INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 3
1. Der anthropologische Roman 4
1.1 Gattungsbegriff 4
1.2 Anthropologie und Literatur und anthropologische Romantheorie 5
1.3 Autobiographie/ autobiographischer Roman 7
2. Karl Philipp Moritz Anton Reiser und das Magazin zur Erfahrungsseelenkun-
de 8
3. Zusammenfassung 12
Literaturverzeichnis 13
Erkl ärung 14
EINLEITUNG
Im Rahmen des Seminars ‚Literarische Anthropologie‘ beleuchtet diese Ausarbeitung im Speziellen den anthropologischen Roman. Der Schriftsteller Karl Philipp Moritz soll hierfür beispielhaft sein, da sein (autobiographischer) psychologischer Roman Anton Reiser als ein Musterbeispiel des anthropologischen Romans angesehen werden kann und Moritz zudem in seinem parallel erscheinenden Magazin zur Erfahrungsseelenkunde anthropologischen (psychologischen) Fragestellungen nachspürt und in dieser Hinsicht ein Beispiel für das Beziehungsgefüge von wissenschaftlicher Anthropologie und literarischer Verarbeitung der Men-schenkunde darstellt. Doch vorerst soll in einem theoretischen Teil kurz in die Gattung des anthropologischen Romans, in entsprechende Gattungstheorien und in die Autobiographik eingeführt werden. Es soll weiterhin herausgestellt werden, in welcher Weise Anthropologie und Literatur miteinander verbunden sind und in welchem Wechselverhältnis sie stehen.
- 3 -
1. Der anthropologische Roman 1
werden ebenso ‚seziert‘ und ‚skelettiert‘ und zum Gegenstand des neuen anthropologischen (psychologischen) Romans. Karl Philipp Moritz Anton Reiser ist hierfür ein „Schulbeispiel“ 3 .
1.1 Gattungsbegriff
Nach Košenina ist ein anthropologischer (psychologischer) Roman dadurch gekennzeichnet, dass eine kausalpsychologisch nachvollziehbare innere Entwicklung von Menschen nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung dargestellt wird. „Dieses Erzählverfahren nennt man pragmatisch […], unterstützt wird es durch Dialoge, personale oder Ich-Perspektiven, die der
1 Der Begriff wurde 1980 von Hans-Jürgen Schings geprägt. Vgl. hierzu SCHINGS, Hans-Jürgen (1980): Der anthropologische Roman. Seine Entstehung und Krise im Zeitalter der Spätaufklärung. In: FABIAN, Bernhard, Wilhelm SCHMIDT-BIGGEMANN & Rudolf VIERHAUS (Hgg.): Deutschlands kulturelle Entfaltung. Die Neubestimmung des Menschen. München: Kraus International Publications (=Studien zum achtzehnten Jahrhundert,
2/3), S. 247-275.
2 Aus: KOŠENINA, Alexander (2008): Literarische Anthropologie. Die Neuentdeckung des Menschen. Berlin: Akademie Verlag (=Akademie Studienbücher Literaturwissenschaft), S. 69.
3 Ebd., S. 82.
4
Dynamik einer Handlungsfolge und der inneren Entwicklungslogik eines Charakters eher entsprechen als abschließende Urteile eines ‚allwissenden Erzählers‘.“ 4
1.2 Anthropologie und Literatur und anthropologische Romantheorie
Die Verbindung von Anthropologie und Literatur findet sich kulminiert in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Drama, aber vor allem im Roman und besonders in der Autobiographie bzw. im autobiographischen Roman. Dabei stehen aber Anthropologie und Literatur in einem wechselseitigen Verhältnis. 5 So sind z.B. nach Herder 6 die drei Hauptquellen anthropologischer Erkenntnis: die Bemerkungen der Ärzte, aber auch die Lebensbeschreibungen und die Weissagungen der Dichter. 7 Die Literatur ihrerseits wird anthropologisch und Schauplatz entsprechender Motive und Themen. Nach Pfotenhauer verwandelt Literatur „anthropologische Denkformen in literarische Gestaltungsformen.“ 8 Befasst sich die Anthropologie mit dem ‚ganzen Menschen‘, so möchte auch die Literatur den Menschen ganzheitlich erfassen und zwar in leib-seelischer Einheit, in physiognomischer Verknüpfung von Innerem und Äußerem. Dabei hilft die Menschenkunde einen Charakter zu konstituieren. Es entstehen durch Selbsterfahrung und Selbstreflexion psychologische und autobiographische Romane der ‚inneren Geschichte des Menschen‘, die wiederum authentische Fallbeispiele für die anthropologische Forschung liefern. 9
Die Darstellung der ‚inneren Geschichte‘ ist zentrales Thema wie Verfahren des neuen Romans. 1774 erscheint Christian Friedrich von Blanckenburgs Romantheorie Versuch über den Roman, die vor allem durch die Lektüre der Geschichte des Agathon von dem anthropologisch begeisterten Christoph Martin Wieland angeregt wurde und sie zum Vorbild nimmt. 10 Damit wird die Verbindung von Anthropologie und Literatur zum Programm. Von Wieland adaptiert soll ein Roman die innere Geschichte des Menschen kausalpsychologisch entfalten.
4 Ebd., S. 253.
5 Vgl. PFOTENHAUER, Helmut (1987): Literarische Anthropologie. Selbstbiographien und ihre Geschichte - am Leitfaden des Leibes. Stuttgart: Metzler (=Germanistische Abhandlungen, 62), S. 1.
6 In seiner Schrift Vom Erkennen und Empfinden der menschlichen Seele, erschienen 1778.
7
Vgl. HERDER, Johann Gottfried, Karoline HERDER et. al. (Hgg.) (1828):
Johann Gottfried Herder’s sämmliche Werke. Zur Philosophie und Geschichte.
Neunter Theil. Stuttgart/ Tübingen: Cotta, S. 23. Als Digitalisat abrufbar über URL:
8 PFOTENHAUER, Helmut (1994): Einführung [zu Teil IV: Literarische Anthropologie]. In: SCHINGS, Hans-Jürgen (Hrsg.): Der ganze Mensch. Anthropologie und Literatur im 18. Jahrhundert. DFG-Symposium 1992. Stuttgart/ Weimar: Metzler (=Germanistische-Symposien-Berichtsbände, 15), S. 557.
9 Vgl. PFOTENHAUER (1987: 1 f.).
10 Vgl. ebd., S. 24 f.
5
Arbeit zitieren:
Annika Singelmann, 2008, Der anthropologische Roman am Beispiel von Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser", München, GRIN Verlag GmbH
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