Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Lebensgeschichte der Elisabeth von Ardenne 4
2.1 Elisabeth, Freiin von Plotho 4
2.2 Armand von Ardennes Werben um Else 5
2.3 Die Eheleute Armand und Else von Ardenne 6
2.4 Das Verhältnis Elses mit Emil Hartwich 7
2.5 Der Plan einer gemeinsamen Zukunft 9
2.6 Duell - Scheidung - Neubeginn 10
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Roman und
historischer Vorlage 12
3.1 „Effi komm“ - eine gemeinsame Ausgangslage 12
3.2 „Er könnte beinah mein Vater sein“ - Der Altersunterschied 13
zwischen Effi und Innstetten
3.3 Die Bedeutungslosigkeit der Affäre 14
3.4 Der Tod Effis 15
4. Fazit 16
2
1. Einleitung
Schon kurz nachdem Theodor Fontanes Roman Effi Briest zwischen Oktober 1894 und März 1895 in der Zeitschrift Deutsche Rundschau abgedruckt wurde, machte der Verfasser gegenüber Freunden und Bekannten keinen Hehl daraus, dass er sich bei seiner Erzählung einer Vorlage aus der Realität bedient hat. „Es ist eine Geschichte nach dem Leben [...]. Die Heldin lebt noch“ (Fontane, zit. nach: Franke 1991, 9) verriet er in einem Brief an Marie Uhse. Letzte Zweifel über die Identität der Stoffgeberin des Romans räumt ein Schreiben an Friedrich Spielhagen aus, der die selbe Geschichte in seinem Roman Zum Zeitvertreib verarbeitete. In diesem Schreiben gibt Fontane unzweideutige Hinweise darauf, dass sich seine Erzählung auf Ereignisse bezieht, die einem sowohl ihm als auch Spielhagen entfernt bekannten Ehepaar widerfahren sind. Mit der Veröffentlichung der Briefbände nach dem Tod des Schriftstellers erfuhr auch die breite Öffentlichkeit davon, dass zur historischen Vorlage für Effi Briest das Schicksal der Adeligen Elisabeth von Ardenne und ihres Ehemanns Armand von Ardenne gereichte.
Auf der Basis von Zeitungsartikeln, erhalten gebliebenen Briefen sowie der Autobiographie Elisabeth von Ardennes widmete sich die Wissenschaft seit Fontanes Tod nicht nur der Untersuchung seines Romans, sondern auch der Betrachtung der von ihm verarbeiteten Vorlage. Mit dem 1985 veröffentlichtem Buch Fontane nannte sie Effi Briest von Horst Budjuhn und der 1994 publizierten Monographie Leben und Roman der Elisabeth von Ardenne von Manfred Franke kann die von Fontane verarbeitete historische Begebenheit als weitgehend rekonstruiert gelten. Auf Basis dieser beiden genannten Publikationen 1 rekapituliert der erste Teil dieser Arbeit in verkürzter Form die umfangreich dokumentierte Lebensgeschichte Elisabeth von Ardennes. Im zweiten Abschnitt werden exemplarisch einige Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Roman und seiner historischen Vorlage benannt und unter Zuhilfenahme gängiger Effi Briest-Interpretationen erklärt beziehungsweise begründet. Die These hierzu lautet, dass die verschiedenen künstlerischen Abänderungen der realen Ereignissen dazu führen, dass sich eine Kritik an der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts deutlicher am Roman als an der Vorlage festmachen lässt. Ob dies vom Autor in jedem Einzelfall intendiert war, kann zwar angenommen, aber nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Der exakte Kenntnisstand, den Fontane vom Leben Elisabeth von Ardennes
1 Da Budjuhns Monographie die „dokumentarische Grundlage [...] durch Fiktion ergänzt“ (Budjuhn 1985,
Vorbemerkung), bedient sich diese Arbeit als Quelle vorwiegend der an den Fakten orientierten Abhandlung von
Manfred Franke
3
hatte, ist nicht überliefert. Es besteht daher die Möglichkeit, dass einzelne Änderung der Unkenntnis des Autors von den wirklichen Ereignissen geschuldet sind.
