Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 1
2. (RADIKALER) SKEPTIZISMUS AN DER RATIONALITÄT IN
ORGANISATIONEN 3
2.1 ALLGEMEINE GRUNDLAGEN UND BEGRIFFSABGRENZUNGEN 3
2.1.1 Skeptizismus und radikaler Skeptizismus 3
2.1.2 Rationalität und rationales Verhalten 4
2.1.3 Radikaler Skeptizismus an der Rationalität in Organisationen 6
2.2 SCOTT ADAMS SKEPTIZISMUS AN DER RATIONALITÄT IN ORGANISATIONEN 8
2.2.1 Wer ist Scott Adams? und wer ist Dilbert? 8
2.2.2 Grundfragen, Basisannahmen und Hauptaussagen 9
2.2.3 Rolle und Verhalten von Individuen bei Scott Adams 12
2.3 FAZIT 14
3. SCOTT ADAMS THEORIE IM LICHTE DES ORGANIZATIONAL
BEHAVIOR -ANSATZES 15
3.1 DER ORGANIZATIONAL BEHAVIOR-ANSATZ 15
3.2 SCOTT ADAMS THEORIE UND DER ORGANIZATIONAL BEHAVIOR-ANSATZ 17
4. CONCLUSIO 21
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS 23
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 23
TABELLENVERZEICHNIS 23
LITERATURVERZEICHNIS 24
- II -
1. Einleitung
Der Mythos der Rationalität in und von Organisationen wird zunehmend aufgeweicht. 1 Moderne Theorien, wie jene des Institutionalismus oder die Rational Choice Theorie stimmen überein, dass Organisationen nicht (notwendigerweise) effizient sind und nach streng rationalen Maßstäben operieren. So besagt das Rational-Choice-Theorem, dass jegliches Verhalten individuell intentional ist und dass Akteure nur ihren individuellen Interessen (wie objektiv verrückt diese auch sein mögen) folgen. „Dummheit“ ist dabei nichts anderes als unvollständige Information, die es im Übermaß gibt. 2 Während aber für rationales Verhalten nach wie vor eine Fülle an Erklärungsansätzen unterschiedlichster Disziplinen vorzufinden sind, ist die Suche nach Theorien im Bezug auf irrationales Verhalten ungleich schwieriger. Scott Adams’ Überlegungen rund um das „Dilbert-Prinzip“ sind ein möglicher Ansatz um das Zustandekommen absurder und irrationaler Verhaltensweisen in Organisationen zu erklären. Adams, US-amerikanischer Cartoonist, Buchautor und Erfinder von „Dilbert“ geht davon aus, dass Individuen von Natur aus „dumm“ und daher zu rationalem Verhalten, verstärkt durch eine zunehmend komplexere Umwelt nicht in der Lage sind.
In der vorliegenden Arbeit werden die Adams’schen Überlegungen über die Absurdität und Irrationalität individuellen Handelns in Organisationen als eine Art radikaler Skeptizismus am organisationalen Rationalitätspostulat verstanden. Dabei steht, wie es eben dem Skeptizismus inhärent ist, Adams aber vor dem Problem der Selbstwidersprüchlichkeit seiner Theorie, die er jedoch durch eine einfache Ausnahmenregel durchbricht. Ziel der Untersuchung ist es nicht nur Adams radikalen Skeptizismus an der Rationalität individuellen Verhaltens zu erläutern, sondern auch im Lichte fünf ausgewählter klassische Organizational Behavior-Ansätze zu analysieren. Im Rahmen dieser Aufarbeitung gilt es folgende Fragen zu beantworten: Was ist unter radikalen Skeptizismus an der Rationalität in Organisationen zu verstehen? Wodurch lässt sich die Irrationalität von Organisationen in Scott Adams Theorie begründen? Welche Rolle und welches Verhalten kommt dabei den Individuen zu? Wo lassen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Scott Adams Theorie und ausgesuchten Theorien aus dem Organizational Behavior-Ansatzes ausmachen?
1 Vgl. Goleman, 1997, S. 76f; vgl. Robbins, 2001, S. 134ff; vgl. Berger/Bernhard-Mehlich, 2006, S. 169ff;
vgl. Walgenbach, 2006, S. 345ff.
2 Vgl. Abraham, 2001, S. 2ff, Stand vom 10.05.2009.
1
Zur Beantwortung dieser aufgeworfenen Fragestellungen wurde folgende methodische Vorgehensweise ausgewählt:
Zu Beginn der Arbeit erfolgt eine Erläuterung der allgemeinen Theorie über den Skeptizismus und das rationale Handeln. Es soll ein gemeinsames Begriffsverständnis aufgebaut und Abgrenzungen zu verwandten Konstrukten vorgenommen werden. Darauf aufbauend werden die Überlegungen von Scott Adams dargestellt. Es wird auf die Person Scott Adams eingegangen und die Grundfragen, Ausgangsprämissen und Schlussfolgerungen seiner Theorie erläutert. Im Anschluss daran erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse sowie eine Überleitung zum Organizational Behavior-Ansatz.
