Inhaltsangabe
1. Bedingungsanalyse
2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
3. Sachanalyse
4. Didaktische und methodische Analyse
5. Lernziele
6. Unterrichtsplanung
7. Literatur- und Medienverzeichnis
8. Anhang
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1. Bedingungsanalyse
Die Klasse 11b ist auf das Fach Musik bezogen sehr heterogen. Lediglich 7 von 27 Schülern/Schülerinnen spielen ein Instrument. Die Klasse weist ein starkes Übergewicht an Schülern (21) gegenüber Schülerinnen (6) auf. Das Leistungsgefälle innerhalb der Klasse ist groß. Es gibt eine größere Gruppe von Interessierten und Engagierten, der eine kleinere Gruppe gegenübersteht, die sich im Unterricht eher unbeteiligt zeigt. Die Musiker/Musikerinnen unter den Schülern/Schülerinnen sind in besonderer Weise am Musikunterricht interessiert, wobei durchaus auch Schüler/Schülerinnen, die kein Instrument spielen, regelmäßig zum Unterrichtsgeschehen beitragen.
Der Umgang zwischen den Schülern/Schülerinnen ist freundlich und respektvoll. Das Verhalten gegenüber dem Lehrer ist ebenfalls positiv geprägt.
2. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
Die Unterrichtsstunde „Affekte und musikalisch-rhetorische Figuren in J.S. Bachs „Johannes-Passion““ stellt die vierte Stunde innerhalb der Unterrichtseinheit „Die Stilepoche des Barock“ dar. In den ersten beiden Stunden wurde die Epoche des Barock aus einem gesellschaftlichen und politischen Kontext heraus betrachtet. Die Musik als Machtinstrument des absolutistischen Herrschers und die höfische Kultur, insbesondere der Tanz, waren hier Unterrichtsgegenstand. Die dritte Stunde schaffte durch die Verbindung des Vanitas-Motivs mit der „Johannes-Passion“ den Übergang vom prachtvollen Barock zur Antithetik von Jenseits und Diesseits. Die heutige Unterrichtsstunde beleuchtet, unter Einbeziehung von musikalisch-rhetorischen Figuren, die emotionale Seite der „Johannes-Passion“. Die darauf folgende Stunde widmet sich den Formen des Oratoriums. Als Abschluss der Einheit wird das Formprinzip der Fuge exemplarisch erarbeitet.
3. Sachanalyse
Die „Johannes-Passion“ von J.S. Bach, 1723 uraufgeführt, handelt vom Leiden und Sterben Jesu. Der Text des Oratoriums ist dem Johannes-Evangelium entnommen, welches durch Teile aus dem Matthäus-Evangelium ergänzt wird. Das Werk bietet eine Fülle von Affektdarstellungen, die sich sowohl in Rezitativen als auch in Arien und Chören finden lassen. Die Musik stellt dabei die Leidenschaften und seelischen Gemütszustände der jeweiligen Protagonisten der Passion dar. Bereits in der Antike wurde die Musik in Verbindung mit Seelenzuständen gesetzt. In der Barockzeit entwickelte sich eine regelrechte Affektenlehre. Unter anderem unterscheidet René Descartes (1596-1650) in seinem Traité des passions de l´âme (1649) sechs Grundaffekte - Verwunderung, Liebe, Hass, Verlangen, Freude und Trauer, aus denen sich unendlich viele Nuancen und Mischungen ergeben können. Die „Johannes-Passion“ kann als exemplarisches Beispiel für die gezielte musikalische Abbildung von Affekten durch bestimmte musikalische Mittel gesehen werden. Die für die heutige Stunde ausgewählten Szenen, die Arien Nr. 13 und Nr. 58 und die Rezitative Nr. 18, Nr. 30 und Nr. 59 1 drücken die Affekte Freude, Liebe, Verzweiflung, Wut und Trauer aus.
