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Exorzismus in der Postmoderne

Zur Rettung der Theorie der Moderne

Titel: Exorzismus in der Postmoderne

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 21 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Andreas Blendinger (Autor:in)

Soziologie - Religion
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die katholische Kirche bildet, zwecks steigender Nachfrage, wieder verstärkt Exorzisten aus. Der Jakobsweg findet neue Beachtung auch unter der Jugend und wird zum neuen Ballermann für Sinnsuchende. Besuche des Papstes sind längst zu Massenevents geworden und ziehen Menschen in ihren Bann, welchen den kirchlichen Gottesdienst ansonsten zu Weihnachten und familiären Pflichtterminen besuchen. Aber nicht nur die staatlichen Kirchen scheinen sich verstärkter Beachtung zu erfreuen. Der heutige Mensch sucht sich die richtigen Teile jedes Glaubenssystems heraus und bildet für sich seine eigene Patchwork-Religion, losgelöst von der Institution Kirche. Esoterische Bücher sind noch immer hoch in den Bestsellerlisten aufzufinden und scheinen sich an zumindest gleichbleibend hoher Beliebtheit erfreuen zu können. Menschen freuen sich noch immer über vierblättrige Kleeblätter und erwarten Gutes davon.

All dies geschieht in einer Gesellschaft, welche sich selbst als modern kennzeichnet. Dies scheint im Widerspruch miteinander zu stehen. Darf ein moderner Mensch glauben? In welchem Verhältnis stehen Pluralisierung und Modernisierung? Diesen Fragen widmet sich folgender Text und will beleuchten, inwiefern die Theorie der Modernisierung eine Antwort auf diese Fragen geben kann und wo diese an ihre Grenzen stößt. Hierzu werden die Merkmale einer modernen Gesellschaft beleuchtet und kritisch mit heutigen gesellschaftlichen Tendenzen in Verbindung gesetzt.

Zudem ist generell zu klären, ob man überhaupt und wenn in welchen Grenzen sich eine Respiritualisierung bzw. eine sogenannte Glaubensrenaissance feststellen lässt. Es stellt sich letztendlich die Frage, ob zukünftig von einer modernen Gesellschaft gesprochen werden kann oder der Weg zu einer postmodernen Form eingeschlagen worden ist. In diesem Spannungsverhältnis zwischen Modernisierungsglauben und dessen Kulturpessimistischer Gegner, die Postmoderne, soll die Verbreitung von spirituellen Glauben und Religiosität beleuchtet werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rettung der Theorie der Moderne

2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus?

2.2 Die Modernisierung und das Weltsystem

2.3 Die Kultur der Moderne

2.4 Beherrschung oder Weltrisikogesellschaft?

2.5 Entgrenzung und Aberglaube

3. Ein postmodernes Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen klassischen Modernisierungstheorien und gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen, wie etwa der zunehmenden Respiritualisierung und dem Fortbestehen von Aberglauben. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern die Theorie der Modernisierung angesichts aktueller gesellschaftlicher Tendenzen noch Gültigkeit beanspruchen kann oder ob der Übergang zu einer postmodernen Gesellschaftsform bereits vollzogen wurde.

  • Kritische Analyse der Merkmale moderner Gesellschaften im Sinne der Modernisierungstheorie.
  • Gegenüberstellung von Modernisierungstheorie und Weltsystemtheorie hinsichtlich globaler Entwicklungsverläufe.
  • Untersuchung von Reflexivität, Entgrenzung und Risikowahrnehmung in der modernen Gesellschaft.
  • Empirische Betrachtung von Religiosität und Aberglauben als Indikatoren für den Wandel gesellschaftlicher Rationalisierung.
  • Diskussion der Postmoderne als Rahmen für eine Gesellschaft radikaler Pluralität.

Auszug aus dem Buch

2.4 Beherrschung oder Weltrisikogesellschaft?

Der zweite interessante Punkt in der Unterteilung der Phasen durch Zapf waren „die Bemühungen der modernen Gesellschaften selbst, durch Innovationen und Reformen ihre neuen Herausforderungen zu bewältigen.“ (Zapf 1996: 63) Dieser Punkt öffnet der Modernisierungstheorie ein ganz anderes Feld, nämlich den Umgang mit strukturellen Unterschieden in der Weltgesellschaft. Er bezieht sich dabei explizit auf strukturelle Unterschiede zwischen modernen und in der Transformation befindlichen Ländern und führt eine Art Rückkopplung in den globalen Modernisierungsprozesses ein. Alle modernen Gesellschaften, welche von dieser Rückkopplung der Moderne betroffen sind, reagieren passiv darauf, sprich sie sind durch exogene Verhältnisse gezwungen, ihr Gesellschaftssystem zu überarbeiten. Daraus kann man zwei Grundannahmen ableiten: Erstens werden strukturelle Ungleichheiten nicht primär aktiv durch die modernen Gesellschaften forciert, sondern sind das Produkt aus der vergangenen Modernisierung der Pionierstaaten. Zweitens wollen die „bedrängten“ Pionierstaaten diese strukturellen Unterschiede durch neue Innovationen und Reformen erhalten.

