Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Das Leben einer jüdischen Familie 5
III. Die Rolle der Mutter (Quelle: Die Memoiren der Glückel) 8
IV. Schlussbetrachtung. 12
V. Literaturverzeichnis. 14
2
I. Einleitung
Betrachtet man den Verlauf der Geschichte, so lässt sich sagen, dass das Interesse, welches die heutige Gesellschaft für das Judentum zeigt eine noch nie vorhandene Popularität einnimmt. So wurden im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Studieneingänge eingeführt und immer mehr Bücher zu dieser Thematik verfasst.
Das Leben der jüdischen Bevölkerung, das für uns immer noch etwas Befremdliches an sich hat, könnte mühelos mehrere Bücher umfassen. Ich möchte mich aber in dieser Arbeit auf den Mittelpunkt jedes jüdischen Lebens, das Leben innerhalb der Familie, konzentrieren. Anhand meiner ausgewählten Sekundärliteratur möchte ich versuchen, das klassische Bild der jüdischen Familie zu skizzieren und typische Charakteristika aufzuzeigen. Für den ersten Teil meiner Arbeit habe ich mich auf 3 Bücher spezialisiert. Das Buch „Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit“ von Michael Graetz habe ich gewählt, weil ich darin viele Informationen über das Leben der Juden in der Familie finden konnte, andererseits aber auch die zentralen Themen wie Erziehung und Ausbildung sehr detailliert beschrieben werden. Das zweite Buch, „Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland“ von Marion Kaplan habe ich zu Rate gezogen, da auch hier die Themenfelder „Familienleben“ und „Kindheit und Bildungswesen“ sehr genau geschildert werden.
Als drittes Buch habe ich mich für „Juden in Deutschland vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“ von J. Friedrich Battenberg entschieden. Hier lag mein Themenschwerpunkt auf dem Gebiet „Geschlechterdifferenz und Erziehungssystem“. Bei meinen Aufsätzen habe ich den Aufsatz von Rotraud Ries, „Die nahen Fremden“, den Aufsatz von der Homepage Uni-Münster, „Einführung in die Frühe Neuzeit“ und den Beitrag von Silke Mutter, „Zur Bildung und ökonomischen Aktivitäten jüdischer Frauen im Hamburg der Glikl Hameln“ in der „Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte“ gewählt. Bei der Wahl meiner Primärquelle, welche den zweiten Teil meiner Arbeit darstellt, habe ich mich für „Die Memoiren der Glückel von Hameln“ entschieden. Glückel von Hameln berichtet in diesem Buch einerseits von ihrem Leben als Ehefrau, andererseits kommen aber auch immer wieder Ermahnungen und Botschaften hervor, die sie in ihrer Rolle als Mutter an ihre Kinder richtet. Fasziniert von dieser Vielfalt an Elementen, welche Glückel in diesem Buch zusammengefasst hat, habe ich mich dazu entschlossen, anhand ihres Lebens die Rolle der Mutter innerhalb der Familie zu untersuchen.
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Schließlich möchte ich im dritten Teil meiner Arbeit eine Schlussbetrachtung vornehmen um einen Vergleich machen zu können, inwiefern sich die Primärquelle von der Sekundärliteratur unterscheidet bzw. gleicht.
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II. Das Leben einer jüdischen Familie
Die Juden der Frühen Neuzeit galten in den Augen ihrer nicht-jüdischen Umgebung schon immer als ein etwas fremdes Volk. Bildeten sie auch einen Teil der Gesamtgesellschaft, so formierten sie doch ihre eigene Gesellschaft und waren somit immer Angehörige zweier Welten geblieben. 1
Der Mittelpunkt jedes jüdischen Lebens war die Familie. Sie war der Ort, der durch eine starke Solidarität gekennzeichnet und zugleich Austragungsstätte des rituellen Lebens war. 2 Dass die Familie aber auch in den schweren Zeiten des Lebens zusammenhielt zeigt sich in Situationen, in denen es z.B. um die Versorgung von Kranken ging. 3 Diese familiäre Solidarität war aber nicht zufällig entstanden. Aufgrund der oftmals katastrophalen Wohnverhältnisse in den einzelnen Siedlungsgebieten war das Zusammenwirken der einzelnen Familienmitglieder viel stärker ausgeprägt als bei der christlichen Nachbarschaftsgesellschaft. 4
Schlägt man in der heutigen Literatur unter dem Schlagwort „jüdische Familie“ nach, so findet man eine Beschreibung vor, die die jüdische Familie als einen Ort der Warmherzigkeit und des Zusammenhaltes, in der eheliche Treue und die liebevolle Fürsorge für die Kinder an erster Stelle stehen, darstellt. Dass dem aber nicht immer so war, zeigen uns die Zeugnisse in Primärquellen. So waren Familienstreit, Untreue, körperliche Misshandlung und seltene Fälle von Kindestötung ebenfalls Bestandteil des jüdischen Lebens. 5
Grundlage jeder jüdischen Gesellschaft bildete die sog. Kleinfamilie. Sie umfasste im engeren Sinne die Eltern und Kinder, aber auch deren Bedienstete wie z.B. den Hauslehrer. Neben der Kleinfamilie gab es auch noch die sog. Hausgemeinschaften, welche mehrere Kleinfamilien (i.d.R. 3 - 4) umfassen konnten und die „Verwandtschafts-Familie“, welche außer der Kernfamilie die Blutsverwandten und die Angeheirateten umfasste. 6 Betrachtet man das Verhältnis von Mann und Frau, so lässt sich sagen, dass wie in der christlichen Mehrheitsgesellschaft die Frau eine dem Mann untergeordnete Rolle spielte. Es gab sehr wohl Frauen, die als starke und gleichberechtigte Persönlichkeiten anzusehen waren,
1 Vgl. Rotraud Ries, „Die nahen Fremden“ - Juden in der Geschichte der Frühen Neuzeit. Eine Einführung. In:
http://www.historicum.net/themen/juedische-geschichte/themen/einfuehrung/ (am 21.02.2008).
2 Vgl. Einführung in die Frühe Neuzeit-Online. In: http://www.uni-muenster.de/FNZ-
Online/sozialeOrdnung/juden/unterpunkte/leben.htm (am 21.02.2008).
3 Vgl. ebda.
4 Vgl. Mordechai Breuer / Michael Graetz (Hgg.), Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit (=Tradition und
Aufklärung 1600 - 1780, Bd. 1). München 2000, S. 170
5 Vgl. Marion Kaplan, Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland. München 2003, S. 38
6 Vgl. J. Friedrich Battenberg, Die Juden in Deutschland vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. München
2001, 51ff
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Arbeit zitieren:
Stefan Loidl, 2008, Das Familienleben der Juden im Alten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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