1 Bach, Johann Sebastian: Johannes-Passion BWV 245, Kassel: Bärenreiter, 2005.
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Die elementaren musikalischen Mittel wie zum Beispiel Tonart, Taktart, Harmonien usw. werden darüber hinaus durch musikalisch-rhetorische Figuren, kunstvolle Verzierungen und Abweichungen vom Tonsatz, ergänzt und erweitert. Der Affektgehalt wird dadurch zusätzlich gesteigert.
Gemeinsam mit der Entwicklung einer Affektenlehre hat sich um 1600 eine Lehre der musikalisch-rhetorischen Figuren entwickelt. Diese wurde von der antiken Redelehre, die in enger Beziehung zur Musik steht, beeinflusst. So steht zum Beispiel der Begriff der „Anabasis“ für eine aufsteigende melodische Linie, die Freude ausdrückt. Demgegenüber bedeutet der Begriff „Katabasis“ (fallende melodische Linie) Schmerz und Vergänglichkeit. Bach verwendete zur Affektdarstellung in der „Johannes-Passion“ zahlreiche musikalisch-rhetorische Figuren. Die oben erwähnten Affekte werden, dem jeweiligen Text entsprechend, durch die Figuren verstärkt. Der Text gibt dabei immer wieder Anlass zur Verbindung mit bestimmten Figuren.
4. Didaktische und methodische Analyse
Die Affektdarstellungen in der „Johannes-Passion“ von J.S. Bach gewähren einen emotionalen Zugang zur Musik. Die Schüler/Schülerinnen haben so die Möglichkeit, über die dargestellten Emotionen dem Werk ohne besondere musiktheoretische Kenntnisse in einem szenischen Verfahren zu begegnen.
Der Ansatz der szenischen Interpretation hat bei dieser, was die musiktheoretischen Kenntnisse anbelangt, heterogenen Klasse den Vorteil, dass alle Schüler/Schülerinnen aktiv am Unterricht beteiligt sind. Ein rein theoretischer Ansatz wurde deshalb nicht in Erwägung gezogen. Die meisten musikalisch-rhetorischen Figuren können ebenfalls ohne Notenkenntnisse aus dem Notenbild heraus abgeleitet werden.
Die Schüler/Schülerinnen werden zu Beginn der Unterrichtsstunde für den Begriff des Affekts sensibilisiert. Dabei werden die Bedeutung des Begriffs und dessen Zusammenhang zum Thema der Unterrichtsstunde verdeutlicht. Das Arbeitsblatt „Affekte und musikalisch-rhetorische Figuren in J.S. Bachs „Johannes-Passion““ führt die Schüler/Schülerinnen näher in die Begriffe Affekt und Figur ein. Die Definition der Begriffe wird von Schülerseite vorgelesen und kurz in eigenen Worten festgehalten.
Daraufhin erfolgt die Erarbeitung der Affektdarstellungen anhand der oben erwähnten Szenen aus der „Johannes-Passion“ durch Zuhören und Mitlesen der Notenbeispiele. Vor jedem Hördurchgang wird der nebenstehende Text zum Herstellen eines Zusammenhanges von einem Schüler/einer Schülerin vorgelesen. Neben dem Kontext benennt der kurze Text darüber hinaus den jeweiligen Affekt (Freude und Liebe, Verzweiflung, Wut, Trauer und Tod). Nachdem alle Hörbeispiele erarbeitet wurden, werden die Schüler/Schülerinnen in Gruppen von jeweils fünf bis sechs Personen eingeteilt. Die Gruppen sollen sich nun für einen der Affekte entscheiden und diesen in einer szenischen Interpretation darstellen. Die szenische Interpretation erfolgt in einem Standbild, welches sowohl den Affekt, als auch den Kontext des Affekts sichtbar werden lassen soll. Die Schüler/Schülerinnen nehmen bei dieser Aufgabe eine neue Perspektive ein und transferieren die gewünschte Emotion in Körpersprache. Die Gruppenarbeit fördert bei der Erarbeitung der Standbilder außerdem die Kommunikation unter den Gruppenmitgliedern.
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Thomas Grasse, 2009, Unterrichtsstunde: Affekte und musikalisch-rhetorische Figuren, München, GRIN Verlag GmbH
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