Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 2
1. EINLEITUNG 3
2. DIE GESCHICHTE ÄTHIOPIEN 4
3. DIE ENTSTEHUNG DES CHRISTENTUMS UND SEINER KIRCHE 6
3.1. Die Kirche und die Bildung 6
3.2. Die Struktur der Kirche 7
4. DIE KREUZE 7
4.1. Das Vortragskreuz 8
4.2. Das Handkreuz 12
4.3. Das Anhängerkreuz 15
5. DIE MATERIALIEN 16
6. DIE HERSTELLUNG 17
7. LITERATUR 18
8. ANHANG 19
1. Einleitung
Die Themen der äthiopischen Kunst stammen vorwiegend aus dem religiösen Bereich. Es gibt sehr viele dem europäischen Betrachter bekannte Darstellungen, dazu besitzen die Äthiopier auch eigene Themen und Heilige, es werden außerdem noch einige Szenen und Figuren abgewandelt und bevorzugt. Die Kunst „ist volksnah und weithin bäuerlich und dient der religiösen Belehrung und Begeisterung." (Raunig 1973: 17) Kruzifixe haben in der äthiopischen Kunst schon eine lange Tradition. Im Gegensatz zu den restlichen Gebieten in Afrika, in welchen das Christentum meist durch Europäer gelangte, war Äthiopien schon seit dem 4. Jahrhundert christlich. Auf diese lange Tradition wurden sich auch später, in der Zeit der Missionierungen, berufen und es entstand auch dort ein Christentum, welches vor dem europäischen Christentum autonom wurde. Die erste Kreuzdarstellung war auf den Münzen von König Ezana abgebildet. Da Äthiopien auch lange Zeit vom christlichen Europas abgegrenzt war entwickelte sich in diesem Land auch ein eigener Kreuzkult, denn „kein anderes Volk hat so viel Phantasie und Glaubensinbrunst in die Darstellung des Kreuzes gelegt, wie jene äthiopischen Bauer und Krieger, ... " (Raunig 1973: 19). Die äthiopischen Kreuze sind im Vergleich zu den europäischen viel formenreicher, teilweise so stark verziert und in solch außergewöhnlicher Form, dass es für uns manchmal schwierig wird überhaupt ein Kreuz zu erkennen. Aber genau dies macht diese Kreuze so interessant. In den folgenden Texten habe ich versuch das wichtigste über die Kreuze in Äthiopien zusammen zutragen, was teilweise schwierig wurde, da in den Büchern über Christentum in Afrika meist nur auf die Religion eingegangen wird und in Büchern über Kunst in Afrika überwiegend traditionelle Kunst erläutert wird und weniger die christliche.
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2. Die Geschichte Äthiopien
Äthiopien gehört mit zu den ältesten Wohngebieten der Menschheit. um 700 v.Chr. sind Sabäer von Saudi-Arabien über das Westufer des Roten Meeres nach Äthiopien gekommen und gründeten im Hochland des heutigen Nordäthiopien das aksumische Reich. Sie wurden stark von den Einwohnern dieser Gegend beeinflusst und so entwickelte sich aus der semitischen Sprache eine neue Sprache, das Ge'ez oder Äthiopisch. Ge'ez wird auch oft das Latein Äthiopiens genannt, da es die Wurzel einer ganzen Sprachfamilie bildet, von ihr stammt auch das Amharisch ab, die offizielle Sprache des heutigen Äthiopiens. Das Neugegründete Reich hatte seine Blütezeit vom ersten bis zum zehnten Jahrhundert n.Chr. Es betrieb Handel mit vielen Ländern meist über den Seeweg, der Haupthandelspartner war Ägypten, aber auch Arabien, Indien und Persien, was man aus dem "Periplus des Erythräischen Meeres“, einen Handelshandbuch aus frühchristlicher Zeit, entnehmen kann. Außerdem hatte das aksumitische Reich auch einen hohen technischen Stand erreicht. Auch in die Zeit des aksumitischen Reiches fiel die Bekehrung zum Christentum, ca. 330 n. Chr. (Raunig 1973:23) oder um 360 n. Chr. (nach Thiel 1984). Das Christentum fasste dann auch sehr schnell Fuß in Äthiopien, im 6. Jahrhundert zählte es der griechisch-ägyptische Schriftsteller Cosmas Indicopleustes zu der frühchristlichen Welt. Trotz der raschen Verbreitung der neuen Religion bestand immer eine Koexistenz mit anderen Religionen, wie dem Islam und dem Judentum. Der starke jüdische Einfluss zeigt sich heute noch. In jeder Kirche befindet sich ein Tabot welch sehr an die Bundeslade erinnert. Im 10. Jahrhundert setze dann der Zerfall des aksumitischen Reiches ein und die politische Macht verlagerte sich weiter in das Landesinnere, das zum Großteil schon christlich war. Im 12. und 13. Jahrhundert regierte die Zagwe - Dynastie in der Provinz von Lasta. Der bekannteste Herrscher dieser Dynastie war Kaiser Lalibela, sein Regierungssitz befand sich der der Stadt Roha, welche später nach ihm benannt wurde. Zu seiner Zeit war Lalibela christliches Zentrum, in dem nicht nur bemerkenswerte Felsenkirchen errichtet wurden, sondern auch ein eigener Kreuztyp entstand (siehe Bild 1). Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde der letzte Herrscher der Zagwe - Dynastie abgesetzt und ein Herrscher der Provinz Schoa bestieg den Thron. Kaiser Yekuno Amlak behauptete von König Salomon und der Königin von Saba, die nach Überlieferungen Äthiopien verließ, um von der Weisheit des biblischen Herrschers zu lernen, abzustammen. Auch leitete Kaiser Haile Selassie, der bekannteste Kaiser von Äthiopien, seine Abstammung von dieser berühmten Linie her. Seit dieser Zeit bestand die Regelung, dass der Abuna, Oberhaupt der äthiopischen Kirche, ein
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Ausländer sein musste. Meist war dies ein Ägypter, von der Kirche von Alexandrien geweiht. Die neue Herrschaftsperiode brachte auch ein
Wiederaufblühen der Literatur mit sich, was man auf den zunehmenden Einfluss und Reichtum der Kirche zurückführen kann. Auch die Kebra Nagast (dt.: Herrlichkeit der Könige) wurde in dieser Zeit von Ishaq in Ge' ez geschrieben. Sie beinhaltet die legendenhafte Geschichte des Besuches der Königin von Saba bei König Salomon. Im Mittelalter, ab der Regierungszeit von Kaiser Yekuno Amlaks, war Äthiopien eine Agrazivilisation. Die Herrscher dieser Periode hatten keinen festen Regierungssitz, sondern reisten die meiste Zeit in Zeltlager durch ihr Land. Man versuchte auch vermehrt diplomatische Beziehungen mit den christlichen Ländern Europas herzustellen, da man sie als verbündete im Kampf gegen den muselmanischen Nachbarn betrachtete. Was sich im frühen 16. Jahrhundert als sehr nützlich erwies, denn in dieser Zeit wurde ein Großteil des christlichen Hochlandes von Ahmad Ibn Ibrahim EI Ghazi, einen muselmanischen Krieger mit dem Spitznamen Gran der Linkshänder überrannt, welcher schließlich 1543 mit Hilfe portugiesischer Truppen geschlagen wurde. Dieser Krieg leitete einen neuen Abschnitt in der Geschichte Äthiopiens ein, denn ab dieser Zeit versuchten die Herrscher viele Bündnisse mit dem Ausland zu schließen, was seinen Höhepunkt im 17. Jahrhundert fand, in dem einige portugiesischen Jesuiten ihre Missionstätigkeit in Äthiopien begannen. Sie brachten indische Künstler mit, die ihre Einflüsse in Gebäuden und auch in der Malerei dieser Zeit hinterließen. Diese Zeit endete jedoch abrupt, als Kaiser Fasilides 1623/1633 die Jesuiten vertrieb, um so die Selbständigkeit des äthiopischen Glaubens zu sichern. Im Jahr 1636 begann mit der Gründung der Stadt Gondar eine neue Epoche in der äthiopischen Geschichtsschreibung. Sie war zwei Jahrhunderte Hauptstadt und politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. In dieser Epoche beabsichtigten die Herrscher engere Verbindung mit dem Osten und lehnten den Kontakt mit dem katholische Europa ab. Auch künstlerisch ist die Periode von Bedeutung, in ihr erhielten die Gemälde nicht nur eine naturalistischere Prägung sonder es wurde auch eine neue Kreuzform entwickelt (siehe Bild 2 und Bild 3). Später setzeein Bürgerkrieg ein, in dem die einzelnen Provinzherren mehr an Macht gewannen und die Provinzen immer autonomer wurden, was dazu führte, dass sie sich gegenseitig zerstören wollten. Diese Zeit der Provinzherrschaften dauerte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, auch wenn drei Kaiser versuchten Äthiopien wieder zu vereinen und zu erneuern. Erst unter Menelik 11. (1889-1913) wurde das Reich auch von Europa anerkannt.