2. Die Lebensgeschichte der Elisabeth von Ardenne
2.1 Elisabeth, Freiin von Plotho
Elisabeth Freiin von Plotho, wurde als jüngstes von fünf Geschwistern, vier Mädchen und ein Junge, am 26.10.1853 auf dem Familiengut in Zerben an der Elbe geboren. Ihre Familie entstammt einem hochfreien, ostelbischen Adelsgeschlecht der Mark Brandenburg, dessen Existenz mindestens ab dem Jahr 1135 urkundlich bezeugt ist. In der Obhut ihrer Eltern Felix Freiherr von Plotho und Maria von Plotho verlebte Else 2 zunächst eine unbeschwerte Kindheit. Sie spielte und tobte mit den Zerbener Dorfkinder, verbrachte viel Zeit in der Natur und war, wie sie sich in ihrer Autobiographie selbst beschrieb, „ein temperamentvolles, in Freiheit dressiertes Kind, beileibe keine Stubenhockerin“ (EvA, zit. nach: Franke 1995, 18). Ein erster Schatten legte sich auf das Schicksal der jungen Adeligen, als 1864 ihr Vater bei einem Jagdunfall ums Leben kann. Neben den gelegentlich auftretenden Elbüberschwemmungen war es vor allem der Tod des Patriarchen, der dazu führten, dass die Adelsfamilie von Plotho einer vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht „ungewissen Zukunft“ (Budjuhn 1985, 20) entgegenblickte. Infolgedessen verstärkte sich bei Maria von Plotho, die das Gut Zerben nach dem Ableben ihres Ehemannes führte, das Bedürfnis, die Zukunft ihrer Töchter durch deren möglichst frühzeitige Verheiratung mit gut situierten Ehemännern abzusichern. Dementsprechend wurde die Erziehung Elses nach dem Tod ihres Vaters gänzlich darauf ausgerichtet, die junge Adelige auf ihre spätere Rolle als Ehefrau und Mutter vorzubereiten. Es ist leicht vorstellbar, dass dies sehr zum Missfallen des freiheitsliebenden, temperamentvollen Mädchens geschah, das sich stets gegen den Gedanken sträubte, verheiratet zu werden. Doch die Adelstöchter durften sich, wie Manfred Franke herausstellt, „heiratspolitischen Überlegungen ihrer Familie nicht verschließen“ (ebd. 24) und so wurde Else im Alter von 14 Jahren ihrem ersten potentiellen Heiratskandidaten und späteren Ehemann, dem angehenden Offizier Armand von Ardenne, vorgestellt.
2 Schon als Kind wurde Elisabeth nur bei ihrem Kurznamen Else genannt, eine Praxis, die in dieser Arbeit
beibehalten wird.
4
2.2 Armand von Ardennes Werben um Else
Armand Léon von Ardenne, geboren am 26.8.1848, entstammte einer jungen belgischen Adelsfamilie, die erst 1853 in den Baronatsstand erhoben wurde, ein Titel, der in Preußen allerdings zunächst keine Anerkennung fand. Seine Kindheit verbrachte er in Leipzig, wo sein Vater die Position des belgischen Generalkonsuls für das Königreich Sachsen bekleidete. Schon frühzeitig entschloss sich Armand von Ardenne eine militärische Laufbahn einzuschlagen, deren erster Schritt die Ausbildung zum Offiziersaspiranten der Zieten-Husaren in der brandenburgischen Garnisonsstadt Rathenow war. Doch für jemanden, dessen belgischer Adelstitel nicht anerkannt wurde, waren die Karrieremöglichkeiten beim preußischen Militär begrenzt. Deswegen setzte Armand von Ardenne alles daran, seine Verbindungen und Beziehungen zum preußischen Adel auszubauen und „auf eine solide, dauerhafte, über jeden Zweifel erhabene Basis“ (Franke 1995, 31) zu stellen. Nichts war dazu besser geeignet als die Ehe mit einer preußischen Adeligen, namentlich Else von Plotho. Doch Ardennes Werben um die junge Frau verlief zunächst erfolglos. Bei einem ersten Treffen im Hause der von Plothos brachte er gegenüber Else kein einziges Wort zu Stande. Auch ein späterer, gemeinsamer Ausritt, bei dem Else vom Pferd stürzte und sich eine Gehirnerschütterung zuzog, entfernten den Offiziersanwärter eher von seine Ziel, als dass es ihn ihm näher brachte. Ardennes Problem bestand zeitlebens darin, dass er bei den Frauen keinen bleibenden, positiven Eindruck zu hinterlassen vermochte. Noch als erwachsener Mann gab er in einem Brief an seine Mutter zu, dass schon die Mädchen in der Tanzstunde ihn nicht leiden konnte (vgl. ebd., 27). Auch bei Else von Plotho war das nicht anders. Ihre Mutter zeigte sich schließlich in Anbetracht der Abneigungen ihrer Tochter gegen den Heiratskandidaten einsichtig und bat Armand von Ardenne schriftlich darum, sich von Else fernzuhalten. Daraufhin stellte dieser seine Bemühungen zunächst ein, ohne sie aber vollständig aufzugeben, denn als ein auf Sieg und Eroberung gedrillter Offiziersaspirant gab es in seiner Vorstellung „selbst im Privaten kein Platz mehr für Niederlagen“ (ebd. 42). Folglich wartete Ardenne mit der Wiederaufnahme seines Vorhabens nur auf einen günstigeren Zeitpunkt. Dieser schien mit dem Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges im Sommer 1870 gekommen. Die allgemeine Stimmung im späteren Deutschen Reich schwankte zwischen grenzenloser Kriegseuphorie und der Angst um die in die Schlacht ziehenden Soldaten, zu denen auch Armand von Ardenne zählte. In dieser Situation war es Maria von Plotho, die ihre Tochter dazu drängte, Ardenne ein Zeichen der Zuneigung zukommen zu lassen. „Die Mutter wird ihre Tochter beiseite genommen, auf sie eingeredet, ihr den Ernst der Lage klargemacht haben, in die ein Soldat unweigerlich gerät, wenn er zur
5
Arbeit zitieren:
Gerrit Vorjans, 2009, Elisabeth von Ardenne und Effi Briest, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Gerrit Vorjans's Text Elisabeth von Ardenne und Effi Briest ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Gerrit Vorjans hat den Text Elisabeth von Ardenne und Effi Briest veröffentlicht
Gerrit Vorjans hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare