1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich, wie man dem Titel entnehmen kann, mit dem Anglizismen-INDEX des Vereins Deutsche Sprache (VDS), dem wohl einflussreichsten und, trotz gegenteiliger Behauptungen, sprachpuristischsten Verein der heutigen Zeit.
Der Fokus liegt dabei auf dem Anliegen des INDEX, das heißt, warum es ihn gibt und wie er den Sprachteilnehmern der deutschen Sprache helfen kann. Einen zweiten Schwerpunkt stellt die Bewertung des INDEX dar, ob und wie also das erreicht wird, was erreicht werden soll. Um erstmal einen Überblick über die Situation zu geben, stelle ich in Kapitel 2 den Verein Deutsche Sprache vor, indem ich zunächst ein paar allgemeine Fakten nenne und dann auf verschiedene Aktionen des Vereins hinweise. Danach nenne ich noch ein paar Kritikpunkte, die man in der Literatur über den VDS am häufigsten findet. Diesen dritten Teil halte ich insofern für notwendig, weil einige dieser Kritikpunkte bei der späteren Bewertung des Anglizismen-INDEX ebenfalls zu Sprache kommen könnten.
Im nächsten Kapitel nehme ich dann eine Unterscheidung zwischen Fremd- und Lehnwörtern vor, da ich eine Grundlage schaffen will, um zu beurteilen, inwieweit die Wörterlisten des INDEX gerechtfertigt sind oder nicht. Es geht hier also um die Klärung der Frage, ob sich der VDS bei seinem Anglizismen-INDEX wirklich nur auf die Fremdwörter aus dem Englischen beschränkt hat. Auch das wird dann bei der späteren Bewertung eine Rolle spielen. In Kapitel 4 stelle ich dann den Anglizismen-INDEX erst einmal vor, um anschließend die Aussagen, die vom Verein selbst gemacht werden, an ein paar Beispielen zu überprüfen. Dabei orientiere ich mich sehr stark am Aufbau des INDEX selbst.
Im Schlusskapitel versuche ich dann die Frage zu beantworten, ob ein solcher Eingriff, wie ihn der VDS mit dem INDEX vornimmt, in der deutschen Sprache funktionieren kann. Zur Beantwortung dieser Frage werde ich den INDEX anhand der aus dem vorherigen Kapitel gewonnenen Ergebnisse bewerten. Damit kläre ich dann gleichzeitig, was der VDS mit dem INDEX geleistet hat und was er eben nicht leisten kann. Sollten bei der Bearbeitung des Themas Fragestellungen aufgetaucht sein, deren Beantwortung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden, werde ich diese ebenfalls in Kapitel 5 anführen.
Dem Text folgen anschließend noch ein ausführliches Literaturverzeichnis, in dem alle von mir benutzten Quellen und Sekundärliteraturen, wozu im Wesentlichen die Internetpräsentation des Vereins und einige Wörterbücher gehören, in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet sind sowie eine eidesstattliche Erklärung zum Inhalt und Gedankengut der vorliegenden Arbeit.
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2. Der Verein Deutsche Sprache
Wie oben bereits angekündigt, stelle ich in diesem Kapitel zunächst einmal den Verein Deutsche Sprache vor. Dabei stütze ich mich bei den ersten beiden Punkten (2.1. Allgemeine Angaben sowie 2.2. Aktionen und Maßnahmen) hauptsächlich auf die Angaben, die der Verein selbst über sich auf seiner Internetseite - www.vds-ev.de - macht.
Da sich der Verein ja kaum selbst kritisiert, habe ich die Ausführungen unter 2.3. verschiedenen Sekundärliteraturen entnommen (siehe Literaturverzeichnis).
