Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Pragmatik und Kommunikation - Sprachliches Handeln - Kompetenzen. 4
2.1 Pragmatik. 4
2.2 Kommunikation. 4
2.3 Sprachliches Handeln. 5
2.4 Kompetenzen. 6
3. Spracherwerbsphasen unter Berücksichtigung der pragmatischen
Kompetenzentwicklung. 6
3.1 Pränatale Phase. 6
3.2 Präverbale Phase. 7
3.3 Einwortäußerungen. 8
3.4 Zweiwortäußerungen. 8
3.5 Drei- und Mehrwortäußerungen. 9
3.6 Komplexe Strukturen. 10
4. Grundlegende Prinzipien für die Produktion und Interpretation
sprachlicher Äußerungen. 11
4.1 Formprinzip. 11
4.2 Semantisches Prinzip. 11
4.3 Kooperationsprinzip. 11
5. Exkurs: Der Input - Drei Phasen des Lehr-Lern-Prozesses. 12
5.1 Die Ammensprache („baby talk“) 12
5.2 Die stützende Sprache („scaffolding“) 13
5.3 Die lehrende Sprache („motherese-fatherese“) 13
6. Der Diskurs - Zur Entwicklung von Gesprächstechniken. 13
6.1 Basale Fähigkeiten. 13
6.2 Präverbaler Diskurs. 14
6.3 Diskurs im Kleinkindalter. 14
6.4 Diskurs im Kindergartenalter. 15
6.5 Diskurs im Grundschulalter. 15
7. Spracherwerbstheorien - Prädisponiert Kognitive Muster im Hintergrund
oder Input über soziale Interaktionen? 16
7.1 Die nativistische Theorie. 16
7.2 Die sozial-interaktionistische Theorie. 16
7.3 Die rational-konstruktivistische Theorie. 16
8. Ausblick 17
9. Literatur- und Quellenverzeichnis. 18
9.1 Schriftentum. 18
9.2 Artikel aus Sammelwerken. 19
9.3 Quellen und Informationen aus dem Internet. 19
2
1. Einleitung
In der Auseinandersetzung mit der 'Entwicklung kommunikativ-pragmatischer Kompetenz im Erstspracherwerb' spannt sich ein weiter thematischer Bogen über eng verknüpfte Wissenschaften. So müssen neben der Sprachwissenschaft und Kommunikationswissenschaft auch Teildisziplinen der Entwicklungspsychologie, wie die der Ontogenese, beleuchtet werden.
Der Ursprung menschlicher Kommunikation gründet sich in einer vielseitigen und mannigfaltigen Sprache. Durch sie können Intentionen, Wünsche und Abneigungen zum Ausdruck gebracht werden und als zentraler Aspekt des humanen Lebens steht die Sprache in enger Beziehung zu kognitiven und sozialen Fähigkeiten. „Viele Fortschritte des Denkens werden erst durch die Sprache ermöglicht, so wie auch umgekehrt das Denken das sprachliche Wissen beeinflusst.“ 1 Das gesamte Leben ist sprachlich durchdrungen. So werden kulturelle Formen und kulturelles Wissen durch zwischenmenschliche Kommunikation erworben und gefestigt. Gerade die Entwicklung eines jeden Kindes zu gesellschaftlicher und persönlicher Identität verzahnt sich mit der Fähigkeit sprachlichen Wirkens und bietet so die Chance globaler Interaktion.
„Es ist wichtig zu wissen, dass Sprache, Mensch und Kultur eine Einheit bilden. Kinder schwimmen von Beginn an in einem Strom von Sprache. Je mehr sie sich davon aneignen, je fortgeschrittener ihr Sprachwissen ist, umso tiefer wachsen sie in die geistige Welt ihrer Kultur hinein und werden auf diese Weise selbst geistig geformt.“ 2
Das Kind wächst in sprachliche Handlungsformen hinein und erwirbt so im Austausch mit wichtigen Personen seiner Umwelt die Regeln der Sprache. Der bekannte Sprachpsychologe HANS HÖRMANN sah in „der Sprache [...] alle Möglichkeiten des Menschseins beschlossen“ 3 .
Sprache, ob nun verbal durch Laute oder nonverbal über die Mimik und Gestik, bietet Kindern eine „radikal neue Form kognitiver Repräsentation [...], die die Art und Weise verändert, wie [sie] die Welt auffassen.“ 4
1 Grimm, Hannelore: Störungen der Sprachentwicklung. Grundlagen - Ursachen - Diagnose -Intervention - Prävention. 2., überarbeitete Auflage. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe-Verlag für Psychologie, 2003, S. 15.