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3. Die Entstehung des Christentums und seiner Kirche
Nach einer Geschichte von Rufmus Tyranius, einen Theologen aus dem 4. Jahrhundert, fand die Bekehrung zum Christentum im 4. Jahrhundert statt, durch den schiffbrüchigen griechischen Christen Frumentius. Er erzählt von Meropius einem christlichen Händler oder wie er ihn nennt, einen Philosophen aus Tyrus, der mit seinen zwei Schülern, Frumentius und Ädesius auf den Rückweg einer Indien - Reise war und an der Küste Äthiopiens anlegten, um Wasser aufzunehmen. Als Vergeltungsmaßnahme gegen das oströmische Reich wurde das Schiff beschlagnahmt, Meropius wurde ermordet und die beiden Schüler wurden gefangen genommen und zum König gebracht. Er macht Ädesius zu seinem Kelchträger und Frumentius zu seinem Schatzmeister und Sekretär. Sie erfreuten sich größter Ehren und tiefster Zuneigung beim König. Jener starb sehr bald und stellte den beiden frei zu gehen, doch die Königin bat sie zu bleiben bis ihr Sohn alt genug sei. In dieser Zeit sammelte Frumentius christliche Händler um sich und förderte auf jede mögliche Weise das Wachstum des Christentums. Als der Thronfolger alt genug war ging Ädesius zurück nach Tyrus und Frumentius nach Alexandrien. Frumentius unterrichtete den Patriarchen Athanasius über seine Arbeit und bat ihn einen Mann als Bischof für die Christen nach Äthiopien zu schicken und er schickte ihn. So kehrte Frumentius als erster, christlicher Bischof in das aksumitische Reich zurück. Er wird noch bis auf den heutigen Tag als Abba Salama (dt.: Vater des Friedens) von der äthiopischen Kirche verehrt. Auf die Bekehrung zum Christentum folgt innerhalb eines Jahrhunderts die Übersetzung der Bibel aus den Griechischen in die Ge' ez - Sprache.
3.1. Die Kirche und die Bildung
Die Kirche im christlichen Äthiopien war Jahrhunderte lang „die Beschützerin althergebrachter Kultur wie auch Hauptpatronin der Künste" (Raunig 1973: 29). Wie auch im christlichen Europa, waren sie nicht nur Zentrum der Wissenschaft, sondern auch Mittelpunkt der künstlerischen Produktion. In den äthiopischen Kirchen gab es mit den Kirchenschulen eine einzigartige Einrichtung, sie glichen den Schulen in Europa im Mittelalter nur darin, dass sie auch ein religiös ausgerichtetes Lehrziel verfolgten. Am Anfang des Studiums stand das Lernen von Lesen Schreiben und das Auswendiglernen von ausgewählten Bibelstellen. Viele Studenten brache nach diesem das Studium ab und wurden Bauern, Soldaten oder Staatsmänner, aber jene die weiter machten wurden in traditionellen Wissenschaften unterrichtet, wie zum Beispiel Musik, Dichtkunst, Theologie und Philosophie. Sie wurden auch in praktischen Dingen, wie Speerwurf, Reiten und Schwimmen, unterrichtet. Auch die
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Bauernbevölkerung erfuhr durch die Kirche ihre Erziehung, manche Väter schickten ihre Kinder in Klöster und andere wiederum gingen für ihre Bildung betteln. Die Erziehung in den Kirchenschulen war völlig gratis, die Studenten mussten mit dem Sack Erbsen oder Mehl, den er mitbrachte die ganze Studienzeit auskommen, wenn dies nicht reichte, musste er betteln gehen.
3.2. Die Struktur der Kirche
In der Hierarchie der Äthiopischen Kirche steht an oberster Stelle der Abuna, welche viele Jahre vom Patriarchen von Alexandrien konsekriert wurde und somit immer ein Ausländer war. Bis Kaiser Haile Selassie am 28. Juni 1959 erreichte, dass der Erzbischof von Schoa zum 'Patriarchen und Katholikos Äthiopiens' konsekriert wurde und somit die Kirche Äthiopiens unabhängig wurde. Weiterhin gibt es neben dem Abuna noch die Mönche bzw. Nonnen, die verheirateten Priester und den Stand der Debteras. Die Debteras haben keine Weihe, waren aber mit dem Abschreiben und Vorlesen der Texte vertraut. Sie waren auch kundig im Anfertigen von Amuletten, in Gebets- und Zauberrollen und der der Heilkraft von Pflanzen.
