Danksagung
An dieser Stelle möchte ich den zahlreichen Personen, die mir bei der Anfertigung dieser Diplomarbeit geholfen haben, herzlich danken:
Ich bedanke mich bei denjenigen Personen, die sich bereit erklärt haben an den Befragungen im Rahmen dieser Diplomarbeit teilzunehmen. Im Besonderen bedanke ich mich bei Herrn Prof. Dr. Heiko Faust für die Betreuung und die Unterstützung bei dieser Arbeit. Ebenso danke ich Herrn Prof. Dr. Karl-Heinz Pörtge für das Koreferat. Für die Unterstützung meiner Arbeit im Untersuchungsgebiet Chiang Mai bedanke ich mich bei Herrn Dr. Harald Kirsch und dem Geographischen Institut der Chiang Mai University. Für das Korrekturlesen dieser Arbeit bedanke ich mich bei Frau Ann-Christine Schaper, Frau Juliane Pomowski, Herrn Stefan Büssenschütt, Herrn Wojciech Brachaczek und Herrn Tjerk Zitscher. Herrn Dipl.-Geogr. Florian Schierhorn danke ich für die Hilfe im Gebrauch des Statistikprogramms „Stata 9.2“.
Für die Unterstützung während meiner gesamten Studienzeit danke ich im Besonderen meinen Eltern.
Zur Verbesserung der Lesbarkeit und um die Übersichtlichkeit zu wahren, wird im Verlaufe dieser Arbeit zumeist auf die doppelte Nennung männlicher und weiblicher Bezeichnungen verzichtet. Ist im Folgenden z. B. von Besuchern oder Teilnehmern die Rede, dann sind damit sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.
I
Tourismus in Chiang Mai
Inhaltsverzeichnis
Danksagung I
Inhaltsverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis V
Übersetzung der verwendeten thailändischen Begriffe VI
Umrechnungskurse VI
Verzeichnis der Abbildungen VII
Verzeichnis der Tabellen VIII
1. Einleitung 1
2. Theoretischer Rahmen 3
2.1 Einordnung in das Fachgebiet 3
2.2 Gliederung und Zielstellung der Arbeit 3
2.2.1 Gliederung der Arbeit 3
2.2.2 Zielstellung der Arbeit 4
2.3 Hypothesen und Fragestellung 4
2.4 Methodik der Arbeit 6
3. Tourismus 7
3.1 Definitorischer Ansatz 7
3.2 Die aktuelle globale Situation des Tourismus 10
3.2.1 Trends und Motive im heutigen Tourismus 11
3.2.2 Reisestile der Urlaubsreisenden 12
3.3 Tourismusgeographische Forschungsansätze 12
3.4 Tourismus in Entwicklungsländern 16
3.4.1 Chancen und Risiken 16
3.4.2 Differenzierung der Entwicklungsländerreisenden 17
3.5 Das Reiseverhalten der Deutschen 18
3.5.1 Die Entwicklung des internationalen Reiseverhaltens der Deutschen 18
3.5.2 Differenzierung der deutschen Reisenden 20
3.5.3 Der deutsche Fernreisende 21
II
Tourismus in Chiang Mai
4. Thailand 25
4.1 Ein länderkundlicher Überblick 25
4.1.1 Geographische Lage 25
4.1.2 Klimatische Bedingungen 25
4.1.3 Bevölkerung 27
4.1.4 Regierung und Politik 27
4.1.5 Weitere Länderinformationen 29
4.1.6 Wirtschaft in Thailand 29
4.2 Tourismus in Thailand 30
4.2.1 Die aktuelle touristische Lage 30
4.2.2 Die Entwicklung des Tourismus in Thailand 32
4.2.3 Die “Tourism Authority of Thailand (TAT) 35
4.2.4 Schwächephasen im thailändischen Tourismus 36
4.2.5 Chancen und Probleme Thailands als Tourismusdestination 38
4.2.6 Deutscher Tourismus in Thailand 40
5. Chiang Mai 43
5.1 Vorstellung des Untersuchungsgebiets 43
5.1.1 Die Provinz Chiang Mai 43
5.1.2 Die Stadt Chiang Mai 46
5.1.3 Klimatische Bedingungen 49
5.1.4 Bevölkerung 49
5.1.5 Erläuterung der räumlichen Begrifflichkeiten des Untersuchungsgebietes 51
5.2 Tourismus in Chiang Mai 51
5.2.1 Die touristische Infrastruktur Chiang Mais 54
5.2.2 Trekking-Tourismus 58
5.2.3 Deutscher Tourismus in Chiang Mai 60
6. Empirische Untersuchungen 64
6.1 Befragung 2006 64
6.1.1 Methodischer Aufbau des Fragebogens (Befragung 2006) 66
6.1.2 Ergebnisse der Befragung 2006 68
6.2 Befragung 2008 die Wahrnehmung Chiang Mai 80
6.2.1 Methodischer Aufbau des Fragebogens (Befragung 2008) 80
III
Tourismus in Chiang Mai
6.2.2 Ergebnisse der Befragung 2008 82
6.3 Profil der deutschen Chiang Mai Besucher 86
7. Zusammenfassung und Fazit 91
Quellenverzeichnis 96
Literaturquellen 96
Weitere Quellen 101
Anhänge 103
(Anhang 1): Einwohnerverteilung in der Provinz Chiang Mai 103
(Anhang 2): Der Fragebogen zur ersten Befragung 2006 104
(Anhang 3): Der Fragebogen zur zweiten Befragung 2008 105
(Anhang 4): Ethnische Minderheiten in Thailand 106
(Anhang 5): Eigenschaftsprofil der Stadt Chiang Mai aus Sicht deutscher Besucher 107
(Anhang 6): Reiseländer der Deutschen im Jahr 2006 108
(Anhang 7): Geordnete Auswertung der Befragung 2008 (Sem. Differenzial) 109
IV
Abkürzungsverzeichnis
