INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS. I
ANLAGENLISTE. II
1. Problemstellung. 1
2. Governanceethik als Untersuchungsgegenstand
der Wissenschaft, Philosophie und Ökonomie. 2
2.1. Wissenschaftlicher Begriff der Governance 2
2.2. Governance und Ethik: Philosophische Dimension 3
2.3. Ökonomische Dimension der Governanceethik. 4
3. Definition und Gegenstandsbereich der Governanceethik. 6
3.1.Analytischer Bereich der Governanceethik. 7
3.1.1. Governance, Governancestrukturen und Moral 7
3.1.2. Koordination und Kooperation. 7
3.1.3. Faktor „Mensch“ 8
3.2. Methodischer Bereich der Governanceethik 10
3.2.1. Unternehmensethik. 10
3.2.2. Moralökonomische Dimensionen der Unternehmung 10
3.2.3. Moralische Werte 13
3.2.4. Moralische Kommunikation und moralische Anreize 14
3.2.5. Mikroanalytische Darstellung 15
3.3. Normativer Bereich der Governanceethik. 17
3.3.1. Wertemanagement: Prinzipien und Bausteine 17
3.3.2. Organisation des WMS 19
4. Wertemanagement der BASF-Gruppe 20
4.1. Kodifizierung der Werte von BASF. 20
4.1.1. Strategische Ausrichtung. 21
4.1.2. Verhaltenskodex. 18
4.2. Implementierung, Vorbild/Autonomie und Ressourcen 22
4.3. Kommunikation, Motivation und Evaluierung 23
4.4. Organisation 23
4.5. Stellungnahme. 25
5. Fazit. 27
ANLAGEN. 29
LITERATURVERZEICHNIS 37
I
ANLAGENLISTE
ANLAGE 1. Wahlfaktoren und unvollständiger Verträge. 29
ANLAGE 2. Governanceethik in der modernen Gesellschaft 30
ANLAGE 3. Externe und interne Unternehmensethik. 31
ANLAGE 4. Moralökonomische Dimensionen der Unternehmung 32
ANLAGE 5. Werteviereck. 33
ANLAGE 6. Prinzipien und Bausteine des WMS 34
ANLAGE 7. Prozessstufen des Wertemanagementsystems 35
ANLAGE 8. Verhaltenskodex der BASF 36
II
1. Problemstellung
Im Zuge der zunehmenden Globalisierung übernehmen die Unternehmen eine ökonomische und politische Funktion in der entstehenden Weltökonomie und Weltgesellschaft, was eine veränderte Wertproblematik bewirkt. Dies wirft eine Reihe von Fragen auf, ob die Unternehmen ihre ordnungspolitische Funktion in Übereinstimmung mit ihren wirtschaftlichen Aufgaben verantwortlich und legitim erfüllen können. 1
Heutzutage stehen die Unternehmen vor der Herausforderung unternehmensweit gültige Werte festzusetzen, da durch die verschiedensten Einflüsse die moralischen Werte und Normen verflechten und teilweise verschwimmen. Einerseits haben beispielsweise Stakeholdergruppen einen gewissen Einfluss auf die Unternehmen. Andererseits besitzen die Kunden Einfluss auf den Unternehmensumsatz und als Folge auf den Unternehmensgewinn, die Politik auf die Gesetzgebungen, die Shareholder mittelbar auf den Börsenwert des Unternehmens, die Kultur und Traditionen auf Personalmanagement im Unternehmen usw. Dies wiederum kann zu Spannungen und Konflikten im Unternehmen, zwischen den Unternehmen oder zwischen den Unternehmen und der Gesellschaft führen, welche in den Bereichen ökonomischpolitischer, rechtlicher, gesellschaftlicher oder auch religiöser und kultureller Differenzen ihren Ursprung haben. Ein wirtschaftlich, ethisch und politisch korrektes Verhalten, das spezifisch für das Unternehmen zu definieren ist (Governanceethik, Unternehmensethik), ist demnach nicht nur erwünscht, sondern geradezu eine grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreich auf dem Weltmarkt platziertes Unternehmen. 2
In diesem Zusammenhang ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, die Grundsätze der Theorie der Governanceethik anhand der Forschung von Josef Wieland darzustellen sowie ihre praktische Anwendung am Beispiel des Wertemanagements der BASF-Gruppe zu bewerten und die Problemfelder aufzuzeigen.
