Technische Universität Dresden
Philosophische Fakultät
Institut für Kommunikationswissenschaft
Die Untersuchung der regionalen Berichterstattung
über rechtsextreme Akteure.
Eine quantitative Inhaltsanalyse der Dresdner Tageszeitungen
im Zeitraum von 2004 bis 2008.
Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades eines Magister Artium
im Fach Kommunikationswissenschaft (HF)
vorgelegt von
Robert Badar
14. April 2009
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
1. Einleitung ... 1
2. Rechtsextremismus ...3
3. Ideologische Elemente des Rechtsextremismus ...7
3.1 Nationalismus ... 7
3.2 Fremdenfeindlichkeit ... .8
3.3 Rassismus ... 9
3.4 Antisemitismus ... 10
3.5 Geschichtsrevisionismus ... 11
3.6 Antipluralismus... 12
3.7 Populismus ... 13
3.8 Zwischenfazit ... 14
4. Rechtsextreme Organisationen ... 15
4.1 Rechtsextreme Parteien ... 15
4.1.1 Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ... 16
4.1.2 Die Deutsche Volksunion (DVU) ... 18
4.1.3 Die Republikaner (REP) ... 19
4.2 Rechtsextreme Kameradschaften ... 20
4.3 Zwischenfazit ... 21
5. Framing ... 22
5.1 Definitionen ... 22
5.2 Ursprünge des Framing-Ansatzes ... 24
5.2.1 Soziologischer Ursprung ... 24
5.2.2 Psychologischer Ursprung ... 25
5.3 Kommunikatoren und Rezipienten im Framing-Prozess ...
... 26
5.3.1 Kommunikatorenframes ... 27
5.3.2 Rezipientenframes ... 30
5.4 Medien-Frames ... 32
5.4.1 Formal-stilistische Merkmale ... 34
5.4.2 Inhaltliche Merkmale ... 36
5.5 Zwischenfazit ... 44
6. Untersuchung ... 45
6.1 Forschungsinteresse ... 45
6.2 Forschungsfrage und Hypothesen ... 45
Seite
6.3 Anlage der Untersuchung. ... 46
6.3.1 Untersuchungsgegenstand ... 46
6.3.2 Untersuchungszeitraum ... 47
6.3.3 Auswahlmethode und Stichprobenziehung ... 48
6.4 Codebuch ... 49
6.4.1 Formale Kategorien ... 50
6.4.2 Inhaltliche Kategorien ... 51
6.5 Reliabilität ... 54
7. Auswertung der Berichterstattung ... 55
7.1 Formal-stilistische Merkmale ... 56
7.1.1 Platzierung ... 56
7.1.2 Journalistische Stilformen ... 57
7.1.3 Quellennennung ... 59
7.1.4 Artikelgröße ... 60
7.1.5 Zwischenfazit ... 61
7.2 Inhaltliche Merkmale ... 62
7.2.1 Themennennungen ... 62
7.2.2 Thematische und episodische Frames ... 68
7.2.3. Rechtsextreme ideologische Elemente in der Berichterstattung ... 69
7.2.4 Valenz ... 71
7.2.5 Emotionalisierung und Skandalisierung ... 73
7.2.6 Zwischenfazit ... 75
7.3 Rechtsextreme Akteure ... 76
7.3.1 Rechtsextreme Personen ... 77
7.3.2 Rechtsextreme Parteien ... 78
7.3.3 Allgemeine Bezeichnung für rechtsextreme Akteure ... 79
7.3.4 Zwischenfazit ... 81
7.4 Darstellung rechtsextremer Akteure ... 82
7.4.1 Zitierung rechtsextremer Akteure ... 82
7.4.2 Moralische und juristische Anschuldigungen ... 83
7.4.3 Negative sprachliche Bilder ... 85
7.4.4 Zwischenfazit ... 87
7.5 Fazit ... 88
8. Zusammenfassung und Diskussion ... 89
Anhang
Seite
Stichtagplan ...I
Codebuch ...VI
Literaturverzeichnis... XXVIII
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Seite
Abbildung 1: Hufeisenschema nach Backes ... 4
Abbildung 2: Extremismus-Modell nach Stöss ... 5