> Abb. Abbildung ASEAN Association of Southeast Asian Nations BB Brandenburg BE Berlin BIP Bruttoinlandsprodukt BW Baden-Württemberg BY Bayern CPI Corruption Perceptions Index et al. und andere f folgende Seite ff folgende Seiten HB Bremen HDI Human Development Index HE Hessen HH Hamburg i. e. das heißt Kap. Kapitel m Meter km Kilometer km² Quadratkilometer M Mittelwert MD Modalwert MV Mecklenburg-Vorpommern N Grundgesamtheit n Umfang der Stichprobe NI Niedersachsen NW Nordrhein-Westfalen PPP ehemalige thailändische Partei (Phak Palang Prachachon, „Volkspartei“) RP Rheinland-Pfalz V
S. Seite SD Standardabweichung für den Mittelwert einer Stichprobe SH Schleswig-Holstein SL Saarland SN Sachsen ST Sachsen-Anhalt Tab. Tabelle TH Thüringen THB thailändischer Baht (Währung) TRT ehemalige thailändische Partei (Thai Rak Thai, deutsch: „Thais lieben Thais“) u. a. unter anderem vgl. vergleiche WTO World Tourism Organization z. B. zum Beispiel zit. n. zitiert nach
Übersetzung der verwendeten thailändischen Begriffe
Thai: Deutsch: Thanon Straße Wat Tempel Amphoe Landkreis Maenam Fluss Chedi Teil einer buddhistischen Tempelanlage
Umrechnungskurse
1 Euro (€) = 45.19 Baht (THB) = 1.28 $ (US-Dollar)
(Stand: 26.11.2008, 15:53:44; Quelle: http://www.x-rates.com)
VI
Tourismus in Chiang Mai
Verzeichnis der Abbildungen
Abb. 1: Entwicklung der deutschen Ausgaben für private Auslandsreisen 19
Abb. 2: Entwicklung deutscher Urlaubsreisen nach Reisedistanz 22
Abb. 3: Thailand (Karte) 26
Abb. 4: Entwicklung der internationalen Besucherzahlen Thailands (1960 2007, in Mio ) 37
Abb. 5: Entwicklung deutscher Besucherzahlen in Thailand (1997 2007) 41
Abb. 6: Die Provinz Chiang Mai (Karte) 44
Abb. 7: Der goldene Chedi des Wat Doi Suthep (Foto) 45
Abb. 8: Chiang Mai Stadtgebiet (Foto) 46
Abb. 9: Das Stadtgebiet (mit der quadratischen Altstadt) von Chiang Mai (Karte) 48
Abb. 10: Das Stadtgebiet (mit der quadratischen Altstadt) von Chiang Mai (Luftbild) 48
Abb. 11: Klimadiagramm der Stadt Chiang Mai 49
Abb. 12: Deutsches Restaurant in Chiang Mai (Foto) 50
Abb. 13: Die Übernachtungszahlen internationaler Besucher Chiang Mais 52
Abb. 14: Die quadratische Altstadt und das Wirtschaftszentrum von Chiang Mai (Karte) 53
Abb. 15: Die Entwicklung der Beherbergungsstatistik in Chiang Mai (1988 2007) 56
Abb. 16: Deutsche Besucherzahlen Chiang Mais nach Monaten (2002 2007) 62
Abb. 17: Das German Hofbräuhaus am Chiang Mai Nachtmarkt (Foto) 65
Abb. 18: Differenzierung der befragten Deutschen nach Bundesland 2006 (in ) 70
Abb. 19: Trends deutscher Raumentwicklung (2005) 71
Abb. 20: Anteil der in Chiang Mai befragten Deutschen 72
Abb. 21: Das Interesse der Deutschen an Thailands Kultur, Geschichte und der Natur (2006) 76
Abb. 22: Interesse an Kultur, Natur, Geschichte Thailands (2006) 77
Abb. 23: Angegebene Schlüsselbegriffe der Befragten zu Thailand (2006, in ) 78
Abb. 24: angegebene Schlüsselbegriffe der Befragten zu Chiang Mai (2006, in ) 79
Abb. 25: Differenzierung der Befragten nach Berufsgruppen (2008, in ) 83
Abb. 26: Befragte Besucher nach Geschlecht (2008, in ) 87
Abb. 27: Altersstruktur der befragten Deutschen (2008, in ) 87
Abb. 28: Differenzierung der Altersstruktur hinsichtlich des Geschlechts (2008, in ) 88
Abb. 29: Befragte Deutsche nach Berufsgruppen (2008, in ) 89
Abb. 30: Besuchshäufigkeit der befragten Deutschen in Thailand (links, in ) 89
Abb. 31: Besuchshäufigkeit der befragten Deutschen in Chiang Mai (rechts, in ) 89
Abb. 32: Die Aufenthaltsdauer der befragten Deutschen (in ) 90
Abb. 33: Die Wahrnehmung Chiang Mais aus der Sicht deutscher Besucher (in ) 93
VII
Tourismus in Chiang Mai
Verzeichnis der Tabellen
Tab. 1: Der Anteil deutscher Urlaubsformen nach Destinationsdistanz (2008, in ) 23
Tab. 2: Internationale Besucherzahlen Thailands (1998 2007) 31
Tab. 3: Die ansässigen Unternehmen in der Tourismusindustrie Chiang Mais (2002) 55
Tab. 4: Vergleich touristischer Infrastruktur thailändischer Tourismuszentren (2002) 57
Tab. 5: Die Einnahmen und Wertsteigerungen der Tourismusindustrie Chiang Mais (2002) 58
Tab. 6: Herkunftsregion (in Deutschland) der Befragten (2006) 69
Tab. 7: Wahrnehmung Chiang Mais aus deutscher Sicht (2008, in ) 85
VIII
1. Einleitung