2.1. Allgemeine Angaben
Um die deutsche Bevölkerung auf die ernst zu nehmende Bedrohung der deutschen
Sprache durch Anglizismen aufmerksam zu machen und eine Trendwende zugunsten
der deutschen Sprache einzuleiten, gründete der Statistikprofessor Walter Krämer im
November 1997 in Dortmund den „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“, der
mittlerweile in den „Verein Deutsche Sprache“ (VDS) umbenannt wurde (Law 2002,
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und im März 2008 aus „fast 30000“ (vds-ev.de/verein/index.php, 18.3.2008) Mitgliedern besteht. Laut Angaben des Vereins kommen die Mitglieder aus allen Bevölkerungsschichten, denn man ist der Ansicht mehr Einfluss durch mehr Mitglieder gewinnen zu können. In § 2 seiner Satzung beschreibt der VDS seinen Zweck folgendermaßen: „Der Verein verfolgt das Ziel, die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu fördern. Insbesondere tritt er dafür ein, daß sich die deutsche Sprache gegen die Überhäufung mit Wörtern aus dem Englischen behauptet.“ (vds-ev.de/verein/satzung.php, 18.3.2008).
Der Verein ist überparteilich, hat eine demokratische und liberale Grundeinstellung und ist „gegenüber Menschen anderer Länder oder Hautfarbe durch Beruf, Ehe, Partnerschaft, Reisen und Bildung aufgeschlossen“ (vds-ev.de/denglisch/index.php, 18.3.2008). Neben eigenen Aktionen (siehe 2.2.), arbeitet der VDS auch mit anderen europäischen Organisationen, wie beispielsweise der Académie française, einer französischen Gelehrtengesellschaft, die sich um die Pflege und den Erhalt der französischen Sprache kümmert (de.wikipedia.org/ wiki/Academie_francaise, 18.3.2008) zusammen.
In seinen Leitlinien formuliert der Verein die Gründe seiner Arbeit (worum es geht), seine Absichten und Ziele (was wir tun, wir wünschen uns für Europa) und Vorschläge zur Übernahme von Anglizismen in die deutsche Sprache (vds-ev.de/verein/leitlinien.php, 18.3.2008). In diesem Zusammenhang steht auch die Entwicklung des Anglizismen-INDEX, den ich unter Punkt 4 näher beleuchte. Abschließend werden hier auch Forderungen des Vereins in Bezug auf den Gebrauch und die Entwicklung der deutschen Sprache genannt (unsere Forderungen, wir fordern nicht).
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Als Gründe bezeichnet der Verein unter anderem den Identitätsverlust in den deutschsprachigen Ländern durch die starke Beeinflussung durch angloamerikanisches Sprach- und Kulturgut; Verstehens- und Verständigungsprobleme vor allem bei älteren Menschen; nicht wieder gutzumachende Schäden mit zerstörerischen Folgen für die gedankliche Selbstfindung des Individuums, die die deutsche Sprache erleidet (ebd.)
Die Mitglieder des Vereins wehren sich dagegen, als Sprachpuristen angesehen zu werden und sie wollen auch keine nationalistische Deutschtümelei betreiben (vds-ev.de/denglisch/index.php, 18.3.2008), das heißt sie erkennen an, dass die deutsche Sprache durch Fremdwörter auch bereichert werden kann (vds-ev.de/verein/leitlinien.php, 18.3.2008). Trotzdem will der VDS überflüssige Anglizismen eindämmen, die er mit den folgenden vier Kriterien definiert: erstens muss der englische Ausdruck hinreichend weit (nicht nur in der Werbung oder in Fachsprachen) verbreitet sein; zweitens muss es für ihn mindestens drei treffendere deutsche Wörter geben; drittens muss er die zwischenmenschliche Verständigung behindern; viertens muss der englische Ausdruck die deutsche Sprache ärmer machen (vdsev.de/presse/pressemitteilungen/archiv/ pressemitteilungen1998.php#Anglizismen, 18.3.2008). Für den Fall, dass diese Kriterien auf einen Anglizismus zutreffen, hält der VDS deutsche Übersetzungen bereit und nutzt diese auch. Sollte dies nicht der Fall sein, wird das betreffende Wort als „Internationalismus“ in die deutsche Sprache aufgenommen. Die Wahrung nationaler Eigenarten durch die Förderung der Landessprachen sowie die Pflege und Weiterentwicklung des muttersprachlich-kulturellen Erbes stehen im Vordergrund der Arbeit des VDS. Des Weiteren erstreben die Mitglieder die Förderung der deutschen Sprache als eigenständige Kultursprache und ihr Bestehen als Wissenschaftssprache (vds-ev.de/verein/ leitlinien.php, 18.3.2008). „In Zuschriften, Beiträgen in den Medien und durch praktische Aktionen“ (ebd.) wehrt sich der VDS gegen die immer häufigere Werbung und Auszeichnung von Waren und Dienstleistungen in Deutschland in englischer Sprache; gegen die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen durch „Denglisch”; gegen die Effekthascherei in den Medien; gegen die Verdrängung guter deutscher Bezeichnungen durch englische Begriffe ausgerechnet bei Nachfolgeunternehmen der Staatsbetriebe Bahn und Post sowie führenden Banken, Telekommunikationsfirmen und Sportvereinen (ebd.).
