Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 4
2 NEUE LERNKULTUR 5
3 LEHR-LER-NVERSTÄNDNIS IN DER BERUFSBILDUNG 6
3.1 LERNTHEORETISCHER HINTERGRUND. 7
3.2 ORDNUNGSRAHMEN. 8
3.3 GESTALTUNGSPRINZIPIEN MODERNER LERNUMGEBUNGEN 8
4. NEUE PRÜFUNGSKULTUR. 10
4.1 EDELSCHROTT UND TRÄGES WISSEN. 10
4.2 GEPRÜFT WIE GELERNT. 11
4.2.1 Nuancen der Kompetenzmessung 12
4.2.2 Neue Prüfungsmethoden. 13
4.2.3 Innovative Konzepte im Bereich der Abschlussprüfung. 14
5 SCHWIERIGKEITEN BEI DER IMPLEMENTIERUNG NEUER PRÜFVERFAHREN
15
5.1 EVALUIERUNGSERGEBNISSE 15
5.2. BETRIEBLICHE AUFWANDSPOSTEN 16
5.3 PERSONAL 17
SCHLUSSWORT 18
LITERATURVERZEICHNIS 19
ANHANG. 23
2
Abkürzungsverzeichnis
BBiG Berufsbildungsgesetz
KMK Kultusministerkonferenz
Anhangsverzeichnis
Anhang 1:
Tabelle 1: Gegenüberstellung traditioneller und zukunftsorientierter Lernkultur Anhang 2:
Tabelle 2: Gestaltungsprinzipien und zugehörige Prüfungsmethoden
3
1 Einleitung
Durch drastische Veränderungen in der Arbeitswelt haben sich die Lernziele gewandelt. Dadurch wird auch die Notwendigkeit ständiger Anpassung der den Lernprozess begleitenden Strukturen begründet. Seit den Zeiten der Bildungsreform vereint ein neues Lehr-Lern-Verständnis die Wissenschaftskreise mittels zahlreicher Theorien und Vorschlägen zu deren effizienter Umsetzung zu einer Kulturgemeinschaft. Die modernisierten Lehr-Lern-Prozesse bilden wiederum eine Basis für die Prüfungsgestaltung, die ihrerseits für die Modernisierung der Berufsbildung ihren Beitrag zu leisten hat. In diesem dialektischen Zusammenhang stellt sich die Frage: Inwiefern entsprechen die Veränderungen im Bereich der Gestaltung beruflicher Abschlussprüfungen den Anforderungen, die im Rahmen der neuen Lernkultur an die Ausbildung gestellt werden?
Mit der verstärkten Handlungs- und Prozessorientierung sind die traditionellen Abschlussprüfungen zunehmend in die Kritik geraten. Insbesondere wurde ihnen zur Last gelegt, dass sie sich nicht an den Anforderungen im Beruf orientieren und deshalb kein geeignetes Instrument zum Messen von Fähigkeiten und Fertigkeiten sind, die kurz- und auch langfristig zur Bewältigung beruflicher Situationen benötigt werden.
Nach den neuen Vorgaben werden die Lernprozesse an den Bedürfnissen im Betrieb ausgerichtet und haben Handlungskompetenz als Ziel. Eine kompetenzorientierte Neukonzeption der Abschlussprüfungen ist die logische Folge daraus. Demnach ist im Vorfeld zu klären, wie das Konzept der Handlungskompetenz in den Ausbildungsordnungen genutzt wird.
Das Kapitel 2 widmet sich der „neuen Lernkultur“ als Ausgangspunkt für die moderne Prüfungsgestaltung. In Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit werden lerntheoretische Hintergründe der Modernisierung der Berufsbildung sowie aktueller Ordnungsrahmen erläutert, anschließend werden didaktische Orientierungsgrundsätze vorgestellt. Im ersten Abschnitt von Kapitel 4 werden die herkömmlichen Prüfungsverfahren diskutiert. Ferner befasst sich dieses Kapitel mit den Gestaltungsprinzipien, die den neuen Prüfungsmethoden zugrunde liegen. Die Innovationsansätze werden ebenso vorgestellt. Eine zweckmäßige Gestaltung der Ziel-Mittel-Beziehungen im Bereich der beruflichen Abschlussprüfung soll unter der Berücksichtigung der Rahmenbedingungen erfolgen, die die Umsetzung dieser Konzepte in die Praxis unmittelbar beeinflussen. Der Forschungsfrage folgend ist anschließend der Entwicklungsstand des beruflichen Prüfungswesens zu beurteilen und den aufgetretenen Problemen auf den Grund zu gehen. Im Resume werden die Gesamtergebnisse dieser Diskussion dargestellt.
