Inhalt:
1. EINLEITUNG 3
2. DER WEG AN DIE MACHT - OKTAVIAN VOR 27 V. CHR. 4
2.1. OKTAVIANS ANSPRÜCHEN FEHLT DAS BREITE FUNDAMENT DER FÜRSPRECHER. 4
2.2. ERSTE UMSTRUKTURIERUNGEN DES SENATS: DIE ANHÄNGER DES OKTAVIAN WERDEN ZAHLREICHER 6
2.3. NEUSTRUKTURIERUNG DES SENATS 7
2.4. HEBUNG DER EXKLUSIVITÄT UND KONTROLLIERBARKEIT EINES STANDES 9
3. 27 V. CHR. - ZEITWENDE FÜR AUGUSTUS UND DAS VERHÄLTNIS ZUM SENAT 10
3.1. DIE WIEDERHERSTELLUNG DER REPUBLIK. BEGINN DER GEGENSEITIGEN ABHÄNGIGKEIT ZWISCHEN
PRINCEPS UND SENAT 10
3.2. RESTITUTA REPUBLICA - DER GERINGE WERT DIESER GEWICHTIGEN WORTE 13
4. ZEICHEN EINER NOCH INSTABILEN HERRSCHAFT. 14
4.1. 23 V. CHR. - JAHR DER KRISE 14
5. DAS SELBSTBEWUSSTSEIN AUGUSTUS´ WÄCHST 16
5.1. ZWEITE STRUKTURIERUNG DES SENATS DURCH LECTIO SENATUS 18 V. CHR. 16
5.2. DAS KRÄFTEVERHÄLTNIS ZWISCHEN AUGUSTUS UND SENAT WIRD UNGLEICH - URSACHEN. 18
6. INSTITUIERUNG EINER PARALLELE HERRSCHAFTSAUSRICHTUNG, WELCHE
ZENTRALISTISCH AUF DEN DOMUS AUSGERICHTET IST 19
6.1. DER SENAT WIRD POLITISCH BEDEUTUNGSLOS 20
6.2. DER POLITISCHE WERT VON PERSÖNLICHEN BEZIEHUNGEN - AMICITIA UND DELATORENTUM 21
7. UNUMKEHRBARKEIT DES GESCHAFFTEN. 23
8. REKAPITULATION. 23
9. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS: 25
2
1. Einleitung
Der erste römische Kaiser Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums stehen seit jeher in der wissenschaftlichen Diskussion.
Die Auseinandersetzung in dieser Arbeit soll nicht zeitlich linear erfolgen. Vielmehr werden Merkmale des Verhältnisses zwischen dem obersten Gremium in Rom und dem Princeps in verschiedenen Abschnitten des Herrschaftssicherungsprozesses untersucht und miteinander verglichen. Schließlich muss festgestellt werden, dass der Untersuchungsgegenstand einem zeitlichen Wandel unterliegt, der in der wachsenden Stabilität der Alleinherrschaft des Augustus seinen Ausdruck fand.
„Der Seesieg bei Actium im September 31, Alexandreias Einnahme, Antonius´ und Kleopatras Selbstmord hatten den dreiunddreißigjährigen Adoptivsohn und Erben Caesars, den späteren Augustus, zum alleinigen Gebieter über die Mittelmeerwelt gemacht“ 1 . Es soll in diesem Text aufgezeigt werden, dass diese Machtpotenz bei weitem nicht ausreichen konnte, um eine stabile Herrschaft einer einzelnen Person zu etablieren. Dazu bedurfte es mannigfaltigen Rahmenbedingungen, die nicht von Augustus selbst hätten geschaffen werden können.
