Gliederung
1. Einleitung 3
2. Der Geist des Kapitalismus in der bürgerlichen Moderne 3
2.1 Strukturelle Veränderungen aufgrund neuer Produktionsmöglichkeiten 3
2.2 Die Arbeit im Kapitalismus 4
2.3 Die Entstehung der Berufsidee 4
3. Die Bestimmung des Arbeiters in der organisierten Moderne 6
3.1 Wirtschaftliche und produktive Situation in der organisierten Moderne 6
3.2 Die Arbeitsteilung in kapitalistischen Organisationen 6
3.3 Der Mensch in Abhängigkeit von arbeitsteilig organisierten Unternehmen 7
3.4 Hierarchische Ordnung in arbeitsteiligen Organisationen 8
3.5 Entstehung der sozialen Ethik 8
3.6 Identitätsprobleme mit rationalen Arbeitsformen 10
4. Die Entwicklung der selbstbestimmten Erwerbstätigkeit in der Postmoderne 11
4.1 Veränderungen der Produktionsprozesse durch technische Innovationen 11
4.2 Der Einfluss der Künstlerkritik auf das Arbeitsleben 11
4.3 Tendenzen zur Flexibilisierung der Arbeit 13
4.4 Abkehr von der hierarchischen hin zu einer vernetzten Struktur 15
4.5 Die Projektarbeit in der Netzstruktur moderner Unternehmen 16
4.6 Probleme der Individuen aufgrund von Netzstrukturen 18
5. Ausblick und Fazit 19
6. Literaturverzeichnis 22
2
1. Einleitung
Der Kapitalismus hat sich seit seiner Entstehung und Benennung Mitte des 19. Jahrhunderts gewandelt, sowohl im Hinblick auf die Produktionsstätten als auch im Hinblick auf die Einheiten der kapitalistischen Prozesse wie die Erwerbspersonen. Dieses hat auch die sozialen Verhältnisse in erheblichem Maße verändert, wie anhand dieser Arbeit dargestellt wird.
Die Wandlung des Kapitalismus seit der bürgerlichen Moderne betrifft vor allem die Organisation der Arbeit und die Einstellung der Erwerbspersonen gegenüber ihrer Tätigkeit. Diese Wandlung ist im Verlauf der Moderne besonders deutlich. Inzwischen ist „Der neue Geist des Kapitalismus“ entstanden, den Luc Boltanski und Ève Chiapello anhand ihrer Untersuchung neuer Managementliteratur skizzieren. Dabei strukturieren sie die historische Entwicklung des Kapitalismus von der ersten Phase, dem „Familienkapitalismus“ mit Motivation aus der protestantischen Ethik heraus und der Rationalisierung des Alltagslebens, in der Max Weber den Geist des Kapitalismus ausmachte, über die zweite Phase, dem „Managerkapitalismus“, in der die Arbeitsteilung in Großkorporationen vorherrschte und der Fokus auf die Effizienz gelegt wurde, zum nunmehr „dritten Geist des Kapitalismus“ mit dem Wiederbeleben der Individualität innerhalb des Arbeitsprozesses 1 .
Diese historische Entwicklung lässt sich von der posttraditionalistischen Berufsidee über die berufliche Sozialisation in hierarchischen Organisationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu neuen beruflichen Strukturen zum Ende des 20. Jahrhunderts darstellen. Daher wird zunächst der Webersche Begriff des „Geist des Kapitalismus“ beleuchtet.
2. Der Geist des Kapitalismus in der bürgerlichen Moderne
2.1 Strukturelle Veränderungen aufgrund neuer Produktionsmöglichkeiten
Mit der Industrialisierung begann in der bürgerlichen Moderne die Abhängigkeit der erwerbstätigen Menschen in Lohnarbeit für die industrielle Produktion. Zuvor bestimmten in der Mehrzahl Handwerker, Arbeiter in der Landwirtschaft und selbständige Kaufleute die Erwerbsarbeitsstruktur, nach Entstehung der kapitalistischen Betriebe fanden vor allem die in der Landwirtschaft durch Einsatz
1 Boltanski, Luc / Chiapello, Ève: Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz 2003, S. 57
3
von Maschinen freigesetzten Arbeitskräfte als Lohnarbeiter ihre Beschäftigung in großer Zahl in der Industrie. Darüber hinaus mussten viele als Einzelunternehmer tätige Handwerker ihre Selbständigkeit aufgeben, da ihre Tätigkeit kostengünstiger durch die industrielle Produktion übernommen wurde. So fanden sehr viele Menschen aufgrund der veränderten Produktionsverhältnisse Arbeit in industriellen Unternehmen.