Abbildung 3: Der Framing-Prozess ... 26
Abbildung 4: Formale und inhaltliche Merkmale von Medien-Frames ... 33
Abbildung 5: Platzierung in Tageszeitungen ... 34
Abbildung 6: Gesamtberichterstattung im Zeitverlauf ... 56
Abbildung 7: Journalistische Stilformen ... 58
Abbildung 8: Themennennung in der Gesamtberichterstattung ... 63
Abbildung 9: Themen im Zeitverlauf (politisch) ... 65
Abbildung 10: Themen im Zeitverlauf (strafrechtlich) ... 65
Abbildung 11: Themen in der Sächsischen Zeitung ... 66
Abbildung 12: Themen in den Dresdner Neuesten Nachrichten ... 66
Abbildung 13: Themen in BILD Dresden ... 67
Abbildung 14: Themen in Dresdner Morgenpost ... 67
Abbildung 15: Nennung rechtsextremer ideologischer Standpunkte ... 70
Abbildung 16: Valenz der Gesamtberichterstattung im Zeitverlauf (Prozent) ... 73
Abbildung 17: Nennung rechtsextremer Akteure ... 77
Abbildung 18: Rechtsextreme Parteien und Themennennungen ... 78
TABELLENVERZEICHNIS
Seite
Tabelle 1: Darstellungsformate nach Tageszeitung ... 36
Tabelle 2: Themen der Berichterstattung ... 38
Tabelle 3: Berichtsschwerpunkte der Beiträge ... 40
Tabelle 4: Themen in den Tageszeitungen Mecklenburg-Vorpommerns ... 41
Tabelle 5: Nennung ideologischer Elemente des Rechtsextremismus ... 41
Tabelle 6: Zitierung rechtsextremer Akteure ... 42
Tabelle 7: Rechtsextreme Akteure und stigmatisierende Bezüge ... 43
Tabelle 8: Stichprobenverteilung ... 55
Tabelle 9: Platzierung nach Tageszeitung ... 57
Tabelle 10: Journalistische Stilformen nach Tageszeitung ... 59
Tabelle 11: Quellennennungen nach Tageszeitung ... 60
Tabelle 12: Artikelgröße und Medium ... 61
Tabelle 13: Unterschieden in den Themen nach Tageszeitung ... 68
Tabelle 14: Thematische und episodische Frames ... 68
Tabelle 15: Duncan-Test: Variable ,,Frame" ... 69
Tabelle 16: Duncan-Test: Variable ,,Valenz" ... 72
Tabelle 17: Emotionalisierung und Skandalisierung ... 74
Tabelle 18: Unterschiede in der Skandalisierung nach Tageszeitung ... 75
Tabelle 19: Nennung rechtsextremer Personen ... 77
Tabelle 20: Nennung rechtsextremer Parteien ... 78
Tabelle 21: Parteien und Valenz der Berichterstattung ... 79
Tabelle 22: Bezeichnung für rechtsextreme Akteure ... 80
Tabelle 23: Akteursnennung in den Tageszeitungen ... 80
Tabelle 24: Unterschiede in der Akteursnennungen nach Tageszeitung ... 81
Tabelle 25: Zitierung rechtsextremer Akteure ... 82
Tabelle 26: Zitierung nicht rechtsextremer Akteure ... 83
Tabelle 27: Moralische und juristische Anschuldigungen ... 83
Tabelle 28: Unterschiede in den moralische Anschuldigungen ... 84
Tabelle 29: Unterschiede in den juristischen Anschuldigungen ... 84
Tabelle 30: Negative sprachliche Bilder ... 85
Tabelle 31: Unterschiede bei negativen sprachlichen Bildern ... 85
Tabelle 32: Negative sprachliche Bilder nach Tageszeitung ... 86
Tabelle 33: Negative sprachliche Bilder und Stilform ... 87
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
AN
Autonome Nationalisten
Antifa
Akronym des Wortes Antifaschismus
BILD
Bild-Zeitung
BKA
Bundeskriminalamt
BRD
Bundesrepublik Deutschland
Bsp.
