Inhalt
Einleitung 4
Die politische Situation 4
Die Frage der Thronfolge 6
Jakob der Hoffnungsträger 6
Die Schießpulver Verschwörung (Gunpowder Plot) 7
Religion und Glaube um 1600 8
Hexen 8
Katholiken 9
Prophezeiungen. 10
Jakob I. König von England und Schottland 10
Die Gowrie Verschwörung 12
Shakespeare und Politik 13
Earl of Pembroke 14
Earl of Southampton 14
Die Essex Rebellion 14
James I. 14
Macbeth 15
Überlieferung 15
Datierung 15
Die literarischen Vorlagen des Stückes 16
Raphael Holinshed, „Chronicles of England, Scotland and Ireland 16
Dämonologie 18
Basilikon Doron 18
Buchanans „History of Scotland“ 19
Warum Macbeth? Motivation, Hintergrund und Deutung 19
Zum Gefallen des Königs 20
Hexen und Prophezeiung 21
Macbeth und die Biographie Jakobs 23
Der Mord an Lord Darnley, Jakobs Vater 23
Gowrie - Verschwörung 24
Die Schießpulver Verschwörung 25
Mehrdeutigkeit 26
Maria Stuart 26
Staatsgewalt, Staatstheorie und Königsmord 27
2
Kritik an König Jakob 28
Fazit 29
Quellen 31
3
Einleitung
Macbeth ist eines der berühmtesten Stücke von Shakespeare. Es gibt unzählige
Publikationen und ebenso viele Versuche das Stück zu interpretieren. Dabei scheint eines klar, Macbeth ist trotz seiner Kürze vielschichtiger als man es zunächst annimmt.
Zweideutigkeit ist nicht nur ein inhaltliches Thema, sondern auch in Bezug auf seine politische Einordnung präsentiert sich Macbeth mehrdeutig. Warum wird es als politisches Stück eingeordnet? Welche Stellen weisen auf einen aktuellen, zeitgenössischen Inhalt hin und wie werden diese aufgegriffen und vermittelt? Wie wird Politik dramatisiert?
Um diese Fragen in Bezug auf das Stück beantworten zu können ist es nötig, sich zunächst ausführlich mit der zeitgenössischen politischen Situation Englands auseinanderzusetzen. Was bewegte die Zeitgenossen? Welche Themen standen zur öffentlichen Diskussion? Gleichzeitig ist ein Versuch der politischen Einordnung Shakespeares zu machen, um seine Motivation hinter Macbeth deuten zu können.
Weiterhin muss die Geschichte des Stückes berücksichtigt werden, also Datierung,
Überlieferung, Vorlagen und Motivationen, die möglicherweise zur Entstehung des Stückes beigetragen haben.
Erst jetzt ist es möglich das Stück und die Politik in Verbindung zu bringen und innerhalb Macbeths auf die Suche nach politischen Themen der Zeit zu gehen. Freilich braucht man hier nicht lange zu suchen, eine Vielzahl von Themen stellt sich dem Leser praktisch von selbst, wobei das Thema Mehrdeutigkeit bis zum Ende aktuell bleibt.
Im Fazit wird unter Berücksichtigung der bisher gewonnen Erkenntnisse der Versuch unternommen Macbeth etwas genauer innerhalb der Zeitgenössischen politischen Skala einzuordnen um die Frage nach der Dramatisierung von Politik in Macbeth deutlicher beantworten zu können.
Die politische Situation
Das London des Jahres 1606 stand unter dem Zeichen der Pest, die von März bis Dezember in der Stadt Opfer forderte 1 . Unter anderem blieben auch die Theater über
1 Kinney, S. 70
4
den Sommer und Herbst geschlossen. Schon 1603, zur Zeit der Krönung Jakobs I., brach die Pest in London aus und ein Fünftel der Bewohner Londons starben daran 2 .
Doch ein anderes Ereignis sorgte im Jahr 1606 für Tumult, die Schießpulver Verschwörung vom 5. November 1605. Dabei handelt es sich um den gescheiterten Versuch das gesamte Parlament und die Königsfamilie in einer Explosion durch Schießpulver umkommen zu lassen. Drahtzieher dieser Verschwörung war eine Gruppe von Katholiken. Die Stadt reagierte mit Schock. Der venezianische Botschafter Nicolo Molin beschreibt die Atmosphäre in einem Brief 3 :
Die Stadt befindet sich in einem Zustand der Unsicherheit. Katholiken fürchten um ihr Leben und werden gefürchtet, alle sind bewaffnet […] Jeden Tag kommt etwas Neues über die Verschwörung ans Licht und produziert mehr Zorn und Misstrauen. Das Ergebnis ist, dass sowohl der Hof als auch die Stadt im Tumult sind und jeder ist bewaffnet und für jeden Fall gewappnet.