Seine Forderungen richtet der VDS ganz konkret an bestimmte Gruppen von Schreibern und Sprechern der deutschen Sprache: von der Wissenschaft fordert man „Erhaltung und weiterer Ausbau der deutschen Sprache in Forschung und Lehre“ (ebd.) sowie „Deutsch als gleichberechtigte Konferenzsprache auf Kongressen in Deutschland“ (ebd.) zu nutzen; von den Kultusministern den „Deutschunterricht an den Schulen verbindlich bis zum Abitur“ (ebd.) einzuführen; von den Verbänden für Verbraucherschutz die „Wahrnehmung ihres Auftrages
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auch im Sinne einer sprachlichen Produktsicherheit“ (ebd.); von Firmen, Ämtern und öffentlichrechtlichen Anstalten die „Erfüllung der Informationspflicht in der Landessprache, anstatt uns als Kunden und Bürger mit englischsprachigen Bezeichnungen zu verunsichern oder abzufertigen“ (ebd.); von Politikern, Schriftstellern, Journalisten, Sprach- und Kulturwissenschaftler „das Anglizismen-Problem endlich zu erkennen und Partei für die deutsche Sprache zu ergreifen“ (ebd.); und schließlich die Forderung „an Funktions- und Vertrauensträger der Gesellschaft besondere Loyalität gegenüber unserer Sprache aufzubringen“, wobei ein Blick auf unsere polnischen und französischen Nachbarn helfen könne (ebd.). Mit dieser Zusatzbemerkung verweist der VDS darauf, dass es in Frankreich und Polen bereits Bemühungen um eine Regelung des Gebrauchs der Muttersprache gegeben hat, wobei in Frankreich sogar ein Sprachgesetz existiert: das „auch Loi Bas-Lauriol genannte Sprachgesetz, das den Gebrauch proskribierter Anglizismen unter Strafe stellt, versucht, den zunehmenden Einfluß des Englischen auf das Französische einzudämmen“ (Plümer 2000, 1).
Ebenfalls in den Leitlinien enthalten sind Vorschläge, die Übernahme von Anglizismen an bestimmten Kriterien zu orientieren. „Begriffe und Redewendungen aus dem angloamerikanischen Kulturkreis sollten in der deutschen Alltagssprache nur dann benutzt werden, wenn sie mindestens zwei der folgenden drei Voraussetzungen genügen“ (Leitlinien 2000, 2). Erstens, dass sich eine treffende, selbst etwas längere Übertragung in der deutschen Sprache weder bilden noch finden lässt; zweitens, dass es sich um einen Internationalismus handelt; drittens, dass sich das Wort oder die Redewendung ohne größere lautliche oder grammatische Veränderungen in deutschsprachige Sätze und Wortfelder einbauen lässt (ebd.). Um die genannten Forderungen und Ziele durchzusetzen, bedient sich der VDS verschiedenster Aktionen und Maßnahmen, die ich im Folgenden vorstellen werde.
2.2. Aktionen und Maßnahmen
Der VDS hält regionale und überregionale Tagungen ab und sendet Mitglieder als
Redner zu Tagungen und Konferenzen. Seine Mitglieder veröffentlichen Anzeigen
und Artikel in der Presse und verfassen Aufrufe an Medien, Firmen, Parteien und
Personen des öffentlichen Lebens, sich in der Werbung und in sonstigen
Verlautbarungen auf die Ausdruckskraft der deutschen Sprache zu besinnen. (Law
2000, 78)
Auf der oben genannten Internetseite des Vereins werden alle Aktionen des Vereins ausführlich vorgestellt, deshalb beschränke ich mich an dieser Stelle auf eine kurze Präsentation der Maßnahmen.