Im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts fand in Deutschland ein bedeutender Wandel innerhalb der Gesellschaft statt. Es vollzog sich eine Entwicklung, die die Definition eines jeden Individuums verstärkte und die Gesellschaft von einer reinen Arbeitsgesellschaft immer mehr in Richtung einer Arbeits- und Freizeitgesellschaft formte. Die Arbeitszeit nahm zugunsten der freien Zeit stets ab und durch das gleichzeitige Wohlstandswachstum konnte auch Geld für Freizeitbeschäftigungen, wie beispielsweise das Reisen, investiert werden. So haben sich z. B. die deutschen Ausgaben für Auslandsreisen seit 1970 mehr als verzehnfacht und erreichten im Jahr 2007 einen Wert von etwa 52 Mrd. Euro (Reisemonitor 2008). Aufgrund der steigenden globalen Mobilität nimmt auch der potentielle Reiseradius weiter zu. Die Ansprüche der Reisekonsumenten werden stets anspruchsvoller. Diese Entwicklungen treffen auf die meisten Industrieländer der Erde zu, sodass der globale Tourismus in den meisten Teilen der Welt immer weiter an Bedeutung gewinnt und gegenwärtig als einer, der global am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige gilt. Gerade die touristische Entwicklung in der Region Südostasien verlief in den vergangenen Jahrzehnten so positiv wie in kaum einer anderen Region weltweit. Die südostasiatischen Staaten fungieren überwiegend als Tourismusdestinationen. Thailand gehört innerhalb Südostasiens zu den am stärksten von Touristen frequentierten Staaten und stellt auch im weltweiten Vergleich mit 14,5 Mio. ausländischen Besuchern im Jahr 2007 eine bedeutende Destination dar.
„Thailand hat einfach alles, was sich Touristen […] nur wünschen können: herrliche erholsame Strände, waldreiche und einsame Berge, vor Waren berstende Shopping Center und eine der raffiniertesten Küchen der Welt. Dazu kommen Tempel […]. Und vergessen wollen wir auch nicht den wohl wichtigsten Aspekt eines liebenswerten Landes – die Menschen. Die Thais sind die freundlichsten, hilfsbereitesten und tolerantesten Gastgeber, die man sich nur wünschen kann. Der Begriff vom „Land des Lächelns“ ist sicher nicht ohne Grund geprägt worden“ (KRACK 1989: 7).
Thailand selbst hat verschiedene touristisch interessante Regionen und Städte zu bieten, die jährlich viele ausländische Besucher anziehen. Eine dieser für den internationalen Tourismus wichtigen Regionen ist Chiang Mai im Norden Thailands. Mehr als jeder fünfte der über
1
530.000 deutschen Touristen besuchte bei seinem Aufenthalt in Thailand auch Chiang Mai. „Chiang Mai is one of the most famous cities for tourism in Thailand. It is known for its friendly and serene people and cultural events […]” (MINGSARN, K 2005). Neben dem historisch und kulturell sehr interessanten Stadtgebiet ist auch die ländlich geprägte Umgebung für den Tourismus sehr attraktiv. OELRICH (2009) schreibt: „In der Umgebung der Stadt Chiang Mai erleben Nordthailand-Besucher eine Welt, die wenig mit dem Massentourismus im Süden zu tun hat“. Obwohl Chiang Mai nicht am Meer liegt und somit keine der für Thailand so typischen Strände anbieten kann, besuchen jährlich etwa 1,7 Mio. internationale Touristen die Provinz Chiang Mai.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die touristische Lage der Provinz Chiang Mai und im speziellen die der gleichnamigen Provinzhauptstadt untersucht und analysiert.
2
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Einordnung in das Fachgebiet
Das Hauptelement dieser Arbeit befindet sich im Bereich der Humangeographie. Hinsichtlich der speziellen Fachrichtung innerhalb der Humangeographie liegt der Schwerpunkt in der anthropogeographischen Teildisziplin der Freizeit- und Tourismusgeographie. Die „Geographie der Freizeit und des Tourismus“ ist seit den 1960er Jahren als eine eigenständige sozialgeographische Teildisziplin innerhalb der Humangeographie anerkannt (HEINEBERG 2004: 20). Weiter spielen Elemente des Fachgebiets der Wirtschafts- und Sozialpsychologie eine Rolle, mit denen diese Arbeit vorrangig über die Befragung 2008, in der eine Imageanalyse der Stadt Chiang Mai erstellt werden soll, verknüpft ist.
2.2 Gliederung und Zielstellung der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Provinz Chiang Mai und im speziellen die gleichnamige Provinzhauptstadt hinsichtlich des Tourismus. Dabei wurde der Schwerpunkt dieser Untersuchung auf die deutschen Besucher dieser thailändischen Region gelegt, die vor Ort befragt werden.
2.2.1 Gliederung der Arbeit
Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Tourismus, in der sowohl die definitorischen (vgl. Kap. 3.1) als auch die globalen touristischen Entwicklungen (vgl. Kap. 3.2) verdeutlicht werden, beschäftigt sich das Kapitel 3.4 mit dem Tourismus in Entwicklungsländern. Schließlich wird auf die Tourismusentwicklung der Deutschen (vgl. Kap. 3.5) eingegangen. Das Kapitel 4.1 stellt einen allgemeinen länderkundlichen Überblick Thailands dar und stellt die für den Tourismus wichtigen Faktoren heraus, um anschließend näher auf die Tourismussituation (Kap. 4.2) des Landes einzugehen.