Bereits zuvor hatte sich König Jakob I. mit Komplotten und Verschwörungen gegen ihn auseinandersetzen müssen: der Gowrie Verschwörung in seiner Zeit als schottischer König Jakob VI. und zwei Komplotten im Jahr 1603, kurz vor seiner Krönung. Hier waren zum einen zwei katholische Priester die Drahtzieher, die kurz darauf hingerichtet wurden. Im zweiten entdeckten Komplott stellte es sich heraus, dass eine Gruppe von Adligen dahinter stand, die zwar zum Tode verurteilt wurden, aber in einem dramatischen Schauspiel letztlich von Jakob vor dem Tod bewahrt wurden 4 .
Die Schießpulver Verschwörung war also nicht der erste Versuch König Jakob I. zu ermorden, doch die möglichen Folgen bei einem Erfolg der Verschwörung - nämlich die Vernichtung der gesamten englischen Regierung - war für die Zeitgenossen ein Schock. Die Verhandlungen der Verschwörer zogen sich bis in den Mai des Jahres 1606 hin. So erstaunt es nicht, dass die Atmosphäre im Jahr 1606, nach der gescheiterten Verschwörung, angefüllt war mit Argwohn, Besorgnis und Unruhe wie der venezianische Botschafter lebhaft beschrieb.
2 Kinney, S. 60
3 Kinney, S. 119
4 Kinney, S. 64
5
Die Frage der Thronfolge
Königin Elisabeth I. war die letzte Monarchin der Tudor - Dynastie. Sie hatte keine Kinder und war unverheiratet. Die Frage der Thronfolge blieb bis zu ihrem Tod offen, denn sie weigerte sich einen Thronfolger zu bestimmen. So war dies jahrelang ein beherrschendes Thema der englischen Politik 5 . Auch Shakespeare beschäftigte sich immer wieder mit dem Thema der Thronfolge in seinen Stücken, bzw. der Legitimität von Herrschern 6 .Jakob wurde nach dem Tod Elisabeths als König von England ausgerufen und seine Thronbesteigung verlief sehr friedlich. Er wurde von allen politischen Seiten hoffnungsvoll empfangen, besonders die Katholiken in England versprachen sich Freiheiten von der Thronbesteigung Jakobs 7 .
Jakob der Hoffnungsträger
Jakob war der Sohn der katholischen Königin Maria von Schottland, die nach vielen Jahren der Gefangenschaft von Elisabeth hingerichtet worden war. Die Katholiken hofften Jakob sei der Religion seiner Mutter zugetan, würde ihnen mehr Freiheiten und Toleranz verschaffen und sich möglicherweise auch offiziell dem Christentum zuwenden 8 . Asquith bietet hier einen sehr guten Einblick in das Verhältnis Jakobs mit den Katholiken. Zwar war er geneigt den Katholiken mehr Freiheiten zu geben und ihre Religion zu tolerieren, doch war die Zahl der Menschen, die sich zu den katholischen Messen einfanden, rasch beunruhigend. Es schien sich nicht um eine eindeutige Minderheit zu handeln. Auch das Aussetzen der Strafgebühren für das fernbleiben der anglikanischen Gottesdienste spürte Jakob durch die leere und sanierungsbedürftige Staatskasse. Gleichzeitig sah sich Jakob scharfer Kritik wegen seiner Großzügigkeit der Katholiken gegenüber ausgesetzt und es entstand ein kirchenpolitischer Konflikt. Asquith erklärt, dass unter dem Rat Robert Cecils, des Königs engster Berater, Jakob die gegebenen Freiheiten wieder zügelte und eingrenzte. Die Bußgelder wurden sogar rückwirkend wieder eingeführt. Wer die Gelder nicht in einem bestimmten Zeitraum zahlen konnte verlor Hab und Gut. Gleichzeitig erhöhten sich Strafen für jene, die mit
Katholiken kollaborierten. Jesuiten, die als besonders extrem galten, und Priesterseminare wurden verbannt 9 .