Darunter fällt der Hang zu Sicherheit und Stabilität - ein Anliegen, welches das Bürgertum mit der Aristokratie nach 3 Bürgerkriegen in knapp 60 Jahren miteinander verband. In der Verheißung von Stabilität lag möglicherweise jenes Moment, welches den Triumvirn auf dem Weg zum Monarchen gestützt hat, und es ihm nicht erging wie seinem Adoptivvater Caesar, welcher die Absicht, allein zu herrschen, allzu deutlich hatte durchblicken lassen 2 . In dem jungen Caesar verband sich das Vertrauen aller Klassen der römischen Öffentlichkeit, dass seine Person als der ausschließliche Bürge für die Erhaltung des Friedens in Frage kam. War er doch nach Actium der mächtigste Römer seiner Zeit.
Die politische Frage, die Cassius Dio im Abriß der römischen Geschichte fiktiv in Form einer Debatte zwischen Oktavian, M. Agrippa und C. Maecenas einschaltet, betraf nichts Geringeres als die Entscheidung zwischen der Einführung der Monarchie und der
1 Pflaum S. 319
2 Pflaum S. 320 „Sein Sohn und Erbe wird nicht denselben Fehler begehen, er wird sein Leben lang allein
herrschen, aber stets den Schein wahren, der Vollstrecker des Volkwillens zu sein“
3
Wiederherstellung der republikanischen Verfassung. In diesem Gespräch kamen die Probleme, deren Beantwortung alle verantwortlichen Kreise beschäftigte klar zum Ausdruck.
Beide Varianten wären in ihrer Vollkommenheit nicht umsetzbar gewesen, was zu einem freiwilligen Kompromiss führte, der Augustus letztlich dorthin führte, wo er stehen wollte. An der Spitze der Macht.
Die Entwicklung von der restituta res publika“ zur Augustäischen Herrschafft wird von wechselnden Phasen des gegenseitigen Umgangs der beiden Parteien, Senat / Princeps bestimmt. Die folgende Gliederung ist ein Vorschlag, diese Phasen zu definieren und so Struktur in die zeitliche Dimension der Wechselbeziehung zu bringen.
1. Hervortasten, Kompromisse, Rücksichtnahme aufgrund der gefährlichen Situation.
2. Dominanz, Unterdrückung, Kontrolle bei zu geringem Rückhalt.
3. Institutionalisierung, Konsolidierung als neuer Weg.
2. Der Weg an die Macht - Oktavian vor 27 v. Chr.
2.1. Oktavians Ansprüchen fehlt das breite Fundament der Fürsprecher
Die Wirren der späten Republik und der darauf folgenden Zeit des Triumvirats bilden die Ausgangssituation eines Herrschers, der als Hochverräter begonnen hatte, und den bis dahin nur wenig dafür geeignet befunden haben, dass zu sein, was er wenige Dekaden später repräsentiert hatte.
4
Octavian, der Adoptivsohn des Gaius Iulius Caesar, wurde nach seinem Sieg bei Actium durch zahlreichen Ehrungen und Würden erhöht 3 .
Aber der soziopolitische Rückhalt in der Nobilität war zu diesem Zeitpunkt keineswegs zuverlässig, denn es war ein offenes Geheimnis, dass der Krieg gegen Antonius längst nicht bei allen „entscheidenden gesellschaftlichen Gruppen Roms“ 4 erwünscht gewesen war, nicht einmal nach dessen Sieg.
Der Eid des Senates am 1. Januar 29 v. Chr., alle Verfügungen des Kaisers anzuerkennen und der viel zitierte consensus universorum 5 vermitteln Einigkeit und Zustimmung seiner Militärklientel und des Senates, die nach Karl-Ernst-Petzold „auf das Entstehen einer großen politischen und militärischen Gefolgschaft […] die auch in der Folgezeit das Fundament seiner Herrschaft bildete“ 6 hinweist. Der Eid des Senates muss unter einer Prämisse bewertet werden, tragen die Würdenträger doch mannigfaltige Erwartungen an den Konsul heran.