3
Der darauffolgende Abschnitt dieser Arbeit beschäftigt sich dann mit dem eigentlichen Untersuchungsgebiet Chiang Mai, welches im Kapitel 5.1 vorgestellt und dann mit Bezug auf den Tourismus (Kap. 5.2) beschrieben wird. Der empirische Teil der Arbeit (Kap. 6) beschreibt die Methoden der Befragung und zeigt bzw. analysiert die erhobenen Ergebnisse. Abschließend folgt ein zusammenfassendes Fazit dieser Arbeit.
2.2.2 Zielstellung der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, mit Hilfe von empirischen Untersuchungen vor Ort, zu analysieren, wie deutsche Touristen Chiang Mai während ihres Aufenthalts wahrnehmen. Außerdem soll ein Besucherprofil erstellt werden, dass die Zielgruppe der deutschen Touristen in Chiang Mai verdeutlicht.
Verknüpft mit der vorherigen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Tourismus und dessen Entwicklung in Thailand, bzw. speziell in Chiang Mai, wird in Bezug zu den Ergebnissen der eigenen Erhebungen das tourismuswirtschaftliche Potential Chiang Mais analysiert.
2.3 Hypothesen und Fragestellung
Basierend auf der vorangegangenen Literaturrecherche und auf den persönlichen Eindrücken des Autors während mehrerer Besuche in Chiang Mai, in denen viele Gespräche mit anderen Reisenden, aber auch im Tourismus tätigen Bewohnern Chiang Mais über den Tourismus stattfanden, ließen sich folgende Hypothesen aufstellen, die im Verlaufe dieser Arbeit unter anderem mit Hilfe der beiden durchgeführten Befragungen untersucht werden sollen:
• Der Tourismus stellt für die Stadt Chiang Mai, aber auch für dessen gleichnamige Provinz eine der wichtigsten wirtschaftlichen Einnahmequellen dar. Darüber hinaus stellt dieser Bereich des tertiären Sektors viele Arbeitsplätze für die gesamte Region zur Verfügung.
• Chiang Mai ist eines der wichtigsten Tourismuszentren des Landes, das besonders jüngere individuelle Reisende (vor allem „Rucksackreisende“) anzieht. Sie sehen in Chiang Mai einen Ort, der weniger im Zeichen des üblichen Pauschal- bzw.
4
Massentourismus steht als viele andere durch den Tourismus geprägte Regionen Thailands.
• Das Besucherprofil zeichnet sich durch einen niedrigen Altersdurchschnitt, einen relativ hohen Bildungsgrad und ein hohes kulturelles Interesse an Thailand aus.
• Die Stadt Chiang Mai zeichnet sich in der Wahrnehmung der Befragten durch Sicherheit, Sauberkeit und den Naturraum ihrer Umgebung aus.
• Trotz der Größe von etwa 400.000 Einwohnern wirkt Chiang Mai auf die meisten Besucher nicht wie eine laute, unübersichtliche und überfüllte Großstadt sondern hat sich den Charme einer kleinen Provinzstadt größtenteils bewahrt.
• Chiang Mai wird auf Grund der Freundlichkeit der Einwohner durch die Besucher sehr positiv wahrgenommen.
• Viele Reisende kommen vor allem wegen der Trekkingtouren (Abenteuertourismus) nach Chiang Mai, die in jedem Reiseführer angepriesen werden. Durch den Trekking-Tourismus profitiert auch das Umland der Stadt.
• In ihren spontan mit Chiang Mai assoziierten Begriffen werden die meisten Besucher die zahlreichen historischen und kulturellen Attraktionen, wie beispielweise die zahlreichen Tempel, die sich im Stadtgebiet befinden, nennen.
• Die Befragten empfinden die Prostitution (Rotlichtmilieu) in Chiang Mai als eher unauffällig und nicht störend.
• Die meisten deutschen Besucher, die einen in der Regel zuverlässigen öffentlichen Personennahverkehr gewohnt sind, werden mit der entsprechenden Situation im Stadtgebiet von Chiang Mai nicht zufrieden sein, da es weder Busse noch eine ausreichende Anzahl an Taxis gibt.
• Der überregional bekannte „Chiang Mai Nachtmarkt“ und der „Chiang Mai Sonntagsmarkt“ sind zwei der Hauptattraktionen für die deutschen Touristen.
• Beinahe jeder der befragten deutschen Besucher verlässt Chiang Mai mit einem positiven Gesamteindruck und bezeichnet einen Besuch der Stadt zusammenfassend als lohnend.
5
2.4 Methodik der Arbeit
Im Verlauf der Erstellung dieser Arbeit wurden sowohl Primär- als auch Sekundärerhebungen für die touristische Analyse Chiang Mais verwendet. Neben der umfangreichen Literaturrecherche dienten vor allem die Tourismusstatistiken des offiziellen thailändischen Tourismusamtes „Tourism Authority of Thailand“ (TAT) als Informations- und Datenquellen. Auf die ausführliche theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema Tourismus folgten praktische Untersuchungen vor Ort. Das methodische Vorgehen der empirischen Primärerhebungen wird im Zusammenhang mit den Befragungen im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher erläutert (vgl. Kap 6.1.1 & 6.2.1).
