INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 3
1. Obszönität als ein hervorstechendes Kennzeichen im Fastnachtspiel 3
1.1 Verschlüsselung des Sexualbereichs durch Verbildlichung 4
1.2 Grobianismus in Schimpfszenen 5
1.3 Arztspiele und Obszönität 6
2. Die Bauernfigur als Repräsentant der Geschlechtlichkeit und menschlichen Fehl
verhaltens 7
3. Menschliches Fehlverhalten als Thema im Fastnachtspiel 8
4. Stoffe und Motive 9
5. Zusammenfassung 11
Literaturverzeichnis 12
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EINLEITUNG
Im Rahmen des Seminars ‚Fastnachtspiel‘ beleuchtet meine Ausarbeitung im Speziellen die beliebtesten Stoffe, Motive und Charaktere des Fastnachtspieles im 15. und 16. Jahrhundert. Angesichts des geringen Umfangs dieser Ausarbeitung kann nur ein grober Überblick gelie‐ fert werden. Die Ausarbeitung berücksichtigt aber die literarische Tradition, in der die Fast‐ nachtspiele stehen, und vergleicht diese mit den genannten Topoi und auch hinsichtlich ihrer Darstellungsweise. 1. Obszönität als ein hervorstechendes Kennzeichen im Fastnachtspiel Bezeichnend für den Gehalt der Spiele ist die Lust am Groben, Unflätigen, Obszönen und Grotesken, so gerade aus dem Sexual‐ und Fäkalienbereich. Die Komik der Fastnachtspiele basiert hauptsächlich auf derbsinnlicher Sprache und Gestik. 1 „Bevorzugte Themen sind vergebliches Liebeswerben, Untreue, nicht eingehaltenes Eheversprechen, Aufschneiderei und Zank, wobei Schimpfrede, gerichtliche Auseinandersetzungen, Disputation, Streit‐ und Prügelszenen dominieren. Das Derbe, Unflätige, Schamlose, Groteske dringt auch in Bereiche ein,
wo man es nicht erwarten würde.“ 2 Doch dies muss insofern etwas relativiert werden, als dass dies nicht ausschließlich auf alle Fastnachtspiele zutrifft. Weiterhin stellt Catholy heraus, dass die Obszönität beim ersten Typus, dem Reihenspiel, eine größere Bedeutung gehabt hätte als beim Typus des Hand‐ lungsspieles, bei dem dies eher gelegentlich aufgetreten sei. 3 Wie sich die Obszönität in den Fastnachtspielen darstellte, soll im Folgenden aufgezeigt werden.
1 Vgl. CATHOLY, Eckehard (1961): Das Fastnachtspiel des Spätmittelalters. Gestalt und Funktion. Tübingen: Nie‐ meyer (= Hermaea, Germanistische Forschungen, N.F. 8), 232 und DERS. (1966): Fastnachtspiel. Stuttgart: Metzler, 41.
2 GRECO‐KAUFMANN, Heidy (1994): Vor rechten lütten ist guot schimpfen. Der Luzerner Marcolfus und das Schweizer Fastnachtspiel des 16. Jahrhunderts. Bern et al.: Peter Lang (= Deutsche Literatur von den Anfän‐ gen bis 1700, 19), 96.
3 Vgl. CATHOLY (1961: 232 f.). ‐ 3 ‐
1.1 Verschlüsselung des Sexualbereichs durch Verbildlichung Werden Verdauungsfunktionen und andere Themen des Fäkalienbereiches unverhüllt prä‐ sentiert, erfährt dagegen die Darstellung der Triebspähre fast durchweg eine Entfremdung, eine Maskierung. Die Darstellungen des Sexualbereichs zwischen Mann und Frau waren al‐ lein dadurch schon karikiert, dass Männer die Frauenrollen übernahmen. Aber einen hohen Grad an komischer Objektivierung und Distanzierung erhält der sexuelle Bereich durch den Gebrauch von Bildern, Metaphern, Vergleichen und Rätseln. Gerade Bezeichnungen für Or‐ gane und Handlungen des Trieblebens werden durch Ausdrücke aus einem anderen Bereich ersetzt. 4 Catholy begründet dies damit, dass die Triebsphäre dadurch ihre drohende Abso‐ lutheit verliere, sie würden daher verharmlost und so weniger dämonisch wirken. 5 Aber auch deswegen wird das komische Moment noch verstärkt. Eine weitere Entfremdung bzw. Distanzierung ergibt sich auch dadurch, dass die Metaphern meist aus der Welt des Bauern, aber auch des Ritters oder des Spielmanns, und nicht aus dem städtisch‐bürgerlichen Alltag der Fastnachtsgesellschaft genommen wurden. Hierfür ein paar Beispiele 6 :
- bäuerliche Welt: schopf (Vorhalle, Scheune), scheune, ha‐ cke, flegel, futter‐ wanne, garbe, wieslein mähen, dreschen
- ritterliche Welt: schild, speer, degen
- Welt des Spielmanns: schellen, geige, fiedelbogen, gau‐ gelbüchse (Taschenspie‐ lerbüchse), pritscheschlagen
- soziologisch undefiniert: (Spinnstube), häuslein, wurst, na‐ geln, harte eier schälen Auch Bilder aus der Zoologie wurden genommen, die aber hauptsächlich aus der vertrauten und gezähmten Tierwelt entstammten und damit nicht etwas Wildes oder Ungezähmtes beschreiben wollten. Beispiele hierfür sind Esel, Fohlen, Maulwurf, Igel, Fisch. Doch Termini des Sexualbereichs verbildlicht widerzugeben ist kein besonderes Merk‐ mal der Fastnachtspiele, sondern kennzeichnet jede komische Dichtung des Erotischen. Ent‐ sprechungen und sogar Übereinstimmungen 7 finden sich immer wieder in der mittelhoch‐ deutschen Novellistik, gerade bei der Verbildlichung durch Ausdrücke aus der bäuerlichen
4 Vgl. Ebd., 239 ff und CATHOLY (1966: 42 ff.).
5 Vgl. Ebd., 241.
6 Vgl. Ebd., 242.
7 Gelegentlich werden sogar die gleichen Bilder verwendet. Vgl. Ebd., 247.
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Arbeit zitieren:
Annika Singelmann, 2009, Fastnachtspiel, München, GRIN Verlag GmbH
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