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1. Einleitung
Friedrich Schillers Ballade Der Taucher erschien erstmals im Musenalmanach für das Jahr 1798 1 . Schon von Schillers Freunden und Zeitgenossen wurde sein Werk gelobt. Goethe schreibt am 26. Juni 1799 an Schiller: „Ich habe [...] Ihren Taucher wieder gelesen, der mir wieder außerordentlich wohl und, wie mich sogar dünkt, besser als jemals gefallen hat.“ 2 . Ähnlich auch Körner am 9. Juni 1797: „Ich habe wieder großen Genuss an Deinen Balladen gehabt. Besonders ist der Taucher köstlich.“ 3 . Auch heute ist die Ballade Der Taucher durchaus aktuell; das Erforschen des Unbekannten ist ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft und erfreut sich vor allem im Bereich der Naturwissenschaft an grossem Interesse eines breiten Publikums.
Zunächst verfolgt die Arbeit eine begründete Einordnung in die Gattung der Balladen. Daraufhin soll die Verwendung von antiker Mythologie und christlichen Motiven zuerst näher betrachtet werden. Schillers Ballade spielt scheinbar in der Zeit des Mittelalters, in der die Antike zwar teilweise präsent war, aber dennoch keine Hauptrolle spielte; viel eher übernahm die christliche Religion letzteres. Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Verwendung dieser verschiedenen Denk- und Glaubensweisen zu erläutern und in einen Zusammenhang zu bringen. Nach einer genauen Betrachtung dessen wird auf weitere gegensätzliche und zusammenhängende Themenbereiche eingegangen werden, bevor die Schlussbetrachtung ein Fazit zieht.
2. Einordnung in die Gattung der Ballade
Die zuvor vorausgesetzte Annahme, der vorliegende Text sei eine Ballade, soll nun im Folgenden näher erklärt und spezifiziert werden. Durch die in Klammern gesetzte Zahl wird auf den jeweiligen Vers in Schillers Werk verwiesen. Der Text weist sowohl epische, wie auch dramatische und lyrische Elemente auf. Erstere werden vertreten durch den Erzähler und seinen deutlichen Erzählerkommentar in der zehnten Strophe, in welcher er sich klar von der Handlung des Knappen und damit auch von der des Königs distanziert.
1 Hier zitiert nach: Petersen, Julius und Beißner, Friedrich (Hgg.): Bd. 1: Gedichte in der
Reihenfolge ihres Erscheinens. 1776-1799. Weimar, Böhlau 1943, S. 327-376.
2 Lautenbach, Ernst (Hg.): Lexikon Schiller-Zitate. Aus Werk und Leben., München 2003,
S. 222.
3 ebd.
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Der Aufbau des Textes erinnert an ein klassisches Drama: Die drei aristotelischen Einheiten werden erfüllt, da es weder Zeitsprünge, Ortswechsel noch Nebenhandlungen gibt; zudem lässt sich ein Wendepunkt in Strophe 26 feststellen, die neben Strophe 13 als Höhepunkt hervortritt. Die Reden des Tauchers, des Königs und seiner Tochter bringen zusätzlich dramatische Elemente in die Ballade.