4
2 Neue Lernkultur
Der Begriff Kultur hat unzählige Definitionen. 1 Wenn man diesen Begriff im Zusammenhang mit den Lernprozessen betrachtet, wird sofort deutlich: Wir befinden uns auf dem Terrain der Didaktik, definiert als „Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens“ (Jank & Meyer, 2002, S. 14). Diese Wissenschaft ist aber, wie viele andere auch, nicht eigenständig zu sehen, sie bedient sich der wissenschaftlichen Diskussion, die sie mit ihren Partnerwissenschaften führt (ebd., S. 28-29). Deshalb ist es sinnvoll die Reformimpulse im didaktischen Bereich in Bezug auf die sich ständig weiterentwickelnden Bezugsdisziplinen zu betrachten. Verschiedene Aspekte, wie zum Beispiel Probleme, die für die Mitglieder einer Kultur relevant sind und die Art diese zu lösen, dienen als Bindefaktoren für die jeweilige Kulturgemeinschaft. „Kultur entsteht durch Interaktion und wird mittels Interaktion weiter entwickelt und modifiziert“ (Weber, 2004, S. 145). Die Wissenschaftsdiskussion ist ebenso ein unendlicher Prozess der Wahrheitssuche. Im Sinne der Aktions-Reflexions-Spirale von Jank und Meyer wird bei „Interaktion“ der Theorie mit der Praxis die Lernkultur tradiert und weiterentwickelt (Jank & Meyer, 2002, S. 144-146). Wenn neue wissenschaftliche Entdeckungen durch das existierende Paradigma (oder wie es häufig der Fall ist: durch existierende Paradigmen) nicht mehr bzw. nicht gut genug erfassbar werden, vollzieht sich ein Paradigmenwechsel.
Zahlreiche Theorieansätze existieren nebeneinander und zielen auf die Reduktion der sich aus den jeweils aktuellen Rahmenbedingungen des Handelns ergebenden Problemkomplexe (Jank & Meyer, 2002, S. 139). In der wissenschaftlichen Diskussion spricht man in diesem Zusammenhang von wissenschaftstheoretischem Pluralismus (Reich, 2006, S. 48). An die Veränderungen in der Arbeitswelt müssen sich auch die Lernziele anpassen. Innerhalb einer Lernkulturgemeinschaft existieren gewisse Vorstellungen über die Methoden des Lehrens und Lernens, die als besonders effizient beim Erreichen der gesetzten Ziele gelten. Somit bildet sich ein Lehr-Lern-Verständnis, das durch die Lehrpläne den Unterrichtsprozess entscheidend prägt. „Neue Lernkultur“ bedeutet eine grundlegende Umorientierung der Auffassungen vom Lehren und Lernen und der daraus folgenden didaktischen Konzepte. Eine mögliche Definition lautet: „Lernkultur bezeichnet strukturierte Gesamtheiten von Institutionen, Tätigkeiten, Mentalitäten und Traditionen, deren wesentliche Funktion darin besteht, in Gemeinschaften gleichgelagerte handlungsleitende Orientierungen des Lernens zu vermitteln, kollektiv erzeugte und geteilte Haltungen und Wahrnehmungen zum Lernen anzubieten und mit Systemen von Ordnern (Werte, Normen) Lernen zu organisieren“ (Kirchhöfer, 2003, S. 247).