Der Kulturpreis Deutsche Sprache, der erstmals 2001 verliehen wurde, soll dem Erhalt und der schöpferischen Entwicklung der deutschen Sprache dienen (vds-ev.de/verein/aktionen/ kulturpreis.php, 18.3.2008) und er besteht aus drei unterschiedlichen Auszeichnungen: erstens
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dem Jacob-Grimm-Preis, der für literarische Werke, wissenschaftliche Essays oder Leistungen auf dem Gebiet der politischen Rede oder Publizistik verliehen wird und mit 35000 Euro dotiert ist (ebd.); zweitens dem Initiativpreis Deutsche Sprache, der vorbildliche Leistungen in gutem, klarem und elegantem Deutsch belohnt und mit 5000 Euro dotiert ist (ebd.); und drittens der Institutionenpreis Deutsche Sprache, der an Firmen oder Einrichtungen verliehen wird, die sich in Wirtschaft, Verwaltung und Politik um ein klares und verständliches Deutsch bemühen, (ebd.). Zudem veranstaltet der VDS jährlich am zweiten Septembersamstag den Tag der Deutschen Sprache, um bei den Sprachteilnehmern ein Sprachbewusstsein zu schaffen und zu festigen (vdsev.de/verein/aktionen/tag-der-deutschen-sprache/index.php, 18.3.2008). „Für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache verleiht der VDS einmal im Jahr den Preis ‚Sprachpanscher des Jahres’“ (vds-ev.de/ denglisch/sprachpanscher/index.php, 18.3.2008). Die Aktion „Sprachtest“ nimmt den Sprachgebrauch in ausgewählten Branchen der Wirtschaft unter die Lupe, wobei besonders auf überflüssige, irreführende oder angeberische Anglizismen geachtet wird (vds-ev.de/denglisch/ sprachtest.php, 18.3.2008). „Alle Vereinsmitglieder sind aufgefordert, allein oder in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten einen solchen Sprachtest durchzuführen“ (ebd.). Neben dem jährlich verliehenen Schmähtitel „Sprachpanscher“, vergibt der VDS monatlich den Titel „Sprachhunzer“, an „die rohen Sprachverderber in Deutschland“ (vds-ev.de /denglisch/ sprachpanscher/sprachhunzer.php, 18.3.2008), um diese mit Protesten zu überhäufen (ebd.). Die wohl größte und umfangreichste Maßnahme des VDS in Bezug auf ihr Problem mit den Anglizismen ist meiner Meinung nach der von Verein entwickelte und ebenfalls im Internet präsentierte Anglizismen-INDEX, dem ich weiter unten ein komplettes Kapitel (4.) widme.
2.3. Kritik am VDS
In der öffentlichen und der sprachwissenschaftlichen Diskussion hat es immer wieder kritische Äußerungen zu den Forderungen und des Maßnahmen des VDS gegeben, deren wichtigste Punkte ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Vor allem die „Widersprüchlichkeit - und damit auch Beliebigkeit - in der Fremdwortdefinition und -auffassung des VDS“ (Law 2000, 79) gibt Anlass zur Kritik. Zwar definiert der VDS „überflüssige“ Anglizismen mit vier klar umrissenen Kriterien (siehe oben), aber gleichzeitig wird anerkannt, dass es nicht notwendig sei, für alle eine Übersetzung zu finden, selbst wenn die Kriterien zutreffen. Es gibt auch keine an wissenschaftlichen Kriterien orientierte Unterteilung der Anglizismen. Das heißt, aus den Angaben, die der VDS über die Nützlichkeit der Anglizismen macht, kann man keinen klar definierten Bereich „überflüssiger“ Anglizismen ausmachen. Laut VDS-Gegnern ist der Verein also viel zu inkonsequent bei der Einstufung von Anglizismen. Ganz konkret wird die
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Arbeit zitieren:
Kristina Müller, 2008, Der Anglizismen-INDEX des Vereins Deutsche Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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