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Inhalt
1. Einleitung. 3
2. Die Rettung der Theorie der Moderne. 4
2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus? 4
2.2 Die Modernisierung und das Weltsystem 7
2.3 Die Kultur der Moderne. 9
2.4 Beherrschung oder Weltrisikogesellschaft? 12
2.5 Entgrenzung und Aberglaube 16
2.5 16
3. Ein postmodernes Fazit 18
3. 18
Literaturverzeichnis. 20
Literaturverzeichnis. 20
Literaturverzeichnis. 20
Literaturverzeichnis. 20
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3 1. Einleitung
Die katholische Kirche bildet, zwecks steigender Nachfrage, wieder verstärkt Exorzisten aus. Der Jakobsweg findet neue Beachtung auch unter der Jugend und wird zum neuen Ballermann für Sinnsuchende. Besuche des Papstes sind längst zu Massenevents ge‐ worden und ziehen Menschen in ihren Bann, welchen den kirchlichen Gottesdienst ansonsten zu Weihnachten und familiären Pflichtterminen besuchen. Aber nicht nur die staatlichen Kirchen scheinen sich verstärkter Beachtung zu erfreuen. Der heutige Mensch sucht sich die richtigen Teile jedes Glaubenssystems heraus und bildet für sich seine eigene Patchwork‐Religion, losgelöst von der Institution Kirche. Esoterische Bü‐ cher sind noch immer hoch in den Bestsellerlisten aufzufinden und scheinen sich an zumindest gleichbleibend hoher Beliebtheit erfreuen zu können. Menschen freuen sich noch immer über vierblättrige Kleeblätter und erwarten Gutes davon.
All dies geschieht in einer Gesellschaft, welche sich selbst als modern kennzeichnet. Dies scheint im Widerspruch miteinander zu stehen. Darf ein moderner Mensch glau‐ ben? In welchem Verhältnis stehen Pluralisierung und Modernisierung? Diesen Fragen widmet sich folgender Text und will beleuchten, inwiefern die Theorie der Modernisie‐ rung eine Antwort auf diese Fragen geben kann und wo sie an ihre Grenzen stößt. Hierzu werden die Merkmale einer modernen Gesellschaft beleuchtet und kritisch mit heutigen gesellschaftlichen Tendenzen in Verbindung gesetzt. Zudem ist generell zu klären, ob man überhaupt und wenn in welchen Grenzen sich eine Respiritualisierung bzw. eine sogenannte Glaubensrenaissance feststellen lässt. Es stellt sich letztendlich die Frage, ob zukünftig von einer modernen Gesellschaft gesprochen werden kann oder der Weg zu einer postmodernen Form eingeschlagen worden ist. In diesem Span‐ nungsverhältnis zwischen Modernisierungsglauben und dessen Kulturpessimistischer Gegner, die Postmoderne, soll die Verbreitung von spirituellen Glauben und Religiosi‐ tät beleuchtet werden. Angeregt durch Entwicklungen der letzten Jahre, wie einleitend beschrieben, soll deren Tragweite ausgeleuchtet werden und die Theorie der Moderni‐ sierung getestet werden.
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Dies umfasst zudem eine globale Betrachtung der Theorie der Modernisierung, als ers‐ ten Teil dieser Arbeit. Wie stellt sich die Ausbreitung der Moderne heute dar, wie ge‐ hen die klassischen modernen Gesellschaften damit um und welche alternative Erklä‐ rungen kann zum Beispiel die Weltsystemtheorie geben. Zunächst folgt eine kurze Cha‐ rakteristik der Theorie der Modernisierung.
2. Die Rettung der Theorie der Moderne 2.1 Was zeichnet eine moderne Gesellschaft aus?
Die Theorie der Modernisierung arbeitet generell mit der Erklärung des Verlaufs von Gesellschaften, welche sich von einer traditionellen zu einer fortschrittlichen Form entwickeln. Dies baute in ihren Ursprüngen auf die Entwicklung westlicher Gesell‐ schaftlicher Gesellschaften auf. Diese ideologisierte Form einer modernen Vorstellung wurde der Modernisierungstheorie immer wieder zum Vorwurf gemacht, obwohl mit dem Begriff der Moderne eigentlich ein wertfreier Ausdruck für Fortschrittlichkeit ge‐ funden werden sollte. Es wird davon ausgegangen, dass die Gesellschaft der Bundes‐ republik, sowie alle anderen europäischen Staaten, sowie die Vereinigten Staaten als moderne Gesellschaften gedeutet werden, wobei natürlich in dieser Aufzählung längst nicht alle modern zu geltenden Gesellschaften aufgelistet sind.