1 Siehe dazu z.B. Bolten, 2001, S. 10; Weber, 2004, S. 144)
5
In der Literatur ist die Aufteilung in traditionelle und zukunftsorientierte (Lern-)Kultur oft anzutreffen 2 , wobei die „zukunftsorientierte Lernkultur“ nicht die „traditionelle Lernkultur“ ersetzt, vielmehr diese fortführt, weiterentwickelt, gestaltet und sie qualitativ umsetzt (Gasser, 1999, S. 113). 3
Die wesentlichen Elemente beider Kulturen werden in der Tabelle 1 (s. Anhang 1) gegenübergestellt. Im Mittelpunkt des zukunftsorientierten Lernprozesses steht der Kompetenzerwerb. Vom Lernenden wird dabei eine aktive Rolle eingenommen (durch selbständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren seiner Handlungen). Der Lehrer nimmt eine eher passive Rolle ein und zwar die Rolle des Moderators der Lernprozesse. Man spricht heutzutage von der Situiertheit des Lernens als wichtigstes Merkmal effektiver Lernumgebungen (Sloane, Twardy & Buschfeld, S. 115). Weiterhin zielt die zukunftsorientierte Lernkultur auf eine Befähigung zum lebenslangen Lernen unter Bedingungen der engen Lernortkooperation und dem starken Einsatz von neuen Medien. Auch soll im Rahmen des neuen Lehr-Lern-Verständnisses nicht mehr abschlussorientiert ausgebildet werden. Der Aspekt moderner beruflicher Zertifizierung der Lernprozesse wird in Kapitel 4 und 5 behandelt.
3 Lehr-Lern-Verständnis in der Berufsbildung
Die Rolle der beruflichen Schule hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts stark gewandelt. 4 Die Wirtschaftspädagogen trennen berufliches Handlungsvermögen (Subjektbezug) und berufliche Anforderungsstruktur (Objektbezug) (Sloane, Twardy & Buschfeld, 2004, S. 115). Fangen wir mit der äußeren oder objektiven Seite des Berufs an. Diese ist geprägt durch wirtschaftliche, technische und sozio-kulturelle Anforderungen der Arbeitswelt (Sloane, Twardy & Buschfeld, 2004, S. 115). „Die Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung und ihre Kombinatoriken verändern sich auf multidisziplinärem Niveau und stellen damit die traditionelle Berufsstruktur sowie nachfolgend die ihr zugrunde liegende spezifische monostrukturelle Fachlichkeit in ihrer bestehenden Konstellation in Frage“
2 z.B. Dehnbostel, 2000, S. 103-107 ; Kirchhöfer, 2003, S. 247, Gasser, 1999, S. 113-114
3 (Reform-)Impulse, die moderner Didaktik und Unterrichtspraxis zugrunde liegen, sind mehreren Denkrichtungen
zu entnehmen: (1) aus der Reformpädagogik, deren Methodenrepertoire und Unterrichtskonzepte heute mit
einem erneuerten lernpsychologischen Verständnis interpretiert werden; (2) aus dem Kognitivismus (Konzepte
der modernen Gedächtnisforschung und Neuropsychologie eingeschlossen); (3) aus den Forschungsergebnissen
der Kommunikations-, Interaktions- und Sozialpsychologie, die das Verständnis von Lernen und von Lernenden
nachhaltig verändert haben; (4) aus den Untersuchungen zur gewandelten Kindheit, zur Sozialgeschichte der
Jugend, zu den modernen Bedingungen des Aufwachsens; zur psycho-sozialen Entwicklung des
Identitätsaufbaues der variablen Lebensentwürfe und der modernen Gefährdungen und Devianzentwicklungen;
(5) aus der soziologischen Theorie der Moderne (die einen sozio-kulturellen, gesellschaftlichen und politisch-
ideologischen Wandel postuliert, der sich in physisch-ökologischen Umweltveränderungen, in demographischen
und ökonomischen Veränderungen sowie gewandelten Lebensformen manifestiert) (Gasser,1999, S. 114).
4 u.a. Chzycholl/Ebner, 2006, S. 47-48; Nickolaus, 2006, S. 11-19
6
Arbeit zitieren:
Yuliya Grekova, 2007, Neue Lernkultur – Neue Prüfungskultur, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Handlungsorientierter Unterricht als didaktisches Konzept zur Anleitun...
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