I. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werden eine Reihe praxisrelevanter Lern- und Gedächtnisstrategien vorgestellt, welche sich insbesondere auf die Anwendung im Studium beziehen. Der Erfolg eines Studiums ist zunächst von einer Vielzahl an Einflussfaktoren abhängig. Diese werden im ersten Teil erläutert. Hier wird außerdem ein kleiner Einblick in die Funktion des menschlichen Gedächtnisses gegeben, um die Verarbeitung von Lernmaterial verständlich zu machen. Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem Lernprozess im Studium. Hierzu gehören die Vorstellung verschiedener Lerntypen sowie Lernstrategien, die in kognitive, metakognitive und ressourcenbezogene Strategien gegliedert wurden. Neben den Lernstrategien ist dem Hauptteil zudem noch das Gedächtnistraining gewidmet. Dieser Abschnitt beinhaltet sowohl verschiedene Gedächtnisstrategien als auch die Bedeutung der wichtigsten Mnemotechniken.
Insgesamt soll diese Arbeit die Relevanz der Lern- und Gedächtnisstrategien für ein erfolgreiches Studiums verdeutlichen.
2. Einflussfelder auf das Studienverhalten
Das Lernverhalten und somit auch der Studienerfolg werden von vielen Faktoren bestimmt. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren gehören kognitive, affektive, soziale sowie arbeitstechnische Bedingungen.
2.1 Kognitive Bedingungen
Zu den kognitiven Bedingungen gehören vor allem intellektuelle Veranlagungen, das Vorwissen sowie die Fähigkeit sich neues Wissen anzueignen. 1 Wesentliche Rollen hierbei spielen das Gedächtnis und die Intelligenz. Neuer Lernstoff kann nicht schlagartig in das Gedächtnis eingespeichert werden. So werden in der Regel drei Stufen unterschieden: Alle Umweltreize wie Geräusche, Gerüche oder Licht erreichen das Gehirn über die Sinnesorgane und werden an das
Ultrakurzzeitgedächtnis weitergeleitet. Hier verbleiben die Informationen lediglich 20 Sekunden. Besteht jedoch ein Interesse oder eine Assoziation mit diesen Informationen, gelangen sie in das Kurzzeitgedächtnis. Hier werden die neu erworbenen Eindrücke mit bereits vorhandenen Gedächtnisinhalten verknüpft. Sie
1 Vgl. Kunz, A. (1986): S.6ff.
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haften dort etwa 20 Minuten bis 1 Tag. Das Langzeitgedächtnis ist schließlich das dauerhafte Speichersystem des Gehirns. Besonders für den Lernprozess ist entscheidend, dass Informationen dort übernommen werden. Weiterhin wird der Lernerfolg wesentlich durch das Vorwissen beeinflusst. Dieses dient als sogenannter Anker für neues Wissen. „Je mehr Vorwissen vorhanden ist, desto leichter fällt der Erwerb des neuen Wissens“. 2
2.2. Affektive Bedingungen
Affektive Bedingungen spiegeln das Gefühlsleben, die Emotionalität sowie das Selbstwertgefühl wider. Gefühle nehmen wesentlichen Einfluss auf die Leistungsbreitschaft und somit auf den Studienerfolg. So wirkt sich eine positive Lebenseinstellung positiv auf die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit auseine negative innere Haltung bzw. seelische Belastungen dagegen führen zu einer Beeinträchtigung des Lernprozesses. Ein bedeutender Aspekt bezüglich der affektiven Bedingungen ist die Motivation. „Ohne Motivation gibt es keine Lernbereitschaft. Sie ist eine grundlegende Erfolgsbedingung.“ 3 Motive verursachen bei Menschen ein bestimmtes Verhalten. So ist es selbstverständlich, dass jeder Student seine eigenen Interessen hat und somit auch für verschiedene Lerninhalte verschieden motiviert ist. Trotzdem ist es wichtig, dass auch für die unbeliebteren Fächer ein bestimmtes Maß an Motivation vorhanden ist um das Studium erfolgreich abzuschließen. Insbesondere der Abschluss sowie das angestrebte Berufsbild nach dem Studium sind Aspekte zur Motivation.
2.3. Soziale Bedingungen
Diese Bedingungen beziehen sich insbesondere auf soziale Beziehungen und das gesellschaftliche Umfeld. Dazu gehört vor allem das Verhältnis zu Familie, Freunden, Bekannten sowie zu Kommilitonen und Dozenten. Soziale Kontakte nehmen wesentlichen Einfluss auf das Lernverhalten. 4 So verliert die beste Lerntechnik an Wirksamkeit, wenn Spannungen oder Konflikte im sozialen Umfeld herrschen. Da sich diese sehr belastend auf das Studium auswirken, sollten die Probleme so schnell wie möglich aufgearbeitet werden, sodass man sich wieder vollständig auf das Studium konzentrieren kann.
