschreiben. Mit dem Ergebnis, das Kategorien und Klischees erschuf, die dem neuen Kulturideal nur oberflächlich gerecht wurden. Dennoch werde ich in dieser Arbeit mit diesen Kategorien arbeiten, da sie für meine Zwecke ausreichend erscheinen. In einem weiteren Abschnitt werde ich den Beruf Fotografin näher beleuchten um dann das Leben und einige Werke der Künstlerin Aenne Biermann unter den Gesichtspunkten der Neuen Fotografie und dem veränderten Geschlechterverständnis zu betrachten.
Die erste deutsche Republik, eine Zeit des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs, wurde von vielen Frauen als hoffnungsvoller Übergang in eine liberale Zukunft erlebt. In diesen Jahren der aufbrechenden sozialen Hierarchien suchten und fanden zahlreiche Fotografinnen Zugang zu den neuen, sich erweiternden Bereichen fotografischer Tätigkeit. Die Kamera ermöglichte nicht nur eine neue Chance zur Berufstätigkeit für Frauen, sondern bedeutete auch gleichzeitig ein mögliches Instrument zur gesellschaftlichen Teilnahme (vgl. Eskildsen 1994).
Ein wichtiger, meist vernachlässigter Zweig der Fotografie ist jenen unzähligen, meist unbekannten AmateurfotografInnen zu verdanken, die sich dem fotografischen Kunsthandwerk widmeten und mit ihren Produkten selten einem vorgegebenem Regelkanon entsprachen. Dennoch spiegeln sie die Eigenheiten und Besonderheiten der Fotografie wider oder betonen sie auf besondere Weise. In Ausstellungen oder Veröffentlichungen ist dem heutigen Betrachter aus der unabschätzbaren Masse an Fotografien nur ein Bruchteil an Aufnahmen zugänglich (vgl. Frizot 1998).
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In diesem Zusammenhang sind die ersten Aufnahmen Aenne Biermanns zu sehen. Als Tochter aus reichem Haus heiratete sie einen wohlhabenden, sozial angesehenen Kaufhausbesitzer und musste sich über Geld nie Gedanken machen. Die vielen Angestellten, die die tägliche Hausarbeit und die Versorgung der Kinder übernahmen, ermöglichten ihr einen hohen Grad an Freizeit. Ob dies möglicherweise ein Grund für den Beginn ihrer Beschäftigung mit der Fotografie war, bleibt offen. Auslösendes Moment waren mit großer Sicherheit die Geburten ihrer Kinder.
Seit 1992 wird der Aenne- Biermann- Preis für deutsche Gegenwartsfotografie
ausgeschrieben und verliehen. Dieser Preis gehört zu den renommiertesten Preisen für Gegenwartsfotografie (vgl. Rüdiger 1998)
Aenne Biermann schuf ihr künstlerisches Werk innerhalb weniger Jahre in Gera. Der Großteil ihres Werkes gilt als verschollen. Einige Arbeiten werden in Museen der Stadt Gera aufbewahrt und andere befinden sich in Geraer Privatsammlungen. 1988 wurde eine große Retrospektive des fotografischen Werkes im Museum für Angewandte Kunst Gera gezeigt, die vom Folkwang- Museum in Essen unter der Regie von Ute Eskildsen veranstaltet wurde.
Die neue Situation
Als der Erste Weltkrieg ausbrach war Deutschland eine bedeutende Industrie- und Weltmacht. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg brach die politische, soziale und wirtschaftliche Ordnung in Deutschland zusammen. Nach schweren Notjahren, die von Inflation und politischen Ereignissen geprägt waren, begannen um das Jahr 1924 bessere Zeiten. Mit Hilfe von Geldern britischer und amerikanischer Banken gelang es Deutschland sich zu stabilisieren. Durch diese Anleihen ging es auch wirtschaftlich bergauf. Das Produktionsvolumen stieg zwischen 1924 und 1929 um 50%. Die Jahre zwischen der Sanierung und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise werden häufig als die „goldenen Zwanziger“ bezeichnet.
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Das Neue Sehen
„Aus dem erweiterten Bewusstsein für die ästhetischen Möglichkeiten der geometrischen Form, sei es an der Maschine, sei es am Bau, entstand in Deutschland eine avantgardistische Richtung der Fotografie, die häufig als „neues Sehen“ apostrophiert wurde.“ (van deren Coke 1982, S.8)
Die neuen Entwicklungen in der Fotografie der 20er Jahre brechen mit den traditionellen Sehweisen, erschließen neue Themen- und Anwendungsbereiche. Bereits 1920 zeichneten sich neue Einsatzgebiete für die Fotografie ab, z.B. in der Werbung und dem Journalismus. Die „neuen“ FotografInnen erfanden neue Verwendungsmöglichkeiten für die neuartigen Kameras und lichtempfindlichen Filme, die in den 20er Jahren in Deutschland eingeführt wurden. Der spontane Gebrauch der Kamera selbst in bewegten, turbulenten Szenen war ein großer Fortschritt, der neue Sujets erschloss und damit das Themenspektrum erweiterte. Die Industriefotografie, die sich mit den technischen Errungenschaften beschäftigte, entwickelte sich.
Ein neues Selbstbewusstsein und Vertrauen in die Fotografie als künstlerisches Medium und angesehenen Berufszweig entstand. Der Bedarf an Fotos stieg, sei es in der Werbung, Wirtschaft, Handel oder im privaten Sektor. Durch die neue Freiheit zu Experimentieren eröffneten sich neue Räume und Möglichkeiten.
Als die beiden Pioniere bei der Durchsetzung des „neuen Sehens“ bezeichnet van deren Coke Làszlò Moholy-Nagy und Albert Renger-Patzsch in dem von ihm herausgegebenem Buch „Avantgarde-Fotografie in Deutschland: 1919-1939“. Er betont an späterer Stelle, dass neben diesen beiden auch viele andere FotografInnen wichtige Beiträge leisteten. Moholy erkannte die vielfältigen Möglichkeiten, die die Fotografie in sich barg. Er war der Meinung, die Fotografie müsse sich über die allgemein respektierten, tradierten Grenzen hinwegsetzen und die Kamera und den Film als vielseitiges Mittel zur Erzeugung von Bildern mit Hilfe von Licht betrachten. Er sah in der Kamera und im lichtempfindlichen Papier Mittel, um einer breiten Öffentlichkeit auf neue Weise seine Auseinandersetzung mit der Zeit vorzuführen. Moholy nutzte die Erkenntnis, dass die Kamera den Blick einengte und vertraute Formen so verändern kann, so dass sie plötzlich neu erscheinen. Er bestimmte das Medium
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Arbeit zitieren:
Nicole Schulze, 2002, Das neue Sehen - Die neuen Frauen - Die neuen Fotografinnen - Bildbetrachtungen Aenne Biermann - Neue Fotografin, Neue Frau, München, GRIN Verlag GmbH
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