So sind nach Lerner (1968: 386ff) das Wachstum der Wirtschaft und die Ausbreitung säkularer Normen zwei von mehreren strukturellen und institutionellen herausste‐ chenden Merkmalen moderner Gesellschaften. Zählt man noch die Expansion des Bil‐ dungswesens hinzu (Berger 1996: 53) hat man, frei nach Parson, die drei Revolutionen, die als Ursprung der Moderne geltend gemacht werden können, zusammen: Die indus‐ trielle Revolution, die demokratische Revolution und die Bildungsrevolution. Weiterhin zählt Berger und Lerner Rationalisierung, Komplexitätssteigerung, Inklusion und eine Leistungsorientierung und Empathie in Richtung Individuierung als Charakteristika der Modernisierung auf, wobei Vollständigkeit in diesem Fall nicht gewährleistet werden kann. In ihren formalen und inhaltlichen Eigenschaften lassen sich folgende Punkte
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herausstellen: Modernisierung ist ein revolutionärer Prozess, da sich traditionale und moderne Gesellschaft von Grund auf radikal unterscheiden. Weiterhin handelt es sich bei der Modernisierung um einen Prozess, welcher viele verschiedene Dimensionen miteinschließt, welche sich systemisch untereinander durchdringen. „Changes in one facto rare related to and affect changes in the other factors.” (Huntington 1971: 288) Komplexe Kausalität durchdringt somit alle Merkmale einer sich modernisierenden Kultur. Besonders interessant scheint, in Bezug auf den Focus dieses Aufsatzes, die Tatsache der Tendenz der Säkularisierung und der damit verbundenen zunehmenden Rationalisierung und Wertverallgemeinerung zu sein. So kann als Ursache von westlich geprägter Rationalisierung Webers protestantische Ethik herangezogen werden. Er begründet die Entstehung des Kapitalismus mit einem starken Rationalismus der pro‐ testantischen Ethik: „[Die Protestanten hatten] sowohl als herrschende wie als be‐ herrschte Schicht, sowohl Majorität wie als Minorität eine spezifische Neigung zum ökonomischen Rationalismus.“ (Weber 1984: 101) Schon hier lässt sich die kausale Komplexität deutlich hervorheben. Religiöser Glauben gilt hier als Auslöser einer Wirt‐ schaftsform, welche insbesondere als Merkmal, in mehr oder weniger ausgeprägter Form, moderner Gesellschaften gilt. Säkularisierung und Aufklärung im Gegenzug trennen den praktizierten Rationalismus von seinen Wurzeln und lassen ihn im Kapita‐ lismus bzw. in einer bürokratischen Ordnung neu entstehen. Zwei weitere sehr interessante Modernisierungsmerkmale in Bezug auf das Thema der Arbeit sind Irreversibilität und Fortschrittlichkeit des Prozesses der Modernisierung. Irreversibilität soll heißen, dass wenn eine Gesellschaft ein gewisses Entwicklungsni‐ veau erreicht hat, dieses zumindest auch hält und nicht auf ein niedrigeres, bereits vorher erreichtes Niveau, zurückfällt (Huntigton 1971: S.290). Dies ist natürlich als probabilistische Aussage zu verstehen, sodass die Wahrscheinlichkeit ein höheres Ni‐ veau zu erreichen, als größer angenommen werden kann, als auf niedrigeres Niveau zurückzufallen. (Berger 1996: 50) Hier offenbart sich der evolutionäre Charakter der Theorie der Modernisierung, im Gegensatz zu zyklischen Geschichtsbetrachtungen. Es gibt eine mehr oder weniger lineare, wenn nicht sogar progressive Entwicklung hin zu
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einem bestimmten Zustand, welcher sich in den Ausprägungen einer wesentlichen Merkmalskombination darstellt. Diese sind die beschriebenen Merkmale der Moderne. Kritisch wird es allerdings bei einer solchen Sichtweise in dem Moment, in welchem die Frage auftaucht, wohin dieser Prozess letztendlich führt. Sprich es können zwar Ten‐ denzen beschrieben werden, aber der Versuch, Merkmalsausprägungen zu definieren, welche für „die Moderne“ stehen, stellt sich als unmöglich dar. Da die Moderne sich ständig weiterentwickelt, ist es auch wenig sinnvoll diese zu definieren. Die Reichweite der Theorie kann jedoch trotzdem einer Überlegung zum Gegenstand werden. Letzt‐ endlich bezieht sich die Entwicklung der Moderne schließlich auf die westlichen Kultu‐ ren, welche zum Zeitpunkt der drei großen Revolutionen ihren Ursprung hatte. Der Theorie der Modernisierung ist somit ein zeitlicher Rahmen gesetzt, welcher zumin‐ dest in seinem Anfang mehr oder minder präzise zu beschreiben ist. Das Ende jedoch ist weitgehend undefiniert, das es letztendlich keinen Zeitpunkt gibt, an dem die Ideal‐ vorstellung einer modernen Kultur Realität ist.
Mit anderen Worten ist die Gesellschaft der Bundesrepublik in 10 Jahren als moderner anzusehen als heute oder ist ein Grad von Modernität erreicht, der sich in seinen klas‐ sischen Ausprägungen nicht mehr zugunsten dieser verändern kann? So sieht auch Eisenstadt Europa durchaus als erstes, aber sehr spezifisches Muster der Moderne, welches keine Allgemeingültig beanspruchen darf. „Insofern kommt es also darauf an, die internen und interkulturellen Rahmen des Begriffs der Moderne letztlich immer wieder in ihrer jeweiligen Besonderheit zu bestimmen." (Eisenstadt 2005: 171) Nach Eisenstadt wird der Begriff der Moderne also immer wieder neu definiert, sich richtend an der Kultur mit den höchsten Ausprägungen, in Bezug auf modernitätscharakterisie‐ rende Merkmale. Des Weiteren soll die Vorstellung der Moderne losgelöst sein, von spezifischen Kulturen. Dies ist durchaus auch angebracht, in Anbetracht der globalen wirtschaftlichen Wachstumsprognosen in den nächsten Jahrzehnten, speziell im asiati‐ schen Raum.
Arbeit zitieren:
Andreas Blendinger, 2008, Exorzismus in der Postmoderne, München, GRIN Verlag GmbH
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