Der Sieger von Actium scharte potentielle amici und clientes um sich, für deren Zustandekommen die Ehre des Sieges und die Nachfolge Caesars nicht unwesentlich gewesen sein dürften. Bei den Standesgenossen hatte der durch Caesars Gunst emporgestiegene nobilis einige Konkurrenten 7 , um die Schließung des neu entstandenen Machtvakuums. Die Propaganda des verstorbenen Antonius, die Oktavian als Hindernis auf dem Weg zur Wiederherstellung der Res Publica denunzierte 8 , war noch nicht verloschen und der Altadel erhob den Anspruch, seinen früheren Einfluss aus Zeiten der Republik zurück zu gewinnen. Sehr beweiskräftig wird diese Konstellation von der Verschwörung des M. Aemilius Lepidus, Sohn des Triumvirn, unterlegt, der ein Komplott gegen den ruhmreich aus Ägypten zurückkehrenden Oktavian geschmiedet hatte, welches aber mit der Hinrichtung desselben ein jähes Ende fand 9 .
3 So zum Beispiel die Schließung der Tore des Ianus-Quirinus-Heiligtums auf Senatsbeschluß am 11. Januar 29
v. Chr.
Diese Handlungen spiegeln in Anfängen den vorauseilenden Gehorsam wieder.
siehe Kienast S. 65f., Dettendorfer S. 63
4 Dettendorfer S.62
5 RG 34
6 Petzold S. 625
7 … Konkurrenten, sie den aus einer plebeischen Familie des Landadels entstammenden gerade deswegen
ohnehin nur gering schätzten, denn er gehörte nicht dazu.
8 Dettendorfer S. 61
„Er [Lepidus] wird sich Antonius´ Propagandatopos zu eigen gemacht haben, wonach die Person Octavians als
das eigentliche Hindernis für die Wiederherstellung der res publica anzusehen war.“
9 Dettendorfer S. 60
Ein Freund des Oktavian, Maecenas, deckte die Pläne des Lepidus in Rom auf und sandte Ihn zu Oktavian.
5
Aber auch im Stadtrömertum sollen laut Dettendorfer „erhebliche Ressentiments“ 10 gegen den bestätigten Konsul vorhanden gewesen sein, die der „neue Wohltäter“ Oktavian mit Schuldtilgungen, umfangreichen Kriegsbeuteausschüttung von je 400 HS an die männlichen römische Plebs sowie seinen Veteranen und des vierfachen der sonst üblichen Getreidespende an das Stadtvolk 28 v. Chr. zerstreuen konnte. 11
2.2. Erste Umstrukturierungen des Senats: Die Anhänger des Oktavian werden zahlreicher
Angesichts der zahlreichen Antagonisten in der Hocharistokratie und dem Senat, welcher ja den obersten Stand in der Stadt repräsentierte, war es zunächst geboten, treue Gefolgsleute in obere zentrale Positionen zu hieven 12 . Mithilfe der lex saenia (Ende 30 v. Chr.) vermochte er in dieser ersten Phase seiner Amtszeit Vertrauen zu gewinnen, indem er plebejische Familien in den Patrizierstand erhob, so dass sie ihm zu Dank verpflichtet und Loyal sein würden. 13 Ohne den Senat und seine hochrangigen Mitglieder, die das Funktionieren des
Staatsapparates gewährleisteten 14 , war ein Regieren noch 15 nicht denkbar - darin war Oktavian sicher. In diesem Gremium waren die Personen vertreten, welche in Politik, Heer und Verwaltung Machtpositionen innehatten. Beamte, Richter, Statthalter und Generäleunverzichtbar für den Moment - wenn man die Klientel der Mitglieder mit einschließt. Das eigentliche Gewicht des Senats, so Bleicken 16 bestand also in der Stellung der Senatoren.
Daneben gab es wichtige Personen 17 mit einflussreichem Klientel, die Oktavian, nachdem sie ihm im Bürgerkrieg zur Seite gestanden haben in seinen zukünftigen Schritten nicht einfach unberücksichtigt lassen konnte. Der Senat als Verwaltungsträger 18 des Reiches war in der
10 Ebd. S. 3
11 Ebd. S. 72
12 Diese Vorgehensweise war nicht ganz neu, hat sich doch Caesar ähnlicher Methoden bedient und ein
exemplum statuiert.
