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Ingo Andreä
Drubbel- und Eschsiedlung im Münsterland -
ihre Beiträge zur Altersdatierung
der historischen Kulturlandschaft
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ...3
2 .Der Beginn der Seßhaftigkeit als Beginn für die Siedlungsgeschichte ...4
2.1 Die Entwicklung der Naturlandschaft und Kulturlandschaft Nordwestdeutschlands ...6
2.2 Exkurs Definition Dorf ...8
2.3 Siedlungsperiode der jüngeren Eisenzeit ...10
3. Ursprung und Entwicklung der Flurformen in der Debatte...12
3.1 Untersuchungsmethoden zur näheren Bestimmung der Altersdatierung...14
3.2 Der Drubbel Form und Aufbau im Kontext zur Langstreifenflur...17
3.3 Von der Urformen bis zur Gegenwart Genese einer Siedlung ...19
4. Schlussbetrachtung/Resümee...21
5. Quellen und Literaturverzeichnis:...22
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1. Einleitung
Der Mensch verwandelt seit über 60 000 Jahren die vorhandene Naturlandschaft
durch Viehhaltung und Anbau von Pflanzen in eine Kulturlandschaft. Die ersten
Artefakte von Werkzeugen stammen aus dem frühen Eiszeitalter (Villafranchium). Bis
zum Mittelneolithikum ( ca. 5. und erste Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.) gab es
nur die Völker der Jäger- und Sammler, die mit geschliffenen Steingeräten jagten
und Keramiken herstellten und benutzten. Die ersten bekannten Zeugnisse von
Seßhaftigkeit durch eine ackerbautreibende Bevölkerung stammen wahrscheinlich
aus Mesopotamien. Ob dies aber die ersten anthropogen verursachten
Veränderungen im naturlandschaftlichen Charakter sind, läßt sich nicht exakt klären.
Es sei dahingestellt, ob diese Annahme richtig ist, oder ob das Fehlen von älteren
Belegen nur eine Forschungslücke ist.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf den verschiedenen Flur- und
Siedlungsformen. Den Schwerpunkt bildet die Form der Drubbel- und Eschsiedlung
rund um die heutige Stadt Münster. Was macht die besondere Fokussierung auf das
Münsterland aus? Oder besser gefragt, warum ist das nordwestdeutsche und Teile
des niederländischen Tieflandes so besonders in der Flurgestaltung? Die
Gewannenflur, eine Flurform, die in Folge der zellengebundenen Dreiffelderwirtschaft
und des Erbrechtes entstanden ist, ist nur von untergeordneter Bedeutung. Wieso
sind die frühzeitlichen Siedlungsverhältnise Westfalens so bedeutsam für die
Altersdatierung in der historischen Kulturlandschaft und welche Bedeutung kommt
dabei neben den archäologischen Funden der Palynologie (Pollenanalyse) zu?
Im nordwestlichen Münsterland wurde mit Hilfe der Pollenanalyse die Datierung von
Drubbel- und Eschsiedlungen näher bestimmt. Die Palynologie unterstützt die
Auswertung der archäologischen Fundstätten und führt zu einer historischen
Vegetationskatierung. Die Intensität der Siedlungstätigkeit kann durch eine
Pollenanalyse nachgewiesen werden und gibt einen tieferen Einblick in die
Siedlungstätigkeit und damit gleichzeitig in die Anbautätigkeit der frühmittelalterlichen
Kulturen.
Neben diesem kurzen Einblick wird im Folgendem eine tiefer gehendere
Auseinandersetzung mit der Besiedelung und dem dazugehörigen
landwirtschaftlichen Anbau im Münsterland beschrieben.
Die Drubbel´s (Drubbelsiedlungen) werden seit Anfang des letzten Jahrhunderts in
den Vordergrund der Forschung gesetzt. Besonders MEITZEN, MÜLLER-WILLE und
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NIEMEIER machten sich in der Erforschung Westfalens verdient. Sie beschäftigten
sich ihr gesamtes Leben mit der Erforschung der Siedlungstätigkeiten im
Münsterland.
Seit dem Anfang der 80er Jahre ist in diesem Forschungsfeld nur geringfügig neues
hinzugekommen.
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Eine Dissertation, mit dem Titel: ,,Trophie Entwicklung eines
nordwestdeutschen Stillgewässers unter dem Einfluss von Landschafts- und
Siedlungsgeschichte" aus dem Jahr 2001 von Dr. Elke Barth, makiert wohl einer der
letzten tiefergehenden Auseinandersetzungen mit dem Thema Flur- und
Siedlungsformen im Bereich Westfalen`s in der Gegenwart.
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, einen Überblick über die Struktur
der Flur und Besiedlung im Norden von Westfalens Tiefland zu geben. Zunächst wird
die historische Entwicklung der Landnahme gegeben. Danach wird ein Einblick in die
besondere Siedlungsform der Drubbel und Esch näher beschrieben. Die damit
verbunden Formen des Langstreifens und der Eschbewirtschaftung werden
gleichermaßen betrachtet. Am Schluss der Arbeit steht ein Beitrag zur
Altersdatierung mit Hilfe der Pollenanalyse und die Verbindung mit Fundstücken der
Archäologie. Die Altersdatierung spielt für die Vegetationskatierungen eine
entscheidene Rolle insbesondere für die interdiziplinär arbeitende
Wissenschaftsforschung.
Zunächst wird die Besiedlung in einem kurzen Abschnitt näher erläutert. Die Arbeit
beginnt mit der Urbarmachung der Geestlandschaft.
2 .Der Beginn der Seßhaftigkeit als Beginn für die Siedlungsgeschichte
Um die genetische Siedlungsgeographie auf gesicherte Tatbestände zu stellen,
muss man die Siedlungsanfänge der Menschen kennen. Nur unter diesen
Vorrausetzungen kann man die Bedeutung von Naturräumen und deren
Bedingungen für die sich stets entwickelnde Siedlungstätigkeit verstehen. Die
Ausweitung und der Beginn der Besiedlung, ausgehend von dem Nomadentum, war
immer an die vorhandenen Bodenverhältnissen und Naturbedingungen als Rahmen
gebunden.
1 Geographische Rundschau Geographie der ländlichen Siedlung Stand und Ansätze der Erforschung. Heft 41,
März. Braunschweig 1989. S. 137 -140.
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Mit der Besiedelung begann der Mensch seine Umwelt zu seinem Zwecke zu nutzen
und sie nach seinem Willen umzugestalten. Diese Erkenntnisse der Mühen der
Besiedlung werden aufgrund von Getreidepollen, die Prähistoriker untersucht haben,
bestätigt. Diese Untersuchungsmethode wird im späteren Verlauf dieser Arbeit noch
näher erläutert. Zunächst soll die Siedlungsentwicklung weiter beschrieben werden.
Der prähistorische Mensch hatte bereits Waffen und Tongefässe zur
Nahrungsaufbewahrung
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. Die Getreideanteile in der Nahrung nahmen stetig zu, so
dass sich die Essgewohnheiten immer weiter veränderten und sich die Völker
langsam zu einer reinen Ackerbaugesellschaft weiterentwickelten. Es wird
angenommen, dass diese Entwicklung nicht aus freien Stücken geschah, sondern
durch Not, z.B. ständig neue Jagdgründe zu suchen oder den gegebenen
Umweltbedingungen, erzwungen wurde. Das Jagdgebiet konnte nicht unendlich
ausgedehnt werden und auch das Sammeln von Hülsenfrüchten, Getreidesamen
und Beeren etc. war nur begrenzt von einem festen Wohnort möglich. Der
Frühmensch ließ sich in Höhlen, Hütten, Zelten, Wohngruben oder anderen
hausähnlichen Bauten nieder. Er suchte Schutz gegen die winterliche Kälte,
sommerliche Hitze, Stürme, Niederschläge und sonstigen ungünstigen
Wetterverhältnissen. Der Mensch wurde mit der Zeit langsam seßhaft. Die Frage
nach dem Siedlungsstandort lässt sich eigentlich ganz einfach beantworten. Der
Mensch ließ sich dort nieder, wo die Naturbedingungen optimal erschienen, d.h. an
Orten wo genügend Holz, Wasser, Nahrung usw. vorhanden war. Darüber hinaus
führt jede Untersuchung über die kausalen Zusammenhänge der Siedlung
zwangsläufig zur Landschaft, zur Lage, Wasser, Gebirge, Klima, Baumaterialien,
fruchtbaren, unfruchtbaren und tragfähigen Böden, zu Vegetationsformen, Handel
mit benachbarten Stämmen/ Völkern usw. es handelt sich also um eine natur- und
kulturgeographische Verflechtung.