Die vorliegende Arbeit ist in fünf Kapiteln gegliedert. Nachdem im zweiten Kapitel die Grundlagen der Governanceethik aus wissenschaftlicher, philosophischer und ökonomischer Perspektive dargestellt werden, wird im dritten Kapitel ein zusammengefasster Überblick über die Definition und den Gegenstandbereich der Governanceethik gegeben. Daran schließen sich die weiteren Untersuchungen der Fragen des analytischen, methodischen und normativen Bereichs der Governanceethik in Kapitel 3 an. Auf dieser Basis wird in Kapitel 4 die praktische Umsetzung der Grundsätze der Governanceethik am Beispiel des Wertemanagements der BASF-Gruppe präsentiert und kritisch bewertet. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in dem abschließenden Kapitel 6 zusammengefasst.
1 Vgl. Wieland, 2005, S. 7
2 Wieland, Forum Wirtschaftsethik 14., Jg., № 4/2006, S. 8, vgl. Dilk, Artikel Ethikette vom 12.09.2003,
vgl. Wieland, 2005, S. 17 f. und Wieland, KIeM-WP Nr. 03/2002, S.4
1
2. Governanceethik als Untersuchungsgegenstand der Wissenschaft, Philosophie und Ökonomie
Die Forschung Wielands im Bereich der Governanceethik ist zunächst ein Versuch, die Ethik der wirtschaftlichen Strukturen und Kontexte, Unternehmung, aus der Perspektive der Wissenschaft, Philosophie und neuer Institutionenökonomik darzustellen. 3 Dementsprechend wird weiterhin die Governanceethik aus diesen drei Perspektiven beleuchtet.
Bei der Betrachtung der Governanceethik ist es zunächst notwendig, den wissenschaftlichen Begriff der Governance und seinen Zusammenhang mit der Ethik auszuarbeiten.
2.1. Wissenschaftlicher Begriff der Governance
Der Begriff Governance stammt vom lateinischem Verb „Gubernare” ab, welches „Steuern eines Schiffes“ und im übertragenen Sinne auch des Staatsschiffes bedeutet. 4 Auf Deutsch wurde Governance als Steuerung, Führung oder Leitung übersetzt, was in der Literatur als unzureichend von Bedeutung bewertet wird. Seit dem 18. Jahrhundert erschien das Wort Governance in Frankreich und nachfolgend in England. Es wurde als Synonym zum englischen Wort Government mit der Bedeutung „the manner of governing“ benutzt und lange lediglich im politischen Bereich als ein autoritäres „Up-down“-Konzept verwendet. 5 Im 20. Jahrhundert erfuhren die Staatsorganisation, die Wirtschaft und die Gesellschaft wesentliche Änderungen; politische Dezentralisation, Dekolonisation, ökonomische Integration und technischer Forschritt verursachten den Prozess der Globalisierung, der neue politische, ökonomische, soziale und umweltpolitische Dynamiken ausgelöst hat. 6 Damit hat Governance wieder eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Es gibt eine Vielzahl von Governance-Definitionen in der Literatur. 7 Governance wurde zu Recht als ein „black-box“-Konzept 8 bezeichnet, da man sie nur in Bezug auf einen bestimmten Bereich, seine Problematik und Zielsetzung definieren kann. Im weiteren Sinne ist Governance als die Art und Weise von Monitoring oder Steuerung der menschlichen Gesellschaften und Organisationen (heterogener Akteure) zu verstehen. Governance ist immer notwendig, wenn eine Gruppe von Menschen gemeinsame Entscheidungen zu gemeinsamen Zwecken treffen muss. Dabei wird die Art und Weise dieser Entscheidungen kooperativ ausgearbeitet. Aus diesem Grund ist die Entscheidungsfindung eine zentrale Komponente der Governance. 9
3 Vgl.Wieland, 2005, S. 7
4 Vgl.Adam, E+Z, Nr. 10, 10/ 2000, S. 272 ff.
5 Benz, 2004, S. 15
6 Lyall/Tait, 2005, S.3 ff.
7 Governance zog eine große Aufmerksamkeit auf sich nach der Veröffentlichung der Afrikastudie der
Weltbank im Jahr 1989. Die Weltbank definierte Governance als „the exercise of political power to manage a nation's affairs“ und füllte sie mit einem sehr umfassenden Katalog normativer Reformziele
aus. Adam, E+Z, Nr. 10, 10/ 2000, S. 272 ff.
8 Rechkemmer, 2004, S. 31
9 Ayre/ Callway, 2005, S. 44
2
2.2. Governance und Ethik: Philosophische Dimension
Angesichts der Ethik der Governance ist es sinnvoll zu fragen, wie die Ethik mit Steuerung zusammenhängt und auf welche Art von Steuerung sich die Ethik bezieht.