In diesen zwei Grundannahmen kann man einen gewissen Widerspruch entdecken. Geht man davon aus, das Gesellschaften und deren politischer Akteur, der Staat, strategisch handelnde Akteure auf der weltpolitischen Bühne sind, wie lässt sich begründen, dass diese nicht von sich aus auf einen drohenden Anschluss der Folgerstaaten im Voraus reagieren? Die zweite Grundannahme wiederum enthält implizit auch die Annahme einer globalen Marktwirtschaft. Mit ihr wird die modernistische Utopie der Angleichung aller Staaten endgültig begraben. Globales wirtschaftliches Wachstum wird gezielt, ob nun aktiv oder passiv, durch die modernen Gesellschaften versucht zu verhindern und somit folglich auch eine, auf wirtschaftliche Expansion begründete, freie Marktwirtschaft der Transformationsgesellschaften. Eine expandierte Wirtschaft wiederum ist der Grundstein für eine breite demokratische Partizipation und staatliche Wohlfahrtprogramme.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Paradoxon einer sich modern nennenden Gesellschaft, in der Phänomene wie Exorzismus und Aberglaube an Bedeutung gewinnen, und führt die Forschungsfrage nach der Tragweite der Modernisierungstheorie ein.

2. Die Rettung der Theorie der Moderne: Dieses Kapitel diskutiert die Merkmale der Moderne und versucht, die Modernisierungstheorie durch Konzepte wie Pfadabhängigkeit und multiple Modernitäten gegen den Vorwurf der eurozentrischen Vorhersehbarkeit zu verteidigen.

2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus?: Hier werden grundlegende Modernisierungsmerkmale wie Rationalisierung, Demokratisierung und Bildungsexpansion als evolutionäre Entwicklungsprozesse definiert.

2.2 Die Modernisierung und das Weltsystem: Das Kapitel kontrastiert die unilineare Modernisierungstheorie mit der zyklischen Weltsystemtheorie und hinterfragt die Annahme eines globalen Wertemonopols.

2.3 Die Kultur der Moderne: Unter Bezugnahme auf Eisenstadts Konzept der multiple modernities wird die Moderne nicht mehr als einheitliches Projekt, sondern als kulturelle Vielfalt mit westlichem Ursprung betrachtet.

2.4 Beherrschung oder Weltrisikogesellschaft?: Dieses Kapitel untersucht die Rückkopplungseffekte in der Weltgesellschaft und setzt den wirtschaftlichen Wettbewerb in Bezug zu Becks Theorie der reflexiven Modernisierung und Weltrisikogesellschaft.

2.5 Entgrenzung und Aberglaube: Durch empirische Daten zu Aberglauben und Religiosität wird die These der zunehmenden Säkularisierung kritisch hinterfragt und die Abkehr vom reinen Primat der Vernunft diskutiert.

3. Ein postmodernes Fazit: Das Fazit stellt die Postmoderne als Verfassung radikaler Pluralität der Modernisierungstheorie gegenüber und plädiert für Reflexion als Antwort auf zunehmende gesellschaftliche Komplexität.

Schlüsselwörter

Modernisierungstheorie, Postmoderne, Reflexive Modernisierung, Weltsystemtheorie, Säkularisierung, Aberglaube, Multiple Modernities, Pfadabhängigkeit, Rationalisierung, Pluralität, Risikogesellschaft, Strukturwandel, Gesellschaftstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie aktuell die Modernisierungstheorie zur Erklärung heutiger gesellschaftlicher Phänomene ist, insbesondere angesichts eines Wiederauflebens irrationaler Glaubensformen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen der Vergleich zwischen Modernisierungstheorie und Weltsystemtheorie, die Konzepte der reflexiven Moderne sowie die Analyse von Religiosität und Aberglauben in modernen Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Tragweite der Modernisierungstheorie zu testen und zu beleuchten, ob wir uns in einer modernen Gesellschaft bewegen oder ob bereits eine postmoderne Phase erreicht wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten, ergänzt durch die Analyse empirischer Daten, wie etwa Studien des Instituts für Demoskopie Allensbach und ALLBUS-Daten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Merkmale der Moderne, die Bedeutung des Weltsystems, die Entgrenzung von Lebensbereichen sowie die Risikowahrnehmung und deren Auswirkungen auf die moderne Gesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Modernisierungstheorie, Reflexivität, Weltrisikogesellschaft, Säkularisierung, Pluralität und multiple Modernitäten.

Wie unterscheidet der Autor zwischen der Modernisierungstheorie und der Weltsystemtheorie?

Der Autor grenzt die unilineare, fortschrittsorientierte Sichtweise der Modernisierungstheorie gegen das zyklische Geschichtsverständnis und die ökonomische Machtperspektive der Weltsystemtheorie ab.

Welche Rolle spielt der Begriff der Pfadabhängigkeit?

Die Pfadabhängigkeit dient dem Autor als Schlüssel, um die Vielfalt der "Modernen" zu erklären, da frühe Entscheidungen Pioniere von Nachfolgegesellschaften unterscheiden und eine einheitliche Entwicklung verhindern.

Warum wird der Aberglaube als Argument gegen die Modernisierungstheorie angeführt?

Der Autor führt an, dass das Fortbestehen oder die Zunahme von Aberglauben den Annahmen der klassischen Modernisierungstheorie widerspricht, die von einer kontinuierlichen Säkularisierung und Rationalisierung der Gesellschaft ausgeht.

Welchen Stellenwert nimmt die Postmoderne im Fazit ein?

Die Postmoderne wird als eine Phase radikaler Pluralität definiert, die als notwendige Korrektur zur Modernisierungstheorie fungiert und Komplexität sowie Reflexivität in den Mittelpunkt stellt.

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Details

Titel
Exorzismus in der Postmoderne
Untertitel
Zur Rettung der Theorie der Moderne
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,3
Autor
Andreas Blendinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V132124
ISBN (eBook)
9783640419487
ISBN (Buch)
9783640419425
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exorzismus Postmoderne Rettung Theorie Moderne
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andreas Blendinger (Autor:in), 2008, Exorzismus in der Postmoderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132124
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