Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Die Afshar Kermans. 3
3. Die Afshar Kermans: Fallstudien. 4
3.1 Die Il-e Afshar. 4
3.2 Die Afshar von Deh Bakri. 7
4. Sesshafte und Nomaden: Zur wirtschaftlichen Stellung des Nomadismus im Raum Kerman
im 19. und 20. Jh. 9
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Zum Konzept des Nomadismus. 11
6. Fazit. 12
7. Anhang 14
Literaturverzeichnis. 18
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1. Einleitung
Das im Jahre 1978 von Georg Stöber veröffentlichte Buch „Die Afshar. Nomadismus im Raum Kerman (Zentraliran)“ entstand nach drei Aufenthalten des Autors im Iran und basiert zum größten Teil auf den dort gesammelten Daten. Mit seinem Werk will Georg Stöber erreichen, dass „die [nomadischen] Stämme in den Staatsterritorien des Vorderen Orients als integrierte, nicht isolierte Gruppierungen“ (Stöber 1978: 8) verstanden werden und dass diese Integration bei jeder Forschung beachtet wird.
Den Begriff „Nomadismus“ sieht er ,ähnlich der Definition von Scholz (1974: 178), als „eine Wirtschaftsform, in der Viehalter und ihre Herden im Jahresablauf mehrfachen Wohnplatz-und Weidewechsel zwischen räumlich getrennten Plätzen vornehmen“ (Stöber 1978: 14). Das Buch ist in fünf große Bereiche unterteilt: zunächst beginnt Stöber mit einer Offenlegung seiner Ziele, anschließend stellt er die Afshar in einem historischen Abriss dar, auf den ich jedoch nur sehr knapp eingehen werde. Daran anknüpfend stellt er die Ergebnisse seiner Feldstudie über die Afshar Kermans vor. Im Anschluss geht es um Sesshafte und Nomaden, wobei hier besondere Bedeutung der Frage der wirtschaftlichen Stellung des Nomadismus im Raum Kerman im 19. und 20. Jahrhundert zukommt. Abschließend beschäftigt sich Stöber mit einer Zusammenfassung der in diesem Buch beschriebenen Ergebnisse seiner Forschung und Schlussfolgerungen hinsichtlich des Konzeptes des Nomadismus. Dieser Struktur werde ich in meinem Essay folgen, da sie sehr logisch aufeinander aufbaut und zu einem umfassenden Übersichtswissen führt. Allerdings werde ich dem Aspekt des Nomadismus eine besondere Gewichtung zukommen lassen.
2. Die Afshar Kermans
Ihre Entwicklung als Gruppe „ ist zum einen gekennzeichnet durch räumliche Zersplitterung, zum anderen durch Zerfall und Neugruppierung von Stammeseinheiten“ (Stöber 1978: 16). Bis in das 11. Jh. kann man die Existenz von turksprachigen Afshar in Persien zurückverfolgen und weitere sollen im 13. Jh. unter den Mongolen nach Persien gekommen sein. Nach Jahrhunderten durch Unterdrückung von Seiten der Regierung und Vertreibungen zählten die Afshar im 19. Jh. 10.000 bis 20.000 Familien.
Die Afshar Kermans lassen sich in zwei Gruppen aufteilen- eine östliche und eine westliche Gruppe, welche sich schon in ihrer Größe unterscheiden. Die westliche Gruppe wird Il-e Afshar genannt und besitzt Weideplätze in dem heutigen Gebiet Shahrestan Baft. Ihre Sommerweiden liegen im Gebirgsraum circa 150 Kilometer südsüdöstlich von Kerman und
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ihre Winterweiden die gleiche Distanz weiter im Süden. Sie zählen zwischen 1000 und 2000 Familien und haben einen türkischen Dialekt, den sie untereinander sprechen, beherrschen darüber hinaus allerdings auch die Amtssprache Farsi.
Die östliche Gruppe lebt im Shahrestan Bam, im Jabal Barez-Gebirg an der Strasse, die von Bam in die Jiroftebene führt und war von Ansiedlungsmaßnahmen betroffen, welche sie zum größten Teil in Deh Bakri sesshaft hat werden lassen (Stöber 1978: 28). Die restliche Gruppe besteht aus circa 300 Familien, welche sich der Umgebung in Form von Kleidung und Sitten angepasst hat. Um eine genauere Orientierung zu erhalten, welches Gebiet die Afshar bewohnen, siehe Abbildung 1.