Wie bei den meisten empirischen Untersuchungen unter sozialwissenschaftlichen Aspekten stellt sich die Frage der Repräsentativität der erhobenen Daten und deren Analyse. Um eine größtmögliche Validität der erlangten Ergebnisse zu erhalten, wurden die Stichproben der Befragungen so umfangreich wie möglich gestaltet. Vorweg wurde versucht, die ungefähre Grundgesamtheit, also die voraussichtliche Anzahl deutscher Besucher Chiang Mais im Befragungszeitraum, zu ermitteln. Trotz des Versuchs einer hohen Stichprobengröße können die erlangten Ergebnisse und Analysen nicht als vollständig repräsentativ angesehen werden. Die Interpretationen der Ergebnisse, die mit größtmöglicher Sorgfalt erhoben und daraufhin übergeprüft worden sind, beziehen sich auf Beobachtungen und im besonderen Maße auf Sekundärquellen anderer Studien oder Arbeiten mit ähnlichen Bezügen.
6
3. Tourismus
3.1 Definitorischer Ansatz
Der Tourismusbegriff als solcher ist im deutschen Sprachgebrauch noch relativ jung und wurde erst mit der zunehmenden Internationalisierung und Massenhaftigkeit des Tourismus (Englisch: „Tourism“, Französisch: „Tourisme“, Italienisch: „Turismo“) nach dem Zweiten Weltkrieg in die deutsche Sprache aufgenommen (ZIMMERS 1995: 88). Gegenüber der älteren Bezeichnung Fremdenverkehr setzte sich die internationalisierte Bezeichnung Tourismus immer weiter durch und die beiden Begriffe werden, wie auch im weiteren Verlauf dieser Arbeit, nach SCHENK (2005: 582) in der Wissenschaft synonym verwendet.
Nach MUNDT (1998: 43) hat sich die reine Arbeitsgesellschaft von früher zu einer „Arbeits-, Konsum-, Freizeit- und Multioptionsgesellschaft“ gewandelt. Unter Freizeit wird das Zeitquantum außerhalb der Arbeitszeit verstanden, über das der Einzelne frei verfügen kann (SCHENK & SCHLIEPHAKE 2005: 582). Die Begriffe Freizeit und Tourismus sind zunehmend enger miteinander verknüpft und die bisher in der Geographie üblichen Trennkriterien Zeit und Entfernung bei der Unterscheidung von Freizeit- bzw. Naherholungsverkehr und Tourismus greifen immer weniger. Nach GEBHARDT et al sind beide Bereiche jedoch „nicht absolut deckungsgleich“ (2007: 714) zu verstehen; der Begriff „Freizeit wird gerne umfassender, den Tourismus subsumierend, verstanden“ (2007: 714).
Die Definition des Tourismusbegriffs hat sich während der vergangenen 100 Jahre stets weiterentwickelt. So erkennt STRADNER (1905, zit. n. ZIMMER 1995: 89) zwar bereits die ökonomische Bedeutung des Tourismus, beschränkt seine Aussagen jedoch auf ein Luxusbedürfnis des wohlhabenderen Teils der Weltbevölkerung. Bei GUYLER-FREULER (1905, zit. n. ZIMMER 1995: 89) findet sich bereits das „Bedürfnis nach Erholung und Luftveränderung“ in der Begriffserläuterung wieder.
Während POSER (1939, zit. n. ZIMMER 1995: 89) mit der Definition „Fremdenverkehr ist die lokale oder gebietliche Häufung von Fremden mit einem jeweils vorübergehenden
7
Aufenthalt, der die Summe von Wechselwirkungen zwischen den Fremden einerseits und der ortsansässigen Bevölkerung andererseits zum Inhalt hat“ die geographische Komponente in den Mittelpunkt stellt, gehen HUNZIKER/KRAPF (1942, zit. n. ZIMMER 1995: 89) in diesem Zusammenhang vor allem auf die „Beziehungen und Erscheinungen“ ein: „Fremdenverkehr ist der Inbegriff der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern durch den Aufenthalt keine Niederlassungen zur Ausübung einer dauernden oder zeitweiligen hauptsächlichen Erwerbstätigkeit begründet wird.“ KASPAR (1982, zit. n. ZIMMER 1995: 89) bemängelt an dieser Definition, dass der immer wichtiger werdende Geschäfts- und Kongressreiseverkehr ausgeklammert wird. Er weitet die Definition von HUNZIKER/KRAPF (1942) aus und definiert Tourismus als die „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“ (KASPAR 1982: 18). Weiter benötigt diese Definition nach KASPAR (1982: 18) auf Grund ihrer weit gefassten Form zusätzliche verschiedene Präzisierungen, die durch Gliederungen je nach Art und Form des Tourismus erfolgen können. MUNDT (2001: 3) versteht unter dem Tourismusbegriff „alle Reisen, unabhängig von ihren Zielen und Zwecken, die den zeitweisen Aufenthalt an einem anderen als den Wohnort einschließen und bei denen die Rückfahrt [ebenfalls] Bestandteil der Reise ist“. Sowohl KASPAR (1982) als auch MUNDT (2001) bleiben in ihren jeweiligen Definitionen Informationen zu Reisemotiven und der Reisedauer schuldig. MATHIESON & WALL (1982) verstehen unter dem Begriff Tourismus die temporäre Bewegung bzw. Reise von Personen in Destinationen außerhalb ihrer normalen Arbeits- und Wohnstätte. Ebenfalls ist der Tourismusbegriff abhängig vom Zweck des jeweiligen touristischen Aufenthalts. Motive für den Tourismus stellen die Erholung, der Besuch von Bekannten oder Freunden, die Religion oder die Gesundheit dar (SCHENK & SCHLIEPHAKE 2005: 583). Weitere Definitionen stammen von LEIPER (1995: 20): „Tourism can be defined as the theories and practice of travelling and visiting places for leisure related purposes” und der Welttourismusorganisation (WTO), die den Tourismusbegriff wie folgt beschreibt:
“Tourism is defined as the activities of persons travelling to and staying in places outside their usual environment for not more than one consecutive year for leisure, business and other purposes not related to the exercise of an
8
activity remunerated from within the place visited” (Commission of the European Communities et al., 2001: 1 1 ).