Kapitel drei der Arbeit geht nicht nur auf den Organizational Behavior-Ansatz ein, sondern analysiert auch Scott Adams Annahmen über das Individuum anhand ausgewählter, klassischer Ansätze aus der Organizational Behavior-Forschung, wie beispielsweise anhand des Reife-Unreife-Kontinuums der Persönlichkeit von Argyris oder des Theorie-X-Theorie-Y-Ansatzes von McGregor.
Im letzten Teil der Arbeit werden die wesentlichen Ergebnisse der gesamten Arbeit zusammengefasst und die Theorie von Adams kritisch gewürdigt.
2
2. (Radikaler) Skeptizismus an der Rationalität in
Organisationen
Grundlagen und Begriffsabgrenzungen im Bezug auf den Skeptizismus im Allgemeinen und den radikalen Skeptizismus am Rationalitätspostulat in und von Organisationen im Besonderen stehen im Mittelpunkt des ersten Teils der folgenden Ausführungen. Ziel ist es, ein gemeinsames Begriffsverständnis von Skeptizismus, Rationalität und rationalem Verhalten in Organisationen zu schaffen. Darauf aufbauend beschäftigt sich der zweite Teil dieses Kapitels mit Scott Adams und dessen Überlegungen über das (ir-)rationale Verhalten in Organisationen. Es geht darum die Prämissen, Hypothesen und Schlussfolgerungen von Scott Adams’ Theorie zu erläutern, das Dilbert-Prinzip sowie die Rolle und das Verhalten von Individuen bei Adams darzustellen. Den Abschluss dieses Kapitels bildet eine Zusammenfassung über die bisherigen Ergebnisse.
2.1 Allgemeine Grundlagen und Begriffsabgrenzungen
Wie der Titel der Arbeit andeutet, geht es in der vorliegenden Untersuchung darum, dass rationales Verhalten in Organisationen angezweifelt, Scott Adams Ideen als möglicher Erklärungsansätze für irrationales Verhalten in Organisationen näher dargestellt und seine Überlegungen unter dem Blickwinkel des Organizational Behavior-Ansatzes analysiert werden sollen. Zu Beginn aber steht, wie bereits erwähnt, der Zweifel, die Skepsis.
2.1.1 Skeptizismus und radikaler Skeptizismus
Skeptizismus leitet sich aus dem Wort skepsis ab. Skepsis stammt aus dem Griechischen und bedeutet betrachten, überlegen, prüfen. Skepsis, als ein Terminus in der Erkenntnistheorie und Erkenntniskritik, bezeichnet die Position des (kritischen) Zweifelns und begründet damit die philosophische Grundposition des Skeptizismus. Der Skeptizismus erhebt die Skepsis, also das kritische Zweifeln, als seine Methode des Denkens und verneint die Erkenntnismöglichkeit von Wirklichkeit, Wahrheit und allgemein gültigen Normen. Dabei ist zwischen dem generellen, methodischen und radikalen Skeptizismus zu unterscheiden: Während der generelle Skeptizismus sich gegen jeden Wahrheitsanspruch richtet, macht der methodische Skeptizismus die Wahrheitsansprüche von der jeweiligen Argumentationsbasis abhängig. Als radikalen Skeptizismus, der Skeptizismus in seiner radikalen und absoluten Form, wird jene Position bezeichnet, die die generelle und grundsätzliche Möglichkeit von Erkenntnis
3
verneint. 3 Das bedeutet, dass der radikale Skeptizismus davon ausgeht, dass nichts mit sicherem Wissen gewusst werden kann. 4
Dass sich der Skeptizismus mit dem Anspruch zu wissen, dass nichts gewusst werden kann, in eine Selbstwidersprüchlichkeit verstrickt, ist Thema zahlreicher
philosophischer, wissenschafts- und erkenntnistheoretischer Auseinandersetzungen 5 dies sei hier erwähnt, ist aber nicht zentraler Inhalt der Seminararbeit. Die vorliegende Arbeit untersucht nicht den Skeptizismus per se, sondern gebraucht lediglich den Begriff des (radikalen) Skeptizismus dahingehend, indem sie - bezugnehmend auf die Überlegungen von Adams - Zweifel am Postulat des rationalen Handelns von Individuen in Organisationen erhebt und dadurch implizit die Rationalität der Organisation als Gesamtes in Frage stellt. Was unter Rationalität und rationalen Verhalten zu verstehen ist, wird in den folgenden Ausführungen erläutert.
