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RAUNSCHWEIG
Historisches Seminar
A2 Hauptseminar ,,Rom und die Germanen"
Wintersemester 2007/ 2008
Datum: 05.05.2008
Die Lebensweise der Germanen.
Siedlungsraum und Siedlungswesen.
Eine Ausarbeitung vorgelegt von Annika Singelmann
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INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung...
3
1. Siedlungsraum...
3
2.1
Siedlungsgebiet... 3
2.2 Landesnatur und die Siedlungsplätze... 5
2. Siedlungswesen... 7
2.1 Siedlungsform... 7
2.2 Größe und Bevölkerungszahl... 8
2.3 Höfe und Häuser...
8
Anhang... 12
Quellen- und Literaturverzeichnis...17
- 3 -
Einleitung
Im Rahmen des Referates zur ,,Lebensweise der Germanen" liefert diese Arbeit eine schriftli-
che Wiedergabe und einen kurzen Überblick über die Subthemen ,,Siedlungsraum und Sied-
lungswesen der Germanen" in der Römischen Kaiserzeit. Zudem liegen diesem Themenkom-
plex unterschiedliche Quellengattungen mit unterschiedlichen Ergebnissen und Befunden zu
Grunde, die in dieser Arbeit vergleichend Berücksichtigung unter geringerer Bezugnahme
auf die sprachlichen Quellen - finden sollen. Gleichsam wirft die Quellenlage die Problematik
eines eindeutig fassbaren Germanentums auf, die ebenso in dieser Arbeit behandelt werden
soll.
1. Siedlungsraum
1.1 Siedlungsgebiet
Zur Erschließung des Siedlungsgebietes sind neben die historischen Quellen vor allem die
sprachwissenschaftlichen Untersuchungen und die archäologischen Ergebnisse, die aus den
Untersuchungen größerer Fundkomplexe (Gräberfelder, Siedlungen, Opferplätze und Heilig-
tümer) hervorgegangen sind, getreten, die zwar in der Frage des Siedlungsgebietes zu neuen
und wichtigen Erkenntnissen geführt haben, in einem Vergleich aber kein einheitliches Bild
liefern.
Die historischen Quellen gehen auf die Überlieferungen griechischer und römischer
Schriftsteller bis 340 v. Chr. zurück. Doch erst Poseidonius (etwa 135-51 v. Chr.) bezeichnete
einen rechtsrheinischen Stamm als Germanen, die er von den Kelten schied. Besondere Er-
wähnung verdient aber Cäsars Werk ,De bello Gallico`, dessen umfassendere Auslegung des
Germanen-Begriffs und eine deutlichere geographische Abgrenzung der Germanen das römi-
sche Germanenbild prägte und auch die Vorstellung von ihrem Siedlungsgebiet festlegte.
Hiernach war Germanien der Raum zwischen dem Rhein im Westen, der Donau oder den
Alpen im Süden, der Nord- und Ostsee im Norden und der Weichsel im Osten.
1
Hieran wird
1
Vgl. Goetz, HansWerner/ Welwei, KarlWilhelm: Altes Germanien. Auszüge aus den Antiken Quellen über die
Germanen und ihre Beziehungen zum Römischen Reich. Quellen der alten Geschichte bis zum Jahre 238 n. Chr.
Erster Teil (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd. 1a). Darmstadt 1995, S. 4 f.;
vgl. Mildenberger, Gerhard: Sozial und Kulturgeschichte der Germanen. Von den Anfängen bis zur Völkerwan
derung. Stuttgart et. al. 1972, S. 12 f.
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deutlich, dass die Bezeichnung von einem Stamm auf ein ganzes Volk übertragen wurde und
dass es sich um eine Fremdbestimmung von römischer Seite handelte, die eine tatsächliche
ethnische Zusammengehörigkeit oder ein germanisches Identitätsbewusstsein entbehrte und
es sind Zweifel angebracht, ob die Stämme, die die Römer für Germanen hielten, tatsächlich
Germanen waren.
Auch die Archäologie kann nicht von sich aus bestimmen, was als Germanisch einzu-
stufen ist oder nicht, sie kann nur verschiedene Kulturgruppen (siehe Anhang Abb. 1) schei-
den, die sich anhand ihrer Kulturerzeugnisse ähneln oder unterscheiden und so bestimmte
Gebiete festlegen, die mehr oder minder unter keltisch-illyrischen, slawischen oder germani-
schen Einflüssen standen. So zeigen archäologische Befunde entgegen der historischen Über-
lieferung tatsächlich, dass man im rechtsrheinischen Germanien eher einen keltischen Süden
von einem germanischen Norden scheiden muss und die Grenzzone der Mittelgebirge von
einer Mischkultur besiedelt war. Für die germanische Forschung ist die Jastorf-Kultur interes-
sant, die sich im niedersächsisch-holsteinischen Elbgebiet ausbreitete und ,,deren Ausläufer
im Norden bis nach Jütland und Südskandinavien, im Osten bis nach Mecklenburg und in
Prignitzgebiet und im Süden bis in den Elster-Mulde-Saale-Raum reichten."