Nach dieser Definition umfasst der Tourismus „alle Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit- Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“ (SPÖREL 1998, zit. n. STEINECKE 2006: 14).
In Bezug auf die Aufenthaltsdauer wird zwischen Touristen (übernachtenden Besuchern) und Tagesbesuchern (ohne Übernachtung) unterschieden. Die WTO (1996, zit. n. SCHENK & SCHLIEPHAKE 2005: 585) fasst wie folgt zusammen: „Tourist: Includes both leisure/holidays and business, but excludes same-day visitors (excursionists), i.e. visitors not spending the night in the country.”
Als Abgrenzungskriterien für die unterschiedlichen Tourismusformen gelten neben den schon angesprochenen Motiven (z. B. Kultur-, Religions-, Erholungs-, Geschäftsreise) und der Dauer (z. B. Ausflug, Kurzreise, längere Urlaubsreisen) unter anderem die Distanz (Naherholung oder Fernreise), die Beherbergungsart (Gästehaus, Hotel, Camping, Ferienhaus), das Verkehrsmittel oder die Aktivität während der Reise. Auch berufsbedingte Tagungsreisen oder Messebesuche zählen zum Tourismus im geographischen Sinne (SCHENK & SCHLIEPHAKE 2005: 583). Als Personengruppen, die grundsätzlich nicht in den Tourismusbegriff eingeschlossen sind, schließt die WTO Pendler, Grenzgänger, Einwanderer, Nomaden, Transitreisende, Flüchtlinge, Diplomaten und Soldaten aus dem Tourismusbegriff aus. Zusammenfassend gilt also ein Ortswechsel und somit eine räumliche Distanzüberwindung des Reisenden als ein wesentliches Merkmal des Tourismus. Als Abgrenzungskriterium für den Distanzbegriff wird das jeweilige eigene Wohnumfeld des Reisenden benutzt, welches sich jedoch nur schwer eindeutig definieren lässt. Das zweite Kriterium für den Tourismus bezieht sich auf die zeitliche Dimension. Der Ortswechsel darf nur vorübergehend sein (SCHENK & SCHLIEPHAKE 2005: 583ff).
Als internationale Touristen definiert die WTO Personen, die ein anderes Land besuchen als das, in dem sie den normalen Wohnsitz haben, für irgendeinen Grund, außer einer Beschäftigung nachzugehen, die vom besuchten Land bezahlt wird (INSKEEP 1991, 19).
1 http://www.unwto.org/statistiques/committee/6th_meeting/ilo_b_eng.pdf
9
3.2 Die aktuelle globale Situation des Tourismus
„Im Jahr 2000 war der Tourismus der größte Einzelposten im Welthandel und weltweit der bedeutendste Arbeitgeber außerhalb der Landwirtschaft“ (KNOX & MARSTON 2001: 381). Außerdem ist weltweit jeder etwa fünfzehnte Bewohner damit beschäftigt, „Touristen zu befördern, zu verköstigen, unterzubringen, zu führen oder zu unterhalten“ (KNOX & MARSTON 2001: 381). Nach FAUST et al. handelt es sich beim Tourismus um eine der „größten weltweiten Wirtschaftsbranchen“, die „das Gefüge vieler Orte, Regionen und ganzer Staaten“ (2004: 3) prägt.
Im Jahr 2000 hatten bei einer Weltbevölkerung von 6,1 Mrd. weit mehr als 400 Mio. Menschen weltweit in unterschiedlichster Art und Weise mit dem Tourismus zu tun und waren durch den Tourismus mindestens kurzfristig oder auch dauerhaft beschäftigt (vgl. KNOX & MARSTON 2001: 381ff).
Die Grundvoraussetzung für die Zunahme des Tourismus ist die bereits beschriebene Verkürzung der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Erhöhung des Urlaubsanspruchs und die steigende Lebenserwartung. Auch die zunehmende individuelle Motorisierung der Menschen wirkt sich positiv auf diese Entwicklung aus. Die Steigerung der internationalen Tourismuszahlen, bzw. im besonderen Maße die des Fernreisetourismus, liegt begründet in der Zunahme und gleichzeitigen Vergünstigung des weltweiten Flugverkehrs (vgl. KREISEL 2003: 74).
Im Vergleich der Monate Januar bis August des Jahres 2008 mit demselben Zeitraum des Vorjahres gab es im weltweiten internationalen Tourismus einen Zuwachs von ca. 4%. Absolut bedeutet das eine Anzahl von ca. 641 Mio. internationalen Touristenankünften weltweit (vgl. UNWTO 2008 2 ). Der Tourismus betrifft Reisende ebenso wie durch den Tourismus Beschäftigte und berührt folglich die gesamte Gesellschaft (REEH & FAUST 2004: 3). Der globale Stellenwert des Tourismus vergrößert sich beinahe ununterbrochen. Es gibt in der heutigen Zeit jedoch einige Auslöser für Risiken im weltweiten Tourismus. So ist die globale Entwicklung des Tourismus Einflüssen ausgesetzt, die zu plötzlichen wirtschaftlichen Einbußen führen können. Als Risikofaktoren gelten dabei unter anderem touristische Trendveränderungen, politische Unruhen, Naturkatastrophen, Krankheiten und ungewohnte Klimabedingungen (vgl. KNOX: 381ff).