3. Die Afshar Kermans: Fallstudien
In diesem Kapitel geht der Autor auf den Aspekt der „ökonomischen Verflechtungen einer nomadischen Bevölkerung mit ihrer sesshaften Umgebung“ (Stöber 1978: 28) ein und wählt hierbei als Einheit die Afshar Kermans aus, da er so über allgemeine Feststellungen hinausgehen kann anhand eines konkreten Beispieles. Durch diese Verflechtungen haben Veränderungen eines Faktors Auswirkungen auf alle anderen Bereiche und somit ist nach Stöber zu erwarten, dass moderne Wandlungen wie beispielsweise eine Landreform, Auswirkungen auf die ökonomische Struktur der Nomaden hat. Die Umweltbedingungen der hier thematisierten Nomaden sind geprägt von Gebirgszügen sowie Halb- und Wüsten. Wind spielt eine sehr wichtige Rolle, da er allgegenwärtig ist und die Verteilung von Regen mitbestimmt; die Hauptniederschlagszeit ist von Dezember bis April, während in den Sommermonaten wenig bis kein Regen fällt. Die Temperatur ist im Januar (circa -15 Grad Celsius) am niedrigsten und im Juli (circa 15 Grad Celsius)am heißesten, ist jedoch abhängig von der jeweiligen Höhenlage. Ebenfalls davon ist auch die Vegetation abhängig und somit weisen die verschiedenen Regionen ein unterschiedliches Nutzungspotenzial auf.
3.1 Die Il-e Afshar
Ihre Weidegebiete liegen im Nordwesten, Westen und Süden von Shahrestan Baft und diese ist ein sehr heterogener Raum, da hier sowohl hohes Gebirge als auch Flachland zur Verfügung stehen und ein sehr unterschiedliches Klima herrscht. Gehalten werden vor allem Schafe und Ziegen, die im Winter die höheren Lagen verlassen müssen oder in Ställen untergebracht werden müssen. In den Tälern und im flacheren Süden sind die
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Weidemöglichkeiten jedoch so begrenzt, dass eine ganzjährliche Nutzung nicht möglich ist. Dadurch haben sich hier verschiedene Kombinationen von Viehhaltung und Ackerbau entwickelt, welche teilweise Sesshaftigkeit oder Nomadismus zur Folge hatte. Für die nomadische Viehhaltung bilden das Bergland im Norden sowie die Becken (flachen Ebenen) im Süden Ergänzungsräume und so verlassen die Herden im Frühjahr ihre Winterweidegebiete im Süden und verbringen die Zeit bis zum Herbst auf den Sommerweiden im nördlichen Gebirge.
Diese Grenze zwischen Sesshaftigkeit und Nomadismus vermischt sich in dem Gebiet, wo diese Ergänzungsräume so nahe beieinander liegen, dass weite Wanderungen überflüssig werden. Hier nun findet sich „vor allem eine sesshafte und kurzwandernde Bevölkerung, bei der die Viehhaltung immer eine wichtige, teils auch dominierende Rolle spielt“ (Stöber 1978: 45).
Zur Bevölkerung sei zu sagen, dass hier sowohl „Asha’er“ (Selbstbezeichnung der Nomaden) als auch „Nicht-Asha’er“ leben. Die Bezeichnung „Asha’er“ lässt auf eine bestimmte soziopolitische Organisationsform schließen: auf die einer stammesmäßig organisierten Bevölkerung. „Den wichtigsten Stamm dieses Raumes stellen die Afshar da“ (Stoeber 1978: 46), welche sich in Subgruppen aufteilen.
Das Individuum bei den Afshar identifiziert sich durch seine Stammeszugehörigkeit, seine verwandtschaftlichen Beziehungen und seine ökonomische Stellung. Heiratsbeziehungen zwischen „Asha’er“ und „Nicht-Asha’er“ finden kaum statt; kein Nomade käme auf die Idee, sich eine Frau zu suchen, die keine der typischen Verrichtungen beherrscht wie Melken oder die Zubereitung von Trockenkäse. Ein jung verheiratetes Paar gründet seinen eigenen Haushalt in der Nähe der Eltern des Mannes. Da oftmals die Hochzeit in einer weiteren Residenzgruppe stattfinden, ist somit kein Ortswechsel notwendig. Ein Lager hat selten weniger als fünf Familien und seine Zusammensetzung variiert im Winter- und im Sommergebiet. Der Grundbesitz wird vererbt und durch Realteilung (islamisches Recht) an alle Kinder aufgeteilt und nur selten verkauft. Das Land, welches man besitzt, ist dieses, wo das Sommerlager aufgeschlagen wird und somit bilden Verwandte hier ein gemeinsames Lager. Die Zusammenarbeit von mehreren Haushalten ist üblich; sowohl in der Betreuung der Herden als auch bei der Bestellung der Felder.
Die Wanderung zwischen den Sommer- und Winterweiden verläuft vor allem auf zwei Routen. Die Gruppen brechen im Frühjahr (zwischen März und Mai) auf und benötigen für die 150-200 Kilometer zwischen einem und zweieinhalb Monaten. Die Herbstwanderungen dauern fast genauso lang. Der Hausrat, das Zelt, Töpfe und weiterer Besitz der Familie wird
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Arbeit zitieren:
Leona Dotterweich, 2007, Die Afshar - Nomadismus im Raum Kerman, München, GRIN Verlag GmbH
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