Als lyrisches Element kann man bereits die gereimten Verse und die Strophenform betrachten. Hinzu kommen viele Stilelemente wie beispielsweise Enjambements, Anaphern und Onomatopoetika, die im Weiteren noch zur Sprache kommen werden. Bereits für Zeitgenossen wie Goethe waren diese Elemente Gattungsmerkmale der Ballade. Etwas unsicher hingegen ist die Einteilung in eine einzige Balladengattung. Durch die Omnipräsenz der Natur und ihrer Beschreibung scheint eine Einteilung in die Gattung der Naturballade nahezuliegen: Geschildert wird die Macht der Natur, die - trotz wiederholten Versuchen des Menschen - nicht zu überwinden ist. Allein schon der quantitative Anteil der Naturbeschreibungen lässt neben der „naturdämonischen Metaphorik“ 4 vermeintlich keinen Zweifel daran, eine Naturballade vor sich zu haben. Allerdings wäre auch die Einteilung in eine anthropologische Ballade denkbar; denn genau diese Macht der Natur sucht der König zu übertreffen. Der Taucher berichtet, wie „fürchterlich“ es unten sei und „der Mensch versuche die Götter nicht, / und begehre nimmer und nimmer zu schauen, / was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen“ (94-96). Dies scheint den König aber eher zu ermutigen, den Becher nochmals in das Meer zu werfen (145), womit eine weitere „hybrische Herausforderung“ 5 auftaucht und das „Spiel des Menschen mit dem Menschen“ 6 nochmals hervorgehoben wird. Kaisers Ausführung zu einer sexualsymbolischen „Konnotation der Wassertiefe“ 7 führt allerdings etwas zu weit. Ohne Zweifel lässt sich die Liebe als ein Motiv benennen, wenn dem Taucher in der 25. Strophe auch noch die Tochter des Königs als Preis für einen zweiten geglückten Tauchgang angeboten wird. Doch ist dies nicht das einzige Motiv des Tauchers, womit nicht ausschliesslich „aus der Liebe [...] der Tod“ 8 folgt. Auch unter quantitativen Gesichtspunkten ist die Liebe zwischen Mann und Frau nicht zentral.
4 Kaiser, Gerhard: Sprung ins Bewußtsein. In: Oellers, Norbert (Hg.): Interpretation,
Gedichte von Friedrich Schiller. Stuttgart 1996, S 210.
5 Kaiser, Gerhard. S. 213.
6 Kaiser, Gerhard. S. 211.
7 Kaiser, Gerhard. S. 209.
8 Kaiser, Gerhard. S. 210.
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Wie schon erwähnt lässt sich die Ballade nicht einer einzigen, spezifischen Gattung zuweisen; dies ist allerdings auch nicht nötig und bei einer solchen Ballade, die viele Stoffe und Motive zum Thema hat, auch nicht unbedingt sinnvoll.
3. Antike und Christentum
Die Gründe für das Verhalten des Jünglings sind vielfältig. Die Ballade beginnt mit der direkten Rede des - wie sich erst in der zweiten Strophe herausstellen wird - Königs. Er und seine Ritter sowie Knappen befinden sich auf einem Schiff in der Meerenge von Messina. Dies wird durch die Erwähnung des „Charybde Geheul“ (11) klar. Die Charybdis wird in der Odyssee als ein Seeungeheuer beschrieben, welches in jener Meeresenge zu finden ist; drei Mal täglich nimmt sie Wasser auf, um es daraufhin unter Gebrüll auszuspeien 9 . Dadurch entstand ein Wassersog, den bereits Odysseus zu überwinden suchte. Schiller spielt hier klar mit der Zahlensymbolik; drei Mal muss der König fragen, bis sich ein „Edelknecht“ (20) bereit erklärt, in das Meer zu springen um einen vom König hineingeworfenen Becher zu holen, den derjenige bei geglücktem Bergungsversuch behalten kann. Doch lässt sich die Zahl drei nicht nur mit der zuvor erwähnten Charybdis in Verbindung bringen. Ebenso besteht der Bezug zum Christentum, in dem Zahlensymbolik eine besondere Stelle einnimmt. Um nur das für diese Stelle wichtige zu nennen, wird zuerst auf die dreimalige Verleugnung Christi durch Petrus hingewiesen: „Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ 10 . Und so geschah es. Des Weiteren scheint hier jedoch vor allem die dreimalige Versuchung Christi durch den Teufel/Versucher von grosser Bedeutung:
Und der Versucher trat zu ihm und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden.“. Er aber antwortete und sprach: „Es steht geschrieben: »Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.«“. Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: "Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab; denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«“. Da sprach Jesus zu ihm: „Wiederum steht auch geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«“. Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg
9 Vgl. Von der Mühll, Peter (Hg.): Homers Werke. Übersetzt von Johann Heinrich Voss.
Zweiter Band. Basel 1953. S. 164.
10 Mt 26,34.
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Arbeit zitieren:
Andrea Goletz, 2009, Christliche Religion und Antike Mythologie in Friedrich Schillers 'Der Taucher', München, GRIN Verlag GmbH
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