2 UNWTO Tourism Barameter Oktober 2008,
http://www.unwto.org/facts/eng/pdf/barometer/UNWTO_Barom08_3_en_Excerpt.pdf
10
3.2.1 Trends und Motive im heutigen Tourismus
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Ansprüche, die durch den Reisenden an den touristischen Leistungsträger gestellt werden, stets größer werden. Nach STEINECKE (2000: 11) ergeben sich folgende weitere zentrale Trends im heutigen Tourismus:
- Verlangen nach Zusatznutzen,
- zunehmender Wunsch nach Individualität,
- große Flexibilität und Spontanität,
- wachsende Preissensibilität,
- komplexe Motiv- und Aktivitätsbündel,
- ständige Diversifizierung der Zielgruppen.
STEINECKE (2006: 50f) ordnet die zahlreichen Urlaubserwartungen mit Hilfe multivariater Analysen in mehrere übergeordnete Motivgruppen der Reisenden ein. Hierbei können die jeweiligen Motive folgenden Charakter aufweisen:
- regenerativ (z. B. Entspannung, keinen Stress haben, Distanz zum Alltag, frei sein, Zeit haben),
- familienbezogen (z. B. Zeit füreinander haben - Familie, Bekannte),
- gesellig (z. B. gemeinsam etwas erleben, neue Leute kennenlernen, Kontakte zu Einheimischen),
- körperbezogen (z. B. braun werden, sich ausruhen),
- natur-, umwelt- und gesundheitsbezogen (z. B. gesundes Klima, Natur erleben),
- sportlich,
- erlebnisorientiert (z. B. Spaß haben, neue Eindrücke gewinnen).
Diese Gruppen sind nicht eindeutig voneinander abzutrennen und die einzelnen Motive sind nicht eindeutig und trennscharf einzuordnen, so dass einzelne ähnliche Motive in unterschiedlichen Gruppen auftauchen können. STEINECKE (2006: 51) beschreibt die „Architektur der [Reise- bzw. Urlaubs-] Motive“ (F.U.R. 2004: 87, zit. n. STEINECKE 2006: 51) als Fundament, das beim Reisenden das Grundbedürfnis nach Erholung und Entspannung befriedigt und darauf aufbauend drei weitere Hauptbedürfnisse (das Bedürfnis nach Steigerung des physischen und psychischen Wohlbefindens und das
11
Bedürfnis nach emotionaler Bereicherung und Erlebnissen, das Bedürfnis nach geistiger Bereicherung), die in unterschiedlichen Kombinationen und nach unterschiedlicher Priorität auftreten.
3.2.2 Reisestile der Urlaubsreisenden
Die unterschiedlichen Stilformen der Urlaubsreisen lassen sich nach MUNDT (1998: 215ff) typisieren. Er unterscheidet Urlaubsreisende hinsichtlich ihres Reisestils wie folgt:
- er weltoffene Aktive,
- der weltoffene Freizeitorientierte,
- der kulturbeflissene Natururlauber,
- der selbstgenügsame Natururlauber,
- der häusliche Gesellige,
- der genießerisch Bequeme,
- der familienbestimmte Natururlauber,
- der vergnügungslustige Gesellige,
- der familienbestimmte Uninteressierte,
- der wunschlos Untätige,
- der häusliche Reiseunwillige.
3.3 Tourismusgeographische Forschungsansätze
Nach FAUST et al. (2004: 3) fehlt nach wie vor eine zusammenfassende und anwendbare „Theorie des Tourismus“. Eine einheitliche Erklärung für die auftretenden Phänomene innerhalb des Tourismus ist ebenfalls noch nicht entstanden. Auf den Wirtschaftszweig des Tourismus wirkt sich dies jedoch nur bedingt aus. Hier stehen zur Entwicklung von Destinationen neben kaufmännischem Wissen vor allem Kenntnisse der Zielgruppenmotive und der politischen Lage vor Ort im Vordergrund, die mit einem Grundlagenwissen der technisch-instrumentellen Planung verknüpft zu verstehen sind.
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„Die Frage nach grundsätzlicher Orientierung und theoretischen Erklärungsansätzen ist für die Tourismusforschung jedoch von großer Bedeutung, da die touristischen Entwicklungen eine umfassendere Gestaltungsaufgabe in den Mensch-Umwelt-Beziehungen eingenommen haben. Dies verdeutlichen z. B. konjunkturelle Zyklen, regionale, historische, politische und kulturelle Besonderheiten, Klima- und Wasserhaushaltsveränderungen oder Konflikte zwischen Reisenden und Bereisten“ (FAUST et al. 2004: 3).