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Menschliche Wohnstätten und Ansiedlungen sollten in ihrer Gesamtheit erfasst und
dann aus dem Gesamtzusammenhang der Landschaft verstanden und interpretiert
werden.
Durch die postglazialen Trockenzeiten (ca. 2000 bis 800 v.Chr.; [Neolithikum
Bronzezeit]) waren die klimatischen Bedingungen besonders geeignet für eine
Weidewirtschaft. Die Steppen und die Gras-Wald-Landschaften mit ihren
2 Brunger, Wilhelm: Einführung in die Siedlungsgeographie. Heidelberg 1961, S. 15f.
3 Brunger, Wilhelm: Einführung in die Siedlungsgeographie. Heidelberg 1961, S. 16.
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vielschichtigen Pflanzengesellschaften breiteten sich aus und optimierten den Boden
für die Existenzwirtschaft durch Acker- und Viehwirtschaft. Die frühen Menschen
wußten von der Existens des Feuers. Der Umgang mit diesem und die damit
verbunden Brandrodungen taten ihr übriges.
Die klimatischen Bedingungen in Nordwestdeutschland waren für eine Besiedlung
sehr gut geeignet. Die Bodenverhältnisse waren für eine Besiedelung kaum bis nicht
geeignet. Die leichten und unfruchtbaren Sandböden erwiesen sich aber trotzdem als
dicht besiedelt. Ein Beispiel dafür ist die südliche Lüneburger Heide. Eine sehr dicht
besiedelte Region im Neolithikum, obwohl sie durch die unfruchtbaren und feuchten
Sandböden geprägt war.
Die Weidewirtschaft in Norddeutschland entstand in Regionen, in denen Eichen- und
Birkenwälder vorherrschten. Pollenanalytische, boden- und vegetationskundliche
Untersuchungen zeigen, dass die kargen Böden, auf denen unendliche Wälder
standen, für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wurden. Dies geschah, indem die
Fläche wie oben beschrieben zum Anbau von Nutzpflanzen dem Wald abgerungen
wurde. Die Besiedelung begann.
2.1 Die Entwicklung der Naturlandschaft und Kulturlandschaft
Nordwestdeutschlands
Der Landschaftswandel im Zuge prä- und frühhistorische Siedlungsphasen begann
im Subboreal. Die Neolithische Kulturrevolution erreichte Nordwestdeutschland von
Mesopotamien her.
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Im nordwestdeutschen Pleistozäns ist die neolithische Besiedlung mit den
nordischen Megalithkulturen verbunden.
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Sie ließen sich in den Geest- und
Talsandgebieten erstmals um 3500 v. Chr. nieder. Diese Kultur wird aufgrund ihrer
Keramik in zwei Gruppen unterteilt. Die frühere Gruppe der Trichterbecherleute
(2700 2200 v. Chr.) und die Glockenbecherkultur (2000 1700 v. Chr.).
Die archäologischen Fundsituationen und die palynologischen Untersuchungen
4 Burrichter,Ernst: Das Zwillbrocker Venn, Westermünsterland, in moor- und vegetationskundlicher Sicht - Mit
einem Beitrag zur Wald und Siedlungsgeschichte seiner Umgebung. In: Abh. Westf. Museum f. Naturkunde.
Jahrgang 31 Heft 1. Münster 1969. S. 15
5 Kramm, E.: Beiträge der Pollenanalyse zur Erforschung Siedlungsgeschichte von Westfalen. Natur und
Landschaftskunde. Westfalen 17/4, Hamm 1981. S. 105- 112.
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