Beispiel
bspw.
beispielsweise
bzw.
beziehungsweise
DNN
Dresdner Neueste Nachrichten
DVU
Deutsche Volksunion
ebd.
ebenda
FAZ
Frankfurter Allgemeine Zeitung
FDGO
Freiheitlich Demokratische Grundordnung
GG
Grundgesetz
ICR
Intercoder-Reliabilitäts-Koeffizient
JN
Junge Nationaldemokraten
MoPo
Dresdner Morgenpost
NPD
Nationaldemokratische Partei Deutschlands
NS
Nationalsozialismus
REP
Die Republikaner
SäZ
Sächsische Zeitung
SZ
Süddeutsche Zeitung
taz
die Tageszeitung
u.a.
unter anderem
vgl.
vergleiche
z.B.
zum Beispiel
1
1.
E
INLEITUNG
Es ist der 14. Februar 2009 - der Gedenktag der Bombardierung Dresdens - das
alljährliche Aufeinandertreffen der Rechtsextremen und derer, die sich gegen
Rechtsextremismus engagieren. Jede Seite will für sich die Deutungshoheit über den
Gedenktag proklamieren. Jährlich demonstrieren tausende Rechtsextreme in den
Straßen Dresdens und propagieren ihre antidemokratischen Ansichten. Darunter sind
aber nicht nur Anhänger und Mitglieder rechtsextremer Parteien wie der NPD, auch
andere rechtsextreme Organisationen, wie zum Beispiel Kameradschaften, sind durch
die mitgeführten Transparente erkennbar. Viele davon kommen aus Sachsen. Die
sächsische rechtsextreme Szene ist nach Berichten des Landesamtes für
Verfassungsschutz Sachsen (2007, 11) bereits gefestigt und kann auf eine große Zahl an
Unterstützern zurückgreifen. Einige rechtsextreme Kameradschaften wie die Skinheads
Sächsische Schweiz oder Sturm 34 wurden bereits aufgelöst. Doch Gerichtsverfahren gegen
ehemalige Mitglieder zeigen, dass sie auch nach den Vereinsverboten noch immer aktiv
in der rechtsextremen Szene agieren.
Der Wahlerfolg der rechtsextremen NPD im Jahre 2004 in Sachsen schockierte nicht
nur Politiker. Das als unmöglich Geglaubte - der Einzug Rechtsextremer in das
Sächsische Landesparlament - ist geschehen. Die Presseberichterstattung reagierte
darauf mit einem ,,Blätterrauschen". War dies ein ,,mediales Strohfeuer" oder wird
kontinuierlich über Rechtsextreme berichtet? Wie erfolgt die Berichterstattung in den
vier Dresdner Tageszeitungen? Welche rechtsextremen Akteure werden genannt? In
welchen Deutungsrahmen wird über sie berichtet? Gibt es Unterschiede zwischen den
untersuchten Tageszeitungen? Diese Fragen beantwortet die vorliegende Studie.
Eine Fokussierung auf die Berichterstattung über die NPD gibt die Heterogenität der
rechtsextremen Szene nicht wieder und würde das zu untersuchende Feld zu stark
einengen. Die kommunikationswissenschaftliche Forschung weist bereits einige
Ergebnisse über die Berichterstattung in überregionalen Tageszeitungen aus, jedoch
wurden Rechtsextreme im Allgemeinen oder nur rechtsextreme Parteien untersucht.