2 Ebd., S. 15.
3 Hörmann, Hans: Psychologie der Sprache. 2., überarbeitete Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer, 1977, S. 1.
4 Tomasello, Michael: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, S. 115.
3
Die sich anschließenden Kapitel werden wesentliche Teilaspekte des kindlichen Erstspracherwerbs anführen und sollen so, durch die Darstellung zentraler Inhalte und anhand eines aktuellen Forschungsstandes, den Bogen über Sprache, Kommunikation und Pragmatik aufspannen. Das Anliegen besteht also darin, einen möglichst breiten Blick über die Thematik aufzuzeigen, ohne dabei jeden angesprochenen Aspekt in seiner vollen Tiefe darzustellen. Vielmehr sollen die zahlreichen Verschmelzungspunkte der Teilgebiete, die durch das Thema tangiert werden, verdeutlicht werden.
2. Pragmatik und Kommunikation - Sprachliches Handeln - Kompetenzen
2.1 Pragmatik
Pragmatik untersucht, wie sprachliche Ausdrücke in den jeweiligen Situationen verwendet werden. Sie analysiert die Bedeutung, die einer bestimmten Äußerung in einer ganz bestimmten Situation zukommt. Sie „befasst sich also mit dem Sprachgebrauch, d.h. welche sprachlichen Äußerungen in den verschiedenen Situationen vorkommen und wie sie zu bestimmten Zwecken in der täglichen Kommunikation eingesetzt werden.“ 5 Jeder Sprecher möchte einen bestimmten Inhalt vermitteln und er verfolgt so über eine spezifische Äußerung ein gerichtetes Ziel. Grundlegend für diese Form der Vermittlung ist ein System von Regeln, die zum zentralen Thema der Pragmatik werden. Das sprachliche Zeichensystem und das System von Sprachgebrauchsregeln arbeiten für die Pragmatik Hand in Hand. „Beide Systeme gemeinsam erlauben es erst, die Art und Weise, wie Menschen die Sprache gebrauchen umfassender zu beschreiben.“ 6
2.2 Kommunikation
Kommunikation definiert sich in „zwischenmenschliche[r] Verständigung, vor allem durch Sprache als besondere Form sozialer Interaktion [und spiegelt sich so als] absichtsgelenktes und zielgerichtetes, auf das Bewusstsein von Partnern einwirkendes und eigenes Bewusstsein veränderndes sprachliches Handeln [wider]“ 7 . Somit ist Kommunikation eine besondere Form des Verhaltens. Handeln, als intentionales Verhalten, führt über partnerorientiertes Handeln zur Interaktion zwischen Sender und
5 Gadler, Hanspeter: Praktische Linguistik. Eine Einführung in die Linguistik für Logopäden und Sprachheillehrer. 4.Auflage. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag, 2006, S. 202.
6 Ebd., S. 203.
7 Kluckhohn, Kim: Kleines Glossar zur „Einführung in die Sprachwissenschaft“. Leipzig, Stand Juli 2004. Online im Internet: URL: http://www.uni-leipzig.de/~kluck/a1/glossar.htm [Zugriff 18.08.2008]
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Empfänger. Beide verfügen über ein teilweise übereinstimmendes Weltwissen und einen weitgehend übereinstimmenden Sprachschatz. Diese Interaktion kann sich über Symbole zur Kommunikation entwickeln und so über intentionale, verbale Kommunikation im Sprachgebrauch in interaktive Sprechhandlung münden. Produzent und Rezipient müssen sich in der bestehenden Kommunikationssituation individuell definieren und die sprachlichen Äußerungen auf diesem Hintergrund formulieren, verstehen und im weiteren Gesprächsverlauf berücksichtigen. 8 Bei Kindern beginnt das Erlernen dieser Kommunikationsmuster schon lange bevor sie ihre ersten Wörter formulieren können. Sie orientieren sich dabei an ihrer Umwelt und zeigen so, auch in der präverbalen Phase (siehe Kap. 3.2), kommunikative Absichten.
„In ernsthaften wie spielerischen Kommunikationssituationen lernt das Kind in den ersten 12 bis 15 Monaten die wesentlichen Elemente einer menschlichen Kommunikation kennen. Es entdeckt, dass hinter jeder Botschaft, die ein Sender ausschickt, eine Absicht steckt, dass diese Botschaft in einer Sprache, einem Code verschlüsselt [ist, der zu entschlüsseln ist]. Es spürt, dass die Beziehung, die die Kommunikationspartner zueinander haben, für Erfolg und Misserfolg der Kommunikation von großer Bedeutung ist, und es lernt unterschiedliche Kommunikationsmittel kennen.“ 9
Von immanenter und fundamentaler Wichtigkeit ist für das Kind das Aneignen des 'turn-taking', des abwechselnd Sprechens, und die damit verbundene Fähigkeit der Rollenübernahme. Schon im spielerischen Umgehen miteinander sind die Ansätze für diese Prinzipien verwurzelt.
