Mark Hegewald
Mehr Hörer, aber wie?
Strategie zur Programmoptimierung privater
Webradios auf Basis einer Höreranalyse
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung Seite
1
2. Das Webradio
2.1 Begriffsklärung und Definition Seite
7
2.2 Geschichtliche Entwicklung Seite 10
3. Forschungsdesign
3.1 Handlungsleitende Forschungsfragen Seite 22
3.2 Forschungsmethoden Seite
27
3.3 Konzeption des Fragebogen Seite 30
3.4 Der Fragebogen in der Pretestphase Seite 46
4. Datenanalyse
4.1 Aktuelle Forschungsergebnisse Seite 50
4.2 Ergebnisse der Hörerbefragung Seite 57
5. Handlungsempfehlungen
5.1 Grundlagen zur Programmoptimierung Seite 66
5.2 Prog.-Optimierung unter Gender-Gesichtspunkten Seite 71
5.3 Das optimale Webradio (laut Höreranalyse Seite 73
6.
Zusammenfassung Seite
79
7. Anhang und
Nachweise Seite 82
1. Einleitung
Mit der rasanten Verbreitung des Internets hat sich in den letzten
Jahren ein neuer Zweig des Mediums Radio entwickelt, den es so
vorher noch nicht gegeben hat: das Webradio. Im Gegensatz zum
Internetfernsehen, das bislang in Deutschland nur eine kleine Rolle
spielt, erfreuen sich Internetradios bei Machern und Hörern sehr
großer Beliebtheit. Auf Internetportalen wie flatcast.com werden
tausende1 dieser kleinen Webradioprogramme angeboten.
Schätzungen des Deutschen Internet-Radio Verbundes (DIRV)2 gehen
davon aus, dass es mittlerweile mehr Internetradios als klassische
Hörfunksender gibt. Da in diesem neuen Marktsegment jedoch auch
eine sehr hohe Fluktuation herrscht, lässt sich eine genaue Zahl der
Webradios nicht benennen.
Um einen Internetsender zu betreiben, benötigt man nicht sonderlich
viel Technik: Einen Computer, ein Mikrofon und einen
Internetanschluss – mit dieser Minimalausstattung kann man bereits
über das Internet „on air“ gehen und weltweit gehört werden. Das
Senden selbst ist für den Betreiber zunächst erst einmal kostenlos
und prinzipiell hat so ein kleiner Ein-Mann-Betrieb über das Internet
die gleichen technischen Chancen, seine Hörer zu erreichen, wie
beispielsweise ein großes ARD-Programm, das mit bedeutend höherem Aufwand an Technik und Redaktion betrieben wird.
Allerdings fallen unter Umständen auch für den privaten Betreiber
Gebühren für Strom, Internet, Personal und diverse Lizenzen an.
Der geringe Einstiegsaufwand hat dazu geführt, dass zahlreiche
Privatpersonen und Vereinigungen ihren eigenen Internetsender
gegründet haben. Sie tun das manchmal mit breit gefächerter,
oftmals aber mit nur marginaler beruflicher Vorbildung3 und aus
höchst unterschiedlichen Motiven. So variierend wie das
programmliche Angebot, ist demzufolge auch die Qualität der
angebotenen Programme.
In den allerwenigsten Fällen tragen sich diese privaten Webradios in
wirtschaftlicher Hinsicht und noch seltener werfen sie Gewinne ab,
obwohl sie häufig nach den Prinzipien eines klassischen,
kommerziellen Privatradios aufgebaut sind und auch nicht selten
versuchen, eben diese Programme inhaltlich und musikalisch zu
kopieren. Einer der gewichtigsten Gründe für die fehlende
Wirtschaftlichkeit, ist die geringe Einschaltquote privater Webradio-
Programme. Ihnen gelingt es offensichtlich nicht, eine so große
Hörerschicht an sich zu binden, dass sie für die Werbewirtschaft
interessant werden, über deren Werbebudgets sich die
Betriebsausgaben des Senders refinanzieren und eventuell auch
Gewinne erwirtschaften lassen würden.
Gibt es einen Weg, mit dem ein privater Internetradiobetreiber seine
Einschaltquoten verbessern kann? Was wollen die Hörer eines
Webradios hören und wann wollen sie es hören? Warum schalten sie
ein? Wie kann man eine Erhöhung der Quoten durch
Berücksichtigung einzelner Gendergruppen erreichen? Gibt es
„goldene Regeln“ für verschiedene Sender, die von den Machern
Format übergreifend eingesetzt werden können? In diesem Buch soll
versucht werden, auch mittels einer exemplarischen Höreranalyse,
auf diese Fragen eine Antwort zu finden.
Zunächst soll die gemeinsame Ausgangssituation der Webradios
erörtert werden. Dann wird ein Fragebogen für eine Onlineumfrage
erstellt und im Anschluss daran werden die Ergebnisse der
durchgeführten Hörerbefragung dargestellt und ausgewertet.