5 Schabert, S. 8
6 ebenda
7 Asquith, 185 ff
8 ebenda
9 Asquith, S. 185 ff
6
Die Schießpulver Verschwörung (Gunpowder Plot)
Die Schießpulver Verschwörung wurde am 5. November 1605 entdeckt. Sie ist das Produkt der Unterdrückung der Katholiken und wurde von einigen extrem gesinnten Katholiken organisiert. Diese Gruppe versteckte 34 Fässer, gefüllt mit Schießpulver, in den Kellergewölben unter dem Parlament. Es war geplant, diese Fässer am Tag der Eröffnung des Parlaments explodieren zu lassen und damit die gesamte englische Regierung zu vernichten. Die Verschwörung scheiterte, da das einzige katholische Mitglied aus Jakobs Beraterstab, Lord Mounteagle, gewarnt wurde und diese Warnung an Cecil und somit den König weiterleitete 10 . In den Kellergewölben wurde Guy Fawkes verhaftet, der das Schießpulver entzünden sollte. Dieser gab die Namen der Mitverschwörer preis, die zügig verhaftet wurden. Einer der verhafteten Verschwörer war Henry Garnet, das Oberhaupt der englischen Jesuiten 11 . Garnet plädierte auf unschuldig, doch die Autorschaft von „A Treatise of Equivocation“ wurde ihm zu seinen Lasten ausgelegt 12 . In dieser Abhandlung ging es darum zweideutige, in die Irre führende, Antworten unter Folter und im Verhör zu geben um nicht als Katholik hingerichtet zu werden 13 . Garnet wurde als schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Die Verhandlungen der Angeklagten zog sich von Januar 1606 bis zum März hin, wobei Garnet erst im Mai hingerichtet wurde 14 . In England sah man die Verschwörung als katholischen Versuch die führenden Protestanten des Landes zu ermorden 15 . Die Verschwörung ließ für Jakob die beängstigende Frage offen, ob Rom und die Hand des Papstes einen solchen Einfluss in seinem Reich hatten um beinahe die gesamte britische Regierung auszulöschen 16 . So wuchs das Misstrauen gegenüber den Katholiken und Jakob machte sich die Situation zu Nutze, um loyale und moderat gesinnte Katholiken von extremistischen Gruppen zu trennen und gegen diese gezielt vorzugehen. Dabei konzentrierte Jakob sich besonders auf die Jesuiten die sich nach offiziellen Aussagen mit dem Teufel verbündet hatten 17 . Jakob war überzeugt davon, dass sich die Kräfte des Bösen gegen ihn verbündet hatten und versuchten seine Herrschaft zu verhindern 18 . Zu dem hielt er
10 Kinney, S. 117 ff
11 Greenblatt, S. 2555
12 Schabert, S. 561
13 Greenblatt, S. 2555
14 Wills, S. 17
15 Winstanley, S. 53
16 Wills, S. 14
17 Wills, S. 15
18 Winstanley, S. 44
7
es für möglich, dass ein weiterer Grund der Verschwörung seine Vereinigung der britischen Inseln war 19 .
Bereits vier Tage nach der Aufdeckung der Verschwörung gaben Jakob und das Parlament eine offizielle Erklärung und ihre Interpretation der Verschwörung bekannt. Kurz darauf wurde diese auch in gedruckter Form in Umlauf gebracht 20 . Jakob erhob den Tag der Entdeckung der Verschwörung zum nationalen Feiertag, der bis heute gefeiert wird.
Religion und Glaube um 1600
Hexen
Schabert schreibt, dass sich angesichts der existenziellen Bedrohungen, denen die Zeitgenossen ausgesetzt waren, und der Abhängigkeit von Umweltfaktoren Religion mit dem Glauben an Hexerei und Magie vermischte, was nicht so einfach voneinander zu trennen war und ein vielschichtiges Glaubenssystem entstehen ließ 21 . Jakob selbst verstand sich als Fachmann im Bereich Hexen und Magie. Er verfasste das Fachbuch Dämonologie, in dem er ausführlich darüber schrieb. Auch wohnte er selber anonym Hexenprozessen bei. Er vermutete die Hand des Teufels in jeder Verschwörung gegen sich und verstand es als göttliche Bestätigung seines Status unversehrt geblieben zu sein. Er glaubte, dass Hexen - als Verbündete des Teufelssich an verschiedenen Punkten seines Lebens gegen ihn verschworen haben 22 . Das zeigt sich auch in Verbindung mit seiner Rückkehr von Dänemark, wo er seine Braut Anna traf um sie nach Schottland zu bringen. Wegen Stürmen war die Überfahrt lange nicht möglich und sehr unruhig. Hierfür wurden Hexen verantwortlich gemacht und es kam nach Jakobs Rückkehr zu Hexenprozessen 23 .
Der Glaube an Hexerei war im England um 1600 also normal, dass es Hexen gab wurde nicht bezweifelt. So gab es bereits seit 1580 unter Henry VIII. und Elisabeth Gesetze die sich mit Hexerei auseinandersetzten. Jakob modifizierte diese Gesetze im Jahr 1604 noch 24 . Sir Matthew Hale, ein renommierter Richter der Zeit bemerkte 25 :
That there are such creatures as witches be in no doubt at all
19 Winstanley, S. 41
20 Wills, S. 17
21 Schabert, S. 16
22 Greenblatt, S. 2556
23 Ramsbotham, S. 56
24 Bradbrook, S. 246
25 Kinney, S. 244
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Sara Herzlinger, 2009, Dramatisierung von Politik in 'Macbeth', München, GRIN Verlag GmbH
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