2 Kunz, A. (1986): S.7.
3 Kunz, A. (1986): S.27.
4 Kunz, A. (1986): S.37ff.
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Eine ausgeglichene Atmosphäre im sozialen Umfeld dagegen wirkt sich positiv auf den gesamten Lernprozess aus.
2.4. Arbeitstechnische Bedingungen
Bei den arbeitstechnischen Bedingungen steht der Arbeitsplatz im Mittelpunkt. Beim Lernen ist es wichtig, dass man sich an seinem Lernort wohl fühlt. Dieser ist individuell und kann von Student zu Student sehr unterschiedlich sein. So lernt der eine am besten in seinem eigenen Arbeitszimmer, der andere wiederum im Lesesaal der Bibliothek oder in sonstigen Lernräumen der Universität oder Hochschule. Weitere Aspekte bezüglich des Arbeitsplatzes sind z.B. Geräusche wie Musik, die Temperatur, die Einrichtung sowie die Arbeitsmittel. 5 Laut Armin Kunz sollte man bezüglich der Raumgestaltung beispielsweise warme Farbtöne der Wand wählen und auf eine gute Beleuchtung achten, um Augenschäden und Müdigkeit vorzubeugen. 6
3. Lernen im Studium
Sowie der optimale Lernort sehr individuell sein kann, so entwickelt auch jeder Student im Laufe der Zeit seine eigene für sich effektivste Lernstrategie.
3.1 Verschiedene Lerntypen
Man unterscheidet viele verschiedene Lerntypen, die häufig nicht alleine betrachtet werden, sondern als Zusammenspiel wirken. Die vier Grundtypen werden im Folgenden erläutert. Der visuelle Lerntyp lernt am besten aus Fachbüchern und Informationsmaterialien. Er muss den Lerninhalt lesen oder durch Bilder, Illustrationen und Grafiken visualisieren. 7 Die bloße Vorlesung reicht ihm nicht aus um diesen zu verstehen. Im Gegensatz dazu lernt der auditive Lerntyp am besten durch reines Zuhören. Er ist in der Lage gehörte Informationen aufzunehmen, zu behalten und wiederzugeben. 8 Der motorische Lerntyp muss Dinge anfassen und berühren um etwas richtig verstehen zu können. „Für ihn ist wichtig, am Lernprozess unmittelbar beteiligt zu sein und durch das "learning by doing" eigenständige Erfahrungen zu sammeln“ 9 . Ideale Lernhilfen sind für ihn z.B. Experimente oder
5 Vgl. Kunz, A. (1986): S. 41.
6 Vgl. Kunz, A. (1986): S. 40f.
7 Vgl. Sütterlin, P. (2004): Internet- Publikation.
8 Vgl. Sütterlin, P. (2004): Internet- Publikation.
9 Sütterlin, P. (2004): Internet- Publikation.
4
Modelle. Weiterhin gibt es den kommunikativen Lerntyp, der Lerninhalte diskutieren muss, um diese zu begreifen. Ideale Lernhilfen für ihn sind Gespräche, Diskussionen oder Rollenspiele. Wie bereits erwähnt, gibt es kaum jemanden, der sich ausschließlich einem einzigen Lerntypen zuordnen kann. Die meisten Menschen sind bezüglich des Lernprozesses „Mischtypen“.
3.2 Das „Ebbinghaus-Gesetz“
Lernfortschritte verlaufen in der Regel nicht gleichmäßig. Nachdem der Anfang meist schwerfällig ist, hat man nach einer gewissen Zeit Interesse an dem Lernstoff gefunden und erzielt gute Lernerfolge. Je näher man jedoch dem Lernziel entgegenkommt, desto schwieriger scheint es zu werden. Es ist kein Fortschritt erkennbar, d.h. man befindet auf einem Lernplateau, also in einer Ruhepause. 10 Daraus ergibt sich, dass mit fortschreitender Zeitdauer der Lernaufwand zunimmt, der Lernerfolg dagegen gleichzeitig abnimmt. Diese Erkenntnis hat der Gedächtnisforscher Hermann Ebbinghaus (1885) in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen. Das sogenannte „Ebbinghaus-Gesetz“ lautet: „Eine Vergrößerung der Menge des Lernmaterials macht eine überproportionale Steigerung der Lernzeit notwendig“. 11
Diese Aussage wird mit einer Lernkurve verdeutlicht (siehe Abbildung 1). Nahezu spiegelbildlich verläuft die Vergessenskurve (siehe Abbildung 2). Kurz nachdem der Lernstoff gelernt ist, wird am meisten und am schnellsten vergessen. 12
10 Vgl. Kunz, A. (1986): S. 99.
11 Kunz, A. (1986): S.101.
12 Vgl. Kunz, A. (1986): S. 101.
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Arbeit zitieren:
Kirsten Sommer, 2009, Lern- und Gedächtnisstrategien als wirkungsvolle Instrumente zu einem erfolgreichen Studium, München, GRIN Verlag GmbH
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