Die Aufgabe der Ethik besteht nicht in der Formulierung der verbindlichen moralischen Normen. Sie befasst sich mit der Beschreibung und Konzeptualisierung moralischer Fragen und Probleme im lebenspraktischen Kontext mit dem Ziel, qualifizierten Umgang mit praktischem Orientierungsbedarf für die Situationen zu ermöglichen, in denen die Steuerung eines Handelns unter Einfluss moralischer Fragestellungen geschieht.
Die Ethik der Governance bezieht sich somit auf Handlungssteuerung bezüglich ihrer moralischen Aspekte im Zusammenhang mit anderen relevanten Aspekten. Die Handlungssteuerung erfolgt also nicht nur durch Direktion, Kontrolle und Sanktionen, sondern auch durch Werte (Einstellungen, Haltungen und Überzeugungen) des Individuums. 10 Daran schließen sich die Gedanken an, dass die Ethik als eine Orientierungsphilosophie für Handlungssteuerung in Bezug auf moralische Dimension im lebenspraktischen Kontext definiert werden kann. Im Hinblick auf Unternehmen dient diese Orientierungsphilosophie für die Lösung der Entscheidungsprobleme und zwar bei der Anwendung verschiedener Regeln und Werte in einer Entscheidungssituation in Hinblick auf ihre Relevanz. 11
10 Vgl. Wieland, KIeM-WP Nr. 03/2002, S. 4
11 Badura, KIeM - WP Nr. 08/2004, S.4 ff., vgl. Wieland, 2005, S. 24 f.
3
2.3. Ökonomische Dimension der Governanceethik
Grundsätzlich ist die neue Organisationsökonomik als Bereich neuer Institutionenökonomik die Grundlage für die Theorie der Governanceethik Wielands. Aus diesem Grund ist es notwendig, einen Überblick über ihre Grundsätze zu geben.
Der Begriff der Governance hat auch seine Anwendung in der neuen Institutionenökonomik gefunden. In ihrem Rahmen ist Governance eine Form des Steuerns des Lernens einer Organisation, bis sie in der Lage ist, relativ selbständig auf die Anforderungen des Marktes und der Gesellschaft zu reagieren. 12 Die Hauptfrage der neuen Organisationsökonomik ist es, welche alternativen Strukturen und Koordinationsmechanismen zum Markt bestehen. Im Hintergrund steht die Problematik der Koordination ökonomischer Transaktionen zwischen Einzelpersonen durch Vereinbarungen.
Die Forschung dieser Frage fing 1937 an, als Ronald Coase sich die Frage stellte, warum es neben dem Preismechanismus des Marktes gesonderte Unternehmensorganisationen gibt, die durch die Merkmale des Ausschlusses von Preis- und Marktwettbewerb zu charakterisieren sind. Coase bemerkte, dass die unternehmerische Organisation entsteht, wenn die Transaktionskosten der Marktbenutzung wie Informations-, Verhandlungs- und Sicherungskosten höher als die Betreibung einer Organisation sind. Die Organisationen fördern damit die effizienten wirtschaftlichen Transaktionen und sind eine Antwort auf systematische Marktdefizienten. 13
Weitere Forschung der Koordinationsmechanismen des Markts und der Organisation führte Oliver Williamson durch. Er stellte sich die Frage, wie die Transaktionen und die Anreizstrukturen sowie Sicherungsmaßnahmen des Markts und des Unternehmens organisiert sind. Dabei ist die Verteilung der Vermögensrechte als gegeben berücksichtigt.
Williamson hat fünf für die Transaktionen typischen Aspekte 14 ausgearbeitet, die die Interaktion der Akteuren charakterisieren: Opportunismus, begrenzte Rationalität, begrenzte Anzahl der Partner zur Auswahl, unvollständige Information und Unvollständigkeit der komplexen Verträge. Er betont, dass aus den formalen Verträgen sich ergebende Abhängigkeiten von den Parteien ausgebeutet werden können, da die Unvollständigkeit der Verträge und Mängel der Information bei einzelnen Parteien zu der personalen Unsicherheit führen, die Eigennutzung, Missvertrauen und Konflikte bewirken. Die entstehenden Konflikte werden durch externe Verhandlungen (z.B. Gericht) gelöst, was zusätzliche Kosten bedeutet (Anlage 1).