2.1.2 Rationalität und rationales Verhalten
Das lateinische Wort ratio bedeutet Vernunft und rational kann mit vernünftig oder auf einer logisch-schlüssigen Ableitung basierend gleichgesetzt werden. Das Gegenteil von rational ist irrational. 6 Als Substantive von rational gelten Rationalisierung und Rationalität:
Rationalität wird einerseits im Sinne von rationalen Denken und Handeln verwendet und andererseits als rationale Beschaffenheit von Abläufen und Zusammenhängen (Rationalisierung) verstanden. 7 Die Rationalität bezieht sich im allgemeinsten Sinne auf das Vorhandensein von und die Fähigkeit der Menschen (in ihrem Denken und Handeln) zur Vernunft, Gesetzmäßigkeit, Regelmäßigkeit und -haftigkeit, Ordnung sowie Berechen- und Planbarkeit. 8
Als Rationalisierung wird „die Ersetzung traditioneller, zufälliger Verfahren und Handlungsweisen durch geplante, klarer strukturierte und wiederholbare Methoden nach Kriterien der Zweckmäßigkeit, Effektivität, Berechenbarkeit und
Beherrschbarkeit“ 9 , mit dem Ziel der Erhöhung der Wirksamkeit dieser Kriterien
3 Vlg. Gatzemeier, 2004, S. 823.
4 Vgl. Musgrave, 1993, S. 19.
5 Vgl. Musgrave, 1993, S. 19; vgl. Gabriel, 2008, S. 10f.
6 Vgl. Brockhaus, 1998, S. 54.
7 Vgl. Ebenda, S. 58.
8 Vgl. Brentel, 1999, S. 23.
9 Vgl. Brockhaus, 1998, S. 54.
4
bezeichnet. Im Zuge der Industrialisierung und im Anschluss daran durch Taylor, Ford, Weber und Fayol trat die Rationalisierung der Arbeitsschritte und -abläufe in den Mittelpunkt organisatorischer Betrachtungen. 10
Da der Fokus der vorliegenden Arbeit vielmehr auf der verhaltenswissenschaftliche Ebene und somit auf das Handeln und Entscheiden von Individuen in Organisationen liegt, wird auf die Rationalisierung von Arbeitsabläufen und -verfahren nicht weiter eingegangen.
Für Stefan Gosepath, Professor der Philosophie an der Universität Bremen, können sowohl Personen als auch Handlungen rational sein. Personen sind rational, wenn sie rationale Meinungen und Wünsche äußern und mit Bezug auf diese rational handeln. Handlungen, Entscheidungen, Meinungen oder Wünsche werden als rational bezeichnet, wenn sie wohlbegründet oder durch Gründe gerechtfertigt sind. Sind sie es nicht, dann gelten sie als irrational. 11
Während in der Psychologie sowohl rationale als auch irrationale Aspekte menschlichen Verhaltens diskutiert und erforscht werden, gehen die Vertreter der Ökonomie und der Wirtschaftswissenschaften von einem rein rationalen menschlichen Verhalten aus. Ökonomen und Wirtschaftswissenschafter sehen den Menschen als ein rationales Individuum, welches fortwährend im Rahmen genau definierter Grenzen in sich stimmige, nutzenmaximierende und somit wohlbegründete Entscheidungen trifft (homo economicus). 12 Diesen Entscheidungen liegt das Modell der rationalen Entscheidungsfindung (Nutzwertanalyse) zu Grunde, wo davon ausgegangen wird, dass das Handeln und Entscheiden von Individuen folgende Phasen durchläuft:
1. Definition des Problems
2. Ermittlung von relevanten Entscheidungskriterien für die Lösung des Problems 3. Gewichtung der Entscheidungskriterien 4. Suchen von Alternativen 5. Bewerten der Alternativen
6. Auswahl der besten/nutzenmaximierendsten Alternative
Das Modell der rationalen Entscheidungsfindung fusst auf den Prämissen der vollständigen Information über die Entscheidungssituation und Kriterien, der völligen Kenntnis über jedmögliche Alternativen sowie jeglicher Abwesenheit zeitlicher oder
10 Vgl. Wolf, 2008, S. 230ff.
11 Vgl. Gosepath, 1999, S. 9.
12 Vgl. Simon, 1986, S. 209ff,
5
Arbeit zitieren:
M.A. Barbara Maria Weber, 2009, Radikaler Skeptizismus an der Rationalität in Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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