2.2 Die Arbeit im Kapitalismus
Der Begriff des Arbeitens wird immer dann verwendet, wenn sich der Mensch zur Sicherung seines Lebensunterhalts mit seiner Umgebung auseinandersetzt, dieses erfolgt arbeitsteilig organisiert in Gesellschaft 2 . In der arbeitsteiligen Industriegesellschaft entsteht aufgrund der Spezifizierung der Fähigkeiten des Einzelnen eine wechselseitige Abhängigkeit der Menschen voneinander, da die Bedürfnisse jedes Mitglieds der Gemeinschaft befriedigt werden sollen 3 . Dadurch treten Menschen durch die Arbeit und die gegenseitige Vermittlung der Produkte in soziale Beziehungen. Den sozialen Aspekt der Arbeit hat auch Werner Sombart wie folgt dargestellt: „Alle menschliche Arbeit ist gesellschaftliche Arbeit … in dem Sinne, dass die Arbeit keines Menschen ohne die Arbeit eines anderen Menschen möglich ist.“ 4 Damit befriedigt die Arbeit psycho-soziale Bedürfnisse wie Sinn und Gemeinschaft und ermöglicht dem Individuum die Stärkung der sozialen Identität 5 . Die traditionalistische Einstellung zur Arbeit als reinen Erwerbszweck ist damit zumindest um eine soziale Komponente erweitert. Der Traditionalismus sah in der Aufgabe der Arbeit lediglich die Fortführung der bestehenden Verhältnisse und somit lag das Interesse an der Arbeit allein im Handeln und Wirtschaften 6 .
2.3 Die Entstehung der Berufsidee
Der Beruf ergibt sich aus der Spezialisierung und der Dauer der gesellschaftlichen Arbeit, die spezialisierten Tätigkeiten werden durch Fähigkeiten und Kompetenz durch den Einzelnen auf Dauer gestellt. Die Basis für die soziale Identität im
2 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München
1993, S.9
3 Vgl. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Die Rechtsphilosophie von 1820. Stuttgart 1974, S. 645 - 646
4 Sombart, Werner: Der moderne Kapitalismus. Berlin 1969, S. 7
5 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München
1993, S.9
6 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 360
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Berufsleben wird während der Ausbildung in der Formung der Arbeitskraft gelegt als Grundlage für die lebenslange Erwerbstätigkeit. 7
Die Organisation dieser Erwerbstätigkeit erfolgt im Kapitalismus an den Chancen des Gütermarktes orientiert in rational organisierten Betrieben. Die Trennung von Haushalt und Betrieb ist ein wesentliches Merkmal dieser Organisationen. 8 Als Leitmotiv des Kapitalismus stellt Weber das Erwerben als Zweck des menschlichen Lebens fest, wobei die Berufspflicht eine neue Dimension darstellt: Die Verpflichtung des Einzelnen gegenüber seiner Erwerbstätigkeit, gleichwohl ob es sich hierbei um den Einsatz seiner Arbeitskraft oder eigenen Kapitals handelt 9 . Der Beruf stellt als eigene Art der Lebensführung die Aufgabe im Rationalismus dar, die der Mensch durch Selbstbetätigung als Pflicht anerkennt und erfüllt, damit wird die protestantische Ethik als Lebenseinstellung akzeptiert. Die jeweilige Lebensstellung wird zum Beruf 10 . Laut Weber sah Luther den Beruf als göttliche Fügung und damit traditionalistisch geprägt 11 , dadurch erfolgte der Ausdruck von Nächstenliebe zu Gott 12 , während der Rationalismus den Beruf nach seiner Erzeugung von Profit für das Gemeinwohl bewertete und damit utilitaristischen Charakter besaß 13 . In der kapitalistischen, also der auf Gewinn und Rentabilität ausgerichteten Wirtschaftsordnung, die den Lebensstil jedes Einzelnen bestimmt, ist es ein Muss, Berufsmensch zu sein, wobei die Erfüllung des Menschen durch die Ausübung des Berufs nicht vorrangig ist, sondern die Anerkennung der Berufspflicht eine höhere Bedeutung hat 14 . Dagegen galt in der vorkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft die Arbeit noch als Ausdruck der Geisteshaltung und Garantie einer gewünschten Lebensführung, da der Beruf der Veranlagung entsprechend gewählt werden sollte 15 . Aber im Sinne einer ökonomischen Lebensführung soll der Beruf rational erfüllt werden, alles Künstlerische ist abzulehnen 16 . So ist auch der Lebensinhalt des „Berufsmenschen“ auf sachliche, rationale Zwecke ausgerichtet, das Individuum tritt dabei völlig in den Hintergrund 17 . Vielmehr erfolgt die Etablierung der ökonomischen
7 Vgl. Daheim, Hansjürgen / Schönbauer, Günther: Soziologie der Arbeitsgesellschaft. Weinheim und München
1993, S. 13 - 18
8 Vgl. Weber, Max: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Tübingen 1920, S. 7 - 8
9 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 44 - 45
10 Vgl. ebenda, S. 65 - 66
11 Vgl. ebenda, S. 72
12 Vgl. ebenda, S. 126
13 Vgl. ebenda, S. 171 - 172
14 Vgl. ebenda, S. 188
15 Vgl. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Die Rechtsphilosophie von 1820. Stuttgart 1974, S. 652
16 Vgl. Weber, Max: Die protestantische Ethik I. Gütersloh 1991, S. 324
17 Vgl. ebenda, S. 347
5
Lebensführung im Kapitalismus als Durchsetzung einer Anschauungsweise von Menschengruppen, was Weber als den kapitalistischen Geist bezeichnete 18 , also eine Anhäufung von Eigenschaften und Verhaltensmustern, die rational kapitalistisch sind. Schließlich beeinflussen die ökonomischen Bedingungen des Kapitalismus nicht nur den Arbeitenden, sondern jeden in dem sozialen Umfeld lebenden Menschen 19 , und besitzen damit kollektiven Charakter. Die ökonomischen Bedingungen weisen zudem in die organisierte Moderne und ihre rationalste Form der Arbeitsorganisation.
3. Die Bestimmung des Arbeiters in der organisierten Moderne
3.1 Wirtschaftliche und produktive Situation in der organisierten Moderne
Vorrangig im Kapitalismus ist die rationale Organisation der Arbeit, die eine günstige Kostenstruktur der Produktionsmittel im Unternehmen ermöglicht. Daher wurde die Rationalisierung der Tätigkeiten innerhalb der industriellen Betriebe gefördert, der vorherrschende „Taylorismus“ gestaltete die menschliche Arbeit nach mechanischen Gesichtspunkten mit dem Ziel der Leistungssteigerung 20 . Dadurch wurde der Rationalismus ins Extreme vorangetrieben und die menschliche Arbeitskraft punktuell eingesetzt und dem Vorbild der Maschine angeglichen. Die Abhängigkeit der Arbeiter bezog sich damit nicht nur auf das Kapital sondern auch auf die weiteren Produktionsmittel.
3.2 Die Arbeitsteilung in kapitalistischen Organisationen
Ausgehend von der Berufsidee, der Pflicht des Berufsmenschen, im Rationalismus gestaltet sich eine neue berufliche Sozialisation in arbeitsteiligen Organisationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Organisation ist hier die Ordnung der menschlichen Arbeit, soweit sie mehrere Personen miteinander in Verbindung bringt 21 . Dabei erfolgt die Arbeitsteilung durch Zerlegung der Produktionsabschnitte in einfachste Elemente und Zuordnung dieser Elemente zu je einem Arbeiter 22 . Den Organisationen ist zur Gewinnmaximierung daran gelegen, die Kosten für die
18 Vgl. ebenda, S. 37
19 Vgl. ebenda, S. 188
20 Vgl. Fürstenberg, Friedrich: Einführung in die Arbeitssoziologie. Darmstadt 1977, S. 39
21 Vgl. Sombart, Werner: Der moderne Kapitalismus. Berlin 1969, S. 8
22 Vgl. Fürstenberg, Friedrich: Einführung in die Arbeitssoziologie. Darmstadt 1977, S. 11
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Martina Schroeder, 2006, Der neue Geist des Kapitalismus , Munich, GRIN Publishing GmbH
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