Anhand der Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen zur
Optimierung des Programmes gegeben werden. Einerseits wird ein
„Erfolgs-Gerüst“ entwickelt, das zur grundlegenden Strukturierung
eines privaten deutschsprachigen Webradio-Programmes beitragen
und auch Sparten übergreifend einsetzbar sein soll. Im Anschluss
daran werden Empfehlungen zur Ausgestaltung des Programmes
nach Gender-Gesichtspunkten gegeben, da sich über diesen Weg
ebenfalls die Einschaltquoten optimieren lassen. Und die dritte
Empfehlung soll der detaillierte, beispielhafte Entwurf eines
Webradio-Programmformates sein, der sich an den durch die Befragung gewonnenen Bedürfnissen der Hörer orientiert und die
größte vorhandene Zielgruppe anspricht.
Diese Vorgehensweise dürfte für Betreiber von privaten
deutschsprachigen Webradios von Interesse sein, weil die
Ergebnisse ein Wissen über die Erforschung von Hörer-Bedürfnissen
vermitteln und bei entsprechend konsequenter Umsetzung dazu
beitragen, den Höreranteil des Senders zu erhöhen. Dadurch kann
ein wirtschaftlicher Erfolg gesteigert, bzw. überhaupt erst erreicht
werden. Zudem kann der Sender selbst durch hohe Hörerzahlen an
gesellschaftlichem Einfluss gewinnen.
Erwähnt sei an dieser Stelle beispielhaft das in Dresden ansässige
Webradio „Radio DD63“. Seine Betreiber und Programmakteure sind
überwiegend regional ansässige Diskotheker ohne größeres
Vorwissen, was die Gestaltung eines Radioprogramms betrifft. Sie
unterhalten ein 24/7-Vollprogramm4 mit einem eigenem
Studiokomplex, der mit semiprofessioneller Technik ausgestattet ist.
Trotz des verhältnismäßig hohen technischen, aber auch
redaktionellen Aufwandes, wird „Radio DD63“ nach eigenen
Angaben5 in einer durchschnittlichen Sendestunde von nur 30
Hörern gleichzeitig eingeschaltet. Selbst die für Spitzenzeiten
genannten 350 parallelen Hörer reichen nicht aus, um das
Programm für Werbekunden attraktiv werden zu lassen.
Für kleine Webradios dieses Formates sollen die Ergebnisse der
vorliegenden Ausarbeitung ein Leitfaden sein. Schon mit wenigen
Handgriffen lassen sich
vorhandene Programme
professionell formatieren,
ohne in dem engen Korsett
eines Radioformates zu
stecken, wie es bei den Machern von klassischen
Hörfunkprogrammen oft der Fall ist. Durch wenige Handgriffe kann
eine höhere Akzeptanz beim Hörer erreicht werden, die sich
letztendlich in der Höhe der Einschaltquote widerspiegelt, weil er ein
Programm, das er mag, wiederholt einschaltet.
Zur Präzisierung sei noch angefügt, dass sich alle hier erwähnten
Untersuchungen auf den deutschsprachigen europäischen
Sprachraum beziehen. Bedingt durch diverse kulturelle Einflüsse
lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf davon abweichende
Sendegebiete übertragen. Radiohörer, die beispielsweise in den
deutschsprachigen Gebieten von Südbrasilien oder Namibia leben,
haben mit großer Wahrscheinlichkeit einen anderen Anspruch an ein
Radioprogramm, als wir Mitteleuropäer.
In den nun folgenden Kapiteln soll zunächst einmal die
geschichtliche Entwicklung des Webradios beleuchtet und die Forschungsfrage, die dieser Untersuchung zu Grunde liegt, näher
erläutert werden. Außerdem werden die Forschungsmethoden näher
erläutert und der Aufbau der Höreranalyse erklärt.
2. Das Webradio
2.1 Begriffsklärung und Definition
Als Webradio bezeichnet man einen Radiosender, der das Internet
als Verbreitungsmedium benutzt. Die Arbeitsgemeinschaft der
Landesmedienanstalten (ALM), deren Mitglieder auch Webradios
beaufsichtigen, definiert ein Webradio so:
„Als Internetradio (Webradio) bezeichnet man ein Internetbasiertes Angebot an Radiosendungen. Die Übertragung erfolgt in der Regel als Streaming Audio; zur Nutzung sind entsprechende Streaming-Clients erforderlich. Webradios bieten ein Programm mit Interaktionsmöglichkeiten. Die Hörer können beispielsweise ihre eigenen Programme zusammenstellen und Programmteile auf CD-Rom oder Memosticks abspeichern.“6
Als klassischer Hörfunk wird im aktuellenen Kontext ein Radiosender definiert, der seine Hörer durch das Aussenden von hochfrequenten elektromagnetischen Schwingungen im Lang-, Mittel-, Kurz-oder Ultrakurzwellenbereich erreicht.
[...]
1 Stand Februar 2009: 2340 angebotene Streams
2 DIRV, online, dirv.de, 2009.
3 das Betreiben eines Hörfunksenders betreffend.
4 sendet 24 Stunden lang an allen sieben Wochentagen, also rund um die Uhr
5 Stand Februar 2009.
6 ALM online, 2009, http://www.alm.de/115.html
Arbeit zitieren:
Mark Hegewald, 2009, Mehr Hörer, aber wie?, München, GRIN Verlag GmbH
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