Er kommt zur Schlussfolgerung, dass die Einrichtung der Governancestrukturen, effizienten Kooperationen und der langfristigen Vertragsbindungen mit informellen Elementen (Normstandards, Moral) sowie interner Verhandlungen (Management) und Entwicklung des Vertrauens notwendige Sicherungsmaßnahmen gegen Ausbeutung, Abhängigkeiten und Konflikte sind. Eine stabile Ordnung wird dabei die Unsicherheit menschlicher Interaktion vermindern. Gleichwohl werden die Koordination und Kooperation als höchst unterschiedliche Governance-Modalitäten definiert. 15
Koordination ist eine ausreichende Allokationsleistung, die mittels
12 Vgl. Wieland, KIeM-WP Nr. 03/2002, S.8
13 Williamson, Journal of Economic Perspectives, V. 16, Nr. 3, Summer 2002, S. 179
14 Williamson, 1985, S. 41, 387
15 Priddat, Economic governance in Schuppert, 2006, S. 173 ff.
4
Preismechanismus funktioniert (für Märkte oder hierarchische
Unternehmensorganisation). Demgegenüber funktioniert Kooperation mittels Autorität, welche nicht hierarchisch eingesetzt ist (z.B. Management). Markt, Unternehmen und ihre Hybride als Zwischenform (Allianzen, Netzwerke usw.) sind somit zwei verschiedenen Formen zur Organisation von Tauschprozessen, die als Governancestrukturen zu bezeichnen sind. In den alternativen Governancestrukturen verschiebt sich Governance von Koordination auf Kooperation. Damit sind die Organisationen Kooperationsarenen, die eine effektive Wertschöpfung generieren können. Hat beispielsweise eine Organisation die Arrangierung relativer Selbständigkeit mit notwendigen Kooperationen sowie Selbststeuerung gelernt, werden der Managementaufwand und die Transaktionskosten sinken. 16
Nach der Auffassung Wielands 17 sind jedoch die Ökonomisierungsstrategien bei der Abwicklung distinkter Transaktionen mit Effizienzgewinnen oder
Gewinnmaximierung nicht identisch. Die moralischen Werte und ihre Kommunikation im Unternehmen haben unter spezifischen Bedingungen ökonomische Konsequenzen bei der Herstellung von Kooperation und bei Sicherung von Transaktionen, soweit sie ihre Identität behalten. Allerdings darf die Moral für die Zwecke der Ökonomie in den langfristigen Transaktionsbeziehungen nicht instrumentalisiert werden.
Die Frage der neuen Organisationsökonomik aus der Sicht der Governanceethik nach Wieland lautet also nicht, wie lässt sich Moral ökonomisch begründen, sondern welche Konsequenzen sie in der Ökonomie besitzt. 18
16 Priddat, Economic governance in Schuppert, 2006, S. 173 ff.
17 Wieland, 1994, S. 218, vgl. Wieland, 2005, S. 78 ff.
18 Wieland, 1994, S. 218, Wieland, 2005, S. 23
5
3. Definition und Gegenstandsbereich der Governanceethik
Unter Governanceethik ist „die Lehre von der komparativen Analyse der moralsensitiven Gestaltung und Kommunikation der Governancestrukturen spezifischer wirtschaftlicher Transaktionen mittels Kooperation“ zu verstehen. 19 Die moralischen Ressourcen und Handlungsbeschränkungen aus organisationalen Regeln und Werten sowie deren Kommunikation in und mittels Kooperationsprojekten sind der Gegenstandsbereich der Governanceethik. Wieland unterscheidet hierbei zwischen dem analytischen, methodischen und normativen Bereich.
Im analytischen Bereich wird die Governanceethik globaler und lokaler, formaler und informaler Strukturen untersucht, die das moralische Handeln des Individuums und der kollektiven Akteure auf Mikro und Makroebene konstituieren und transaktionsspezifisch steuern.
Die moralischen und unmoralischen Regeln, Werte und Anreize verschiedener Governancestrukturen und ihr Einfluss auf entsprechendes ökonomisches Handeln sind die Frage des methodischen Bereichs der Governanceethik, der als komparatives Forschungsprogramm anzusehen ist.
Im Rahmen des normativen Bereiches der Governanceethik werden die ethischen Systeme wie Wertemanagementsysteme oder Ethikauditsysteme in und mittels Organisationen
Steuerungsstrukturen Erwartungssicherheit durch Selbstbindung und indirekte Fremdbindung ausgestaltet und fördern die Kooperationsbereitschaft, Kooperationsfähigkeit und Kooperationschancen der Wirtschaftsakteure durch ökonomische Prämierung und Kommunikation. 20
Die oben genannten Gegenstandsbereiche der Governanceethik werden im Folgenden näher betrachtet.
19 Wieland, 2005, S. 67
20 Wieland, 2005, S. 67 ff.
6
Arbeit zitieren:
L.L.M. Elena Khomeriki, 2007, Governanceethik nach Josef Wieland, München, GRIN Verlag GmbH
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