und „Aktion“, in denen Autoren wie Georg Heym, Georg Trakl, Gottfried Benn und viele andere mit der Publikation ihrer Gedichte begannen. Zentrale Motive waren dabei häufig die Großstadt und das Leben in ihr, damit oft verknüpft das Gefühl von Einsamkeit, der seelisch verkrüppelte Mensch, der bereits angesprochene Ruf nach Veränderung, die Frage nach Gott in dieser sich wandelnden Welt, aber auch sehr häufig der Tod. Oft war die Darstellung dieser Motive geprägt von einer düsteren, apokalyptisch anmutenden, teilweise, besonders auffällig ist dies bei Gottfried Benn zu beobachten, ins morbide gehenden Bildhaftigkeit. Sprachlich wurde dabei oftmals neue Wege beschritten, typisch für den Expressionismus waren vor allem der Groteskstil, Reihungsstil und Nominalstil sowie die häufige Verwendung von Parataxen. Das desillusionierende Erlebnis des ersten Weltkrieg führte bei vielen Autoren zu einer verstärkten Hinwendung zu radikalpazifistischen und linkorientierten Strömungen. Das Scheitern der deutschen Räterepublik nach dem Krieg führte schließlich zur Abkehr vieler bekannter Autoren vom Expressionismus, die sich durch ihn bis dahin teilweise ernsthaft eine Veränderung und Erneuerung des Menschen allein durch die Kraft der Ästhetik erhofft hatten. In diesen Zusammenhang gehört auch der aus der Mitte der zwanziger Jahre stammende, eindeutig auf ein Ende der Bewegung hinweißende Ausspruch von Ivan Goll: „Der Expressionismus stirbt.“
.1 Biografie Johannes R. Becher
Johannes Robert Becher wurde am 22. Mai 1891 in München als Sohn des dortigen Oberlandesgerichtspräsidenten geboren. 1910 beschloss Becher mit seiner damaligen Freundin gemeinsamen Selbstmord zu begehen, um sie vor einer von ihren Eltern vorgesehenen Bindung zu bewahren. Die Freundin starbt, Becher überlebte nur knapp nach einer Notoperation durch seinen Onkel. Ohne Schulabschluss begann er 1911 Philologie, Philosophie und Medizin in Jena zu studieren und wirkte in den folgenden drei Jahren an der expressionistischen Zeitschrift „Verfall und Triumph“ mit. Er veröffentlichte zu dieser Zeit seinen ersten Roman „Der Ringende“ und den Gedichtsband „Die Gnade eines Frühlings“. Seine Bekanntheit innerhalb der
expressionistischen Szene stieg in den folgenden Jahren vor allem mit der Veröffentlichung der Gedichtssammlung „De Profundis Domine“ weiter an. Parallel zu ersten literarischen Erfolgen steigerte er sich jedoch auch zusehends in eine Morphiumsucht, bis er 1915 täglich bis zu vierzig Spritzen einer zweiprozentigen Morphiumlösung konsumierte. Sein Studium brach er ab, trat dem Spartakusbund bei und veröffentlichte am Ende des ersten Weltkrieges seine antimilitaristisch geprägte Gedichtssammlung „Päan gegen die Zeit“. Mehrmals versuchte er zu entziehen, wurde jedoch immer wieder rückfällig. Erst nach dem Selbstmord seines Bruders und einem darauf folgenden erneuten Selbstmordversuch Bechers, den er erneut überlebte, schaffte er den Entzug. Der Versuch, sich erneut als Medizinstudent zu immatrikulieren, scheiterte, woraufhin Becher 1918 heiratete und sich verstärkt dem Schreiben zuwandte. 