2.3 Sprachliches Handeln
Wie schon oben gezeigt, liegt in jeder Kommunikation eine Art des Verhaltens, in Form einer Sprachhandlung vor. Die in die Handlung eingebettete sprachliche Äußerung (Lokution) wird als Sprechakt bezeichnet. Diese kann u.a. in genuin sprachlicher Form auftreten, wie das Taufen, aber auch zur Veranlassung einer bestimmten Handlung, wie das Bitten, Auffordern oder Befehlen, dienen. Schließlich handelt man auch sprachlich, indem man jemanden etwas fragt, ihm etwas erklärt, mitteilt, erzählt und so weiter. Über performative Verben (drohen, warnen, versprechen, etc.) wird die illokutive Funktion der Äußerung beschrieben. Der erfolgreiche Vollzug des
Sprechaktes wird Perlokution genannt. Der Bezug zwischen Kommunikation, Handlung
8 Vgl. Linke, A., Nussbaumer, M., Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik. Ergänzt um ein Kapitel „Phonetik/Phonologie“ von Urs Willi. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, 2004, S. 197.
9 Winner, Anna: Kleinkinder ergreifen das Wort. Sprachförderung mit Kindern von 0 bis 4 Jahren. Berlin, Düsseldorf, Mannheim: Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, 2007, S.38.
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und Pragmatik liegt in der Beziehung sprachlicher Zeichen auf die jeweilige Sprechsituation (Sender, Empfänger, Ort und Zeit).
2.4 Kompetenzen
Unter kommunikativer Kompetenz versteht man, „die sich entwickelnde Fähigkeit von Kindern, komplexe verbale Aktivitäten so zu organisieren, dass jeweils ein intersubjektiv gültiges Muster etabliert wird, innerhalb dessen sich die zielorientierten kommunikativen Pläne des Kindes realisieren“ 10 . Es ist also nötig das in einer Sprachgemeinschaft gegebene Repertoires in einem möglichst breiten Spektrum souverän zu beherrschen. 11
Die pragmatische Kompetenz fügt sich hier fast nahtlos mit an. Für sie steht das kommunikative System im Mittelpunkt - wobei es ihr um den angemessenen kommunikativen Gebrauch von sprachlichen Ausdrücken in jeweils differenzierenden Kontexten geht. Die pragmatische Kompetenz verweist auf drei Teilbereiche, die oben aufgeführten Sprechhandlungen, die Konversationshandlungen, die sich mit gesprächssteuernden Prinzipien auseinander setzen und den Diskurs, auf den weiter unten näher einzugehen ist.
Die folgenden zeitlichen Angaben in Bezug auf die vorliegende Phaseneinteilung, können nur als Richtwerte angesehen werden, da es durch die heterogene Konstellation der Kinder immer wieder zu individuellen Abweichungen kommen kann. Diese Diskrepanzen müssen allerdings nicht automatisch ein Indiz für eine gestörte Sprachentwicklung darstellen. Dennoch, bezogen auf die dargestellten Phasen an sich, kann man von einem kontinuierlichen Verlauf dieser ausgehen, bei dem im gesunden sprachlichen Erwerb keine Phasen ausgelassen oder untereinander vertauscht werden.
3.1 Pränatale Phase
Nach dem dritten bis vierten Monat hat der Fötus ein funktionsfähiges Gehör ausgebildet. Nachweislich reagiert er bereits auf laute Umweltgeräusche. In eher abgedämpfter Form dringt die Sprache seiner Mutter zu ihm hindurch, die er zwar nicht
10 Vgl. Hausendorf, Heiko und Quasthoff, Uta M.: Sprachentwicklung und Interaktion. eine linguistische Studie zum Erwerb von Diskursfähigkeiten. Opladen: Westdt. Verlag, 1996, S.26f.
11 Vgl. Linke, A., Nussbaumer, M., Portmann, Paul R.: Studienbuch Linguistik, S. 349.
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Arbeit zitieren:
Andreas Port, 2008, Entwicklung kommunikativ-pragmatischer Kompetenz im Erstspracherwerb, München, GRIN Verlag GmbH
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