13 siehe Kienast S. 128, Dettendorfer S. 66
14 siehe Bleicken S.18
Die Verwaltungserfahrung dieser Gruppe war unabkömmlich, denn zunächst konnte kein Stand außer den
Aristokraten diesen Platz genügend ausfüllen.
15 Bleicken (S. 277) stellt die Funtion des Senates als „noch“ unentbehrlich hin.
16 Ebd. S. 293
17 Wie zum Beispiel Maecenas und Asimius Pollo
18 Die Bedeutung des Senats war als Reservoir der obersten Führungskräfte größer denn je. Von Wichtigkeit
waren zum Beispiel Vertreter des Kaisers in den Provinzen (legati augusti pro praetore), Legionskommandeure.
Siehe dazu Bringmann S. 66
6
Frühphase der Augusteischen Periode ein Element, auf den sich der Kaiser stützte und auf den er angewiesen war. 19
So bestand für Augustus auch mit den ihm ergebenen Senatoren die drängende Verbindlichkeit, sein Versprechen, die „aristokratisch- timokratische Gesellschaftsordnung“ 20 aufrecht zu erhalten und zu stabilisieren. Die privilegierte Geld- und Amtsaristokratie forderte Zugeständnisse gegenüber ihrem Stand und gewährte Oktavian dafür den latenten Zustand eines Geduldeten und Respektierten. 21 Vorläufig musste sich Oktavian also mit den traditionellen Herrschaftsansprüchen der nobiles arrangieren, indem er das empfindliche Vertrauen der Senatoren nicht aufs Spiel setzte.
Konstellationen wie die eines Triumvirates waren, wie die Vergangenheit gezeigt hat, nicht lange stabil und die republikanische Form der Diktatur, nämlich die während einer zeitlich begrenzten Notstandsperiode , war von Sulla und Caesar empfindlich überstrapaziert worden. Der Senat schwächelte zwar in diesen Phasen gegenüber einzelnen Konsuln, indem er den militärischen Großaufgeboten nur wenig entgegenzusetzen hatte und innerhalb der Senatoren keinesfalls Geschlossenheit bestanden hatte. Die 400 Jahre dauernde Herrschaft der Aristokraten war um 27 v. Chr. gegenüber ruckartigen machtpolitischen Umwälzungen aber noch weitgehend resistent. Es gab zunächst keine für Oktavian sichere Alternative zur Rückkehr zur Republik.
2.3. Neustrukturierung des Senats
Abgesehen von bevorstehenden Vorgängen staatsrechtlicher Art, widmet sich Oktavian von nun an mit stetigem Interesse dem Senat und seiner inneren Struktur.
Die erste lectio senatus verlief ganz im Sinne der ältesten „ämterstolzen“ Nobilität, 22 weil der Konsul Oktavian 29/28 v. Chr. mit seinem Kollegen und Freund Agrippa den längst überfälligen Zensus lectiones senatus durchführte. In welcher Funktion Oktavian diesen durchführte ist umstritten. 23 Das Censorenamt hatte er allerdings nicht inne, woraus Dettendorfer schließt, dass „nach Oktavians Einschätzung von Seiten der Oberschichten keine
19 Bleicken S. 279
20 Höhn S.204
21 Ebd. S. 204 f.; Dettendorfer S. 64
22 „…ja sie war innerhalb des Senats, der durch die von Caesar und den Triumvirn vorgenommene Aufnahme
neuer Mitglieder augebläht worden [und] zu einer Minderheit geworden“
Bringmann S. 61
23 Dazu Dettendorfer S. 65
7
Arbeit zitieren:
Johannes Schulz, 2009, Das Verhältnis zwischen Augustus und dem Senat zwischen 24 v. Chr. und 13 n. Chr., München, GRIN Verlag GmbH
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