1919 trat er der KPD bei, folgende Veröffentlichungen zeugen eindeutig vom Bedeutungsgewinn kommunistischer Ideen in der Gedankenwelt Bechers, wie zum Beispiel der 1924 publizierte Roman „Vorwärts, du rote Fahne“. Nach der Veröffentlichung von „Levisite oder Der einzige gerechte Krieg“ wurde Becher am Leipziger Reichsgericht angeklagt, mit diesem Roman zum Bürgerkrieg aufzuhetzen und sich somit des „literarischen Hochverrats“ schuldig zu machen. Erst nach internationalem Protest, an dem sich unter anderem auch Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer und Max Brod beteiligten, wurde das Verfahren eingestellt. An der Gründung des „Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller“ (BPRS) 1928 war Becher maßgeblich beteiligt, zur selben Zeit war er Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift „Die Linkskurve“ und knüpfte bei einem Besuch in Moskau Beziehungen zum „Internationalen Büro für revolutionäre Literatur“. Für die KPD trat er 1932 als Kandidat zur Reichstagswahl an, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Becher zunächst nach Prag, von dort aus weiter nach Paris und schließlich nach Moskau, wo er Mitglied des ZKs wurde und ab 1935 die Exilzeitschrift „Internationale Literatur – Deutsche Blätter“ herausgab. Während dieser Zeit schloss er Freundschaft mit dem ungarischen Philosophen und Literaturwissenschaftler Georg Lukacs, sein Gedichtsband „Der Glücksucher und die sieben Lasten“ wurde von Thomas Mann in den höchsten Tönen gelobt. Nach dem Abschluss des Hitler-Stalin-
Paktes 1939 dichtete Becher eine schwülstige Lobeshymne auf Stalin, obwohl ihm das harte Vorgehen gegen Abweichler und die Deportationen in Gulags in den vorhergehenden Jahren keineswegs entgangen sind. Nach der Rückkehr nach Berlin nach Kriegsende 1945 stieg Becher schnell als einflussreicher Kulturpolitiker zunächst in der sowjetischen Besatzungszone und später in der neugegründeten DDR auf, 1946 war er Mitglied im Parteivorstand der SED. Für den von ihm beigesteuerten Text der Nationalhymne der DDR erhielt er 1950 den Nationalpreis, ab 1953 war er Präsident der Akademie der Künste und ab 1954 schließlich sogar Kulturminister der DDR. Johannes R. Becher starb am 11. Oktober 1958 in Berlin an Krebs.
.2 Biografie Gottfried Benn
Gottfried Benn wurde am 2. Mai 1886 als Sohn eines Pfarrers in Mansfeld geboren und verbrachte seine Kindheit größtenteils in Sellin. Er besuchte das humanistische Gymnasium in Frankfurt an der Oder und begann nach erfolgreichem Abschluss 1903 auf ausdrücklichen Wunsch des Vaters mit einem Theologie- und Philologiestudium in Marburg, dass er allerdings zugunsten eines Medizinstudiums in Berlin 1905 abbrach. 1911, noch während seines Studiums, übernahm Benn den Posten eines Unterarztes in einem Prenzlauer Infanterie-Regiment, eine Tätigkeit, die er allerdings bereits 1912 auf Grund gesundheitlicher Probleme wieder aufgab. Nach dem Abschluss seines Studiums im gleichen Jahr arbeitete Benn in verschiedenen Berliner Krankenhäusern als Pathologe und Serologe. Ebenfalls in das Jahr 1912 fällt die Veröffentlichung von Benns erster Gedichtsammlung „Morgue“, die in interessierten Berliner Avantgardekreisen auf Grund seiner provokanten Darstellung morbider Themen in kühl-distanzierter Sprache für reges Aufsehen sorgte und stilbildend für die noch junge Bewegung des Expressionismus wirkte. Zu dieser Zeit begann auch Benns Mitarbeit an verschiedenen expressionistischen Publikationsorganen wie dem „Sturm“. Mit der Gedichtssammlung „Söhne“ von 1913 festigte er seinen Ruf in expressionistischen Kreisen, ein Liebesverhältnis mit Else Lasker-Schüler war auch in lyrischer Hinsicht produktiv und
Arbeit zitieren:
Thomas Kauf, 2003, Epoche des Expressionismus, München, GRIN Verlag GmbH
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