Für die regionale beziehungsweise lokale Presse besteht hinsichtlich der
Berichterstattung über Rechtsextremisten ebenso noch Forschungsbedarf. Diese Lücke
soll durch die vorliegende Arbeit geschlossen werden. Untersuchungsgegenstand ist die
gesamte Berichterstattung über rechtsextreme Akteure in den Dresdner Tageszeitungen.
2
Dies sind die Sächsische Zeitung, die Dresdner Neueste Nachrichten, die BILD Dresden sowie
die Dresdner Morgenpost.
Zunächst werden Merkmale des Rechtsextremismus selbst und ihn definierende
ideologische Elemente vorgestellt. Dem folgt die Beschreibung der rechtsextremen
Szene anhand von Parteien und Kameradschaften. Inwieweit ein komplexes Bild in der
Berichterstattung enthalten ist, analysiert die vorliegende Inhaltsanalyse. Als theoretische
Basis sowie Auswertungsrahmen dient das Framing-Konzept, durch welches die
Perspektiven und Deutungsmuster in der Berichterstattung interpretiert werden können.
3
2.
R
ECHTSEXTREMISMUS
In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen und Merkmale des
Rechtsextremismus aufgeführt, um anhand von Herleitungen und Vergleichen
charakteristische Merkmale herauszustellen um die Vielschichtigkeit des Phänomens
Rechtsextremismus näher zu erläutern.
Eine einheitliche oder verbindliche Definition des Extremismus gibt es nicht, da
abhängig von der jeweiligen individuellen Position, das Prädikat ,,extrem" mit dem
,,Gegenpol der eigenen Wertvorstellung" (Kailitz 2004, 15) verbunden wird. Der Begriff des
Extremismus ist keine neuzeitliche Wortschöpfung. Schon in der Antike wurden mit
ihm ,,Abgründe menschlichen Verhaltens und die Exzesse der Machtausübung" (Backes 2003, 32)
1
verurteilt. Backes & Jesse (1995) subsumieren unter diesem Begriff verschiedene
politische Ideologien und Gesinnungen, die den demokratischen Verfassungsstaat und
dessen Werte und Regeln ablehnen. Dem folgend lassen sich unter Extremismus jene
Positionen fassen, die den demokratischen Werten, Verfahren und Institutionen
feindlich gesinnt gegenüber stehen, als ein ,,Sammelsurium von Negationen" (Backes 2003,
43)
2
.
Zeitweilig war der Begriff des ,,Extremismus der Mitte" en vogue. Auf den ersten Blick ist
dies paradox, da sich eine Mitte stets zwischen den Extremen befindet und meist als
mäßigendes Element und ,,Gegenpol zu extremen Bestrebungen" (Kailitz 2004, 24) fungiert.
Lipset (1959), auf den diese Formulierung zurückgeht
3
, bezog dies auf die tragenden
sozialen Schichten extremer Bewegungen. Demnach soll in jeder Schicht eine gemäßigte
sowie extreme ideologische Ausrichtung anzutreffen sein.
Die
grundlegende
Gegenüberstellung
von
Demokratie
und
Extremismus
veranschaulicht Backes (1989, 252) mittels eines Hufeisen- Schemas (siehe Abbildung
1). Demnach sind seiner Ansicht nach die politisch extremistischen Ausrichtungen von
links und rechts zwar benachbart, haben aber dennoch keinerlei Kontakt miteinander.
In diesem Modell sind die Übergänge zwischen gemäßigt und extremistisch in der
1
Backes (2003) stellt umfassend die Herausbildung und Entwicklung des Begriffs Extremismus dar. Für
weiterführende Bemerkungen wird auf ihn verwiesen.
2
Zu der Funktion von Feindbildern im politischen Extremismus siehe u.a. Jesse (2006).
3
Im Original als ,,extremism of the center". Zur Verbreitung rechtsextremer Einstellungen in der BRD siehe
u.a. Decker & Brähler (2006). Zur Begriffskritik in Backes & Jesse (1995). Zur Überschneidung von
Rechtskonservatismus uns Rechtsextremismus bei der Neuen Rechten in Heni (2006).
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