4. Die Kreuze
Kreuze haben im Christentum Äthiopiens eine lange Tradition, sie werden nicht nur bei den verschiedenen Feiern dem Volk vorgeführt, sondern haben auch ein eigenes nationales Fest, das Masqal, das Fest der Kreuzauffindung. Die Geschichte der Kreuzdarstellung in Äthiopien beginnt im 4. Jahrhundert bei König Ezana, er ließ griechische oder lateinische Kreuze manchmal mit, manchmal ohne leicht geschweiften Armen auf die Münzen prägen. Es gibt auch Münzen, auf denen das Kreuz von einem Kreis eingeschlossen wird. Dennoch ist nicht viel über die Kreuze in den ersten Jahrhunderten bekannt, da nur sehr wenige erhalten sind, die man mit Sicherheit vor das 11. Jahrhundert datieren kann. Die Datierung bei den Kreuzen ist sowieso sehr schwierig, da in späteren Epochen häufig altere Kreuze nachgeahmt wurden oder die Informationen über das Kreuz beim Wechsel der Besitzer verloren ging. Es gibt aber vier wesentliche Datierungsmethoden:
"a) Viele Kreuze, besonders Vortragskreuze, wurden einer Kirche oder einem Kloster gespendet. Der Stifter ließ die Tatsache oft in Form einer Inschrift auf dem Kreuz festhalten. Wenn der Stifter ein Herrscher oder sonst eine historisch bekannte Person war, so kann die Inschrift das Kreuz ziemlich genau datieren. Manchmal fügte der Stifter den Namen des Herrschers als Hinweis auf das Datum bei, zum Beispiel in der Inschrift „gestiftet zur Zeit des
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Königs Tekle Giyorgis“.
b) Im Laufe der Jahrhunderte unterlag die Ge'ez - Schrift gewissen Veränderungen, und dies macht es einem Spezialisten möglich eine Inschrift zu datieren. Diese Methode kann aber natürlich nur eine sehr grobe Datierung ermöglichen.
c) Äthiopische Malerei, deren Chronologie ziemlich verlässlich ist, zeigt oft Heilige oder andere Gestalten mit Kreuzen in der Hand. Wenn auch die Gemälde nie sehr realistisch waren, so können daraus doch Schlüsse auf die jeweils übliche Form der Kreuze gezogen werden.
d) Wo ein Kreuz mit figuralen Darstellungen verziert ist, kann ein Vergleich mit der Malerei oft bei der Datierung helfen. Es ist natürlich immer möglich, dass ein graviertes Muster später hinzugefügt wurde oder dass ein Gemälde aus früherer Zeit kopiert wurde, aber anderes Beweismaterial deutet darauf hin, dass dies nicht oft der Fall war." (Raunig 1973: 68) Da es sich bei der Kreuzherstellung um eine traditionelle Kunst handelt, in der Formen mit bestimmten charakteristischen Merkmalen über eine längeren Zeitraum hergestellt wurden formen sie ein System mit den verschieden Eigenheiten jeder Epoche und somit können auch undatierte Kreuz eingeordnet werden. Man unterscheidet die Kreuze in drei Gruppen: 1.das Prozessionskreuz oder Vortragskreuz 2.das Segenskreuz oder Handkreuz 3.das Halskreuz oder Anhängekreuz
Manchmal wird auch von vier Gruppen gesprochen, dann werden die. Holzkreuze einer eigenen Gruppe zugeordnet, da Holz eine ganz andere Herstellungstechnik erfordert als das Gießen von Metall.
Im äthiopischen Christentum herrscht eine Vielzahl von Kreuzformen, wie in keinem anderen christlichen Land. Die Kreuze sind weniger mit Perlen und Steinen verziert, sondern mehr mit Ranken, Bänder und Ornamenten. Durch ihre Verzierungen entstehen manchmal solche Formen, so dass man kein Kreuz mehr entdecken kann. Durch die kunstvollen und aufwendigen Kreuzdarstellungen gingen in Äthiopien "Religion und Ästhetik ( ... ) Eine Symbiose ein: der Glaube durchdrang die Form und schuf neue Formen, und die Form wurde Symbol des Glaubens und schuf neuen Glauben." (Raunig 1973: 19)
4.1. Das Vortragskreuz
Das Vortragskreuz bekam seinen Namen, da es bei Prozessionen und religiösen Feiern auf einem Holzstab über den Köpfen der Menge getragen wurde. Ihre Funktion bestand in der
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Arbeit zitieren:
Kristin Müller-Wenzel, 2002, Kruzifixe in der äthiopischen Kunst, München, GRIN Verlag GmbH
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