2
Da in diesem
Gebiet und auch in der verwandten Harpstedt-Nienburger Kultur eine grundsätzliche Kultur-
kontinuität in vorchristlicher Zeit und auch zur Zeitenwende zu beobachten ist, geht man heu-
te davon aus, dass die Jastorf-Kultur bereits germanisch gewesen sein könnte. Demnach wä-
ren Germanen in Südskandinavien, Dänemark, an der deutschen Nord- und Ostseeküste und
im Elbgebiet angesiedelt gewesen. Inwieweit aber auch die Randgebiete (besonders Nord-
westdeutschland) als germanisch anzusehen sind, bleibt strittig, ,,aber durchaus möglich, da
man heute kaum mehr von einem einheitlichen Ursprung aller Germanen ausgeht."
3
Auch
von sprachgeschichtlicher Warte aus, scheint eine klare Abgrenzung des Germanischen nicht
möglich. Die auch historisch überlieferten Wanderbewegungen führten dann zu einer Aus-
breitung dieser Kulturgruppe und auch zu einer Vermischung mit anderen Volks- bzw. Kul-
turgruppen, so dass man zwar davon sprechen kann, dass diese Gebiete unter germanischen
Einfluss standen, aber nicht mehr davon, dass sie von einer einheitlichen und abgrenzbaren
Volksgruppe besiedelt wurden. Das im Anhang mitgeführte Schaubild (siehe Anhang Abb. 2)
zeigt die im 1. und 2 Jahrhundert n. Chr. als hauptsächlich germanisch anzusehenden Kultur-
gruppen und veranschaulicht die Gebiete der Jastorf-Kultur. Diese Fundgruppen zeigen zwar
Übereinstimmungen mit historischen Stämmen auf, können aber nicht mit diesen gleichge-
2
Goetz 1995 (wie Anm. 1), S. 7.
3
Ebd.
- 5 -
setzt werden.
4
Ging man bis in die jüngste Vergangenheit davon aus, dass Kulturprovinzen
deckungsgleich mit ganz bestimmten ethnischen Einheiten seien, kann diese These heute
nicht mehr aufrecht erhalten werden. Auch wenn räumliche Berührungspunkte vorhanden
sind, lassen sich die historische Überlieferung des Germanengebietes, die sprachwissenschaft-
lichen Zuordnungen zu einem germanischen Sprachraum und die archäologischen räumlichen
Einteilungen in germanische Kulturgruppen nicht in Einklang bringen, so dass sich ein ein-
deutiges ethnisch fassbares Germanentum nicht aufzeigen lässt. Nennt die historische Über-
lieferung ethnisch-politische Gebilde, die Stämme, so sind durch regional unterschiedliche
archäologische Bodenfunde Kulturgruppen erkennbar. Man kann die Stämme zwar den Kul-
turgruppen räumlich zuordnen, beide aber nicht miteinander identifizieren, wie das in der
Vergangenheit vielfach versucht wurde. Alle sprachlich, religiös oder ethnisch definierten
Gruppen, und so auch die Germanen, können nur als Teile solcher Kulturgruppen aufgefasst,
nicht aber mit ihnen gleichgesetzt werden. Es lassen sich aber eindeutig Kulturgruppen im
nord- und mitteleuropäischen Raum von umliegenden Kulturgruppen, deren Träger eher zu
den keltisch-illyrischen oder slawischen Bevölkerungsgruppen gezählt werden, abgrenzen, so
dass man innerhalb dieses Raumes das Siedlungsgebiet der Germanen - aber ebenso neben
anderen ethnischen Gruppen - annehmen kann.
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Der antike Germanenbegriff stimmt also weder mit der von der Sprache geprägten Auf-
fassung, noch mit der archäologischen Definition überein, die ihrerseits aber ebenso wenig
eine ethnische Demarkation liefern können. Die Frage nach einem eindeutig abgrenzbaren
germanischen Siedlungsraum ist also leider nicht zu beantworten, nur in unscharfen Umrissen
nachzuzeichnen.
1.2 Landesnatur und die Siedlungsplätze
,,Obwohl das Land in seinem Aussehen erheblich unterschiedlich gestaltet ist, ist sein
Anblick insgesamt doch entweder häßlich [sic!] durch seine Wälder oder gräßlich [sic!]
durch seine Sümpfe, gegen Gallien hin ist es feuchter; gegen Noricum und Pannonien
hin windiger; es bringt genügend Ertrag, trägt keine Obstbäume und ist reich an meist
jedoch kleinwüchsigem Vieh." (Tac. Germ. 5. 1)
6
4
Vgl. ebd., S. 6 ff.
5
Vgl.
Steuer, Heiko: Germanen, Germania, Germanische Altertumskunde; III. Archäologie; § 2134; B. Ursprung
und Ausbreitung der Germanen; C Wirtschafts und Sozialgeschichte. In: Hoops, Johannes: Reallexikon der
germanischen Altertumskunde. Hrsg. von Heinrich Beck et. al., 2., völlig neu bearb. und stark erw. Aufl. (Ge
meinde Getodakische Kultur und Kunst, Bd. 11), Berlin 1998, S. 327 ff.; vgl. Goetz 1995 (wie Anm. 1), S. 6 ff.
6
Nach: Goetz 1995 (wie Anm. 1), S. 131.
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