Bei der Betrachtung der Tourismusforschung hinsichtlich ihres aktuellen Entwicklungsstands gehen die Meinungen zum Teil auseinander. So bezeichnet MÜLLENMEISTER (1998: 27; zit. n. FAUST et al.: 5) die Tourismuswissenschaft als ein noch „schattenhaftes Phänomen“. FREYER (1997) spricht im Zusammenhang mit der Tourismusforschung von einer jungen Wissenschaftsdisziplin, die sich auf dem Weg der Selbstfindung befindet (vgl. FAUST et al. 2004: 5). Nach HOPFINGER (2003) habe sich die aktuelle Tourismusforschung jedoch in den Wissenschaftsgebieten, die sich mit dem Tourismus beschäftigen, als jeweils eigenständige Teildisziplin etabliert. Zu jenen Wissenschaftsgebieten zählt unter anderem auch die Geographie. BERRIANE betrachtet die tourismusgeographische Forschung wie folgt: „Der Tourismus ist ein spezifisch geographisches Phänomen und deswegen kann die so verstandene Tourismusforschung auch die Regeln und Methoden hinterfragen, die in der traditionellen Geographie relevant sind, um so auf diese Weise zur Fortentwicklung dieser Disziplin beizutragen“ (2003: 51f). Innerhalb der etwa 100-jährigen Forschungsgeschichte hat sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung des Faches Geographie mit dem Tourismus von der „deskriptiv arbeitenden Strukturbeschreibung der Fremdenverkehrsgeographie“ hin zur „analytischen und anwendungsorientierten Regional- und Gesellschaftsforschung“ (STEINECKE 2006: 29), der „Geographie der Freizeit und des Tourismus“ entwickelt. Insgesamt wandelte sich die Tourismusforschung von einer anfangs ausschließlich wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungsweise hin zu einer breiten Querschnittsdisziplin verschiedener Wissenschaftsbereiche. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, sich in der Tourismusforschung mit dem Tourismus in statistischer Hinsicht zu befassen. Später folgte ergänzend die ökonomische Forschung im touristischen Zusammenhang (ZIMMERS 1995: 91). Die Anfänge der geographischen Auseinandersetzung mit dem Tourismus begann jedoch erst ca. 50 Jahre später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der
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geographischen Forschungsbetrachtungen stehen zunächst die Analyse der Raumbildung und die vom Tourismus ausgehende Raumwirksamkeit. Seit den 1920er Jahren werden nach mehrheitlich deskriptiven Arbeiten erstmals auch die Wechselbeziehungen zwischen Raum und Tourismus, also z. B. Auswirkungen auf das Landschaftsbild, in tourismusgeographischen Untersuchungen analysiert und dargestellt (ZIMMERS 1995: 95). POSER (1939) stellte das erste geschlossene Konzept der fremdenverkehrsgeographischen Raumanalyse vor und berücksichtigte darin neben der Kulturlandschaftsanalyse auch bevölkerungs-, wirtschafts- und verkehrsgeographische Fragestellungen (ZIMMERS 1995: 96).
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Tourismusforschung durch Fragestellungen wie z. B. der Typisierung von Tourismusgebieten, der Auswirkung des Tourismus auf einzelne Gemeinden oder Regionen hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Effekte oder auch naturgeographische Fragestellungen wie beispielweise Naturgefahren und Landschaftsbeeinflussung oder Schädigung durch touristische Infrastruktur. Zusammenfassend stand das Landschaftsbewertungsverfahren bis Mitte der 1970er Jahre im Mittelpunkt der tourismusgeographischen Forschung. Diese wurde schließlich in den 1980er Jahren zunächst von der Forschung in der sanften und umweltschonenden und später durch die Untersuchungen hinsichtlich der nachhaltigen Tourismusentwicklung abgelöst (u. a. ZIMMERS 1995; BENTHIEN 1997; STEINECKE 2006). Nach ZIMMERS lagen die Aufgabenbereiche der tourismusgeographischen Forschung in den 1990er Jahren größtenteils
„in der Forschung, Analyse und Prognose der [wechselseitigen] Beziehungen zwischen Mensch und Raum“ (1995: 97). Dazu gehören unter anderem „die Analyse gesellschaftlicher Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, die Analyse aktionsräumlicher und raum-zeitlicher Verhaltensmuster von Urlaubern, die Analyse von sozioökonomischen, regionalwirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen des Tourismus sowie die Durchführung planungsorientierter Grundlagenuntersuchungen bis hin zur Umsetzung in Planungsansätze“ (ZIMMERS 1995: 97).
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Neben der „Diversifizierung der Untersuchungsansätze“ und der „Spezialisierung der Fragestellungen“ in der Tourismusforschung sieht STEINECKE (2006: 28) folgende weitere Entwicklungen, die den heutigen Forschungsstand prägen:
- die globale Ausdehnung der Tourismusforschung bei zunehmender regionaler Spezialisierung,
- Analysen auf unterschiedlichen Maßstabsebenen,
- die Verlagerung der Untersuchungen in Grenzbereiche der Nachbarwissenschaften wie der Soziologie oder der Ökologie (z. B. Fragestellungen in der nachhaltigen Regionalentwicklung),
- den zunehmenden Anwendungsbezug,
- die Modell- und Theoriebildung auf der Standort- und Verhaltensebene,
- Analysen von Umweltwahrnehmung und Raumbewertung.
Nach KREISEL (2004) muss der Tourismus als einer von vielen Bausteinen einer räumlichen bzw. regionalen Entwicklung gesehen und nicht losgelöst von der regionalen Struktur und Situation betrachtet werden. Bei tourismusgeographischen Arbeiten müssen „unabhängig von der Raumstruktur stets das Zusammenspiel der die Raum- und Regionalentwicklung prägenden Faktoren berücksichtigt werden“ (FAUST et al. 2004: 22).
Insgesamt wird deutlich, dass es in der Tourismusforschung um die Betrachtung touristischer Aspekte auf unterschiedlichen Ebenen der Raumkonstruktion gehen muss. Nur so lässt sich das „Phänomen Tourismus“ erfassen. Dabei darf die Tourismusgeographie jedoch weder eine „raumfetischistische“ noch eine „raumexorzistische“ Haltung einnehmen (FAUST et al. 2004: 21).
Betrachtet man die Tourismusgeographie in Bezug auf die allgemeinen Forschungsmethoden, so unterscheidet man grundsätzlich die primären und die sekundären Methoden, die hier kurz erläutert werden:
Innerhalb der klassischen quantitativen Erhebungen in der Geographie der Freizeit und des Tourismus ergeben sich nach STEINECKE (2006) folgende empirische
Primärerhebungsmethoden: Beobachtungen, Primärkartierungen, Zählungen und Befragungen. Innerhalb der Sekundärerhebungsmethodiken stehen Sekundärkartierungen, Auswertungen von Daten der amtlichen sowie nicht amtlichen Statistik und Quellenstudien
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Arbeit zitieren:
Bastian Zitscher, 2009, Tourismus in Chiang Mai, München, GRIN Verlag GmbH
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